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Veröffentlicht am 04.12.2023

Mehr Stimmungsbild der DDR 1961 als Krimi

Die rote Jawa
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"Die rote Jawa" von Matthias Wittekind ist der dritte Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz, blickt jedoch auf die Jugend von Manz im Jahr 1961 zurück und schildert gewissermaßen den Anfang seiner kriminalistischen ...

"Die rote Jawa" von Matthias Wittekind ist der dritte Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz, blickt jedoch auf die Jugend von Manz im Jahr 1961 zurück und schildert gewissermaßen den Anfang seiner kriminalistischen Laufbahn. Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Die  Rahmenhandlung spielt an Heiligabend 2019, die zweite Ebene im Sommer 1961 in Mecklenburg. Manz, damals 16 Jahre alt, verbringt im Juli 1961 einige Wochen in einem Dorf bei Waren an der Müritz als Praktikant bei der Feuerwehr. Ein Einsatz mit zwei Toten lässt ihn nicht mehr los, die Ermittlungsmethoden des Inspektors befremden ihn und er stellt eigene Überlegungen an. 


Wittekinds Buch ist kein klassischer Kriminalroman, bei dem die Lösung des Falles im Vordergrund steht, und wer einen spannenden Krimi sucht, wird hier nicht fündig werden. Viel eher erfasst Wittekind fein beobachtet und mit leisen Zwischentönen die Stimmung in der DDR im ländlichen Raum kurz vor dem Mauerbau, das Wesen der Bewohner und die Auswirkungen des sozialistischen Umbruchs durch Enteignungen und die Kollektivierung der Landwirtschaft. Auch die Schilderungen der Landschaft und Manz Gefühlslage nehmen viel Raum ein. 


Für mich war es das erste Buch der Manz-Reihe, und es ist sehr gut ohne Vorkenntnisse lesbar. Der markante Schreibstil war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, und es dauerte etwas, bis ich mich eingelesen hatte und mit dem Protagonisten warm wurde. Insbesondere in der Rahmenhandlung hat die Geschichte auch ihre Längen. Insgesamt ein interessanter, ungewöhnlicher Kriminalroman, der mich aber nicht vollständig begeistern konnte.

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Veröffentlicht am 02.11.2023

Hatte mir mehr erwartet

Echtzeitalter
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Ich wurde auf Echtzeitalter über die Longlist des Deutschen Buchpreises aufmerksam, und der Klappentext klang sehr vielversprechend.

Leider wurde ich mit Inhalt und Schreibstil des Buches nicht richtig ...

Ich wurde auf Echtzeitalter über die Longlist des Deutschen Buchpreises aufmerksam, und der Klappentext klang sehr vielversprechend.

Leider wurde ich mit Inhalt und Schreibstil des Buches nicht richtig warm. Der Autor entwirft ein sehr negatives Bild von der Schulzeit des Protagonisten Till in einem Wiener Elitegymnasium. Der Unterrichtsstoff wird als lebensfremd, die Lehrer und Lehrerinnen entweder als Witzfiguren oder empathielos und übermäßig streng beschrieben, allesamt ohne Verständnis für ihre Schüler. Ich fragte mich, wie der Autor zu diesem recht trostlosen Schulbild kommt und ob er sich hier am seiner eigenen Schulzeit abarbeit. Mir ist diese Sichtweise zu einseitig, und ich habe meine eigene Schulzeit glücklicherweise völlig anders erlebt. Mit der Gaming-Thematik um Till konnte ich gar nichts anfangen, da mich Computerspiele einfach nicht interessieren, und mich die Detailiertheit, mit der Schachinger auf die Welt von Age of Empires 2 eingeht, langweilte. Auch Schachingers Schreibstil konnte mich nicht einnehmen. Er erzeugt eine sehr distanzierte Atmosphäre, die mir Till und alle anderen Figuren fremd bleiben ließ. Der Ton wirkte zuweilen von oben herab, insbesondere, wenn sich Schahinger über die Lehrer und die Literatur im Fach Deutsch an Gymnasien äußerte, und klang immer wieder recht verbittert. Insgesamt empfand ich die Lektüre als sehr zäh, und war erleichtert, als ich das Buch durchgelesen hatte. Warum Schachinger hierfür den Deutschen Buchpreis erhalten hat, erschließt sich mir leider nicht.

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Veröffentlicht am 29.10.2023

Gewöhnungsbedürftig

Die mörderischen Cunninghams. Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen (Die mörderischen Cunninghams 1)
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Der Klappentext klang sehr vielversprechend, da ich liebend gerne Krimis a la Agatha Christie lese. Leider hat dieses Buch nichts mit Agatha Christie gemein, weder inhaltlich noch stilistisch. Der Schreibstil ...

Der Klappentext klang sehr vielversprechend, da ich liebend gerne Krimis a la Agatha Christie lese. Leider hat dieses Buch nichts mit Agatha Christie gemein, weder inhaltlich noch stilistisch. Der Schreibstil von Stevenson ist sehr gewöhnungsbedürftig. Sein Protagonist und Ich-Erzähler Ernest Cunningham schreibt Ratgeber für Krimiautoren, und so ist das gesamte Buch durchzogen von Hinweisen und Anmerkungen, wie ein guter Krimi auszusehen hat. Teilweise nimmt er auch Ereignisse vorweg, etwa durch die Angabe, dass auf den nächsten drei Seiten jemand sterben wird. Anfangs machte mich dieser ungewöhnliche Stil durchaus neugierig, doch mit Fortschreiten des Buches nervt es zusehens. Etwas feiner dosiert hätte dieser Kniff durchaus Charme haben können. Auch der gewollt witzige Ton wirkte recht gezwungen und gekünstelt. Insgesamt wäre auch hier weniger mehr gewesen. Zu den Figuren konnte ich keine rechte Beziehung aufbauen, sie blieben eher platt. Der Plot wirkte auf mich sehr konstruiert, und die Handlung war bis zur großen Auflösung ziemlich verworren. Irgendwann gab ich das Miträtseln auf und war einfach froh, als ich am Ende ankam. Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erwartet und blieb enttäuscht zurück.

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Veröffentlicht am 14.10.2023

Hatte mir mehr erwartet

Unter Wahnsinnigen
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Bisher kannte ich Florian Schroeder vor allem als Kabarettisten und Satiriker, den ich für seine scharfen Analysen schätze. Nun war ich gespannt auf sein Buch "Unter Wahnsinnigen", das mit dem sogenannten ...

Bisher kannte ich Florian Schroeder vor allem als Kabarettisten und Satiriker, den ich für seine scharfen Analysen schätze. Nun war ich gespannt auf sein Buch "Unter Wahnsinnigen", das mit dem sogenannten Bösen, der dunklen Seite in uns, beschäftigt. Schroeder widmet sich in den einzelnen Kapiteln unterschiedlichen Themenbereichen, so besucht er Scharfschützen der Bundeswehr im Baltikum, begleitet einen pädophilen Sexualstraftäter in Sicherungsverwahrung, spricht mit Rechtsextremen, Mitgliedern der Letzten Generation, einem Mann, der jahrelang ein Doppelleben führte, und anderen. Hierbei geht es ihm nicht um den simplen voyeuristischen Blick, sondern darum, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen und das vermeintlich Böse, Unmoralische einzuordnen und die eigenen Anteile der dunklen Seite in uns selbst zu erkennen.

Das Buch beginnt sehr persönlich, als Schroeder auch seine familiäre Motivation hierfür darlegt. Man spürt von Anfang an, dass Schroeder studierter Philosoph ist, da er die einzelnen Themenbereiche stets von einer philosophischen Warte aus betrachtet und häufig Zitate von Jünger, Kant, Hegel, Nietzsche und anderen einarbeitet und gegenüberstellt. Dementsprechend ist der Text durchaus anspruchsvoll zu lesen, und ich habe öfter innengehalten, um das Gelesene zu reflektieren. Schroeder gibt einige interessante Denkanstöße, und grundsätzlich teile ich viele seiner Positionen. Doch insgesamt bleibe ich mit einem enttäuschten Gefühl nach der Lektüre zurück. Hinter den gewandten Formulierungen und den philosophischen Ansätzen ist die inhaltlichliche Substanz des Buches doch recht dünn, der Erkenntnisgewinn gering. Schroeder verpackt hinlänglich Bekanntes in teils hochtrabenden Worten, ohne substanziell Neues oder konkrete Lösungsansätze für gesellschaftliche Fragestellungen im Kontext der behandelten Themen zu bieten. Alles in allem hatte ich mir mehr erwartet. 

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Veröffentlicht am 11.10.2023

Surreal

Gute Nacht, Tokio
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Da ich seit einiger Zeit meine Vorliebe für japanische Autoren entdeckt habe, war ich gespannt auf "Gute Nacht, Tokio".

Es sind außergewöhnliche Figuren, die Atsuhiro Yoshida im Buch nachts aufeinander ...

Da ich seit einiger Zeit meine Vorliebe für japanische Autoren entdeckt habe, war ich gespannt auf "Gute Nacht, Tokio".

Es sind außergewöhnliche Figuren, die Atsuhiro Yoshida im Buch nachts aufeinander treffen lässt. Der Nachttaxifahrer Matsui, eine Film-Requisiteurin auf der Suche nach ausgefallenen Gegenständen, eine Bestatterin für Festnetztelefone (!), eine Telefonseelsorgerin, einen Privatdetektiv, eine Bistro-Besitzerin, einen nachtaktiven Händler für kaputtes gebrauchtes Werkzeug, etc. Jede und jeder von Ihnen bringt seine eigene Geschichte, Sehnsüchte und Sorgen mit, und die Begegnungen untereinander bringen neue Impulse.

Das Tokio, das Yoshida zeigt, ist äußerst lebendig bei Nacht, und hat seinen ganz eigenen Reiz. Die Figuren sind aus unterschiedlichsten Gründen nachts wach und unterwegs, mal nachdenklich, mal gehetzt, mal beruflich, mal privat. Und dennoch fehlte mir bei diesem Roman stilistisch, erzählerisch und inhaltlich das gewisse Etwas, ein besonderer Zauber. Die Figuren blieben mir eher fremd, einige empfand ich als blass und oberflächlich gezeichnet, insbesondere mit der Bestatterin für Festnetztelefone konnte ich wenig anfangen, der Privatdetektiv wirkte für einen Meister seines Fachs wenig authentisch und der Händler für kaputtes gebrauchtes Werkzeug war mir doch zu skurril.

Generell gefiel mir die Grundidee des Romans wirklich gut und er war kurzweilig zu lesen, doch schöpfte er für mich sein Potenzial nicht vollständig aus.

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