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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2024

Etwas zu dystopisch

Nach uns der Himmel
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In Nach uns der Himmel entwirft Simone Buchholz eine düstere, karge Zukunftsvision, die stark von Isolation und einer tiefen Sehnsucht nach Orientierung geprägt ist. Die Geschichte erzählt von einer Welt ...

In Nach uns der Himmel entwirft Simone Buchholz eine düstere, karge Zukunftsvision, die stark von Isolation und einer tiefen Sehnsucht nach Orientierung geprägt ist. Die Geschichte erzählt von einer Welt am Rand des Zusammenbruchs – menschenleer und trostlos, geprägt von der ständigen Frage, wie das Überleben unter diesen Umständen überhaupt noch möglich ist. Buchholz’ Sprache ist dabei gewohnt präzise und poetisch, die Atmosphäre dicht und bedrückend. Sie schafft es, das Szenario einer menschenfernen Endzeitwelt in einen melancholischen, fast hypnotischen Ton zu tauchen, der die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit der Figuren in eindrucksvollen Bildern spürbar macht.
Dennoch muss ich sagen, dass mich Nach uns der Himmel emotional nicht erreicht hat. Wo ich sonst von Buchholz’ Geschichten mitgerissen werde, blieb ich hier distanziert. Die Handlung wirkt eher fragmentarisch, was sicher als bewusster Stil für diese dystopische Welt funktioniert, aber mir persönlich fiel es schwer, mich mit der Geschichte zu verbinden. Die Spannung, die ich aus Buchholz’ anderen Werken kenne, ließ sich in dieser langsamen Erzählweise für mich nicht finden. Das Buch bleibt für mich dadurch eher eine Stimmungsstudie als eine fesselnde Geschichte, was sicherlich Geschmackssache ist – wer gerne dystopische Szenarien mag und Freude an der Beschäftigung mit existenziellen Fragen hat, könnte in diesem Buch jedoch einen besonderen Reiz finden.
Abschließend möchte ich betonen, dass Simone Buchholz für mich eine der stärksten Stimmen im deutschen Krimi-Genre bleibt. Ihre Chastity-Riley-Krimis sind einzigartig: voller kluger Dialoge, scharfem Humor und einer unverwechselbaren, atmosphärischen Dichte. Mit Nach uns der Himmel zeigt sie eine andere, experimentellere Seite, die mir persönlich jedoch weniger zusagt. Dystopiefans könnten hier eine neue Facette ihrer Schreibkunst entdecken – für mich bleibt sie dennoch vor allem die Meisterin spannungsgeladener, intensiver Kriminalromane.

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Veröffentlicht am 02.11.2024

Entscheidungen und Fehler

The Diary of a CEO – Die Entdeckung des Erfolgs
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Ich lese immer mal wieder gerne Bücher, die entweder auf theoretische Weise Führung näher bringt oder eben auch ab und an – gebe zu, eher seltener – Bücher über erfolgreiche Menschen, die ihren Weg teilen. ...

Ich lese immer mal wieder gerne Bücher, die entweder auf theoretische Weise Führung näher bringt oder eben auch ab und an – gebe zu, eher seltener – Bücher über erfolgreiche Menschen, die ihren Weg teilen. Hier nun also der Brite Steven Bartlett. Gründer und CEO von Social Chain. Den Vorsitz hat er allerdings 2020 abgegeben.
The Diary of a CEO ist eine inspirierende und ehrliche Reise durch die Höhen und Tiefen des Unternehmertums, die Steven Bartlett mit großem Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit beschreibt.Er teilt nicht nur seine Erfolge, sondern auch seine Niederlagen und die schwierigen Momente, die ihn geprägt haben. Und das sind aus meiner Sicht sogar die spannenderen Teile und Erkenntnisse.
Besonders spannend sind die Kapitel, in denen Bartlett auf konkrete Entscheidungen und Fehler eingeht, wie den frühen Aufbau von Social Chain und die Balance zwischen raschem Wachstum und nachhaltiger Entwicklung. Auch Themen wie persönliche Entwicklung, Führung und die Bedeutung mentaler Gesundheit im Job-Alltag kommen im Buch vor. Klar, alles nichts neues, aber noch mal in einer anderen Form transportiert.
Bartlett schreibt in einem zugänglichen und authentischen Stil, der seine Erfahrungen direkt und eindrucksvoll vermittelt. Die Beispiele, die er nennt, sind ansprechend und praktisch – besonders wenn er darüber spricht, wie wichtig Mut und Entschlossenheit auf dem Weg zum Erfolg sind.
Kann man lesen, aber kein Muss. Vor allem spannend für alle die sich auf den Weg der Firmengründung begeben wollen.

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Veröffentlicht am 22.10.2024

Bei dreien ist eine(r) zu viel

Das Schweigen meiner Freundin
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Ich muss ja zugeben, dass dieses italienische Werk mich wieder mal an „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante erinnerte. Aber wie sollte es auch anders sein, zwei Freundinnen die eng verbunden sind, ...

Ich muss ja zugeben, dass dieses italienische Werk mich wieder mal an „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante erinnerte. Aber wie sollte es auch anders sein, zwei Freundinnen die eng verbunden sind, zwei so unterschiedliche Charaktere und dann kommt dieser Typ dazu.
Aber bei aller oberflächlichen Ähnlichkeit war es eine andere Geschichte, ein anderes Setting. Nur eines verbindet sie: eine gute Analyse der Freundschaft.
Zunächst lernen wir Giulia und Christi kennen und sie sich. Eine enge liebevolle Freundschaft. Dann lernen sie Mattia kennen und Christi verliebt sich unsterblich. Ein ringen und ziehen um Liebe, Macht über andere und Aufmerksamkeit beginnt und bleibt der Kern dieses Romans. Eine toxische Dynamik und keine
Wir lesen aus Guilias Ich-Perspektive, haben somit viel mehr Einblick in ihre Emotionen und Beweggründe. So maches Mal bleivt Christi etwas blass.
Mich hat die Geschichte auf den ersten 100 Seiten leider nicht sonderlich stark mitgerissen, erst als mehr Dynamik durch Ereignisse hinzukamen war ich positiver gegenüber dem Buch eingestellt. Wobei ich denke, dass es auch 300 Seiten statt 500 getan hätten.

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Ein toter Bruder

Die Dunkelheit zwischen uns
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Da ich die Krimireihe von Rolf & Cilla Börjlind sehr mag, war ich natürlich auch sehr neugierig wie das Duo-Schreiben mit Vater und Tochter funktioniert. Nun also Molly & Rolf Böjlind mit dem Thriller ...


Da ich die Krimireihe von Rolf & Cilla Börjlind sehr mag, war ich natürlich auch sehr neugierig wie das Duo-Schreiben mit Vater und Tochter funktioniert. Nun also Molly & Rolf Böjlind mit dem Thriller „Die Dunkelheit zwischen uns“.
Emmie, mittlerweile 25 Jahre alt, verlor ihren Bruder Robin in Kindertagen und es treibt sie weiter umher wie er ertrunken ist damals. Ihr fehlen Puzzleteile um die Geschichte sinnvoll zusammenzusetzen. Sie reist zu dem Ferienhaus ihrer Eltern in den Stockholmer Schären und stellt ihre Eltern zur Rede. Es kommt einiges ans Licht.
Da ich die Krimis der Eltern sehr gerne gelesen habe und diese wirklich gut konstruiert fand, hatte ich natürlich auch hier eine hohe Erwartungshaltung. Aber leider konnten diese nicht erfüllt werden. Ich fand es zum Teil ein wenig mühsam und langatmig.
Es passiert wenig, auch wenn der Schreibstil gut und gelungen ist, wird es bei weitem nicht so spannend wie die Reihe um Olivia Rönning.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Komplex bis kompliziert – den Toten eine Stimme geben

Die sieben Monde des Maali Almeida
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Sri Lanka. Bisher waren meine Assoziationen dazu eher wenige. Daher habe ich mich sehr auf die Lektüre des Booker Prize Winners 2022 Shehan Karunatilaka gefreut mit dem kolossalen Werk ‚Die sieben Monde ...

Sri Lanka. Bisher waren meine Assoziationen dazu eher wenige. Daher habe ich mich sehr auf die Lektüre des Booker Prize Winners 2022 Shehan Karunatilaka gefreut mit dem kolossalen Werk ‚Die sieben Monde des Maali Almeida‘. Kolossal, weil das gute Stück mehr als 500 Seiten hat und für mich war es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Dramaturgisch eine Herausforderung. Sicherlich lag es auch daran, dass ich mir viel vom Buch erhofft habe. Mich hat die Geschichte eingenommen, aber die Erzählform etwas aus der Bahn geworfen. Denn es geht um das Ende der 80er Jahre in Sri Lanka, eine Zeit des Bürgerkrieges und der Unruhen. Hier bin ich geschichtlich nicht sattelfest und die sich bekriegenden Seiten – zum einen die tamilische Minderheit und zum anderen die singalesische Mehrheit – sind so manches Mal für mich nicht zu identifizieren.
Maali Ameida ist tot und findet sich in der Wartehalle des Totenreichs wieder. Mit vielen anderen, auch sie alle tot. Allen ist etwas gemein, sie können noch nicht loslassen und haben 7 Tage Zeit. Danach verschwinden ihre Seelen. In all dem Chaos versucht nun der ermordete Maali Almeida herauszubekommen warum er sterben musste. Als Geist versteht sich. Er war ein schwuler Kriegsfotograf, spielsüchtig und oft zwischen den Fronten zu Hause.
Dieser Roman ist anstrengend zu lesen, kann abschrecken wegen der Schilderungen der Toten. Und doch ist es stimmig.Der Autor vermittelt genau das: Leben ist Chaos, weder stringent noch immer völlig logisch durchdrungen. Das Leben pulsiert und so tut es auch dieser Roman.
Fazit: Hier gibt es nur zwei Optionen: entweder der Text wird gehasst oder er saugt einen ein.

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