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Veröffentlicht am 28.01.2024

Das Buch wird uns nun begleiten

Brandenburg mit Kindern
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Zuerst einmal war ich total baff, was ich alles noch nicht kenne. Da lebt man nun schon sein ganzes Leben lang in Berlin und hat so manchen Ausflug mit den Kindern nach Brandenburg unternommen und dann ...

Zuerst einmal war ich total baff, was ich alles noch nicht kenne. Da lebt man nun schon sein ganzes Leben lang in Berlin und hat so manchen Ausflug mit den Kindern nach Brandenburg unternommen und dann wird man durch dieses wunderbare Buch mit seinen 200 Ausflugszielen so überrascht. Mir gefällt sehr die Anordnung nach Themengebieten. Das macht die Entscheidung leichter und die Suche übersichtlich. Unter der jeweiligen Kategorie (z.B. „Für Tierfreunde“ oder „Für Ritter und Prinzessinnen“ findet man zahllose Angebote und Tipps für den nächsten Ausflug. Und bereits im Inhaltsverzeichnis neben dem Ausflugsziel das Kfz-Kennzeichen um sich einen Überblick verschaffen zu können, wie weit es entfernt liegt. Jedes Ausflugsziel wird auf einer Seite beschrieben, inklusive eines prägnanten Fotos und einem Kasten mit Adresse und den wichtigsten Daten und Fakten. Besonders gut gefällt mir die Kategorie „Badeseen und Strandbäder“. Ja, Brandenburg hat dutzende Seen, aber gerade dieser Umstand ist es, der die Wahl so schwierig macht. Denn hat man einen in der Nähe gefunden, heißt es noch lange nicht, dass man in ihm baden kann oder die Badestelle findet. Ich freue mich schon riesig darauf im Sommer die neu entdeckten Badeseen und Standbäder zu erkunden. Begeistert haben mich auch die saisonalen Highlights. Wir lieben es saisonales Obst ernten zu fahren und hier sind die großen Obsthöfe aufgelistet aber auch die Tannenhöfe, um zur Weihnachtszeit den Baum selbst schlagen zu können. Ich bin mir sicher: Dieses Buch wird uns die nächsten Jahre begleiten. Die Kinder haben für dieses Jahr schon Markierungen geklebt, was sie an den Wochenenden und Ferien erleben möchten. Und diese Aussicht auf ein erlebnisreiches neues Jahr macht einfach nur glücklich.

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Veröffentlicht am 22.01.2024

Die Familie aus Elmshorn

Das Haus Kölln. Glänzende Zeiten
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Wohl jeder kennt sie seit frühster Kindheit- die zartschmelzenden Haferflocken. Doch wer kennt schon das traditionsreiche Familienunternehmen, das dahintersteht? Ich zumindest kannte es bisher nicht. Also ...

Wohl jeder kennt sie seit frühster Kindheit- die zartschmelzenden Haferflocken. Doch wer kennt schon das traditionsreiche Familienunternehmen, das dahintersteht? Ich zumindest kannte es bisher nicht. Also habe ich mich zum Mühlwerk nach Elmshorn in die Zeit Um 1890 entführen lassen. Starke und innovative Frauen sind mir begegnet. Die Mutter Charlotte ist noch sehr gefangen in den alten Konventionen und pflegt weiter die strenge Hierarchie in der Familie, nachdem ihr Mann verunglückt ist. Damit macht sie ihren Töchtern und Schwiegertöchtern das Leben schwer. Doch die Frauen des Hauses Kölln sind ihrer Zeit voraus und wollen selbstständig sein, studieren und einen Beruf ergreifen. Heirat und Kinder sollen auch sein aber nicht als einziger Lebensinhalt. Der Wandel bestimmt diese Zeit, an dem die Frauen teilhaben wollen. Zu Recht, denn warum soll so etwas wie das Fahrradfahren nur den Männern vorbehalten bleiben. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und habe mich in dieser wunderschönen Geschichte total verloren. Die Charaktere waren alle so charismatisch und liebenswert, dass ich mit ihnen mitgefiebert habe. Durch diesen großartigen, bildhaften Schreibstil der Autorin konnte ich mich total in diese Zeit hineinversetzen und habe oft darüber nachgedacht, was ich wohl für ein Mensch in dieser Zeit gewesen wäre. Und ob ich nicht auch dem vielen Neuen in unserer Zeit öfter eine Chance geben sollte, denn schließlich kann daraus etwas Großes erwachsen und sein es nur so etwas Kleines wie eine Haferflocke. Ein überaus gelungener Reihenstart! Ich fiebere jetzt schon dem zweiten Teil im April entgegen.

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Der gleiche Mond, ein anderes Leben

Eine halbe Ewigkeit
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Ich habe das Buch „Mondscheintarif“ damals sehr geliebt. Es passte in diese (meine) Zeit. Mit Erkenntnissen die endlich mal jemand in Worte fasste, hatte mich die Autorin total abgeholt. Einer dieser Sätze ...

Ich habe das Buch „Mondscheintarif“ damals sehr geliebt. Es passte in diese (meine) Zeit. Mit Erkenntnissen die endlich mal jemand in Worte fasste, hatte mich die Autorin total abgeholt. Einer dieser Sätze hat mich mein Leben lang begleitet und lautet in etwa sinngemäß: Ich wiege nicht einfach nur, entweder bin ich gerade am Zunehmen oder am Abnehmen. Ich war deshalb total begeistert, als ich las, dass es nun nach 25 Jahren eine Fortsetzung geben soll, in der wir Cora Hübsch wiedertreffen. Mittlerweile ist sie 54 Jahre alt, verheiratet und hat 3 Kinder großgezogen. Sie schaut auf ihr Leben zurück, auf das was sie sich einmal erträumt hatte und auf das, was daraus geworden ist. Ihre große Liebe hat sie verloren, ihre beste Freundin ebenfalls. Sie trägt viel Schuld und Trauer in ihrem Herzen und ersehnt sich einen Neuanfang. Ihr altes Tagebuch fällt ihr wieder in die Hände und Vergangenheit vermischt sich mit Gegenwart.
Faszinierend ist wirklich, dass ich mit der Protagonistin gealtert bin. Und wie wohl jeder in dieser Altersklasse habe, ich ähnliches erlebt, dass mich geprägt und gezeichnet hat. Deshalb habe ich mich auch in diesem Buch total wiedergefunden. Mit starken Sätzen und klaren Wahrheiten hat mir Cora aus der Seele gesprochen. Ich habe mich tief berührt in ihrem Leben wiedergefunden, konnte ihre Gedanken und wünsche nachempfinden und ihre Entscheidungen verstehen. Ich bin mir nicht sicher ob jüngere sich in dieser Geschichte wiederfinden. Aber Frauen, die schon eine halbe Ewigkeit hinter sich haben, werden es lieben und sich verstanden fühlen.

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Veröffentlicht am 29.12.2023

Die Sucht

Muna oder Die Hälfte des Lebens -
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Die Protagonistin Muna wächst bei ihrer alkoholkranken Mutter in einer Kleinstadt der ehemaligen DDR auf. Ihr Vater ist gestorben als Muna noch ein Kind war und wird von ihr schmerzlich vermisst. Sie beginnt ...

Die Protagonistin Muna wächst bei ihrer alkoholkranken Mutter in einer Kleinstadt der ehemaligen DDR auf. Ihr Vater ist gestorben als Muna noch ein Kind war und wird von ihr schmerzlich vermisst. Sie beginnt sich mit Schrift auszudrücken und liebt Literatur. Als sie ein Praktikum bei einer Zeitung macht, lernt sie blutjung den dort arbeitenden Magnus kennen und verliebt sich in ihn. Es beginnt eine Abhängigkeit, aus der sie nicht wieder herausfindet. Zum Mauerfall verschwand nicht nur das Land, in dem Muna aufwuchs, sondern auch ihre Kindheit. Munas und Magnus Wege trennen sich kurz vor dem Mauerfall durch Magnus Flucht in den Westen. Muna beginnt ihr Leben und ihre Karriere ohne ihn und ist damit auch sehr erfolgreich, bis sie ihn zufällig wiedertrifft und die Sucht nach diesem Menschen sie erneut zu Boden reißt.
Meiner Meinung nach stand dieses Buch ganz zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023. Die Autorin hat eine ganz eigene Erzählweise. So vermischen sich Gesagtes und Gedachtes, aber auch dass was lieber nicht gesagt werden sollte, jedoch zu Muna gehört und deshalb als gestrichener Text aufgeführt wird. So leben wir als Leser völlig in Muna auf und haben doch Mühe zu verstehen, warum sie ist wie sie ist. Während sie die Alkoholsucht ihrer Mutter verteufelt, geht sie völlig in ihrer Sucht nach Magnus auf und nennt es Liebe. Ihr Leben und Handeln sind teilweise unverständlich jedoch geprägt von ihrer Abhängigkeit. Viele sehr interessante Charaktere säumen Munas Leben, die alle wunderschön inszeniert und facettenreich sind. Munas Geschichte ist bedrückend, die Erzählung jedoch großartig. Ein Kunstwerk und absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Daheim und nicht zu Hause

Daheim
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Mit 47 Jahren endet für die Ich-Erzählerin das Leben mit Mann und Kind. Die Tochter ist flügge geworden und das Ehepaar hat sich zwar noch viel zu sagen, jedoch auf einer anderen Ebene. So zieht sie ans ...

Mit 47 Jahren endet für die Ich-Erzählerin das Leben mit Mann und Kind. Die Tochter ist flügge geworden und das Ehepaar hat sich zwar noch viel zu sagen, jedoch auf einer anderen Ebene. So zieht sie ans Meer, zu ihrem Bruder, um ihm in seinem Restaurant zu helfen. Mit ihrem Mann schreibt sie sich Briefe, von ihrer Tochter hört sie nur sporadisch. Sie findet Menschen im Ort die ihr wichtig sind, aber irgendwie auch nicht wirklich nahe. Der Schreibstil wirkt nüchtern und einfach, bewirkt dadurch jedoch eine gewisse Tristesse. Der Blick der Ich-Erzählerin geht oft zurück und nur selten in die Zukunft. Der Umzug wirkt, wie eine nicht geplante Flucht aus dem bisherigen Leben ohne die Vorstellung wie es anders sein könnte. Die neue Liebe, die sie findet, wirkt zufällig und nicht besonders leidenschaftlich, genau wie sie selbst. Ich mag den Schreibstil von Judith Hermann sehr gerne und auch das, was sie damit ausdrückt. Das Buch erinnert mich an ein Gemälde, dass auf den ersten Blick klar und einfach wirkt und bei dem man bei längerer Betrachtung immer mehr Details sieht. Worte die Stimmung erzeugen, ohne viel zu sagen. Wie schwarze Wolken, die aufziehen und in einem das Bedürfnis wecken tätig zu werden, alles zusammenzupacken und heimzugehen.

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