Die starken Frauen von Sparta
KlytämnestraDie geb. Texanerin Costanza Casati wuchs in Italien auf und studierte dort antike griechische Literatur, KLYTÄMNESTRA ist ihr Debüt als Autorin.
➡️Klytämnestra ist die Frau von Agamemnon, der mit den Heeren ...
Die geb. Texanerin Costanza Casati wuchs in Italien auf und studierte dort antike griechische Literatur, KLYTÄMNESTRA ist ihr Debüt als Autorin.
➡️Klytämnestra ist die Frau von Agamemnon, der mit den Heeren Griechenland in den Krieg gegen Troja zieht, um Helena, die Frau seines Bruders und Klytämnestras Schwester zurückzuholen.
Wie manch andere Autorinnen gibt Casati den weiblichen Figuren der griechischen Mythologie und Historie eine Stimme. Manchmal geht das ziemlich nach hinten los, hier aber war ich voll und ganz überzeugt!
Der Roman ist wirklich gut gelungen und fesselt von Anfang bis Ende. Wir lernen Klytämnestra als starke junge Frau und Kriegerin von Sparta kennen. In der Version der Autorin kämpfen die Frauen auch dort, werden also wie die Jungen von klein auf im Nahkampf ausgebildet. Schon früh wird ihr Leben geprägt von furchtbaren Verlusten, Demütigungen und Missbrauch und wird schließlich an den Mörder ihres Mannes und Kindes verkauft. Trotz allem entwickelt sich Klytämnestra über die Jahre hinweg zu einer furchtlosen Königin, die während des 10jährigen trojanischen Krieges über Mykene regiert und am Ende ihre Rache bekommen soll.
Ihr Handeln ist stets nachvollziehbar. Obwohl die Welt sie in eine Opferrolle drängen will, gibt sie dem nicht nach. Sie ist eine bemerkenswerte, intelligente, mutige Frau. In einer Zeit, in der Frauen objektiviert werden und rein gar nichts wert sind, behauptet sie sich gegenüber dem Patriarchat. Der Roman und die Intention dahinter werden ihr durchweg gerecht. Der Schmerz, der ihr durchweg zugeführt wird, besonders durch die absolut sinnfreien Ermordungen ihrer geliebten Kinder, geht einem tief ins Herz. Der Roman klingt noch lange nach Beenden nach. Ich habe das Buch in Griechenland gelesen, tatsächlich in der Nähe Mykenes. Jeder bei den Grabstätten und Palastruinen weiß, wer König Agamemnon war. Niemand ist sich seiner grausamen Taten bewusst, niemand kennt seine trauernde, starke Frau Klytämnestra. Aus diesem Grund finde ich es immer wieder großartig, wenn Nacherzählungen aus der weiblichen Perspektive verfasst werden. Obwohl ich die Geschichte in ihrem Ursprung kannte, empfand ich den Roman von der ersten bis zur letzten Seite wahnsinnig spannend und fesselnd! Auch der Schreibstil ist super - direkt, ungeschönt und doch gleichzeitig mit poetischem Touch.
Das Buch ist als hochwertiges Hardcover gestaltet mit einem wunderschönen, perfekt passenden Cover, das eine griechische Bogenschützin zeigt. Auf der Innenseite findet sich eine Karte von Griechenland bis nach Troja, sodass man die Schauplätze stets direkt einordnen und nachvollziehen kann. Im Anhang gibt es ein Personenverzeichnis, allerdings konnte man diesen innerhalb des Textes bereits sehr gut folgen. Trotzdem ist es nochmal eine großartige Übersicht, genau wie die Liste an Begriffen der griechischen Antike.
Insgesamt hat mir der Roman wirklich gut gefallen, man merkt die ausführliche Recherche der Autorin. Von mir eine klare Leseempfehlung, 5 ⭐