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Veröffentlicht am 29.12.2023

der moralische Kompass

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Das war jetzt sehr gemein und passiert mir wirklich selten. Als ich das letzte Mal auf die Uhr geschaut habe, war es 2:38 Uhr und ich wollte das Buch unbedingt zu Ende lesen. Okay, es war eine sehr kurze ...

Das war jetzt sehr gemein und passiert mir wirklich selten. Als ich das letzte Mal auf die Uhr geschaut habe, war es 2:38 Uhr und ich wollte das Buch unbedingt zu Ende lesen. Okay, es war eine sehr kurze Nacht, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
"Monster" von Nele Neuhaus besticht für mich durch die absolute Realitätsnähe der Protagonisten.
Ich fühlte mich (wie auch bei allen anderen Bänden) sofort in die Geschichte hineingezogen, als hätte ich nur eine Auszeit genommen und wäre nun auf Heimatbesuch bei lieben Bekannten. Besonders hervorzuheben ist, auch durch die Liebe zum Detail, dass die Protagonisten einen sehr hohen Wiedererkennungswert haben, so dass man sich fast sofort wieder in der Welt von K11 zurechtfindet.
Der Schreibstil von Frau Neuhaus gefällt mir sehr gut, er verbindet die Facetten der Charaktere mit der Umgebung und ist trotzdem nie abschweifend, sondern unglaublich anschaulich.
Es gibt mehrere Handlungsstränge in diesem Buch, zuerst der Mord an Larissa, dann ein Autounfall, der einen merkwürdigen Beigeschmack hinterlässt. Diese Handlungsstränge werden recht schnell zusammengeführt, die Aufklärung verläuft nicht ganz geradlinig, was aber die Spannung hoch hält.
Wie immer bei Frau Neuhaus gibt es eine Fülle von Personen, einige absolut unverdächtig, andere äußerst verdächtig, aber dennoch unschuldig. Diese Wendungen bilden sozusagen das Stützkorsett für die eigentliche Kernfrage des Buches. Die Bewertung von Schuld.

In sich selbst, wohin zeigt der eigene moralische Kompass.
Und natürlich: der Kompass der anderen, der "Masse". Ein heikles Thema in Bezug auf soziale Medien, vor allem wenn es um Menschen geht, die prädestiniert sind für ein bildhaftes Vorurteil. Die Schnelligkeit dieser Medien und die damit verbundene schnelllebige Welt machen es dem eigenen Kompass oft unglaublich schwer, objektiv zu bleiben.
Ein weiteres Thema des Buches ist Rache und was passieren kann, wenn man den schmalen Grat zwischen Wunschdenken und Realität überschreitet.

Durch die realistische Beschreibung aller Charaktere fand ich diese Themen unglaublich berührend und die Spannung sehr hoch. So hoch, dass ich das Buch unbedingt zu Ende lesen musste.

Das Ende fand ich etwas suboptimal, eben schnell einen Knoten in den letzten noch losen roten Faden, aber letztendlich war es okay.
Was mich wirklich gestört hat, ist, dass das Buch sehr viele Fehler hat. Es fehlen teilweise ganze Sätze und grammatikalisch ist auch einiges offen geblieben. Außerdem gibt es tatsächlich einige kleine Bugs. (engl. Bugs = Käfer, Krabbeltier oder synonym Fehler in Programmen), die von der Logik her nicht perfekt in die Ermittlungsarbeit passen oder einfach überlesen wurden.

Fazit: Dieses Buch hat mich sehr begeistert und berührt.

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Veröffentlicht am 27.12.2023

Klasse

Die Hafenärztin. Ein Leben für die Hoffnung der Menschen (Hafenärztin 4)
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Diesen Teil der Reihe fand ich etwas anders als die vorherigen Bände.
Der Einstieg ist mir sehr leicht gefallen, da alle Protagonisten sehr prägnant sind und mir daher noch im Gedächtnis waren. Auch die ...

Diesen Teil der Reihe fand ich etwas anders als die vorherigen Bände.
Der Einstieg ist mir sehr leicht gefallen, da alle Protagonisten sehr prägnant sind und mir daher noch im Gedächtnis waren. Auch die Zeit, in der dieses Buch spielt, ist wieder wunderbar beschrieben, allerdings fand ich dieses Mal den "Kriminalfall" etwas verwirrend. Alles läuft auf ein gut ausgearbeitetes Finale hinaus, aber die roten Fäden waren mir in diesem Band etwas zu locker gespannt.
Das Hamburg der frühen 1900er Jahre wird wunderbar und lebendig eingefangen, mit all seinen schönen und sehr hässlichen Schattierungen. Damals kamen die ersten Telefone und Autos zu den Menschen, heute unvorstellbar .... All diese Momente der Vergangenheit haben das Buch sehr verzaubert und den Leser entschleunigt. Auch die Tatsache, dass die Menschen damals noch "richtig miteinander reden mussten" und es keinen familiären Whatsapp-Kanal gab, fand ich sehr entschleunigend. Außerdem steckte die Rechtsmedizin damals noch in den Kinderschuhen und all diese historischen Gegebenheiten wurden von der Autorin wunderbar und sehr authentisch dargestellt. Was für mich einen kleinen verwirrenden und verstörenden Effekt hatte. Ich hatte das Gefühl, dass auf jeder Seite immer irgendjemand irgendwo mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder mit der Droschke unterwegs war. Das soll keine Kritik sein, es ist mir nur aufgefallen. Hauptsächlich geht es um Anne und wie Annes Leben verläuft, mit dem Vater vor Gericht und der Mutter in Hamburg. Eine andere große Rolle spielt Helene, die, selbstbewusst, wie man sie kennt, sich aufmacht, um zu studieren. Und die Berthold auf die Suche nach seiner Vergangenheit schickt. Das alles ist sehr gut miteinander verknüpft, wobei mir diesmal der Krimiteil etwas zu unübersichtlich aufgebaut war. Zu viele Themen wurden auf zu viele Seiten verteilt, so dass ich das Buch beim Lesen etwas atemlos fand.
Und den Epilog hätte ich mir etwas länger gewünscht *grins. Mir fehlen noch ein paar Fäden in Form von Heirat und Nachwuchs..................................
Aber das sind marginale Kritikpunkte an einem fantastischen Buch, das jeden Leser, der historische Romane mag, verzaubern wird.

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Veröffentlicht am 17.12.2023

grausam gut

NACHT - Die Toten von Jütland
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Dieses Buch ist schon etwas Besonderes, aber im positiven Sinne. Es spielt in einer besonderen Gegend, in der eine besondere Art von Menschen lebt. Eine Familie sticht besonders hervor - aber nicht im ...

Dieses Buch ist schon etwas Besonderes, aber im positiven Sinne. Es spielt in einer besonderen Gegend, in der eine besondere Art von Menschen lebt. Eine Familie sticht besonders hervor - aber nicht im positiven Sinne. So ist es nicht verwunderlich, dass einer Leiche der Name eben jener Familie in den Bauch geritzt wird. Da der Ermittler William Grandberg mit genau dieser Familie blutsverwandt ist, kann er nur von der Seitenlinie zuschauen, wie seine Kollegen und die hinzugezogene Task Force 14 versuchen, diesen Fall zu lösen.
Der Autor macht es dem Leser nicht leicht. Der Schreibstil ist absolut kompromisslos und es gibt einige sehr schwer verdauliche Passagen in der Geschichte. Das hat mir aber sehr gut gefallen. Nichts ist weichgespült in diesem Buch und es ist oft so düster wie die Landschaft, in der es spielt.
Von den Charakteren ist einer sperriger als der andere, was es mir oft nicht leicht gemacht hat, mich in die Geschichte einzufinden. Ich muss sagen, dass der Zauber erst ganz am Ende einsetzt. Sobald man die letzte Seite verschlungen hat, klärt sich das ganze perfide und sehr gut durchdachte Konstrukt auf und das Buch wirkt nach. Gerade auch durch die sperrigen Figuren. Und die Zwischenkapitel, die in Rumänien spielen und dem Buch noch einmal einen ganz besonderen, zusätzlichen, düsteren Charme verleihen.
Dieses Buch ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man A-HA Effekte und eine punktgenaue Auflösung mag, die aber, und das fand ich auch sehr gut und stimmig, kein rosarotes Ende herbeizaubert, sondern der Linie des Buches treu bleibt.
Fazit: Absolut empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 05.12.2023

1000 Sünden

Das Gericht der 1000 Sünden | Erotische Geschichten
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Normalerweise denkt man bei Justitia an Ehrbarkeit und Bescheidenheit, aber davon ist in diesem Buch nicht viel zu spüren. Hinter verschlossenen Türen spielen sich ziemlich heiße Szenen ab. Was mir an ...

Normalerweise denkt man bei Justitia an Ehrbarkeit und Bescheidenheit, aber davon ist in diesem Buch nicht viel zu spüren. Hinter verschlossenen Türen spielen sich ziemlich heiße Szenen ab. Was mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, ist der rote Faden, der sich durch das ganze Buch zieht, denn alles dreht sich um den Gerichtsalltag. Trotzdem hat jede Geschichte ihren eigenen Stil und ihre eigene Besonderheit. Das hat mir auch gefallen, weil es ungewöhnliche und sehr abwechslungsreiche Spielarten waren.
Den Sprachstil fand ich super, wenn auch manchmal etwas eintönig in der Beschreibung der Personen. Jeder Prozess endet natürlich in einer heißen erotischen Gelegenheit, die das Kopfkino anregt, alles sprachlich gut beschrieben, ohne zu sehr ins Vulgäre abzugleiten.
Alle Geschichten sind toll und das Buch liest sich wunderbar. Es vertreibt einem entweder die Zeit oder lässt den Leser in eine andere Welt, diesmal vor Gericht, eintauchen und nebenbei kann man auch noch den einen oder anderen erotischen Gedanken einfangen.

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Veröffentlicht am 31.10.2023

Tolle Themenauswahl

Bleibt das Herz stehen, wenn man niest?
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Ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen. Es macht einfach Spaß.
Ich gehe davon aus, dass Doc Caro eine Person ist, die im öffentlichen Leben polarisiert. Man mag sie oder man mag sie nicht. Eine ...

Ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen. Es macht einfach Spaß.
Ich gehe davon aus, dass Doc Caro eine Person ist, die im öffentlichen Leben polarisiert. Man mag sie oder man mag sie nicht. Eine Notärztin, die in den sozialen Medien präsent ist, passt das zusammen?
Für mich auf jeden Fall und zu 100 Prozent. Ich empfinde Bewunderung für diese Frau, die so hinter ihrem Beruf steht, ihn mit Herzblut ausübt und darüber auch noch heitere Bücher schreiben kann. Darüber hinaus ist es eine große Kunst, Menschen in Notsituationen in einfachen und klar verständlichen Zusammenhängen zu vermitteln, was gerade passiert und was auf die Menschen zukommt.
Und von dieser Kunst lebt das Buch. Kleine Kapitel, die man in kleinen Häppchen lesen kann, führen den Leser einmal quer durch den Körper. Und da gibt es viel zu entdecken.
Die Themen fand ich gut gewählt, bei vielen Kapiteln musste ich schmunzeln, weil ich genau das in meinem Alltag mit Kind oft erlebe. Von: Zieh - dir bitte - Socken - an, bis: Du - hast - gerade - drei - Burger - gegessen - bitte - warte - noch - bis - zum - Schwimmen.
Okay, jetzt bin ich schlauer :), und ich habe dieses Wissen auf sehr ansprechende Weise vermittelt bekommen. Umgangssprachlich, trotzdem medizinisch perfekt erklärt, ohne erhobenen Zeigefinger und in einem Schreibstil, der die Liebe der Autorin zu ihrem Beruf und zum menschlichen Körper in jeder Zeile durchschimmern lässt. Und als Laie kann man mit jedem angesprochenen Thema etwas anfangen.

Fazit: Ein Sachbuch für jedermann.
Fazit2: Liest man extrem selten von mir :). Ich finde das Buch absolut verschenkbar.

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