Zwischen Schreibblockade und Selbstfindung- RosiesWeg zum „Happy Ending“
Happy Ending„Happy Ending“ ist der Debütroman von Anne-Marie Varga. Die Autorin lebt in New York und London – und genau in diese beiden Städte nimmt sie uns mit ihrer Geschichte mit.
Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche ...
„Happy Ending“ ist der Debütroman von Anne-Marie Varga. Die Autorin lebt in New York und London – und genau in diese beiden Städte nimmt sie uns mit ihrer Geschichte mit.
Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche Bestsellerautorin Rosie, die nach einer Psychotherapie dringend Abstand von New York braucht. In London hofft sie, ihre Schreibblockade zu überwinden und endlich mit ihrem neuen Buch zu beginnen, auf das ihr Verlag bereits sehnsüchtig wartet. Doch das Schreiben fällt ihr auch dort schwer – nicht zuletzt, weil sie sich in der neuen Stadt zunächst fremd fühlt und Anschluss sucht. Zum Glück lernt sie Tara kennen, die sie herzlich in ihre Freundesgruppe aufnimmt und ihr sogar einen Job vermittelt. Dumm nur, dass der Barkeeper Gamble, den Rosie in einer Kneipe trifft und eigentlich gar nicht ausstehen kann, Taras Zwillingsbruder ist. Trotz allem fühlt sich Rosie zu ihm hingezogen – und bald wird klar, dass jeder in dieser Runde seine eigene Geschichte und seine eigenen Wunden mit sich trägt. Vor allem Rosie verbirgt lange ein Geheimnis, das sie davon abhält, im Leben, in der Liebe und beim Schreiben wirklich weiterzukommen. Ob sie am Ende ihre Blockade lösen kann – und welche Rolle Gamble und die „Gang“ dabei spielen – bleibt spannend bis zum Schluss.
Der Schreibstil und Rosies Stimme haben mich schon in der Leseprobe begeistert. Rosie denkt laut, hält mit ihren Gefühlen und Gedanken nicht hinterm Berg und zieht den Leser mitten hinein in ihr Gefühlschaos – humorvoll, ehrlich und sehr emotional. Besonders die Dynamik zwischen ihr und Gamble sorgt für Witz und Spannung, zumal ihre Beziehung eigentlich tabu ist, da Tara als Zwillingsschwester ein wachsames Auge auf die beiden hat. Nach und nach zeigt sich jedoch, dass Rosies Flucht nach London tiefere Ursachen hat. Deshalb sollte man kein durchgehend heiteres Buch erwarten – Varga greift auch ernste Themen auf, die der Geschichte Tiefe verleihen.
Der Einstieg hat mir ausgesprochen gut gefallen: Die Figuren sind individuell, lebendig und interessant. Stück für Stück werden ihre Hintergründe und Konflikte offenbart – nur Rosies Vergangenheit bleibt lange im Dunkeln. Das fand ich stellenweise etwas unglaubwürdig, da sich alle anderen öffnen, Rosie aber nicht, und niemand sie damit wirklich konfrontiert. Ihre eigentliche Problematik hat mich am Ende dennoch überrascht – damit hätte ich nicht gerechnet.
Weniger gelungen fand ich die längeren Dialogpassagen, die zur Aufklärung von Rosies Vergangenheit dienen; sie wirkten stellenweise etwas zu ausführlich. Die romantischen Elemente hingegen haben mir sehr gut gefallen. Beeindruckt hat mich auch, dass die Autorin in ihrem Erstlingswerk den Mut hat, ernste Themen wie Depressionen aufzugreifen.
Insgesamt hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht, dennoch habe ich „Happy Ending“ mit Interesse und Freude gelesen. Ein gelungener Debütroman, der Humor, Emotionen und Nachdenklichkeit miteinander verbindet.