Bewegende und raue Erzählung über Scham, familiäre Verpflichtung und Liebe
John of JohnInhalt:
Nachdem Cal den Fängen der Hebriden eigentlich entkommen war und für sein Studium nach Edinburgh geflohen war, kehrt er nun auf die Insel zurück. Dort geht das Leben seinen gewohnten Gang - die ...
Inhalt:
Nachdem Cal den Fängen der Hebriden eigentlich entkommen war und für sein Studium nach Edinburgh geflohen war, kehrt er nun auf die Insel zurück. Dort geht das Leben seinen gewohnten Gang - die Schafe, das Weben und vor allem die presbyterianische Strenge, die es verhindert, das Cal als schwuler Mann offen leben kann.
Meine Meinung:
Der Roman ist eine bewegende und ergreifende Erzählung über Scham, familiäre Verpflichtungen und Liebe. Zentraler Fokus ist die komplizierte Beziehung zwischen Cal und seinem tiefgläubigen und strengen Vater, dem es schwer fällt, aus seiner eigenen Haut zu kommen. Sie sind hin- und hergerissen zwischen tiefer Zuneigung, einem familiären Verpflichtungsgefühl und tief lodernder Wut.
In der Dorfgemeinschaft herrschen strenge Vorstellungen von Anstand und Sitte. Gleichzeitig wachsen einem die unterschiedlichen, teils skurrilen Charaktere schnell ans Herz. Wie man es bereits aus seinen anderen Werken gewohnt ist, gelingt es dem Autor auch diesmal, unglaublich einprägsame, greifbare und dennoch authentische Persönlichkeiten zu schaffen, mit denen man von der ersten Seite an mitfiebert. Teilweise können Cal und sein Vater unglaublich grausam und egoistisch sein. Sie machen dumme Fehler, sie sind wütend und manchmal auch irrational, aber ich konnte dennoch immer mit ihnen mitfühlen - allein das zeugt von dem unglaublichen Talent des Autors.
Die Geschehnisse werden teils sehr nüchtern beschrieben, ohne dass der Autor groß wertet. Gleichzeitig schildert er aber das Menschliche - auch die unschönen Seiten - mit einer solchen Präzision, dass man immer wieder das Gefühl hatte, dass der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird.
Der Roman brilliert auch mit einer unglaublich schönen und ausdrucksstarken Sprache, welche die Landschaft der Hebriden und die teils erdrückende Stimmung nachdrücklich einfängt. Mit jedem Wort konnte mich diese Welt mehr in ihren Bann ziehen. Am Ende war ich richtig traurig, die Insel nun wieder verlassen zu müssen.
Wer sympathische Charaktere und unkomplizierte Lösungen braucht, um ein Buch richtig zu mögen, ist hier sicher nicht an der richtigen Stelle. Wer sich jedoch auch die komplizierte Reise einlassen kann, dem kann ich den Roman nur wärmstens ans Herz legen. Mich hat das Buch nachhaltig bewegt!