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Veröffentlicht am 08.10.2017

Überragender, spannender und romantischer Abschlussband der „Gentlemen of New York“ Reihe. Ein Pageturner! Unbedingt lesen und nicht verpassen!

Gentlemen of New York - Sündig wie Silber
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Vier Jahre zuvor:

Lillian und Calvin lernen sich kennen, verlieben sich stürmisch ineinander und brennen durch. Ihre schnelle Hochzeit, ruft jedoch Lillans Vater auf den Plan, der vermutet, Calvin wäre ...

Vier Jahre zuvor:

Lillian und Calvin lernen sich kennen, verlieben sich stürmisch ineinander und brennen durch. Ihre schnelle Hochzeit, ruft jedoch Lillans Vater auf den Plan, der vermutet, Calvin wäre lediglich an Lilians großem Erbe interessiert, denn Lilians Vater ist unermesslich reich und Inhaber einer gut gehenden Firma. Weil Lilians Vater belastende Dokumente besitzt und Calvin damit unter Druck setzt, stimmt dieser letztendlich zu, das Eheanullierungsschreiben zu unterzeichnen, obwohl er Lily eigentlich über alles liebt. Lily kann es nicht glauben, dass Calvin sie verlassen hat und verfällt für eine Weile in tiefste Depressionen. Doch dann stirbt ihr Vater und sie muss sich, so lange ihr jüngerer Bruder noch nicht geschäftsfähig ist, um die Firma kümmern. Ein Job der ihr Spaß macht und sie erfüllt. Wären da nicht die Firmenteilhaber im Aufsichtsrat, denen sie, einfach weil sie eine Frau ist, ein Dorn im Auge ist.

Vier Jahre später:

Lily will bald heiraten. Als Gatten, hat sie einen Mann ausgewählt, den sie nicht liebt. Einen Freund, der aber ihrer Firma nur gut tun würde. Doch dann verschwindet ihr Bruder von einem auf den anderen Tag plötzlich und Lily wird ein merkwürdiges Drohschreiben in chinesischer Sprache zugestellt. Da Lily weiß, dass Calvin diese Sprache spricht, weil er viele Jahre zuvor mit seinen Eltern China und andere asiatische Länder bereiste, bittet sie ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem Bruder. Und irgendwie ist Calvin auch involviert, denn der Verfasser des Schreibens will Lily damit erpressen, dass er öffentlich machen wird, dass Lily und Calvin, nun erfolgreicher und mächtiger Zeitungsverleger, einst miteinander verheiratet waren. Obwohl Calvin sich anfangs sträubt, Lily helfen zu wollen, lässt er sich letztendlich doch hineinziehen ins Geschehen und hofft schließlich, ganz nebenbei, auf eine Chance einem alten Freund zu helfen, dessen Ehefrau sich noch in China befindet.

Ab dem Moment, als Lily und Calvin wieder mehr Zeit miteinander verbringen müssen, knistert es gewaltig zwischen ihnen. Doch Lilys Angst, vor erneuter Zurückweisung, ist groß. Vor allem aber glaubt sie, nie wieder einem Mann wie Calvin vertrauen zu können, der mehr Geheimnisse mit sich herumträgt, als gut für sie ist. Denn sie ahnt ganz genau, dass er nicht völlig ehrlich zu ihr ist. Doch warum nur?

Im Abschlussband der „Gentlemen of New York“ Reihe, kreuzen nun das ehemalige Ehepaar Calvin und Lily ihre Klingen verbal miteinander und mit diesem Heldenpaar hat Joanna Shupe eine explosive Mischung geschaffen, die sich allerdings auf jegliche Art und Weise ebenbürtig ist. Lily ist eine starke, taffe Frau, die unerschrocken ihren Weg geht, und sich auch nicht von den Herren der Schöpfung unterbuttern lassen will. Zugegeben, so manches Mal schießt sie über ihr Ziel hinaus und bringt sich dadurch auch mal in Gefahr, doch sie ist äußerst tapfer, loyal und clever und hat zumeist immer eine Idee parat, um sich aus den Schwierigkeiten wieder hinauszumanövrieren, was für sie spricht. Auch ihre Cousine und beste Freundin ist eine sympathische Romanfigur, ich hoffe sehr, dass sie in einem anderen Band, ihre eigene Geschichte erhalten wird.

Calvin ist ein etwas undurchsichtigerer Charakter. Er übertreibt es mit seiner Geheimniskrämerei schon etwas für meinen Geschmack und ich hätte mir, gegenüber seiner Exfrau Lily ein wenig mehr Offenheit gewünscht. Zumindest früher, als es dann letztendlich der Fall war. Trotz seiner kleinen Alphaheldenattribute, mochte ich Calvin dennoch sehr.

Dazu ist die Hintergrundhandlung außergewöhnlich spannend und interessant geschrieben, so dass ich „Sündig wie Silber“ praktisch in einem Rutsch gelesen habe. Witzigerweise beschleicht mich beim Lesen der Romane von Joanna Shupe stets so ein Lisa Kleypas Lesegefühl; hier war es wieder genauso und ich genieße es jedes Mal aufs Neue. Wer die Romane von Lisa Kleypas liebt, sollte die „Gentlemen of New York“ Reihe unbedingt ausprobieren, denn Joanna Shupes Schreibstil ähnelt dem von Lisa Kleypas, wirklich sehr, wie ich finde. Überhaupt gehört diese Historical Romance Reihe zu dem Besten, das ich in den vergangenen Jahren im historischen Liebesromanbereich lesen durfte. Wer immer noch glaubt, dass dieses Genre angestaubt ist, sollte schnell umdenken! Dem ist nicht so. Allerdings sollten Leser, die es lieber züchtiger mögen, gewarnt sein. Die Liebesszenen in dieser Reihe sind schon sehr hot und explizit geschrieben.

„Sündig wie Silber“, habe ich mit einem lachenden, wie weinenden Auge gelesen. Denn einerseits war der Roman für mich ein echtes Lesehighlight, andererseits ist es auch der Abschlussband, einer so tollen, grandiosen Reihe. Ich hoffe sehr, dass weitere Romane der Autorin bei Bastei Lübbe übersetzt werden und auch, dass die Covergestaltung dann genauso geschmackvoll ausfallen wird.

Veröffentlicht am 30.09.2017

Lebensratgeber und Trostbuch zugleich!

Deine letzte Nachricht. Für immer.
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Zunächst einmal sollte man keinen Roman erwarten, wenn man zu Emily Trunkos „Deine letzte Nachricht für immer“, greift. Denn es ist etwas völlig anderes, eine Art Sammelwerk. Die Autorin betreibt einen ...

Zunächst einmal sollte man keinen Roman erwarten, wenn man zu Emily Trunkos „Deine letzte Nachricht für immer“, greift. Denn es ist etwas völlig anderes, eine Art Sammelwerk. Die Autorin betreibt einen Tumblr-Blog und ermutigt Leser des Blogs, dort letzte Nachrichten zu hinterlassen, von Menschen, die den Lesern einst etwas bedeuteten. Das kann eine kurze, kalte sms von einem Freund sein, der nichts mehr mit seiner Freundin zu tun habe möchte, aber auch Briefe von Menschen, die für den Besitzer erst wertvoll werden, nachdem sie erfahren haben, dass der Verfasser kurz darauf verstorben ist. Neben der reinen Botschaft, findet man auch eine kleine Erklärung, zum Hintergrund des jeweiligen Verfassers, in dieser Sammlung vor, liebevoll illustriert, so dass dieses gebundene Buch mit Lesebändchen ein richtig schmucker Hingucker ist.

Es ist ein Buch, das durch seine Hintergrundgeschichten nachdenklich macht, berührt und sogar teilweise zu Tränen rührt. Es birgt die Botschaft, sich stets gut zu überlegen, wir man mit seinen Mitmenschen, seiner Familie und Freunden umgeht. Denn manchmal bekommt man leider keine zweite Chance, im Zorn Gesagtes oder Geschriebenes zurückzunehmen. Das Buch ist ein Plädoyer für Liebe, Aufrichtigkeit und Freundlichkeit, kann aber auch als Trost für Menschen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden und an sich selbst zweifeln, dienen. Ehrlich gesagt denke ich aber, dass „Deine letzte Nachricht für immer“, allerdings eher etwas für Leser zwischen 16 und 25 Jahre ist, da jüngere Leser womöglich mit manchen geschilderten Situationen überfordert sein könnten.

Veröffentlicht am 30.09.2017

Ein geschichtsträchtiges Haus, drei verliebte Frauen und dunkle Familiengeheimnisse. Spannender, sehr kurzweiliger Roman, der mit einem ausgeklügelten Plot punkten kann. Leseempfehlung!

Das saphirblaue Zimmer
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Ein geschichtsträchtiges Haus in Manhattan, das Überraschendes bietet, für gleich drei junge Frauen, die dieses Haus betreten. Doch die drei Frauen, leben zu unterschiedlichen Zeiten. Während Olive dort ...

Ein geschichtsträchtiges Haus in Manhattan, das Überraschendes bietet, für gleich drei junge Frauen, die dieses Haus betreten. Doch die drei Frauen, leben zu unterschiedlichen Zeiten. Während Olive dort als Hausangestellte im Jahre 1892 arbeitet, allerdings unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und sich zum ersten Mal heftig verliebt, mietet die junge berufstätige Lucy, ein Zimmer im Jahre 1920, in dem besagten Haus. Doch es ist nicht nur Zweckmäßigkeit, die sie dazu verleitet hat, sich um ein Zimmer dort zu bemühen. Denn sie hat schon viel über das Haus gehört und hofft mehr herauszufinden, auch über ihre Abstammung. Sie hat einen Job in einer Anwaltskanzlei angenommen und einen unerhört attraktiven Chef, doch dieser ist es nicht, der ihr Herz schneller schlagen lässt, sondern der mysteriöse Kunde ihres Chefs, Mr. Ravenel.

Im Jahre 1944 arbeitet die fleißige Ärztin Dr. Kate Schuyler in dem Haus, das im Laufe der Jahrzehnte zum Krankenhaus umfunktioniert wurde. Als eines Tages ein schwer verwundeter Soldat eingeliefert wird, zögert sie nicht lange und bietet kurz entschlossen ihre kleine Dachstube als Krankenlager an, da alle anderen Betten bereits belegt sind. Obwohl alle Ärzte der Meinung sind, dass das Bein ihres Patienten nicht mehr zu retten ist, setzt sich Kate dafür ein, zunächst ein Antibiotikum zu geben. In einem wachen Moment spricht sie der Patient mit „Victorine“ an und behauptet, er würde ihr Gesicht schon lange kennen. Kate ist verwirrt, denn es scheint nicht so, als ob er im Delirium wäre….

Ich habe die Inhaltsangabe bewusst knapp gehalten, um nicht versehentlich zuviel auszuplaudern, denn es würde gerade in diesem Fall den Leser um einiges Rätselvergnügen beim Lesen bringen. Man ahnt zwar gleich, dass die Geschichten der drei Hauptakteurinnen irgendwie zusammen gehören, die immer im Wechsel erzählt und vorangetrieben werden, doch fürchtet man schnell, dass die Geschichten eigentlich nicht gut ausgehen können, falls sie sich so entwickeln, wie man es lange Zeit vermutet. Hut ab für die drei Autorinnen dieses Romans nebenbei! Die Gliederung bzw. Plotentwicklung, ist dermaßen geschickt und ausgeklügelt geraten, dass man als Leser wirklich erst gegen Ende des Romans den vollen Durchblick erhält. Zugegeben, man muss diesen Roman äußerst aufmerksam lesen, damit man im Zuge der Storys nicht den selbigen verliert. Dafür wird man aber mit drei außergewöhnlichen Geschichten in einem Roman belohnt, die allesamt gut geschrieben wurden. Was ich zudem bemerkenswert fand, war, dass alle Autorinnen einen ähnlichen Schreibstil besitzen, bzw. sich den anderen so angepasst haben, dass man keine Übergänge oder Veränderungen, während des Lesens der drei Storys, bemerkt. Wer nun fürchtet, dass er hier eher eine Anthologie bekommt, kann also beruhigt aufatmen.

Aufmerksam geworden auf „Das saphirblaue Zimmer“, bin ich eigentlich lediglich, weil ich bereits andere Romane von Lauren Willig und Beatriz Williams kannte und sehr mochte. Es ist ein Roman für Romancefans, allerdings sollte man hier keine schwülstigen oder erotischen Szenen erwarten. „Das saphirblaue Zimmer“, kommt recht züchtig daher, braucht aber auch keinerlei Erotik, da die geheimnisvolle Geschichte der drei Frauen für ausreichend Abwechslung und Spannung sorgt. Es ist ein Roman für Leser, die Bücher von Autorinnen wie beispielsweise Kate Morton oder Katherine Webb mögen, die gerne von starken Frauen mit dunklen Familiengeheimnissen lesen. Von mir gibt es die Höchstbewertung und eine absolute Leseempfehlung!



Veröffentlicht am 19.09.2017

Spannende Suche nach der Wahrheit...

Zeit der Schwalben
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England 1958:

Die siebzehnjährige Liz liebt ihre Mutter über alles. Doch diese leidet an einer unheilbaren Lungenkrankheit und schwindet vor Liz Augen, Tag für Tag, ein wenig mehr dahin, was Liz das Herz ...

England 1958:

Die siebzehnjährige Liz liebt ihre Mutter über alles. Doch diese leidet an einer unheilbaren Lungenkrankheit und schwindet vor Liz Augen, Tag für Tag, ein wenig mehr dahin, was Liz das Herz bricht. Denn ihre Mutter, war vor ihrer Krankheit ein so lebenslustiger Mensch; ganz anders, als ihr steifer, strenger Vater, zu dem sie ein eher schwieriges Verhältnis hat. Ein paar Wochen vor Liz siebzehnten Geburtstag, als die Sommerferien hereinbrechen, beschließt Liz Mutter daher, ihre Tochter zu einer guten Freundin, die mit ihrer Familie am Meer in einem glamourösen Herrenhaus lebt, zu schicken, damit Liz ihr Leben zumindest für eine kurze Zeit wieder genießen kann. Liz ist unglücklich über den Beschluss ihrer Mutter, doch die lässt sich von ihrem Plan nicht abbringen und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich schweren Herzens von ihrem Vater ans Ziel bringen zu lassen. Obwohl Liz eigentlich die Zeit am Meer keinesfalls genießen will, weil sie ein schlechtes Gewissen ihrer Mutter gegenüber hat, taut sie doch, nach und nach, auf und freundet sich mit den Kindern der Familie und deren Freunden an. Und sie verliebt sich zum ersten Mal. Doch dann schlägt das Schicksal erbarmungslos zu…

London 2000:

Addie kann es immer noch nicht fassen. Ihre Mutter, zu der sie ein eher schwieriges Verhältnis hatte, ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Und mit ihrem Tod hinterlässt Liz viele ungelöste Fragen. Während Addies Vater sich immer mehr verschließt und in seiner Trauer gefangen ist, nimmt Addie ausgerechnet am ersten Todestag ihrer Mutter einen rätselhaften Telefonanruf an. Anscheinend hatte ihre Mutter, vor deren Tod, eine Detektei beauftragt, doch wieso? Nur wenig später steht eine junge Frau vor ihrer Haustür, die behauptet Liz Tochter zu sein. Phoebe, wie sie heißt, gibt als Geburtsdatum den 14. Februar 1960 an. Doch das ist Addies Geburtstag. Wie kann das sein, oder sagt Phoebe gar nicht die Wahrheit?

Ich habe den Inhalt bewusst etwas knapp gehalten, damit ich nicht aus Versehen zuviel im Vorfeld verrate. „Zeit der Schwalben“, ist ein Roman, der die Geschichten von Liz und ihrer Tochter Addie erzählt. Während man Liz durch ihre Tagebucheinträge besser kennenlernt, erzählt Addie ihre Geschichte in der „Ich-Form. Liz und Addie haben ein schwieriges Verhältnis miteinander. Stets glaubte Addie, sie könne es ihrer Mutter nie recht machen und wäre bloß, im Gegensatz zu ihren anderen Geschwistern, eine Enttäuschung für Liz. Und in der Tat war Liz dazu stets in sich gekehrt, in Addies Nähe. Nun, nach dem Unfalltod ihrer Mutter, hat Addie ihre Trauer in sich verschlossen, damit sie stark sein kann, für ihren trauernden Vater und ihre stets recht fordernde, schwangere Schwester Venetia. Und sie leidet immer noch unter starken Selbstzweifeln, weiß nicht, ob sie jemals den Mut aufbringen wird, etwas Eigenes im Konditorenbereich auf die Beine zu stellen. Und in diesem Moment tritt plötzlich die überschwängliche Phoebe in Addies Leben und wirbelt es völlig durcheinander. Auf der Suche nach der Wahrheit, lernt Addie dann jedoch nicht nur ihre Mutter besser kennen, sondern findet auch zu sich selbst.

Ich mochte den manchmal fast poetisch anmutenden Schreibstil von Nikola Scott sehr, wenn sie etwa Örtlichkeiten oder Gefühle ihrer Protagonisten beschreibt. Mir gingen die Empfindungen der beiden Hauptakteurinnen direkt unter die Haut, denn sie wirken sehr echt und ungekünstelt dargeboten. Man kann sich daher gut in Liz und Addie hineinversetzen, ihre Ängste nachvollziehen, genauso wie auch Addies Selbstzweifel. Auch die besondere Beziehung zwischen der jungen Liz und deren kranker Mutter fand ich sehr berührend und, ich gebe es freimütig zu, die angesprochenen Romanpassagen haben mir einige Tränen beim Lesen entlockt. Allerdings kommt der Roman völlig ohne Kitschfaktor aus und wartet mit real wirkenden Problemen und Figuren mit Ecken und Kanten auf. Es ist eine Mischung aus Selbstfindungsroman, Familiensaga und spannender, geheimnisvoller Suche, bei der ich bis fast zuletzt nicht ahnte, wie alle Puzzleteilchen zusammengehören. Obwohl ich fand, dass Liz Erlebnisse in ihrer Jungendzeit am Meer leider (zu) kurz und knapp abgehandelt wurden, was auch für ihre Romanze gilt, möchte ich dennoch keinen Punkt abziehen, weil ich den Roman ansonsten einfach perfekt geschrieben fand.

Kurz gefasst: Spannende Suche nach der Wahrheit und Selbstfindungsroman in einem. Ein emotionaler Roman der mir direkt unter die Haut gegangen ist und auch nach dem Lesen noch eine Weile in mir nachhallte.

Veröffentlicht am 01.09.2017

Atmosphärisch dichte, spannende Mischung zwischen Krimilektüre und Gothic Novel, mit vielen unerwarteten Wendungen. Unbedingt lesen! Lesetipp!

Grandhotel Angst
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Bordighera, an der Riviera 1899:

Die frisch verheiratete Eleonore, kurz Nell genannt, ist mit ihrem attraktiven, allerdings um einige Jahre älteren Gatten Oliver, auf Hochzeitsreise. Oliver, ein redegewandter ...

Bordighera, an der Riviera 1899:

Die frisch verheiratete Eleonore, kurz Nell genannt, ist mit ihrem attraktiven, allerdings um einige Jahre älteren Gatten Oliver, auf Hochzeitsreise. Oliver, ein redegewandter Kunsthändler, hat sie beide im luxuriösen Hotel „Angst“, einquartiert. Und in der Tat scheint das Hotel seinem Namen alle Ehre machen zu wollen. Denn es ist nicht nur nach seinem Erbauer Adolf Angst benannt, sondern nennt auch einen Hausgeist sein eigen, der in dem Hotel umgehen soll. Eine Frau, angeblich eine ältere Dame, die zu Lebzeiten übersinnliche Fähigkeiten besaß, und der der Landstrich gehörte, auf dem das Grandhotel Angst erbaut wurde. Diese Dame wurde eines Tages, vor einigen Jahren lichterloh brennend gefunden, doch alle Versuche sie zu retten schlugen fehl. Im Dorf munkelt man, sie wäre ermordet worden, doch eine Aufklärung fand nie statt und der Vorfall wurde letztendlich als schrecklicher Unfall abgetan.

Kurz nachdem Nell das Hotel betreten hat, bemerkt eine der Hausangestellten, sogleich die große Ähnlichkeit zwischen ihr und der verblichenen Dame und ist geschockt. Nell ist ebenfalls irritiert, doch Oliver scheint lediglich amüsiert zu sein und hat sowieso nichts für Schauergeschichten über. Ganz im Gegensatz zu Nell.

Sie beginnt neugierig damit, mehr über den Hausgeist in Erfahrung zu bringen, doch dann treffen Nell und Oliver auf einen Geschäftspartner von Oliver, der Nell eindringlich davor warnt, ihrem Mann zu vertrauen. Obwohl Nell nicht zulassen will, dass der Mann Zwietracht zwischen ihnen säht, bleibt doch ein gewisser Zweifel in ihr behaftet, denn in der Tat gibt sich Oliver, was seine Vergangenheit betrifft, äußerst zugeknöpft und leidet mitunter unter schwermütigen Phasen. Bislang glaubte Nell, dass läge daran, dass Olivers erste Frau plötzlich verstarb, doch als Oliver sich immer widersprüchlicher verhält und sie in Momenten, wenn sie ihn nach seiner verstorbenen Frau fragen möchte, hart angeht, fürchtet Nell, dass sie einen Mann geheiratet hat, den sie womöglich gar nicht richtig kennt. Hat Oliver wirklich eine dunkle Seite, oder ist es lediglich ein perfides Spiel, das Olivers Geschäftspartner auf ihre Kosten spielen will? Als dann im Hotel ein Mord geschieht, ist Nell außer sich vor Angst und möchte abreisen. Doch Oliver will bleiben…

Ich habe schon immer ein Faible für gutgeschriebene Gothic Novels, oder auch Schauerrromane genannt, gehabt- leider hatte dieses Genre in einer Zeit Hochkonjunktur, als ich noch lange nicht geboren war. Dennoch freue ich mich immer, wenn ich mal eine Novität erwische, die Elemente der klassischen „Gothic Novel“ aufweist. „Grandhotel Angst“, ist in groben Zügen, dieser Art von Genre zuzuordnen. Allerdings hat man es hier in erster Linie mit einem historischen Krimi zu tun, in der die Romanheldin zwischen Wahrheit und Lüge entscheiden muss. Eine weitreichende Entscheidung, die sie in Lebensgefahr bringen kann.

Die Vermischung zwischen, zugegeben, minimalen paranormalen Elementen und Krimihandlung vor historischem Hintergrund, fand ich gut und vor allem spannend umgesetzt. Emma Garnier, die auch unter weiteren Pseudonymen schreibt, wie etwa Sophie Bonnet oder Heike Koschyk, versteht ihr Handwerk und führt im Verlauf des Romans nicht nur ihre Heldin, sondern auch ihre Leser auf viele falsche Fährten, so dass man bis zum Ende hin, neugierig am Ball bleibt und erst am Ende begreift, wie alles miteinander zusammenhängt.

Zwar befinden sich Nell und Oliver auf Hochzeitsreise, doch sollte man hier keinen Liebesroman erwarten, die romantische Komponente bleibt stets im Hintergrund, ist praktisch so gut wie nicht vorhanden, was mich jedoch absolut nicht gestört hat, da mich die Story so sehr in ihren Bann ziehen konnte. Die Autorin legt einen sehr bildhaften Schreibstil an den Tag, der in Momenten, wenn sie etwa das Hotel und die Umgebung beschreibt, beinahe poetisch anmutet. Ein wenig erinnert mich Emma Garniers Art zu Schreiben, an die von Susanne Goga, deren Romane nicht nur vom Stil, sondern auch thematisch, ähnlich angelegt sind. Wer also Gogas Romane mag, sollte Emma Garniers Krimi unbedingt eine Chance einräumen.

Übrigens las ich vor einigen Jahren bereits schon einmal einen historischen Krimi von Emma Garnier, damals allerdings unter ihrem Pseudonym Heike Koschyk erschienen (Pergamentum), der mich genauso sehr begeistern konnte, wie nun „Grandhotel Angst“ und den ich allen Fans historischer Krimilektüre nur empfehlen kann.