Top recherchierte erweiterte Form einer Sage von wenigen Versen
Die Kinder der JokasteIch wurde auf die Autorin durch "Stone Blind" von dtv aufmerksam, die Geschichte der Medusa, die u.a. meinen größten Jahreshighlights 2023 und einem meiner Lieblingsbücher zählt.
Auch in 𝔻𝕚𝕖 𝕂𝕚𝕟𝕕𝕖𝕣 𝕕𝕖𝕣 ...
Ich wurde auf die Autorin durch "Stone Blind" von dtv aufmerksam, die Geschichte der Medusa, die u.a. meinen größten Jahreshighlights 2023 und einem meiner Lieblingsbücher zählt.
Auch in 𝔻𝕚𝕖 𝕂𝕚𝕟𝕕𝕖𝕣 𝕕𝕖𝕣 𝕁𝕠𝕜𝕒𝕤𝕥𝕖 erzählt Hayes einen griechischen Mythos aus oft übersehenen weiblichen Perspektiven: Jokaste in der Vergangenheit und ihre Tochter Ismene in der Gegenwart.
Jokastes Geschichte beginnt als 15jährige, die nach Theben geschickt wird, um dort an einen wesentlich älteren König verheiratet zu werden, der jedoch kein Interesse an ihr hat. Ich muss gestehen, bis zur Ankuft von Ödipus war dieser Teil des Plots am handlungsärmsten. Die abwechselnden Kapitel zur Perspektive ihrer Tochter, die mit einem Mordanschlag beginnen, Unsicherheiten innerhalb der Palastmauern und der ewigen Frage nach dem rechtmäßigen Herrscher über Theben, brachten viel Spannung.
Die Beziehung zwischen Jokaste und Ödipus im Kontext der Pest war wirklich nervenaufreibend bis zur letzten Seite. Mann litt, liebte und zweifelte von Anfang bis zum hochemotionalen Ende mit den beiden.
Hätte ich nicht von vorne herein gewusst, wie der Mythos aufgelöst wird, wüsste ich nach Beenden der Lektüre tatsächlich nicht, was nun die Wahrheit ist - hier darf sich jeder seinen Teil denken.
Die Geschichte nimmt somit zunehmend an Fahrt auf und lässt einen zum Ende hin nicht mehr los.
Auch hier zeigt die Autorin wieder erfolgreich auf, wie schwierig es für die Frauen zu dieser Zeit ist, sich gegen das Patriarchat durchzusetzen, wenngleich sie mit Jokastes und später Anis Krönung eine gelungene 180Grad Wendungen wirklich starker, selbstbewusster, intelligenter Protagonistinen aufführt.
Im Nachwort wird der Ursprung des Mythos nochmal im verschiedenen Quellen verglichen, man merkt die ausführliche Recherchearbeit der Autorin wie schon bei STONE BLIND.
Ich kann den Roman jedem empfehlen, der sich für top recherchierte griechische Mythologie mit Fokus auf der weiblichen Perspektive interessiert - oder einfach für den Ödipus-Mythos.
Da sich der Anfang aus Jokastes Sicht etwas zog, es Mittelteil und Schluss aber in sich hatten, gebe ich 4 ⭐