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Veröffentlicht am 21.04.2026

Bewegende und raue Erzählung über Scham, familiäre Verpflichtung und Liebe

John of John
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Inhalt:
Nachdem Cal den Fängen der Hebriden eigentlich entkommen war und für sein Studium nach Edinburgh geflohen war, kehrt er nun auf die Insel zurück. Dort geht das Leben seinen gewohnten Gang - die ...

Inhalt:
Nachdem Cal den Fängen der Hebriden eigentlich entkommen war und für sein Studium nach Edinburgh geflohen war, kehrt er nun auf die Insel zurück. Dort geht das Leben seinen gewohnten Gang - die Schafe, das Weben und vor allem die presbyterianische Strenge, die es verhindert, das Cal als schwuler Mann offen leben kann.

Meine Meinung:
Der Roman ist eine bewegende und ergreifende Erzählung über Scham, familiäre Verpflichtungen und Liebe. Zentraler Fokus ist die komplizierte Beziehung zwischen Cal und seinem tiefgläubigen und strengen Vater, dem es schwer fällt, aus seiner eigenen Haut zu kommen. Sie sind hin- und hergerissen zwischen tiefer Zuneigung, einem familiären Verpflichtungsgefühl und tief lodernder Wut.
In der Dorfgemeinschaft herrschen strenge Vorstellungen von Anstand und Sitte. Gleichzeitig wachsen einem die unterschiedlichen, teils skurrilen Charaktere schnell ans Herz. Wie man es bereits aus seinen anderen Werken gewohnt ist, gelingt es dem Autor auch diesmal, unglaublich einprägsame, greifbare und dennoch authentische Persönlichkeiten zu schaffen, mit denen man von der ersten Seite an mitfiebert. Teilweise können Cal und sein Vater unglaublich grausam und egoistisch sein. Sie machen dumme Fehler, sie sind wütend und manchmal auch irrational, aber ich konnte dennoch immer mit ihnen mitfühlen - allein das zeugt von dem unglaublichen Talent des Autors.
Die Geschehnisse werden teils sehr nüchtern beschrieben, ohne dass der Autor groß wertet. Gleichzeitig schildert er aber das Menschliche - auch die unschönen Seiten - mit einer solchen Präzision, dass man immer wieder das Gefühl hatte, dass der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird.
Der Roman brilliert auch mit einer unglaublich schönen und ausdrucksstarken Sprache, welche die Landschaft der Hebriden und die teils erdrückende Stimmung nachdrücklich einfängt. Mit jedem Wort konnte mich diese Welt mehr in ihren Bann ziehen. Am Ende war ich richtig traurig, die Insel nun wieder verlassen zu müssen.
Wer sympathische Charaktere und unkomplizierte Lösungen braucht, um ein Buch richtig zu mögen, ist hier sicher nicht an der richtigen Stelle. Wer sich jedoch auch die komplizierte Reise einlassen kann, dem kann ich den Roman nur wärmstens ans Herz legen. Mich hat das Buch nachhaltig bewegt!

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Eine Liebesgeschichte, die noch so viel mehr ist

Atmosphere
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Inhalt:
Der Roman handelt von Joan Goodwin, die seit sie denken kann von den Sternen und dem Weltall fasziniert ist. Als eine der ersten Frauen bei der NASA wird sie Teil des Space-Shuttle-Programms. Sie ...

Inhalt:
Der Roman handelt von Joan Goodwin, die seit sie denken kann von den Sternen und dem Weltall fasziniert ist. Als eine der ersten Frauen bei der NASA wird sie Teil des Space-Shuttle-Programms. Sie beginnt eine intensive Vorbereitung auf ihren ersten Flug ins All. Dabei geschieht etwas, womit sie nicht gerechnet hat: Sie lernt die Liebe ihres Lebens kennen.

Meine Meinung:
Die Inhaltsbeschreibung wird dem Roman bei weitem nicht gerecht, denn er ist so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte.
Joan Goodwin auf ihrer Reise ins Weltall, aber auch zu sich selbst zu begleiten hat mir unglaublich viel Freude bereitet und mich teils zu Tränen gerührt. Sie ist die perfekte Protagonistin - tapfer, intelligent, unglaublich stark, aber gleichzeitig auch sehr nahbar und zu unglaublich viel Liebe fähig und. Sie schafft es, in dem Buch immer wieder aufs Neue über sich selbst hinauszuwachsen und ihr dabei zuzusehen macht unglaublich viel Spaß!
Doch nicht nur sie konnte mich von sich begeistern, auch die anderen (vornehmend weiblichen) Charaktere konnten mich für sich einnehmen und wurden für mich sehr gut greifbar. Sie waren auch nicht nur „Beiwerk“ für die eigentliche Liebesgeschichte, sondern hatten ein richtiges Eigenleben.
Besonders die Beziehung von Joan zu ihrer Nichte ist unglaublich ergreifend. Selten habe ich familiäre Liebe auf eine so rührende und ergreifende Art und Weise dargestellt gesehen, wie zwischen den beiden. Auch die komplexe Beziehung von Joan zu ihrer Schwester navigiert der Roman mit viel Feingefühl - man sieht Joan mit sich selber hadern und auch mal an sich selber zweifeln, man sieht die nachvollziehbare Wut, kann ihre Enttäuschung nachfühlen - die Gefühle sind einfach unglaublich authentisch eingefangen.
Auch die romantische Liebe war unglaublich berührend und ergreifend. Den Schmerz habe ich teilweise fast körperlich gespürt, aber auch die Freude und Zuneigung - was es bedeutet, eine andere Person völlig und allumfassend zu lieben.
Hinzu kommt der wundervolle Schreibstil von TJR, der sich flüssig und packend liest, aber Emotionen und Gefühle auf so wunderschöne Weise einfängt.
Für mich war der Roman die perfekte Mischung aus vielschichtigen und spannenden Charakteren mit ebenso vielschichtigen Beziehungen und einem interessanten und teils rührenden Plot. Für mich dieses Jahr ein absolutes Highlight, das ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann!

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Veröffentlicht am 06.12.2023

Unterhaltsamer Liebesroman zum Mitfiebern

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen
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Inhalt:
Die toughe Literaturagentin Nora Stephens hat der großen Liebe schon lange abgeschworen. Für sie sind für vor allem zwei Dinge wichtig im Leben: Ihre kleine Schwester Libby und ihre Arbeit als ...

Inhalt:
Die toughe Literaturagentin Nora Stephens hat der großen Liebe schon lange abgeschworen. Für sie sind für vor allem zwei Dinge wichtig im Leben: Ihre kleine Schwester Libby und ihre Arbeit als Literaturagentin. Nur Libby zuliebe lässt sie sich auf einen Urlaub in der idyllischen Kleinstadt Sunshine Falls ein, wo sie ausgerechnet ihrem Rivalen Charlie Lastra über den Weg läuft, der als Lektor ebenfalls in der Verlagsszene tätig ist.

Meine Meinung:
Der Roman hat genau das geboten, was ich mir von einem Emily Henry-Roman erhofft habe: Eine unterhaltsame Liebesgeschichte mit ein bisschen Tiefgang und authentischen Charakteren.
Besonders gut gefallen hat mir die Chemie zwischen Nora und Charlie, die mich von der ersten Seite an mitreißen konnte. Die beiden funktionieren unglaublich gut miteinander. Ihre Schlagabtäusche sind so großartig wie unterhaltsam und bei den beiden hat es von der ersten Seite an geknistert. Besonders gut gefallen hat mir, dass man als Leser richtig gut nachvollziehen kann, warum sie sich ineinander verlieben. Mit ihren ähnlichen Interessen und Vorlieben scheinen die beiden von Anfang an wie geschaffen für einander, können es sich selbst jedoch nicht so ganz eingestehen. Das hat es mir sehr leicht gemacht, mit ihnen mitzufiebern.
Auch individuell sind sie spannende Charaktere mit ausreichend Tiefgang, um sie authentisch und dreidimensional wirken zu lassen. Beide sind in der Verlagswelt tätig, gehen in ihrer Arbeit vollkommen auf und lieben ihr Stadtleben in New York. Das fand ich eine angenehme Abwechslung zu sonstigen typischen Konstellationen in Liebesromanen.
Eine tragende Rolle in dem Roman spielt auch Noras Beziehung zu ihrer kleinen Schwester Libby, die in typischer Emily Henry-Manier auch tiefgründig beleuchtet wird. Die Dynamik zwischen den beiden fand ich sehr faszinierend und spannend und war für mich mindestens ein genauso großes Highlight wie die Liebesgeschichte. Insgesamt wirkt die Erzählung dadurch auch sehr „rund“ und greifbar, weil sich eben nicht alles nur um die Romanze dreht. Auch Charlies Beziehung zu seinen Eltern nimmt einen gewissen Raum ein und hilft ebenfalls, ihn als Charakter besser zu verstehen.
Inhaltlich besonders bestechen konnte mich aber, dass Bücher, Buchläden und die Liebe zum Lesen ein ganz zentrales Thema sind, auf das der Roman immer wieder zurückkommt. Als leidenschaftliche Leserin hat es mir richtig Spaß gemacht, darüber zu lesen und ich habe mich immer wieder gesehen gefühlt.
Auch sprachlich kann der Roman überzeugen. Er lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, schafft es aber dennoch die Emotionen sehr gut rüberzubringen.
Insgesamt ist es der perfekte Roman zum Mitfiebern, Mitlachen und einfach, um eine gute Zeit zu haben. Für mich war es auf jeden Fall ein Highlight unter den Liebesromanen, die ich dieses Jahr gelesen habe. Dementsprechend gibt es von mir auf jeden Fall eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 14.05.2023

Der perfekte Sommer-Wohlfühlroman!

Happy Place
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Inhalt:
Das ehemalige Traumpaar Harriet und Wyn ist schon seit sechs Monaten getrennt, nur weiß das ihre Freundesgruppe noch nicht. Als der jährliche gemeinsame Urlaub ansteht, bringen sie es nicht übers ...

Inhalt:
Das ehemalige Traumpaar Harriet und Wyn ist schon seit sechs Monaten getrennt, nur weiß das ihre Freundesgruppe noch nicht. Als der jährliche gemeinsame Urlaub ansteht, bringen sie es nicht übers Herz, ihre Freunde mit der Trennung zu konfrontieren und spielen weiterhin das perfekte Paar.

Meine Meinung:
„Happy Place“ ist genau der Wohlfühlroman, den ich mir von Emily Henry erhofft hatte. Die Liebesgeschichte zwischen Harriet und Wyn ist süß, leidenschaftlich und emotional und es hat richtig Spaß gemacht, mit ihnen mitzufiebern. Ihre Geschichte konnte mich von der ersten Seite an packen. Dabei kratzt der Roman nicht nur an der Oberfläche, sondern geht ausreichend in die Tiefe und beleuchtet auch ihre vergangene Beziehung intensiv, sodass sich ihre Gefühle für einander sehr authentisch anfühlen. Das Knistern zwischen den beiden konnte man beim Lesen förmlich spüren. Eine wirklich großartige Liebesgeschichte!
Dabei hat es mir gut gefallen, dass man nicht nur die derzeitige Perspektive auf ihre Beziehung hat, sondern dass es im Laufe des Romans immer wieder Rückblenden gibt, wodurch sich erst ein richtig „rundes“ Bild ergibt.
Auch die Charaktere konnten mich überzeugen. Harriet und Wyn waren mir beide sofort richtig sympathisch und ich habe sie gerne auf ihrem Weg begleitet. Dabei wirkten sie unglaublich greifbar und einfach sehr „menschlich“. Zusammen funktionieren die beiden großartig. Toll fand ich aber auch, dass es im Laufe des Romans ebenso sehr um ihre persönliche Charakter-Entwicklung geht, ihre Wünsche und Träume und um ihre Suche nach sich Selbst. Dabei wird auch die Rolle ihrer jeweiligen Familien und ihres Aufwachsen toll beleuchtet.
Die Freundesgruppe bietet ebenfalls einige spannende Charaktere, über die ich sehr gerne gelesen habe. Kein einziger von ihnen wirkt zu flach oder zu klischeebeladen. Vielmehr habe ich ihre einzigartige Freundschaftsdynamik richtig genossen!
Dabei finde ich es toll, dass diese Freundschaften neben der Liebesgeschichte ebenfalls eine sehr zentrale Rolle in dem Roman spielen. Die Freundinnen Harriet, Cleo und Sabrina sind seit ihrem ersten Jahr an der Uni beste Freundinnen und müssen im Laufe des Buches damit kämpfen, dass sie mit Ende zwanzig nun langsam ganz unterschiedliche Leben führen und sich immer weiter auseinander leben. Durch diese Komponente wurde der Roman erst richtig abgerundet und fühlt sich komplett und einfach sehr „echt“ an.
Ebenfalls positiv hervorheben lässt sich Emily Henrys Schreibstil, der sich sehr flüssig lesen lässt und der es geschafft hat, mich sofort in seinen Bann zu ziehen und Urlaubsstimmung bei mir zu wecken.
Zusammenfassend ist der Roman für mich die perfekte Wohlfühl-Lektüre für den nächsten Sommerurlaub! Wer auf der Suche nach einer süßen Romanze mit ein bisschen emotionalem Tiefgang ist, wird hier auf jeden Fall fündig!

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Eine hochaktuelle Dystopie

Unsre verschwundenen Herzen
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Inhalt:
Nach der einer großen Krise wird in Amerika „PACT“ eingeführt, ein Gesetz, das für Stabilität sorgen soll. Dies führt dazu, dass vor allem asiatisch-stämmige Menschen diskriminiert werden und dass ...

Inhalt:
Nach der einer großen Krise wird in Amerika „PACT“ eingeführt, ein Gesetz, das für Stabilität sorgen soll. Dies führt dazu, dass vor allem asiatisch-stämmige Menschen diskriminiert werden und dass Kinder ihren Eltern weggenommen werden, wenn diese „unpatriotisch“ sind.
Der zwölfjährige Bird lebt bei seinem Vater und hat seine Mutter seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Als er einen Brief von ihr erhält, macht er sich auf die Suche nach ihr.

Meine Meinung:
Der Roman ist eine Dystopie, die hochaktuell ist und gar nicht so weit entfernt wirkt. Gekonnt zeigt Celeste Ng auf, wie sich aus der Krise langsam ein System der Tyrannei entwickelt – getragen von der Mehrheit der Bevölkerung – und wie es funktioniert und von der Angst der Menschen lebt. Wie eine Gruppe von Menschen den Sündenbock spielen muss. All das erscheint unglaublich realistisch und nahe, auch weil (wie in der Anmerkung der Autorin benannt) die Dystopie zahlreiche Bezüge zur „realen“ Welt hat.
In diesem Roman glänzt Celeste Ng erneut mit ihrer unglaublichen Sprachgewalt. Teils fast schon lyrisch, fängt sie die bedrückende Stimmung dieser Dystopie und die Verzweiflung der Menschen ein. Mit ihren Worten hat sie mich von der ersten Seite an in ihren Bann genommen.
Wie von der Autorin gewohnt, handelt es sich auch diesmal um ein Familiendrama, das insbesondere von der Beziehung zwischen Mutter und Sohn handelt, die sich so lange nicht gesehen haben. Gleichzeitig geht es in dem Buch aber auch um viel größere Themen wie Rassismus, Meinungsfreiheit, Zensur und Tyrannei. Dabei bleibt aber immer ein gewisser hoffnungsvoller Ton erhalten, der Glaube an das Gute im Menschen.
Die Charaktere fühlen sich real und „menschlich“ an. Bird, der langsam begreift, dass allein sein Aussehen ihn zum Feind vieler Amerikaner macht, wirkt sehr authentisch. Aber auch die Sorgen, Ängste und Zweifel seiner Mutter waren sehr gut nachvollziehbar. Ich konnte mich in beide hineinversetzen und mit ihnen mitfühlen.
Diese unglaublich ernste und wichtige Geschichte ist mit unter die Haut gegangen und wird mich noch eine ganze Weile begleiten. Für mich war „Unsre verschwundenen Herzen“ ein Jahreshighlight. Deshalb gibt es von mir auch eine ganz klare Leseempfehlung!

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