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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2023

Wissen gut vermittelt

Alles Zufall im All?
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Diese populärwissenschaftlich Buch richtet sich an alle jene, die sich für unser Universum interessieren, aber deren Lieblingsfach in der Schule nicht unbedingt Physik war.

In drei großen Abschnitten ...

Diese populärwissenschaftlich Buch richtet sich an alle jene, die sich für unser Universum interessieren, aber deren Lieblingsfach in der Schule nicht unbedingt Physik war.

In drei großen Abschnitten erklärt das Autoren-Duo Erik Bertram und Dominika Wylezalek was das Universum im Innersten zusammenhält:

Teil I: Die Quellen des Wissens
Teil II: Das frühe Universum
Teil III: Das späte Universum

In Teil I erfahren wir einiges über die Arbeiten der Autoren, Der Teil II erklärt das „frühe Universum“ und den Abschluss bildet das „späte Universum“ in Teil III.

„Die physikalischen Gesetze, die auf Basis unserer Erfahrungen gefunden wurden – sei es in den Laboren dieser Welt oder durch regelmäßige Betrachtung der Planetenbahnen im Sonnensystem – scheinen selbst in den Weiten des Alls über Jahrmilliarden hinweg ihre Gültigkeit zu bewahren.“ (S. 217)

Trotz der umfangreichen Erklärungen, die durch farbige Illustrationen untermauert sind, lässt sich das Buch leicht lesen, was auf den sachlichen Schreibstil der Autoren zurückzuführen ist. Es ist möglich, die Inhalte auch ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse oder ein Physik-Studium zu verstehen. Neugier und Lust am Lesen genügen.

Die Qualitätskriterien (in der Klammer), die sich der KOSMOS-Verlag selbst auferlegt, werden hier erfüllt, denn

das Autoren-Duo vereint professionelles Know-How mit Leidenschaft (BEGEISTERUNG DURCH KOMPETENZ)
erzählen leicht verständlich und bringen das Wesentliche informativ auf den Punkt (WISSEN, DAS DICH WEITERBRINGT)
bereitet die Inhalte mit aussagekräftigen Fotos, Zeichnungen und Grafiken werden Inhalte besonders anschaulich auf (SACHVERSTAND, DEN MAN SEHEN KANN)
sorgfältige Verarbeitung (QUALITÄT FÜR HEUTE UND MORGEN)

Im Anschluss an den Epilog findet der interessierte Leser noch ein ausführliches Quellenverzeichnis und weiterführende Literatur.

Fazit:

Allen jenen, die gerne wissen wollen, was das Universum im Innersten zusammenhält, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.11.2023

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Der elektrische Traum. Fortschrittsjahre oder eine Gesellschaft unter Strom
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Historiker und Autor Alexander Bartl entführt seine Leser wieder in das 19. Jahrhundert, das eine spannende Zeit des Umbruchs ist. Zahlreiche Erfindungen verbessern den Alltag, machen allerdings auch vielen ...

Historiker und Autor Alexander Bartl entführt seine Leser wieder in das 19. Jahrhundert, das eine spannende Zeit des Umbruchs ist. Zahlreiche Erfindungen verbessern den Alltag, machen allerdings auch vielen Menschen Angst. In diesem Sachbuch bringt er uns den Aufstieg der Elektrizität näher.

Ein zentraler Punkt des Siegeszuges der Elektrifizierung von Gebäuden sind Brände in Theatern. Neben dem Brand des Theaters in Nizza im März 1881 ist es der Brand des Wiener Ringstraßentheaters im November desselben Jahres, der mehreren Hundert Menschen das Leben gekostet hat, die den Siegeszug der elektrischen Beleuchtung antreibt. Der Brand in Wien ist neben organisatorischen und baulichen Mängeln (fehlende Trennung von Bühne und Zuschauerraum, enge, mit brennbaren Materialien ausgestattete Stiegenhäuser und nach innen aufgehende Ausgänge) ist vor allem auf die Beleuchtung mit Leuchtgas zurückzuführen, die zusätzlich noch schlecht gewartet worden ist. In den Jahren zuvor ist elektrisches Licht als Spielerei für Reiche abgetan worden - illuminiertes Vergnügen.

Dabei sind Explosionen aufgrund von undichten Gasleitungen unter der Erde und in den Häusern fast schon an der Tagesordnung.

Manch einer sieht in der Elektrizität mehr Vor- als Nachteile, dennoch will man sich - schon aus Prinzip - nicht vom gefüllten Futtertrog des Monopols nicht vertreiben lassen.

»Es ist inakzeptabel, dass irgendein zweifelhafter Wettbewerber das Recht der Gasgesellschaften verletzt, Straßen und Häuser zu beleuchten. Denn das ist allein ihr Vorrecht, aus Tradition und aus Prinzip.«

Meine Meinung:

Alexander Bartl versteht es sehr gut, die Forschungen von Thomas Alva Edison und seinen Mitarbeitern darzustellen. Er verschweigt auch nicht, dass Edison ein manchmal schwieriger Mensch war. Die technischen Details, die dem elektrischen Strom zum Sieg über das Leuchtgas verhelfen, sind gut beschrieben. Ebenso können sich die Leser ein Bild von den gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der Umstellung auf elektrische Beleuchtung machen. Natürlich wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die Elektrizität im kleinsten Winkel der Welt angekommen ist. Es ist faszinierend zu erfahren, welche Vorbehalte die Menschen damals der Elektrifizierung gegenüber hatten. Gleichzeitig war man aber von dieser neuen Erfindung so fasziniert, dass es zum guten Ton gehört hat, Strom-Partys zu veranstalten.

Wir erfahren, dass Thomas Alva Edison und George Westinghouse, ein weiterer Strompionier, erbittert um die Antwort auf die Frage, ob „Gleichstrom“ oder „Wechselstrom“ sicherer sei, kämpften. Edisons Mitarbeiter Harold Brown hat sogar einen elektrischen Stuhl konstruiert, der zunächst als „Party-Gag“ verwendet worden ist. Recht bald (1889) hat er als „humanes“ Vollzugsinstrument der Todesstrafe in Amerika seine Verwendung gefunden.

Wie schon zuvor das Buch „Walzer in Zeiten der Cholera“ ist auch dieses hier akribisch recherchiert. So erhalten wir Einblick in das künstlerische Schaffen des Franz Jauner, seines Zeichens Direktor des Carlstheater in der Leopoldstadt und späterer Direktor des Ringtheaters.

Die historischen Fakten sind geschickt mit den technischen Details verknüpft. Auszüge aus Zeitungsberichten und/oder Korrespondenz vervollständigen das lebendige Bild dieser Zeit wie dieses Zitat aus „Der Bautechniker“ vom 2. März 1883 zeigt.

»Die Gasgesellschaften bringen nämlich den Verlust, den ihnen das vordringende elektrische Licht verursacht, dadurch wieder herein, daß sie das Gas in erhöhtem Masse zu Heizzwecken verwenden. Durch diesen Anstoss ist übrigens eine solche Zahl nützlicher Heizapparate construirt worden, daß sich auch in dieser Richtung eine neue Aera eröffnet, indem nämlich in der Zukunft immer mehr die Heizung der Herde, ja sogar der Oefen mittelst Gases bewerkstelligt werden wird.«

Man sieht, die Inhaber der Gasgesellschaften sind keine Sozialfälle geworden.

Schmunzeln musste ich, als sich ausgerechnet Brünn, das damals als „Manchester von Mähren“ mit der Auszeichnung, das erste vollständig elektrische Theater zu haben, schmücken durfte. Paris, Wien, Berlin oder München - alle wurden sie vom Stadttheater Brünn, das sein ebenfalls im Jahr 1881 abgebranntes Theater durch einen Neubau ersetzen ließ, ausgestochen.

Ergänzt wird das Buch durch kurze Lebensläufe jener Personen, die bei der Verwirklichung des elektrischen Traums maßgeblich mitgewirkt haben bzw. davon betroffen waren.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser fesselnd erzählten Geschichte rund um den „elektrischen Traum und der Gesellschaft unter Strom“ 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 09.11.2023

Ein profundes Sachbuch

Trügerische Ruhe
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Dieses Buch ist zum dritten Jahrestag des Terroranschlags in Wien (2. November 2020), bei dem vier völlig unbeteiligte Personen ermordet und 23 verletzt worden sind, erschienen.

Terrorismusforscher Nicolas ...

Dieses Buch ist zum dritten Jahrestag des Terroranschlags in Wien (2. November 2020), bei dem vier völlig unbeteiligte Personen ermordet und 23 verletzt worden sind, erschienen.

Terrorismusforscher Nicolas Stockhammer geht in seinem gut strukturierten Buch der Frage nach, ob und wie der Anschlag verhindert werden, hätte können. Eine Frage, die seitdem Justiz und Politik beschäftigt. Der Autor ortet Behördenversagen, da das (inzwischen aufgelöste) Bundesamt für Verfassungsschutz und (BVT) seinen Fokus auf die „Operation Luxor“, eine groß angelegte Razzia im Milieu der Muslimbrüder sowie der diversen Corona-Demos vorgelegt hat. Zusätzlich war das chronisch unterbesetzte BVT mit sich selbst beschäftigt. So ist dem Attentäter die Entwicklung vom schmächtigen Jugendlichen zum überzeugten Islamisten direkt unter den Augen des Staatsschutz gelungen.

Der Autor geht in seinem Buch nicht nur auf den Mann, der dem Verfassungsschutz bereits als Jugendlicher aufgefallen war und sich dem Islamischen Staat als Kämpfer anschließen wollte und sich dann im Gefängnis weiter radikalisiert hat, sondern auch auf Trends und Phänomene des europäischen Jihadismus ein. Denn, so Nicolas Stockhammer sind einige Stationen in der Entwicklung des Wiener Attentäters symptomatisch für Attentäter europäischer Prägung. Europa ist mit sogenannten „Einzeltäter Plus“, also eine Art „Gelegenheitsterroristen“ konfrontiert, die durch ihren „Low-Level-Terrorismus“ besonders schwer auszumachen sind. Oft reichen schon ein Küchenmesser oder Auto (wie in Nizza oder Barcelona), um Terrorakte zu verüben.

Wie solche Anschläge in Zukunft vermieden werden können? Die potenziellen Täter kommunizieren vor allem über Messenger-Dienste und besorgen sich ihre Waffen im Darknet. Hier hat Österreich einen Nachholbedarf anderen Ländern gegenüber, deren Nachrichtendienste über deutlich mehr Personal und Befugnisse verfügen.

Seit dem 2. November 2020 ist klar: Auch Österreich und Wien sind keine Inseln der Seligkeit. Die trügerische Ruhe, die bislang geherrscht hat, hat es dem Attentäter nicht allzu schwer gemacht, seinen Vorsatz in die Tat umzusetzen.

Fazit:

Diesem profunden Überblick über die aktuelle terroristische Bedrohungslage in Europa und Österreich gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.11.2023

Wie Hormone unser Leben beeinflussen

Achtung, Hormone
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Der niederländische Endokrinologe Prof. Max Nieuwdorp beschreibt in "Achtung, Hormone" den Einfluss verschiedenster Hormone auf unser Leben. Nach einem ausführlichen Vorwort und einer Einleitung erfahren ...

Der niederländische Endokrinologe Prof. Max Nieuwdorp beschreibt in "Achtung, Hormone" den Einfluss verschiedenster Hormone auf unser Leben. Nach einem ausführlichen Vorwort und einer Einleitung erfahren wir in zehn Kapiteln Bekanntes und Unbekanntes zum Thema Hormone:

Erst das Ei, dann das Huhn
Der große Anlauf
Wachstumsschmerzen und Schmetterlinge im Bauch
Wie Hormone unsere sexuellen Vorlieben und Gender-Identität beeinflussen
Alte Entscheidungen in einem neuen Paradies
Wichtige Akteure beim hormonellen Gleichgewicht
Hormone machen oder brechen den Mann und die Frau
Bei Frauen und bei Männern
Ein neues Gleichgewicht
Alt und abgedankt

Mit diesen zehn Kapiteln spannt er den Bogen vom Beginn des menschlichen Lebens über Geburt, Kindheit, Pubertät bis hin ins Erwachsenen. bzw. Seniorenalter.

Interessant sind die Themen Sexualität und sexuelle Identität. Hier haben die Hormone eine weitaus größere Bedeutung als bisher angenommen. Breiten Raum gibt er der Volkskrankheit Übergewicht, indem er Essverhalten und Darmgesundheit detailliert beleuchtet. Um die Themen auch für medizinische Laien gut lesbar zu gestalten, flicht er Fallbeispiele aus seiner medizinischen Praxis ein. Sehr aufschlussreich sind auch die historischen Hintergrundinformationen.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig. Skizzen und Zusammenfassungen helfen den Lesern, den Überblick zu bewahren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem spannenden Buch über die Bedeutung der Hormone auf unser Leben 5 Sterne.

Veröffentlicht am 06.11.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Die Zuckerbaronin
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Auch der zweite Band rund um die Schmugglerfamilie Schinder ist sehr gut gelungen. Hier können wir die Lebenswege der drei Schwestern Martha, Gwendolyn und Helena verfolgen.

Diesmal steht Gewndolyn im ...

Auch der zweite Band rund um die Schmugglerfamilie Schinder ist sehr gut gelungen. Hier können wir die Lebenswege der drei Schwestern Martha, Gwendolyn und Helena verfolgen.

Diesmal steht Gewndolyn im Mittelpunkt, die sich aufgrund ihrer Hochzeit mit dem Sohn des Zuckerfabrikanten von ihrer Herkunftsfamilie lossagen musste. Während sie sich mit ihrer Schwiegermutter, die die Schwächen ihres Sohnes Alexander kennt, arrangiert hat, ist der Schwiegervater selbst auf dem Sterbebett noch unversöhnlich. Dass die Ehe kinderlos bleibt, ist eine zusätzliche Bürde. Gewndolyn kann ihre Geschäftstüchtigkeit und Umsicht gekonnt einsetzen.

Nebenbei werfen wir einen Seitenblick in das Leben von Martha, die nach wie vor den Schmuggel von Saccharin betreibt. Doch dann kommt es, wie es kommen muss: Die Schmuggler werden erwischt und Martha, die inzwischen schwanger ist, muss ins Gefängnis.

Von der dritten Schwester erfahren wir, dass einem gewalttätigen Geschäftspartner gerade noch rechtzeitig vor der Hochzeit entfliehen kann, obwohl Martha aus Geschäftsgründen dieser Verbindung gerne zugestimmt hätte.

Noch sind nicht alle Rätsel und Verwirrungen aufgelöst, so dass ein dritter Teil mit Helena im Mittelpunkt durchaus im Raum stehen könnte.

Fazit:

Eine gut gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

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