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Veröffentlicht am 19.12.2023

Gerechtigkeit oder Rache – Deutsch-Finnische Geschichte gekonnt in einen Krimi verpackt

Was wir nie verzeihen
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Der fast 100jährige Albert entgeht auf seinem abendlichen Spaziergang im Park des Seniorenheims fast einem Mordanschlag. Die Polizei findet ein Stück abseits des Weges einen Galgenstrick, an dem der Senior ...

Der fast 100jährige Albert entgeht auf seinem abendlichen Spaziergang im Park des Seniorenheims fast einem Mordanschlag. Die Polizei findet ein Stück abseits des Weges einen Galgenstrick, an dem der Senior offensichtlich gehängt werden sollte. Kurz danach wird ein erneuter Mordversuch auf Albert durch Kommissar Jari Paloviita nur knapp verhindert. Wer ist hinter diesem Alten Mann her? Warum zwei Mordversuche hintereinander? Als dann ein gleichaltriger Mann kurz später aus dessen Haus entführt und dann hingerichtet wird und die Polizei in der Wohnung des Opfers eine SS-Uniform entdeckt, gehen sie von einem Racheakt aus. Doch Albert bestreitet jegliche Nazi-Vergangenheit vehement und auch seine Familie hält die Anschuldigungen für lächerlich. Jari und sein Team hingegen sind sich da nicht so sicher und stehen vor der moralischen Frage, wie lange man für seine Vergangenheit geradezustehen hat.

Die ersten beiden Bände habe ich jeweils mit 5 Sternen bewertet, dieser hier bekommt 4. Es ist ein unglaublich spannendes und interessantes Buch, war mir doch die Vergangenheit, die Verbindung von Finnland und Deutschland (dass sich 1.400 Finnen für die deutsche SS haben rekrutieren lassen) nicht bewusst und ich habe sehr viel über diesen dunklen Abschnitt der Geschichte gelernt. Tuominen hat dies sehr bildhaft und lebendig erzählt, in dem er zwischen den Jahren 1941 und 2019 hin und hergesprungen ist. Die Rückblicke waren teils sehr heftig und gingen unter die Haut. Was mir in diesem 3. Band ein bisschen gefehlt hat, war der Blick auf die Hauptfiguren, also auf Jari und seine Kollegen. Diese wurden in den letzten Bänden intensiv thematisiert, was sicherlich daran lag, dass sie unmittelbar in den jeweiligen Kriminalfall verwickelt waren. Mir gefällt es immer sehr gut, wenn ich aus dem Leben der Hauptfiguren viel persönliches erfahre, immer mehr entdecke. Das fehlte hier fast völlig. Auch war mir schnell klar, wo der Hase lang läuft, um es mal so auszudrücken. Letztlich ging es also wohl nicht darum, bei einem Krimi mitzurätseln, sondern um die Aufarbeitung eines Stücks der Geschichte. Das ist auch sehr gut gelungen und es ist ein wirklich sehr gutes Buch, doch in meinen Augen etwas schwächer als die Vorgänger. Ich hoffe, in der Fortsetzung (die es hoffentlich geben wird) ist das Augenmerk wieder mehr auf die Ermittler gerichtet.

Fazit: ein sehr interessanter, fesselnder Krimi mit deutsch-finnischem Geschichtshintergrund, Rückblicken, die unter die Haut gehen und altbekannten Ermittlern, die ein bisschen hinter dem Fall zurückstehen. Dennoch sehr gute 4/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.12.2023

Der weltbekannte Klassiker in kunstvollem Gewand

Biblioteca Obscura: Frankenstein
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Victor Frankenstein stürzt sich in seine wissenschaftlichen Forschungen und hat den Drang, der Welt zu zeigen, zu was er fähig ist. Nach langen Jahren schafft er es endlich, aus Leichenteilen neues Leben ...

Victor Frankenstein stürzt sich in seine wissenschaftlichen Forschungen und hat den Drang, der Welt zu zeigen, zu was er fähig ist. Nach langen Jahren schafft er es endlich, aus Leichenteilen neues Leben zu erschaffen. Doch als er sieht, was er da an Hässlichkeit und Monstrosität geschaffen hat, bekommt er Angst und verspürt große Reue. Was um Himmels Willen hat er nur für eine Kreatur erschaffen? Ohne sich die Mühe zu machen, sein Werk kennenzulernen, verleugnet er es fortan, während sein Werk flüchtet und versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen. Das Monster will nichts anderes, als geliebt und akzeptiert werden, erfährt aber überall nur Ablehnung und Angst. So zieht es sich zurück, lehrt sich selbst das Sprechen und Lesen und lebt komplett im Verborgenen. Als sein Schöpfer Frankenstein ihm seinen größten Wunsch, eine Frau geschaffen wie er selbst, verwehrt, startet die Kreatur einen Rachfeldzug und macht alles zunichte, was Frankenstein je etwas bedeutet hat. Der wiederum verfolgt nun sein Monster, um es zu Strecke zu bringen.

Jeder kennt Frankenstein. Ich auch, jedoch bisher nur als Film. Ich hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass die Geschichte so voller Traurigkeit ist. Das hat mich echt ein Stückweit umgehauen. Ich bin vor Mitleid mit dem vorgeblichen Monster fast zerflossen und war richtig wütend auf Frankenstein. Dann drehte sich das Blatt und ich habe genau umgekehrt gefühlt. Bis es dann am Ende nochmal richtig herzergreifend war. Diese Story in ihrer Originalfassung lässt sicher keinen kalt. Es ist weniger ein Schocker oder Schauermärchen, als eine Erzählung über die Undinge, die Menschen oftmals tun, über Gier, Macht und Erfolg, über zerplatzte Träume, enttäuschte Gefühle, Angst, Hass, Vorurteile und den unstillbaren Wunsch, geliebt zu werden und selbst zu lieben. Zu Recht ein ganz großer Klassiker! Die Story ist wirklich absolut fabelhaft. Die Kunstausgabe macht zudem echt was her. Sie ist aufwändig gestaltet in schwarz, weiß, rot und blau, hat viele größere und kleinere Zeichnungen. Allerdings stört mich tatsächlich, dass diese sich ständig wiederholen. Ich habe aufgegeben zu zählen, wie oft z.B. das Auge darin vorkommt. Da hätte ich mir einfach mehr erwartet. Nämlich viele verschiedene Illustrationen, die dann auch zum Gelesenen passen. Das ist hier nicht der Fall. Es fühlt sich so an, als hätte man einfach nur die Seiten irgendwie füllen wollen. Sehr schade. Nichtsdestotrrotz ist das Buch eine kleine Augenweide mit dem schwarzen Buchschnitt, dem Coverbild mit Spotlack und den glitzernden Elementen. Es fühlt sich zudem rau an, was irgendwie zu einem Klassiker wie diesem super passt.

Fazit: fürs Bücherregal ein optisches Highlight, fürs Herz eine schwer zu ertragende Story, wunderbar detailreich erzählt, mal aus Sicht von Frankenstein, mal aus Sicht des Monsters, mal aus Sicht desjenigen, dem Frankenstein seine Geschichte erzählt. Gefällt mir sehr gut und macht auf jeden Fall Lust, weitere Klassiker zu lesen. 4/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.11.2023

Humorvolles aus dem Amt

Da bin ick nicht zuständig, Mausi
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In vielen kurzen Kapiteln erzählt die Autorin über ihr Leben als Beamtin im Amt. Sie es der Umgang mit schwierigen Bürgern oder neugierigen Kollegen, mit Neuerungen im Büroalltag und einer manchmal sehr ...

In vielen kurzen Kapiteln erzählt die Autorin über ihr Leben als Beamtin im Amt. Sie es der Umgang mit schwierigen Bürgern oder neugierigen Kollegen, mit Neuerungen im Büroalltag und einer manchmal sehr nervigen Chefin oder auch die Auswirkungen des Jobs auf das Privat- und Liebesleben.

Gleich vorneweg: das ist kein Roman, sondern eine Ansammlung lustiger kleiner Storys aus dem Amtsalltag der Autorin. Es liest sich, wie eine Comedy-Bühnenshow und ich finde, dort würde das auch irgendwie besser hinpassen, als in Buchform gepresst. Zwar kann ich mir die Szenen und den Berliner Dialekt auch so ganz gut vorstellen, doch es live mitzuerleben ist halt nochmal eine ganz andere Nummer. So habe ich eine durchaus witzige Lektüre, bei der ich oft lachen musste (so manches kommt mir aus meinem Berufsalltag, der mit dem Öffentlichen Dienst vergleichbar ist, schon sehr bekannt vor) und die ich einfach so weglesen konnte. Der lockere Schreibstil gibt das einfach her. Wie bei dieser Art von Comedy üblich, wirkt alles überzogen und plakativ. Wenn man das einordnen kann, hat man auf jeden Fall seinen Spaß mit dem Buch. Wer jetzt denkt, hier geht es um Beamtenschelte: jein! Conny schafft es, sich zum einen über das Beamtentum durchaus lustig zu machen, es aber andererseits auch zu feiern. Das gefällt mir gut. Witzig ist auch das Glossar am Ende des Buchs mit Ausdrücken aus dem Amt/Büro. Wusstet ihr z.B., was ein Aktendulli ist? Nein? Ich verrate es euch: ein Heftstreifen.

Fazit: ich habe viel gelacht und fand das gesamte Buch durchaus witzig. Leichte Unterhaltung für zwischendurch und damit auf jeden Fall 4/5 Sterne wert.

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Veröffentlicht am 04.11.2023

Italien, Dosenravioli, Lambrusco, Blutsfreundinnen – der Sommer, der alles änderte

Dieser längst vergangene Sommer
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Johanna (Jo), Sonja (Sonni), Iris (Blümchen) und Annabell (Bella) sind beste Freundinnen. Der erste gemeinsame Urlaub, bevor sie jeweils in einer anderen Stadt ihr Studium aufnehmen, führt sie auf einen ...

Johanna (Jo), Sonja (Sonni), Iris (Blümchen) und Annabell (Bella) sind beste Freundinnen. Der erste gemeinsame Urlaub, bevor sie jeweils in einer anderen Stadt ihr Studium aufnehmen, führt sie auf einen Campingplatz nach Italien. Dort erleben sie einige schöne Tage, angefüllt mit Sonne, Meer, Dosenravioli, Gelato, Lambrusco, ein paar süßen Jungs und der Aussicht auf ein Leben voller Spaß. Doch auch wenn die vier Blutsfreundschaft geschworen haben, sind sie sich nicht immer grün. Hat doch jede ihren eigenen Charakter und manchmal prallen diese halt aufeinander. Dennoch lieben sie sich und sind sicher: wir werden unser Leben lang miteinander verbunden sein und uns niemals aus den Augen verlieren. Dann geschieht ein Unglück, der die Bande zwischen den Mädchen von einem Moment auf den anderen zerreißt.

Die Story beginnt 15 Jahre nach dem Sommer mit einer heftigen Szene, die mich erst mal hat schlucken lassen. Ich lerne die damaligen Mädels, die jetzt so Mitte 30 sind, ein bisschen näher kennen und reise dann mit ihnen zurück in die Vergangenheit, in eben jenen längst vergangenen Sommer. Ich fühlte mich direkt an meinen ersten Urlaub gemeinsam mit Freunden erinnert, der zwar nicht nach Italien, aber immerhin an den Bodensee auf einen Campingplatz ging. Das war wie eine kleine Zeitreise, die mir dieses ganz besondere Lebensgefühl, welches man in dem Alter beim Übergang von Schule zu Beruf, auf der Schwelle zum Erwachsensein, wieder zurückbrachte. Allein dafür feiere ich das Buch. Die kleinen aber feinen Stimmungen, die Gefühle und das manchmal nicht ganz einfache Miteinander zwischen den vier Freundinnen hat die Autorin wunderbar getroffen. Ebenso wie die Päckchen, die die dann erwachsenen Frauen, jede für sich in ihrem eigenen Leben mit sich herumtragen seit damals. Es ist total fesselnd zu lesen, was aus den kindlichen, unbeschwerten Mädels geworden ist, wie das Unglück sie beeinflusst hat, welche inneren Kämpfe sie deswegen ausfechten mussten und müssen. Das Buch hat viele traurige, schmerzvolle Szenen, lässt einen aber nicht hoffnungslos zurück, sondern ist viel mehr zuversichtlich und mutmachend. Und einfach sehr gut unterhaltend. 4/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.11.2023

Klugscheißerchen sucht seinesgleichen

Das Klugscheißerchen
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Die Geschwister Tina und Theo entdecken auf dem Dachboden ihres neuen Zuhauses ein kleines seltsames Wesen. Es ist türkis (nicht blau!), trägt eine rote Latzhose und eine große Brille und ist nach eigenen ...

Die Geschwister Tina und Theo entdecken auf dem Dachboden ihres neuen Zuhauses ein kleines seltsames Wesen. Es ist türkis (nicht blau!), trägt eine rote Latzhose und eine große Brille und ist nach eigenen Angaben ein Klugscheißerchen. Und so verhält sich das kleine, putzige, besserwisserische Kerlchen auch. Die Kindern können es nur sehen, weil sie selbst auch immer klugscheißerisch unterwegs sind. Da sie sich ziemlich sicher sind, dass ihre Eltern ebenso der Gattung der Klugscheißer angehören, denken sie sich eine Wette aus. Sie wetten mit ihrem Vater, dass er das Klugscheißerchen auch sehen kann. Wenn ja, bekommen sie endlich den langersehnten Hund, wenn nein, dann müssen sie einen Monat lang Küche und Bad saubermachen. Wie diese Wette ausgeht wollt ihr wissen? Ja, dann müsst ihr wohl das Buch lesen, denn das verrate ich garantiert nicht.

Mich hat ja das Cover schon verzaubert. Dieses knuffelige kartoffelförmige blaue, äh, pardon, türkisfarbene Männchen mit Latzhose, Hasenzähnchen und Brille ist einfach zu süß! Und sein Name ist echt Programm. Das fängt schon beim Buchvor- und -nachsatz an, auf dem ganz viele Wissensblasen stehen („Spinnen sind keine Insekten“, „Erdbeeren sind ja eigentlich Nüsse“ usw.). Die Story selbst ist typisch Marc-Uwe Kling ein bisschen schräg, aber durchaus lustig. Frei nach dem Motto: „sind wir nicht alle ein bisschen klugscheißerisch?“. Die vielen bunten Illustrationen von Astrid Henn sind ausgesprochen schön und unterstreichen das Gelesene hervorragend. Es gibt keine Seite ohne ein Bild, was das Buch nochmal interessanter macht als Vorlese- und Zusammenlese-Buch, aber auch für Erstleser. Einen tieferen Sinn darf man hier jetzt nicht erwarten, aber das muss auch nicht immer sein. Manchmal darf man auch einfach nur so Spaß an einer etwas verrückten Geschichte haben. Und das ist hier allemal gegeben. Ich empfehle übrigens explizit das Lesen der Autoreninfo ganz hinten im Buch. Was habe ich gelacht! 4/5 Sterne.

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