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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2024

Herrlich ironische Unterhaltung mit hohem Ratgeberanteil

Achtsam morden durch bewusste Ernährung
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Schon länger ist Björn Diemels Leben durch Achtsamkeit und Ruhe geprägt. Als allerdings bei einem Schulausflug im Zoo seine Tochter Emily entführt werden soll, was er nur knapp verhindern kann, muss Björn ...

Schon länger ist Björn Diemels Leben durch Achtsamkeit und Ruhe geprägt. Als allerdings bei einem Schulausflug im Zoo seine Tochter Emily entführt werden soll, was er nur knapp verhindern kann, muss Björn sich eingestehen, dass sich der mit der inneren Ruhe einhergehende Bewegungsmangel negativ auf seinen Körper ausgewirkt hat. Natürlich hat Achtsamkeits-Coach Joschka Breitner auch für dieses Problem die passende Lösung inklusive eines selbst verfassten Ratgeberbuches parat. "Schöner wohnen im eigenen Körper" heißt die neue Devise, die Björn die Freuden des Heilfastens näher bringt und ihm zum Umgang mit Emilys Entführern ganz neue Ideen vermittelt.

"Achtsam morden durch bewusste Ernährung" von Karsten Dusse kombiniert in gewohnt witziger Weise das kriminelle Leben des Anwalts Björn Diemel mit einem Ratgeber-Anteil, der dem Protagonisten von seinem Therapeuten Joschka Breitner vermittelt wird und nebenbei auch den Lesern einiges Wissen zum jeweiligen Thema (dieses Mal eben Heilfasten) mit gibt. Gewürzt wird das Ganze durch Björns herrlich spitzfindige Gedankengänge zu allen Geschehnissen in seinem Umfeld, mich haben besonders seine inneren Ausführungen zum Schulsystem köstlich amüsiert.

Der Schreibstil ist fesselnd, wie ich es bereits von den Vorgängerbänden her kenne und mag, der Autor versteht es meisterhaft, den alltäglichen Wahnsinn unseres Lebens in ironischen Worten zu hinterfragen. Der Mittelteil des Buches hat sich für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge gezogen, Björn war so intensiv mit Joschka Breitners Ausführungen zum Heilfasten und seinem körperlichen Befinden beschäftigt, dass der kriminelle Handlungsstrang für mich etwas zu sehr in den Hintergrund getreten ist. Dafür wurde der Schluss dann relativ knapp abgehandelt, hier hätte ich mir zum Ausklang ein paar Seiten mehr gewünscht. Nichtsdestotrotz hat mich diese Lektüre die meiste Zeit ganz wunderbar unterhalten, so dass ich dafür gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Abgesehen von dem etwas lang gezogenen Mittelteil bietet dieser Roman die gewohnt unterhaltsame Mischung aus kriminellem Treiben, achtsamen Ratschlägen und spitzfindig-ironischer Weltanschauung, ein Lesevergnügen, das ich gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 02.02.2024

Humorvolle Fantasy, geprägt von derbem Vokabular und blutigem Kampfgeschehen

Die Prinzessinnen: Helden und andere Dämonen
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Narvila ist inzwischen gut in die schlagkräftige Prinzessinnen-Truppe integriert, ihr neuer Auftrag bringt die hochwohlgeborenen Damen allerdings beinahe an ihre Grenzen. Sie sollen den Helden Prytos beschützen, ...

Narvila ist inzwischen gut in die schlagkräftige Prinzessinnen-Truppe integriert, ihr neuer Auftrag bringt die hochwohlgeborenen Damen allerdings beinahe an ihre Grenzen. Sie sollen den Helden Prytos beschützen, der sich vor hunderten von Jahren im Götterkrieg einen Namen gemacht hat, dessen Unsterblichkeit ihm nun allerdings immer mehr verloren geht. Beinahe schlimmer als sämtliche Bestien, gegen die die Prinzessinnen ankämpfen müssen, ist Prytos selbst, denn dessen Ego ist gewaltiger als jedes erdenkliche Monster.

"Die Prinzessinnen: Helden und andere Dämonen" von Christian Endres ist der zweite Band der Reihe um die Söldnerinnentruppe, deren Mitglieder zwar tatsächlich allesamt echte Königstöchter sind, deren Ausdrucksweise und Kampfstil allerdings in keinerlei Hinsicht auf die adlige Herkunft schließen lässt. Narvila, Aiby, Mef, Decanra und Cinn pflegen ein derbes Vokabular und einen zotigen Humor. Wer das mag, der wird in diesem Buch fantastisch unterhalten werden, es kann durchaus auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden. Mir persönlich waren die Prinzessinnen bereits im ersten Band ans Herz gewachsen und ich habe mich gefreut, sie erneut auf einer Abenteuerreise begleiten zu können.

Den Schreibstil habe ich als eingängig und locker empfunden, lediglich das immer wieder kehrende Kampfgeschehen hätte für meinen Geschmack etwas kürzer gefasst sein dürfen. Die mittelalterlich anmutende Fantasywelt hatte eine Vielzahl an diversen Monstern und Fabelwesen zu bieten und die Prinzessinnen mussten auf ihrem Weg gefühlt gegen jedes Einzelne von ihnen antreten. Zwischen den Kapiteln, die das aktuelle Geschehen zeigen, war immer ein mit "Einst" überschriebener Abschnitt eingefügt, der Einblicke in die Vergangenheit der einzelnen Söldnerinnen gewährt hat. Diese Rückblenden haben mir besonders gut gefallen, so konnte ich die Protagonistinnen noch etwas besser kennen lernen - und jedes "Einst"- Kapitel hatte inhaltlich einen Bezug zur darauf folgenden Wegstrecke des aktuellen Abenteuers. Insgesamt habe ich mit dem Roman einige angenehme Lesestunden verbracht, so dass ich das Buch gern weiter empfehle.

Fazit: Die Fantasygeschichte ist in mittelalterlichem Ambiente angesiedelt, dementsprechend derb ist die Ausdrucksweise der Hauptfiguren. Auch im Kampfgetümmel zeigen sich die hochwohlgeborenen Damen hart gesotten, es fließt jede Menge Blut und Körperteile werden abgeschlagen. Wer sich darauf einstellt, den erwartet eine humorvolle Lektüre, für die ich gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Veröffentlicht am 22.01.2024

Rasantes Weltraumabenteuer mit Romantasy-Vibes

Star Bringer
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Kalinda, die Prinzessin der neun Planeten, ist zum ersten Mal auf einer diplomatischen Mission außerhalb des Palastes unterwegs, als die Raumstation auf der sie sich befindet angegriffen wird. Mit sechs ...

Kalinda, die Prinzessin der neun Planeten, ist zum ersten Mal auf einer diplomatischen Mission außerhalb des Palastes unterwegs, als die Raumstation auf der sie sich befindet angegriffen wird. Mit sechs weiteren, sehr verschiedenen Personen kann sie sich auf ein Raumschiff retten, bei dem es sich offensichtlich um ein Alien-Artefakt handelt. Auf ihrem Flug werden sie immer wieder verfolgt und beschossen, ohne zu ahnen, wer es eigentlich auf sie abgesehen hat - und wie das gesamte System, dessen Sonne zu verlöschen droht, gerettet werden kann.

"Star Bringer" von Tracy Wolff und Nina Croft ist ein unterhaltsames Weltraumabenteuer, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Ohne großartiges Vorgeplänkel wurde ich zu Beginn direkt in Kalindas öffentlichen Auftritt hinein geworfen, erst im Lauf der Handlung habe ich nach und nach mehr Informationen über die Protagonisten und die Welt der neun Planeten erhalten. Dadurch hat es länger gedauert, bis ich mir ein Bild von den einzelnen Figuren machen konnte und auch der Hintergrund hätte für meinen Geschmack gern etwas ausführlicher vorgestellt werden können. Da fast alle Planeten des Systems bewohnt sind, hatte ich leichte Schwierigkeiten, die verschiedenen Völker und die jeweiligen Heimatplaneten vor meinem geistigen Auge zu sortieren.

Den Schreibstil habe ich als sehr mitreißend empfunden, trotz der relativ großen Seitenzahl bin ich nur so durch das Buch geglitten und gefühlt viel zu schnell am Ende angekommen. Die Spannung hielt sich meiner Meinung nach auf einem konsequent hohen Niveau, zwischenzeitlich mochte ich den E-Reader kaum aus der Hand legen. Wie ich es bereits aus der Katmere-Reihe von Tracy Wolff kenne, trägt so ziemlich jede Person das eine oder andere Geheimnis mit sich, daher wurde ich immer wieder überrascht. Ganz ohne Klischees kommt die Geschichte nicht aus, es gab auch ein paar (für mich recht unbedeutende) Logikfehler, doch insgesamt habe ich mich von diesem rasanten Weltraumabenteuer prächtig unterhalten gefühlt, so dass ich dafür gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Wer bereit ist, über manches Klischee und einige Fehler in der Logik hinweg zu sehen, den erwartet in diesem Roman ein spannendes, rasantes Weltraumabenteuer - mit einem nicht geringen Anteil Romantasy. Mich hat die Geschichte wunderbar unterhalten, so dass ich das Lesevergnügen gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 22.12.2023

Unterhaltsamer Liebesroman, der in der Buchbranche spielt

Literally Love 1. Paperthin Touch
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Clio ist mit Leib und Seele Lektorin, sie liebt ihre Arbeit und freut sich, dass sie das neue Werk des Erfolgsautors Bryn Spurling betreuen darf. Bereits beim ersten Austausch wird ihr klar, dass Bryn ...

Clio ist mit Leib und Seele Lektorin, sie liebt ihre Arbeit und freut sich, dass sie das neue Werk des Erfolgsautors Bryn Spurling betreuen darf. Bereits beim ersten Austausch wird ihr klar, dass Bryn tatsächlich so schwierig ist, wie alle Kollegen im Verlag behauptet haben, doch so leicht lässt sich Clio nicht entmutigen. Schlagfertig tauscht sie sich mit dem Autor aus, von dem niemand weiß, wer sich hinter seinem Pseudonym verbirgt - dabei scheint es, als ob er langsam beginnt, ein wenig zu flirten. Oder geht Clios Fantasie mit ihr durch? Ehe sie dazu kommt, diese Gedanken zu klären, will Bryn sich mit ihr treffen, wird er der Lektorin dabei sein Geheimnis offenbaren?

"Paperthin Touch" von Tarah Keys ist ein unterhaltsamer Liebesroman, der sich um mein Lieblingsthema - Bücher - dreht. Dennoch hat es etwas gedauert, bis ich emotional in die Geschichte eingestiegen bin, der Anfang hat sich für mich ein wenig gezogen. Clio war mir schnell sympathisch, während Bryn natürlich erst einmal sehr geheimnisvoll wirkte. Sowohl die Protagonisten, als auch die Figuren in ihrem Umfeld fand ich authentisch und lebensecht beschrieben, ich habe sie alle als reale Personen betrachtet, nicht als flache Papiergestalten.

Der Schreibstil hat mich ebenfalls angesprochen, ich bin zum größten Teil leicht und locker durch die Geschichte geglitten. Immer wieder waren Textauszüge von Bryns neuem Roman in den Handlungsverlauf eingefügt, die Nachrichten zum Manuskript waren ja in der ersten Buchhälfte das einzige Kommunikationsmittel zwischen dem Autor und seiner Lektorin. Für meinen Geschmack gab es dabei allerdings zu viele Wiederholungen, der Text wurde zwischen Clio und Bryn hin und her geschickt und mit Anmerkungen versehen, dafür hätte ich den jeweiligen Auszug nicht zwei- oder dreimal lesen müssen. Insgesamt hatte ich dennoch einige unterhaltsame Stunden mit dieser Lektüre, so dass ich dafür gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Nach einem etwas langgezogenen Einstieg hat mich die Geschichte dann doch noch in ihren Bann gezogen und bis zur letzten Seite nicht mehr los gelassen. Das in der Buchbranche angesiedelte Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 21.12.2023

Wunderbar idyllischer Hintergrund und spannende Ermittlungen

Eiskaltes Erzgebirge
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Nach einem traumatischen Erlebnis hat sich Hauptkommissar Alexander Berghaus in ein kleines Erzgebirgsdorf zurück gezogen. Doch auch hier gibt es nicht ausschließlich idyllischen Frieden, auf der großen ...

Nach einem traumatischen Erlebnis hat sich Hauptkommissar Alexander Berghaus in ein kleines Erzgebirgsdorf zurück gezogen. Doch auch hier gibt es nicht ausschließlich idyllischen Frieden, auf der großen Weihnachtspyramide am Markt wurde ein Mordopfer knieend drapiert. Alexanders Chef schickt ihm ausgerechnet Kommissarin Anne Keller, die ihm bei den Ermittlungen helfen soll, dabei kam er schon seinerzeit in Dresden nicht besonders gut mit der schnippischen Kollegin aus. Um den Fall zu lösen, müssen sie sich nicht nur zusammen raufen, sondern auch tief in die Vergangenheit des Opfers eintauchen.

"Eiskaltes Erzgebirge" von Danielle Zinn ist ein Krimi, bei dem mich der regionale Bezug ganz besonders gereizt hat, da ich nicht weit vom Erzgebirge entfernt wohne, war ich bereits das eine oder andere Mal im Handlungsort Crottendorf. Und ich muss sagen, dass es mir sehr gefallen hat, wie die Autorin das verschneite Dörfchen mit seiner heimeligen, vorweihnachtlichen Atmosphäre in Szene gesetzt hat, die Beschreibung des Hintergrunds fand ich gemütlich. Ihren Schreibstil und die Krimihandlung an sich kann ich nur als äußerst fesselnd bezeichnen, ich habe von Seite zu Seite mit gerätselt und selbst, als ich bereits eine leisen Verdacht hatte, wer der Täter gewesen sein könnte, hat die Spannung meiner Meinung nach kein bisschen nach gelassen.

Mit Alexander Berghaus hat die Autorin einen Ermittler vorgestellt, der mir schnell sympathisch war, da die Handlung (in der dritten Person) aus seiner Perspektive erzählt wurde, hatte ich bald den Eindruck, ihn schon recht gut zu kennen. Anne Keller hingegen blieb bis kurz vor dem Ende sehr distanziert, nicht nur Alexander gegenüber, auch mir hat sich ihre Persönlichkeit nur wenig erschlossen. Bei den Nebenfiguren hätte ich mir ebenfalls eine ausführlichere Charakterisierung gewünscht, besonders bei Jan und Sascha Berghaus konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass mir ein Teil der Vorgeschichte fehlt. Eventuell liegt es daran, dass ich die beiden Erzgebirgskrimis von René Seidenglanz noch nicht gelesen habe, an die sich dieser Roman anschließt. (Wem es ebenso geht, dem empfehle ich die Internetseite der beiden Autoren: erzgebirgekrimi.de, dort werden die Hauptfiguren kurz vorgestellt, was mir geholfen hat, mir ein Bild von ihnen zu machen.)

Fazit: Der Regionalkrimi ist von Anfang bis Ende durchgehend spannend und die Beschreibung des erzgebirgischen Hintergrunds fand ich sehr gemütlich. Lediglich einige Figurenbeschreibungen sind für meine Geschmack etwas knapp ausgefallen, insgesamt ist dieser Roman aber eine fesselnde Lektüre, die ich besonders für angenehme Lesestunden am Kamin geeignet sehe, eventuell mit einem warmen Getränk, während es draußen stürmt und schneit.