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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2017

Berührend

Der gefährlichste Ort der Welt
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Im 8. Schuljahr wird Tristan Bloch bloßgestellt und gedemütigt, er radelt zu Golden Gate Bridge und stürzt sich in den Tod. Mehrere seiner Mitschüler, die in das Geschehen verstrickt waren, trifft der ...

Im 8. Schuljahr wird Tristan Bloch bloßgestellt und gedemütigt, er radelt zu Golden Gate Bridge und stürzt sich in den Tod. Mehrere seiner Mitschüler, die in das Geschehen verstrickt waren, trifft der Leser ein paar Jahre später wieder, mittlerweile auf der Highschool, manche Leben haben sich verändert, andere werden sich noch verändern …

Gut gelungen ist bereits der Einstieg in den Roman, dort lernt man Tristan selbst kennen, er schreibt im Rahmen eines Sozialkundeprojektes über seine Heimatstadt, Mill Valley, und kommt dem Leser dabei sehr nahe – sein Tod wird auch den Leser mitnehmen.

Lindsey Lee Johnsons Charaktere kommen aus gut situierten Elternhäusern, sie haben genug Geld, viele ihrer Wünsche werden erfüllt, aber auch sie sind nicht ohne Probleme, Probleme mit der Schule, Probleme mit den Eltern, Selbstwertprobleme, Drogenprobleme … Jedes Kapitel nach dem Tod Tristans, ist einem seiner Mitschüler gewidmet und aus deren Perspektive geschrieben, wenn auch in der dritten Person. Auf diese Art lernt man die jungen Menschen gut kennen, man blickt regelrecht in sie, erfährt ihre Träume und Ängste, erlebt ihre Gedanken und Emotionen und auch ihre Erinnerungen an Tristan. Die einzelnen Teile greifen ineinander, denn sie sind alle wieder auf einer Schule gelandet, kennen und treffen sich, und interagieren miteinander, schließlich sind sie bei einer Party wieder alle versammelt.

Die Geschichte strebt nach und nach einem Höhepunkt zu, den man so nicht unbedingt erwartet hat, der sich aber logisch entwickelt. Dabei ist es der Autorin gelungen, die einzelnen Perspektiven miteinander zu verzahnen, manche Szenen wiederholen sich, erhalten aber durch die andere Perspektive eine interessante Erweiterung. Gelungen auch das relativ offene Ende, ich würde gerne wissen, wie sich die Leben der Protagonisten weiter entwickeln, das bleibt jedoch meiner Phantasie überlassen – genauso wie die Frage, was nun der gefährlichste Ort der Welt ist .

Ich mag Romane, bei denen ich die Charaktere so tiefgehend erleben kann, wie hier, für mich ist das sehr spannend und interessant, gerade auch, weil es Jugendliche sind, die sich noch entwickeln. Es bringt mich zum Nachdenken und berührt mich emotional.

Das Debüt der Autorin ist absolut gelungen, ich wünsche dem Roman viele Leser und vergebe gerne volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.09.2017

Humor, schräge Charaktere und ein Vogel - ich wurde sehr gut unterhalten!

Gray
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Elliot, Student und zukünftiger Lord Fairbanks, liebt es über die Dächer Cambridges zu klettern. Eines Tages liegt er tot vor der King's College Chapel, vom Turm gestürzt. Elliots Graupapagei Gray landet ...

Elliot, Student und zukünftiger Lord Fairbanks, liebt es über die Dächer Cambridges zu klettern. Eines Tages liegt er tot vor der King's College Chapel, vom Turm gestürzt. Elliots Graupapagei Gray landet bei Dr. Augustus Huff, Fellow und Elliots Tutor, der bald daran zweifelt, dass Elliots Sturz ein Unfall war.

Leonie Swann hat einen neuen Tierkrimi geschrieben, wobei dieses Mal, anders als bei den Schafen, der Papagei nicht selbst ermittelt, Ermittler ist ganz allein Augustus Huff, auch die Polizei sucht man hier vergebens, Gray, ein sehr intelligenter und gut trainierter Papagei, kann aber Denkanstöße geben, und sorgt überhaupt erst einmal dafür, dass Huff ans Ermitteln kommt.

Augustus Huff ist ein recht eigenwilliger Protagonist, denn er hat so seine Probleme, er leidet unter Zwangsstörungen, und so ist es für ihn zunächst gar nicht so einfach, mit Gray, der allerhand Durcheinander mit sich bringt, klar zu kommen. Das legt sich aber nach und nach, und es ist schön mit anzusehen, wie er den Papagei immer mehr in sein Herz schließt. Ich hatte einige Probleme mir Huff bildlich vorzustellen, mir drängte sich schnell das Bild eines älteren, schrulligen und zerstreuten Professors auf (dabei ist Huff noch gar kein Professor), obwohl er eigentlich noch ziemlich jung und offenbar recht gut aussehend ist, denn nicht nur Gray trägt dazu bei, dass Huff ein Frauenschwarm zu sein scheint. Huffs Gedankengänge machten es mir oft einfach schwer, ihn mir wie beschrieben vorzustellen.

Das ist aber nicht weiter schlimm, er ist halt recht skurril, und da ist das Alter zweitrangig. Dafür hatte ich bei allen anderen Charakteren ein lebhaftes und bestimmt viel zutreffenderes Bild vor Augen. Gut gelungen sind sie der Autorin allesamt – auch der Papagei. Meist „sieht“ man die Charaktere aus Huffs Sicht, also schon subjektiv gefärbt, aber vielleicht gerade deswegen gut getroffen.

Bildhaft geht es oft zu in diesem Roman, und viele Szenen bringen den Leser zum Schmunzeln, wenn Huff z. B. die Kekse vor Gray versteckt, nicht ohne sich vorher noch einen in den Mund zu stopfen, und Gray dann den hektisch kauenden Mann anschaut.

Huffs Ermittlungen sind nicht immer zielführend, aber unterhaltsam, am Ende wird der Fall natürlich trotzdem aufgelöst, und zwar zufriedenstellend, und in Huffs und Grays Leben gibt es ein paar Veränderungen. Ich habe den Roman zufrieden zugeschlagen.

Ich fühlte mich sehr gut unterhalten von diesem humorvollen Roman voller mehr oder weniger schräger Charaktere, und bin schon gespannt, mit welchem Roman uns die Autorin als nächstes überrascht. Von mir gibt es volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Übrigens bietet der Roman auch neben dem Lesen ein bisschen Unterhaltung, denn es gibt ein Daumenkino, dessen Bildchen mich auch beim Umblättern erfreuen konnten.

Veröffentlicht am 17.09.2017

Bildhaft und mit viel Phantasie

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherstadt
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Sam möchte kein Dieb mehr sein, lieber wäre er Wächter im Palast des Weißen Königs von Mythia. Und tatsächlich schafft er es in die Wache, allerdings soll er Paramythia bewachen, die Bücherstadt unter ...

Sam möchte kein Dieb mehr sein, lieber wäre er Wächter im Palast des Weißen Königs von Mythia. Und tatsächlich schafft er es in die Wache, allerdings soll er Paramythia bewachen, die Bücherstadt unter der Stadt. Niemals hätte er gedacht, dass dieser Job gefährlich sein kann …

Endlich ist der erste Band der neuen Trilogie des Autors erschienen, auf den ich mich schon sehr gefreut hatte. Dieses Mal geht die Reise in das fiktive Land Mythia. Allzu viel erfährt man noch nicht über dieses Land und seine Bewohner, es mutet leicht orientalisch, aber nicht allzu modern an, wird monarchisch regiert, und es scheint eine gewisse Form von Magie zu geben.

Sam, eigentlich Samir, ist mir gleich sympathisch gewesen, so dass ich in gerne begleite. Die weiteren Charaktere sind noch nicht alle gänzlich einzuordnen, da gibt es z. B. Sabah, die Beraterin des Königs, die ganz sicher mehr als ein Geheimnis hat, Kani, eine junge Dienstmagd, deren Vater Hakim Gelehrter in der Universität ist, Assasil, der Herr der Wache, der immer eine Maske trägt, oder die bunte Schar der Diebesgilde. Nicht jeder, mit dem Sam hier zu tun bekommt, ist menschlich.

Die nicht-menschlichen Wesen sind dieses Mal nicht den Geschichten aus 1001 Nacht entlehnt, erinnern zwar teilweise an bekannte Mythen und Legenden, sind aber wohl Neuerfindungen des Autors. So kann man gespannt sein, mit was Sam und der Leser es noch zu tun bekommen wird, und welche Rätsel und Lösungen noch darauf warten, entdeckt zu werden. Wie in der Flammenwüste-Trilogie gibt es auch hier wieder Geschichten in der Geschichte, die für das Geschehen nicht unwichtig sind, und die man gerne liest.

Für mich ist Akram El-Bahay ein begnadeter Geschichtenerzähler, und das zeigt er auch hier wieder, er spinnt eine Geschichte, die relativ harmlos beginnt, aber Sam, und mit ihm den Leser, nach und nach immer tiefer in eine Geschichte verstrickt, deren Ende noch lange nicht in Sicht ist, und die mit einigen Überraschungen aufwartet. Der Autor erzählt sehr bildhaft und voller Phantasie, die Geschichte ist spannend, man mag sie kaum aus der Hand legen, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Am Ende sind ein paar Fragen beantwortet, aber längst nicht alle, so dass man sehnsüchtig auf die Fortsetzung wartet.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, ich mag einfach den märchenhaften Stil der Romane des Autors und freue mich schon sehr auf die Folgebände. Von mir gibt es volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für alle Fantasy-Fans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Originalität
  • Handlung
Veröffentlicht am 15.09.2017

Wie immer spannend und interessant

Sieh nichts Böses (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 8)
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Inge Löhnig widmet ihren 8. Dühnfort-Roman dem Thema Familie. Nicht nur die Tote, die während einer Polizeihund-Prüfung gefunden wird, auch viele der weiteren Charaktere stammen aus Familien, die man nicht ...

Inge Löhnig widmet ihren 8. Dühnfort-Roman dem Thema Familie. Nicht nur die Tote, die während einer Polizeihund-Prüfung gefunden wird, auch viele der weiteren Charaktere stammen aus Familien, die man nicht gerade harmonisch nennen kann. Und auch Dühnfort und Gina, die gerade aus ihren Flitterwochen zurückgekehrt sind, und sich nun auf ihr Baby freuen, haben Probleme: Ginas Schwangerschaft ist nicht so glücklich, wie man es ihr und Dühnfort wünschen würde.

Ich mag die Reihe sehr gerne und habe alle Romane gelesen, mir gefällt vor allem, dass auch das Privatleben des Protagonisten eine relativ große Rolle spielt. Auch Gina kennt man von Anfang an, in einem Roman durfte sie sogar selbst die Hauptrolle übernehmen Man hat als Leser seine ganz eigenen Emotionen den beiden gegenüber. Und als sie, und damit der Leser, nun erfahren, dass es Probleme mit dem Baby geben wird, möchte man am liebsten in den Roman hüpfen und den beiden zur Seite stehen.

Der Autorin gelingt es, dass man auch für die anderen Charaktere Emotionen entwickelt, nicht alle sind positiv, manche wandeln sich, man entwickelt Verständnis, Unglauben und andere Gefühle. Dass das sogar bei Nebenrollen, wie der Hundeführerin Doro Gutsch der Fall ist, zeigt das Können der Autorin. Dadurch entsteht auch Spannung, ich fühlte mich von der ersten Seite an gepackt und konnte den Roman kaum aus der Hand legen.

Mir gefällt, wie der Leser nach und nach verschiedene Charaktere kennenlernt, ohne zunächst zu wissen, wie diese zusammenhängen. Man macht sich so seine Gedanken, aber erst nach und nach erfährt man, wie einzelne Personen und Szenen in Verbindung stehen.

Der Kriminalfall selbst ist interessant und lädt schnell zum Mitraten ein. Die Autorin bietet dem Leser mehrere Fährten, und wer mitdenkt, kann den Fall noch vor den Ermittlern lösen – mir ist das gelungen – ohne, dass es langweilig wird, im Gegenteil, ganz sicher kann man sich ja sowieso erst sein, wenn tatsächlich aufgelöst wird. Die Auflösung ist gelungen, besonders gut gefällt mir, dass es am Ende noch ein kurzes „Was-danach-geschah“ gibt, dass noch einmal diverse Emotionen hervorruft.

„Seine Familie kann man sich nicht aussuchen“, ein wahres Wort, wie man hier einmal mehr sieht. Umso schöner, dass es trotzdem auch versöhnliche Momente gibt, die sind, wie ich meine, auch nötig. Gut gelungen ist auch das Einbeziehen der Affenfiguren (Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen …), wenn da wohl auch stellenweise etwas durcheinander geraten zu sein scheint.

Ich habe den Roman wieder sehr gerne gelesen und freue mich schon auf den nächsten der Reihe, einen hoffentlich spannenden Fall und weitere Einblicke in Dühnforts Privatleben. Dühnfort Fans werden sowieso wieder zugreifen, allen anderen empfehle ich, die Reihe mit Band 1 zu starten.

Veröffentlicht am 28.08.2017

Ein Lesegenuss

Und Marx stand still in Darwins Garten
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England 1881: Dr. Beckett hat zwei berühmte Patienten: Karl Marx, der in London im Exil lebt, und Charles Darwin, der ganz in der Nähe seinen Landsitz hat.

Während Marx und Darwin bis heute jeder kennt, ...

England 1881: Dr. Beckett hat zwei berühmte Patienten: Karl Marx, der in London im Exil lebt, und Charles Darwin, der ganz in der Nähe seinen Landsitz hat.

Während Marx und Darwin bis heute jeder kennt, ist der Arzt ein fiktiver Charakter, der aber, wohl erdacht, die Geschichte zusammen hält. Er ist der Autorin wirklich gut gelungen, angenehm und sympathisch, was man von den beiden bekannten Persönlichkeiten nicht so ohne weiteres sagen kann, beide sind 1881 alt und krank und manchmal ziemlich grantig. Und auch sie hat die Autorin wunderbar dargestellt, man meint mit beiden zusammen in Darwins Garten zu stehen – wobei diese Szene recht kurz ist und auch erst gegen Ende stattfindet (und dennoch einen gelungenen Titel abgibt!).

Es schadet nicht, wenn man nicht nur die Namen Marx und Darwin gehört hat, sondern auch ihre Werke zumindest im Groben kennt, denn diese sind für den Roman wichtig und ihr Kennen erhöht den Genuss.

Denn ein Genuss ist es, diesen Roman zu lesen! Ilona Jerger erzählt bildhaft, einfühlsam und liebevoll, nicht nur von Marx und Darwin sondern auch von ihrem Umfeld, Darwins Hündin Polly nimmt dabei einen ganz besonderen Part ein. Nebenbei erfährt man viel über die letzte Lebenszeit der beiden Männer und wird ein bisschen zum Nachdenken gebracht. Gut gefällt mir auch, dass der Roman sprachlich der Zeit angepasst ist, wodurch der Leser noch mehr in die damalige Zeit versetzt wird. Der Roman ist sehr angenehm zu lesen, vor allem die Dialoge gefallen mir gut.

Tatsächlich haben Marx und Darwin sich nie persönlich getroffen, aber so, wie die Autorin es darstellt, hätte es sein können. Besonders gefallen hat mir der feine Humor, der den ganzen Roman durchzieht. Bereits der erste Satz gibt einen guten Eindruck, was den Leser erwartet und hat mich das erste Mal schmunzeln lassen. Aufmerksames Lesen und Mitdenken ist allerdings trotzdem erforderlich.

Dieser Roman ist ein ganz besonderer und man sollte das Lesen genießen. Von mir gibt es volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.