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Veröffentlicht am 13.01.2024

Das Dorf der Hexen

Die Hexen von Cleftwater
1

East Anglia bezeichnet eine Gegend im Osten Englands. Hier liegt das kleine (fiktive) Dorf Cleftwater, in dem Martha Hallybread als Hebamme, als Heilerin und Dienerin seit Jahrzehnten lebt. Sie ist stumm, ...

East Anglia bezeichnet eine Gegend im Osten Englands. Hier liegt das kleine (fiktive) Dorf Cleftwater, in dem Martha Hallybread als Hebamme, als Heilerin und Dienerin seit Jahrzehnten lebt. Sie ist stumm, kann sich aber gut mit Zeichen verständigen. Einst war sie die Amme von Kit, der sie später dann in seinem Haus behalten hat. Auch hat die junge Prissy hier ihr Auskommen, beide Frauen helfen mit, das erste Kind von Marion Archer, einer Dorfbewohnerin, zur Welt zu bringen. Das Neugeborene kommt gezeichnet zur Welt und stirbt bald nach der Geburt. Als der Hexenjäger Silas Makepeace in Cleftwater nach Hexen fahndet, wird Prissy als diejenige ausgemacht, den Tod des Kindes verschuldet zu haben. Sie wird der Hexerei angeklagt, ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Frauen im Dorf teilt.

Es ist die Zeit der Hexenverfolgung, die sogenannten Hexenjäger oder auch Hexenkenner treiben in East Anglia 1645 bis 1647 ihr Unwesen - Margaret Meyer hat diesen Zeitraum auf das Jahr 1645 verdichtet. Diese Herren, die sich anmaßten, Hexen schon am äußeren Schein zu erkennen, brachten viel Leid. Helferinnen nahmen die Frauen in Augenschein, mit einfachen Mitteln meinten sie, verräterische Zeichen, sogenannte Hexenmale, ausmachen zu können und diese dann als Hexe abzustempeln. Auch Martha wird geholt, dem Hexenkenner unterstützend zur Seite zu stehen. Die Frauen – einmal verdächtigt – waren wehrlose Opfer, die so lange gefoltert wurden, bis sie geständig waren.

Neben der Hexenverfolgung ist das Hebammenwesen dieser Zeit gut beschrieben, auch spielt die Naturheilkunde und die heilbringende Verwendung von Pflanzen und Kräutern eine nicht zu unterschätzende Rolle. Marthas Mutter hat ihr einst den Atzmann, eine magische Puppe aus Wachs, hinterlassen. Er soll Martha beschützen, soll Kraft verleihen und Unglück fern halten. Eigentlich ist es ein grob geformter Wachsklumpen, der benutzt wird, um Macht zu beschwören. Dies kann Segen oder Fluch sein, der Aberglaube treibt mitunter seltsame Blüten.

Trotz der Düsternis sind „Die Hexen von Cleftwater“ ein dicht erzählter Roman, der in eine finstere Zeit entführt. Gegen die Hexenkenner war keiner gefeit, es konnte jeden treffen. Die Umsetzung dessen ist gelungen und zeigt deutlich auf, dass ein Entkommen – einmal in den Fängen dieser Hexenjäger – schier unmöglich war. Je länger diese Hexenjagd andauerte, desto mehr kehrte Angst und Schrecken ein.

Das Cover bleibt im Thema, es zeigt die Blaue Distel, deren Heilwirkung seit jeher bei Hauterkrankungen, bei Husten und Infektionen seine Anwendung findet, es stimmt in die Thematik direkt ein und auch das Stilmittel, Marthas Gedanken in kursiver Schrift darzustellen, ist ebenfalls gut umgesetzt. „Die Hexen von Cleftwater“ sind ein dunkles Zeugnis einer von Männern dominierten Gesellschaft, die ohne echte Anhaltspunkte willkürlich anklagt und aufs Grausamste foltert und verurteilt. Auch wenn alle Charaktere eher unnahbar sind, so ist der Roman gut nachvollziehbar erzählt. Ein lesenswertes Buch über eine vergangene Zeit voller Aberglauben und Willkür.

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Über die Freundschaft und mehr…

Lichtungen
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Er ist angekommen, um was? Sie zu besuchen? Um zu bleiben? Eintausendfünfhundert Kilometer weiter östlich war er aufgebrochen. Vor vier Wochen kam von ihr eine Karte. „Wann kommst du?“ Nur diese drei Worte. ...

Er ist angekommen, um was? Sie zu besuchen? Um zu bleiben? Eintausendfünfhundert Kilometer weiter östlich war er aufgebrochen. Vor vier Wochen kam von ihr eine Karte. „Wann kommst du?“ Nur diese drei Worte. Und nun ist er hier, in der noch ungenannten Stadt, in dem nicht genannten Land. Mit Franken zahlen sie hier anstatt mit der ihm bekannten Währung.

Iris Wolff erzählt von Lev und Kato, beginnt mit dem Ende, erzählt rückwärts. In einer sehr poetischen Sprache nimmt sie ihre Leser mit, lässt sie ein Stück weit teilhaben am Leben ihrer beiden Protagonisten. Berichtet etwa davon, wie Kato mit Tom weggeht. Sehr viel später dann reist Lev zu ihr nach Zürich. Macht in Wien Zwischenstation, besucht Ferry, seinen Großvater, der sich hier geborgen fühlt und trotzdem in einem gefühlten Dazwischen lebt: „Man ist, einmal gegangen, immer ein Gehender.“

In neun Kapiteln erfahren wir mehr. Straßenkunst – damit verdient sie ihr Geld, damit reist sie durch Europa, damit hat sie ihr Auskommen, ist frei, lässt sich treiben, ihren Land Rover nennt sie ihr Zuhause. Auch Levs Geschichte von seiner Kindheit bis hin zum Erwachsensein wird sichtbarer. Der Unfall, der ihn ans Bett fesselt, bringt Kato in sein Leben.

Von Heimatverbundenheit, vom Gehen und Ankommen erzählt Iris Wolff. Und vor allem erzählt sie von einer Freundschaft, die seit Kindertagen anhält. Lev bleibt seiner Heimat treu, ihm ist Rumänien genug. Kato jedoch zieht es in den Westen, ihre Postkarten sind ihrer beiden Verbindung, die nie abreißt.

Vom Heute bis hin zu den Erinnerungen aus Kindertagen im Kommunismus, vor dem Hintergrund der Ceaușescu-Ära hin zur Grenzöffnung ist es eine Geschichte über eine Freundschaft, die alles überdauert, die sich auch ohne Worte versteht. Es ist eine Geschichte über das Loslassen und sich immer wieder annähern, sich nie aus den Augen verlieren. Dies alles und noch viel mehr steckt in „Lichtungen“ - einem Roman, in den ich mich erst einfühlen musste, dann aber angetan war von der präzisen Sprache und der poetischen Erzählweise.

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Veröffentlicht am 06.01.2024

Mystisch, dunkel, geheimnisvoll

Die geheime Gesellschaft
1

Die sieben Phasen einer Séance werden dem Roman vorangestellt. Ich betrete Neuland und bin gespannt, ob ich dieser „geheimen Gesellschaft“ und ihrem Tun etwas abgewinnen kann. Zugegeben, es waren teilweise ...

Die sieben Phasen einer Séance werden dem Roman vorangestellt. Ich betrete Neuland und bin gespannt, ob ich dieser „geheimen Gesellschaft“ und ihrem Tun etwas abgewinnen kann. Zugegeben, es waren teilweise zähe Lesestunden, ich hab das Buch nicht nur einmal zur Seite gelegt und mir gesagt, dass auch ein Buch, eine – diese - ganz besondere Geschichte, Zeit und Mußestunden braucht. Und so habe ich nicht einfach drauflos gelesen, sondern mich ganz und gar darauf eingelassen. Die Autorin kenne und schätze ich, seit ich mit Begeisterung „Die versteckte Apotheke“ nicht nur gelesen, eher schon inhaliert habe. So bin ich voller Vorfreude an „Die geheime Gesellschaft“ geraten, auch das Cover lädt ein, sich das Buch näher zu betrachten.

Die Story rankt sich um zwei Frauen - Vaudeline D’Allaire und Lenna Wickes. Erstere ist eine bekannte Spiritualistin und Wahrsagerin, die dann aufgesucht wird, wenn die Hinterbliebenen von Mordopfern deren Mörder finden wollen. Und hier kommt die junge Lenna dazu, deren Schwester Evie ermordet wurde. Nachdem sie ihre Skepsis überwunden hat, findet sie durchaus Gefallen rund um Vaudelines Séancen. Lenna taucht ein in diese Materie, sie wird Vaudelines Gehilfin. Zusammen dringen sie in die in London agierende, ausschließlich Männern vorbehaltene Geheimgesellschaft der Séance Society ein, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Wir schreiben das Jahr 1873, als Vaudeline von Paris nach London gerufen wird. Lenna reist mit. Nicht zuletzt auch deswegen, um hier den Mörder ihrer Schwester zu finden.

Die beiden Frauen sind so wagemutig wie unkonventionell, sie sind ihrer Zeit weit voraus. Viel Mystisches, viel Unerklärliches steht im Raum. Erzählt wird aus Lennas Perspektive, des Weiteren kommt Mr. Morley, seines Zeichens stellvertretender Vorsitzender der Séance Society, zu Wort. Nicht nur Evies Mörder soll gefunden werden, auch die Todesumstände des Gründers der Séance Society, Mr. Volckman, sollen ans Tageslicht. Ist es Zufall, dass beide Opfer in derselben Nacht ermordet wurden?

Es herrscht durchweg eine düstere Atmosphäre, durchaus passend in einer Welt des Okkulten. Immer ein wenig geheimnisumwittert, nicht ganz greifbar. Die beiden Erzählperspektiven wechseln schnell - von Lenna zu Mr. Morley, der im Gegensatz zu ihr in der Ich-Perspektive bleibt.

Die Aufklärung um die Morde schreitet voran, wenngleich ich mir so manches komprimierter gewünscht hätte. Die Story fordert die ganze Aufmerksamkeit. Gut, anfangs fand ich sie zu ausschweifend, später dann gewinnt sie mehr an Tempo. Vaudeline und Lenna, die beiden Hauptfiguren, haben mir gut gefallen. Zwei außergewöhnliche Charaktere – klug und durchaus gewitzt, wagemutig und unerschrocken, schreiten sie voran. Die beiden so unterschiedlichen Frauen sind gut gezeichnet, auch Mr. Morley konnte ich seinen Wesenszügen entsprechend gut zuordnen.

Mein Ausflug in das Übersinnliche, dazu die Mördersuche und zwei Frauen, die sich in eine von Männern dominierten Welt vorwagen, waren eine neue Erfahrung. Der zähe Einstieg ins Buch ist schon herausfordernd, das Dranbleiben hat sich letztendlich dann doch gelohnt, wenngleich sich „Die geheime Gesellschaft“ nicht mit dem Vorgängerbuch der Autorin messen kann.

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Veröffentlicht am 31.12.2023

Der Donnerstagsmordclub und ihr viertes Mal

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
1

Es ist wieder ganz schön was los, der Donnerstagsmordclub geht in seine vierte Runde und ich mit ihm, obwohl es für mich erst das zweite Mal ist, dass ich den Hobbyermittlern behilflich bin. Es gilt, den ...

Es ist wieder ganz schön was los, der Donnerstagsmordclub geht in seine vierte Runde und ich mit ihm, obwohl es für mich erst das zweite Mal ist, dass ich den Hobbyermittlern behilflich bin. Es gilt, den Mord an dem Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar aufzuklären. Nicht nur mit Antiquitäten, auch mit Drogen scheint er gehandelt zu haben, zudem ist ein Paket verschwunden, das so einige in seinem Besitz vermuten. Die Jagd beginnt nicht nur für die Ganoven, auch die vier Senioren aus Coopers Chase - Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron – müssen wieder ran. Der Tote war ein guter Freund von Elisabeths Ehemann Steven, seine zunehmende Demenz macht ihm zu schaffen.

Es geht eher gemächlich zu, dem Alter unserer Ermittler angepasst. Auch wenn ich die beiden Vorgängerbände versäumt habe, war ich schnell drin, ich hab mich bestens dank der beiden Sprecher Johannes Steck und Beate Himmelstoß eingehört. So konnte ich mich entspannt zurücklehnen und über so manche Szene schmunzeln.

Diese Reihe lebt von den vier speziellen Charakteren und bietet neben ihren Ermittlungen auch altersbedingte Themen wie etwa Sterbehilfe und die schon angesprochene Demenz. Als Thriller-Fan war mir die Handlung aber dann doch zu gemächlich, zu langatmig. Trotzdem waren es nicht zuletzt dank der beiden Sprecher vergnügliche Hörstunden - den beiden sind meine 4 Bewertungssterne geschuldet.

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Veröffentlicht am 27.12.2023

Gute Unterhaltung

Der süße Duft der Reben
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Anfang des 20. Jahrhunderts war die Rolle der Frau eine ganz andere. Sie hatte den Wünschen des Vaters zu folgen und wenn sie erst den für sie ausgewählten Mann geehelicht hat, ist er es, dessen Wünsche ...

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Rolle der Frau eine ganz andere. Sie hatte den Wünschen des Vaters zu folgen und wenn sie erst den für sie ausgewählten Mann geehelicht hat, ist er es, dessen Wünsche sie zu erfüllen hat. Isabel ergeht es nicht viel besser. Hinter Vaters Rücken hat sie sich bei der Londoner Kunstakademie beworben und nun die Zusage erhalten, hier ihre künstlerischen Fähigkeiten zu verfeinern. Vater jedoch hat andere Pläne für sie, er will sie mit dem Sohn eines spanischen Rosinenbarons verheiraten. Die Schiffspassage ist gebucht, sie muss sich fügen.

Schon die Schiffsfahrt gestaltet sich äußerst schwierig, Isabel sinnt auf Auswege, sie setzt alles daran, dem Ziel ihrer Reise – der Heirat – doch noch zu entkommen. Ein Aufpasser, den ihr Vater kurzerhand als Reisebegleiter mitschickt, folgt ihr mit Argusaugen.

Dénia ist eine Stadt an Spaniens Ostküste - hier hat Isabel ihre ersten Lebensjahre verbracht. Aus dieser Zeit kennt sie ihren zukünftigen Ehemann, ihn verabscheut sie seit jeher. Auch Fernando, ihr Freund aus Kindertagen, lebt hier und ihn will sie wiedersehen, er war schon damals ihre große Liebe und ist es bis heute geblieben.

Vor herrlicher Kulisse spielt sich ein Drama ab, geprägt von Liebe und Schmerz, von Verlust und Hinterhältigkeit. Im Mittelpunkt eine junge Frau, die ein selbstbestimmtes Leben führen will, die gesellschaftlichen und familiären Zwänge lassen dies jedoch nicht zu.

Isabel war mir sofort nahe. Sie verkörpert eine zupackende Frau, die sich nicht so leicht einschüchtern lässt und sich doch bestimmten Gepflogenheiten nicht entziehen kann. Nicht so ganz nachvollziehen konnte ich, dass sie sich ausgerechnet in dem Ort niederlässt, in dem ihr verhasster Zukünftiger lebt. So sind Verwicklungen vorprogrammiert. Auch waren mir einige Passagen, wie etwa ihr unfreiwilliger Abstecher ins Bordell, des Guten zu viel.

Nichtsdestotrotz habe ich mich durchweg gut unterhalten gefühlt, Tara Haighs lockeren, gut lesbaren Schreibstil kenne ich bereits aus anderen Büchern. Es geht um viel Gefühl, um bittere Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten, aber auch um Zusammenhalt und wahre Liebe. In die Welt der Rosinenbarone mitsamt ihrer Habgier bin ich tief eingetaucht, hatte Einblick in ein sehr dunkles Kapitel einer Familie und wie nebenbei wurden mir die Tücken der Monokultur nähergebracht.

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