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Veröffentlicht am 25.10.2023

Spannender Auftaktband eines Science Fiction-Mehrteilers um Künstliche Intelligenz und die Grenzen, die der Mensch ihr setzen kann

Findungstag (Evergreen Ray Band1)
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Die 18jährige Evergreen Ray lebt in Wien, eine Stadt, die am Ende unseres Jahrhunderts sehr grün, modern und menschenfreundlich erscheint, umkonfiguriert durch die zuständige Concordia-KI. Es gibt kleine ...

Die 18jährige Evergreen Ray lebt in Wien, eine Stadt, die am Ende unseres Jahrhunderts sehr grün, modern und menschenfreundlich erscheint, umkonfiguriert durch die zuständige Concordia-KI. Es gibt kleine Wälder in der Stadt, alles Notwendige ist innerhalb von Minuten erreichbar, jede Wohneinheit verfügt über persönliche KI-Roboter, die das Leben leichter machen. Die Menschen werden permanent von Concordia versorgt und überwacht und fast alle sind zufrieden.

Eve will Musikerin werden, aber die Pläne der KI sehen am 'Findungstag' eine ganz andere berufliche Zukunft für die junge Frau vor. Eve ist schockiert und entzieht sich, sie nimmt eine andere Identität an und ich lerne sie als Anna Berger kennen. Annas Tagesablauf ist nicht unbeschwert, denn sie achtet darauf, jederzeit 'unter dem Radar' der Überwachung zu bleiben. Da sie aus der Ich-Perspektive erzählt, teile ich ihre Gedanken und Gefühle und fühle mich ihr schnell sehr nah. Evergreen ist selbstironisch, dadurch gibt es auch humorvolle Momente, obwohl sie mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert ist. Erst rückblickend erzählt sie von ihrem Findungstag, der für sie das Ende ihres bisherigen Lebens bedeutete. Eve ist einfallsreich, entscheidungsfreudig und mutig und es macht Spaß, mit ihr im faszinierenden Wien einer möglichen Zukunft unterwegs zu sein.

Je mehr über die technische Möglichkeiten erzählt wird, desto spannender wird die Geschichte. Denn nicht nur Eve ist in Gefahr, sondern vielleicht die ganze Menschheit.
Caroline Hofstätters Schreibstil ist angenehm zu lesen, lebendig und bildhaft, alle ihre Figuren sind authentisch und selbst die verschiedenen KIs erscheinen glaubhaft. Gekonnt bindet die Autorin vielfältige technologische Innovationen im Wien des Jahres 2095 in die spannende Geschichte ein, die ausgehend von heutigen Stand der Technik durchaus vorstellbar sind.
Der Roman um Evergreen Ray und die Frage nach der Beherrschbarkeit von hochentwickelter KI ist packend und überzeugend und hat mich bestens unterhalten. Ich freue mich auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 20.10.2023

Spannend von Anfang bis Ende

Pietà - Steinerner Tod
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Der Fund einer blutüberströmten Skulptur unter dem Brandenburger Tor sorgt dafür, dass der herzkranke Hauptkommissar Magnus Böhm aus dem Ruhestand geholt wird, denn er war vor 14 Jahren bereits mit einer ...

Der Fund einer blutüberströmten Skulptur unter dem Brandenburger Tor sorgt dafür, dass der herzkranke Hauptkommissar Magnus Böhm aus dem Ruhestand geholt wird, denn er war vor 14 Jahren bereits mit einer solchen Skulptur aus Menschenkörpern konfrontiert. Zusammen mit der jungen, noch unerfahrenen Kommissarin Annetta Niedlich nimmt Böhm die Ermittlungen auf.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, die bei mir ganz unterschiedliche Gefühle auslösen. Von Anfang an bin ich gefesselt, als ich die Gedanken der überlebenden Frau teile, ihr Entsetzen, der Schock und die Erschöpfung, ich bin amüsiert, als Böhm eingeführt wird und nehme neugierig und widerstrebend auch die Täterperspektive ein, so abstoßend wie faszinierend.
Die Figurenzeichnung ist auch auf psychologischer Ebene bei Protagonisten und bei Nebencharakteren gut ausgearbeitet und glaubhaft, wozu ein der jeweiligen Figur angepasster Sprachstil beiträgt. Emotionen sind immer greifbar und Vorgehensweisen nachvollziehbar und spannend zu verfolgen. Atmosphärisch wird Berliner Lokalkolorit vermittelt, Örtlichkeiten werden anschaulich beschrieben, auch der Schneefall, der das Vorankommen so erschwert und die Kälte tragen zur Stimmung bei. Sehr gefallen hat mir auch das offensichtliche Kunstverständnis der Autoren, was der Geschichte Tiefe verleiht.

Alex Thomas' Schreibstil ist bildhaft und lebendig, angenehm zu lesen und gleichzeitig packend und auch humorvoll, etwa wenn die Zusammenarbeit von Böhm und Niedlich beschrieben wird oder Böhm sich kurz Zeit für sein Zuhause nehmen muss. Kommissarin Niedlichs Privatleben bleibt in diesem ersten Band noch außen vor, aber sie beweist feine Antennen im Umgang mit ihrem älteren Kollegen, die Beiden ergänzen sich und bilden ein gutes Ermittlerteam. 'Pietà – Steinerner Tod' hat mich bestens unterhalten und ich freue mich auf einen zweiten Band mit den Kommissaren Böhm und Niedlich.

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Veröffentlicht am 17.10.2023

Sehr gelungener spannender Regionalkrimi zum Miträtseln

Elbschatz
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Eine Reisegruppe aus Düsseldorf auf dem Weg nach Sylt strandet wegen ihres defekten Busses in Kophusen. Am Unfallort fällt Kommissar Philip Goldberg ein weißer Kastenwagen auf, der danach von den Ermittlern ...

Eine Reisegruppe aus Düsseldorf auf dem Weg nach Sylt strandet wegen ihres defekten Busses in Kophusen. Am Unfallort fällt Kommissar Philip Goldberg ein weißer Kastenwagen auf, der danach von den Ermittlern noch öfter gesehen wird, als sie Geocache-Verstecke untersuchen, denn in einem solchen Cache wurde eine Leiche gefunden. Hat die Reisegruppe mit all dem zu tun?

Von Beginn an gibt es in diesem spannenden Krimi viele Fragen und das Mitraten macht sehr viel Spaß. Ist ein Rätsel geklärt, taucht schnell ein neues auf und erst ganz allmählich lassen sich Zusammenhänge erkennen.
Nicht nur die spannende Handlung überzeugt, sondern auch die Figurenzeichnung. Neben dem sympathischen, sich gut ergänzenden Ermittlertrio gibt es weitere interessante, mitunter skurrile Charaktere in der Geschichte. Das Setting im zwar fiktiven, aber realitätsnahen Kophusen erscheint authentisch, die Erwähnung realer Orte und Gegebenheiten im Kreis Steinburg sorgt für Schleswig-Holsteinisches Lokalkolorit.
Die zwischen Philip Goldberg, Peter Brandt und Hauke Thomsen kollegial aufgeteilte Ermittlungsarbeit wird glaubhaft beschrieben, ebenso wie die Freundschaft zwischen den drei Männern und die kurzen Einblicke in ihr Privatleben. Mir hat es auch Spaß gemacht, mehr über Geocaching zu erfahren.

Nicole Wollschlaegers Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sie schreibt augenzwinkernd und ist ihren Figuren sehr zugewandt.
Dieser achte Band um Philip Goldberg war für mich das erste Buch der Reihe. Ich hatte keine Verständnisprobleme, obwohl es Andeutungen früherer Ereignisse gibt, die mich aber eher neugierig auf die Vorgängerbände machen als dass sie mich störten.
Das Cover passt perfekt zur Geschichte und ist mal was anderes, mir gefällt es sehr. 'Elbschatz' hat mich sehr gut unterhalten und ich freue mich auf andere Bücher dieser Krimi-Reihe.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Gelungene Fortsetzung der Polarkreis-Krimireihe

Tief im Schatten
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Auch der zweite Fall für Hanna Ahlander spielt im winterlichen Åre mit seinen eisigen Temperaturen und beschwerlichem Schneefall. Der letzte kräftezehrende Fall liegt erst zwei Monate zurück und Hanna ...

Auch der zweite Fall für Hanna Ahlander spielt im winterlichen Åre mit seinen eisigen Temperaturen und beschwerlichem Schneefall. Der letzte kräftezehrende Fall liegt erst zwei Monate zurück und Hanna hat sich kaum davon erholt, als der allseits beliebte Johan Lars Andersson aus einem benachbarten Ort brutal erschlagen im Gebüsch an einer Straße gefunden wird.
In einem zweiten, zeitlich früher beginnenden Handlungsstrang wird aus dem Leben der jungen Rebecka erzählt, die zu einer freikirchlichen sehr konservativen Glaubensgemeinschaft gehört.
Viveca Stens Figurenzeichnung ist authentisch, die Charaktere sind lebensnah, Menschen wie du und ich, mit Sorgen, Problemen, Ecken und Kanten. Glaubhaft wird auch der Konflikt zwischen Beruf und Privatleben der Ermittler dargestellt. In Rückblicken werden vergangene Ereignisse angesprochen, so dass das Buch auch ohne Kenntnis des ersten Bandes gut lesbar ist. Mehr Spaß macht es zweifellos, die Entwicklung der Protagonisten mitzuerleben. Die Ermittlungsarbeit der Polizisten wird realistisch geschildert, wobei durch die atmosphärische Beschreibung von Natur und Wetter immer auch die Bedrohung durch die Kälte spürbar ist. Das gelungene Cover vermittelt ebenfalls diese winterliche Gefahr.
Viveca Sten schreibt lebendig und packend, verschiedene Erzählperspektiven, auch die von Angehörigen sowohl des Toten als auch der Ermittler, tragen zur Komplexität der durchgehend spannenden und durch Wendungen überraschenden Geschichte bei.
Neben dem Krimifall thematisiert die Autorin auch aktuelle gesellschaftliche Probleme, für die Hanna Ahlander durch ihre frühere Arbeit in Stockholm besonders sensibilisiert ist.
Mir hat nach 'Kalt und still' auch dieser zweite Band um Hanna und ihre Kollegen sehr gut gefallen und ich kann das Buch Krimilesern uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 03.08.2023

Spannend, komplex und sehr unterhaltsam

Der Skandal
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Der charismatische Unternehmer Dan Light produziert in seiner Firma Light Foods sehr erfolgreich Laborfleisch, für das kein Tier sterben muss. Doch der weltweite Ausbruch einer tödlichen Krankheit wirft ...

Der charismatische Unternehmer Dan Light produziert in seiner Firma Light Foods sehr erfolgreich Laborfleisch, für das kein Tier sterben muss. Doch der weltweite Ausbruch einer tödlichen Krankheit wirft einen Verdacht auf die Firma. Die Suche nach der Wahrheit wird für Dan Light und eine kleine Gruppe von Umweltaktivisten lebensgefährlich.

Mit spürbarer Freude am Erzählen entwickeln die Brüder Tom und Stephan Orgel einen packenden und komplexen Near-Future-Wissenschaftsthriller. Die wendungsreiche Handlung bleibt spannend bis zum Schluss. Sehr gut recherchiert werden verschiedene Themen angesprochen und verständlich geschildert, so dass der Leser sich mit der Frage nach der Ernährung der Zukunft unter ethischen und klimapolitischen Aspekten auseinandersetzen kann, auch Produktionsfaktoren in der Nahrungsmittelindustrie und Biotechnologien werden thematisiert, ebenso spielen Korruption, Gier und die virale Verbreitung von Gerüchten, Verschwörungstheorien und Fake News in Social Media eine Rolle.

Die Protagonisten sind vielschichtige, nahbar angelegte Charaktere bis hin zu den Nebenfiguren und machen teilweise auch eine Entwicklung durch. Die fesselnde Geschichte unterhält nicht nur mit glaubhaft ausgearbeiteten Ideen, sondern auch mit Situationskomik, witzigen Dialogen, Anspielungen auf Bücher, Songs und Prominente.
T. S. Orgels Schreibstil ist angenehm, klar und bildhaft, Situationen werden atmosphärisch dicht beschrieben und es ist schwierig, eine Lesepause einzulegen. 'Der Skandal' ist spannend, überzeugt und gibt zu denken und macht gleichzeitig Spaß. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.

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