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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2024

Einfach ausprobieren

Die Welt des Schnellkochens
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Seit ich denken kann, ist ein Schnellkopftopf Teil der familiären Küchenausstattung. Ob Großmutter oder Mutter beide hatten jeweils einen, allerdings ein österreichisches Produkt, das in den 1960er-Jahren ...

Seit ich denken kann, ist ein Schnellkopftopf Teil der familiären Küchenausstattung. Ob Großmutter oder Mutter beide hatten jeweils einen, allerdings ein österreichisches Produkt, das in den 1960er-Jahren um einiges preiswerter war als jene von Fissler. Ich bin stolze Besitzerin eines Fisslers, dessen Potenzial ich längst noch nicht ausgeschöpft habe.

Dieses Buch bietet mir nun die Gelegenheit seine Fähigkeiten, anhand der 150 Rezepte auszuprobieren. Wobei, wenn ich es recht überlege, meine Rindsrouladen aus dem Schnellkochtopf oder das Gulasch sind zart und lassen sich in einer annehmbaren Kochzeit zubereiten. Auch Rindsuppe und Erdäpfel sind schnell gekocht.

Sehr interessant finde ich die technischen Erklärungen, die die Funktion und die unterschiedlichen Betriebsmöglichkeiten. Wahrscheinlich werden sich einige Leser mit dem umfangreichen Theorieteil nicht auseinandersetzen wollen. Aber, es schadet nicht, sich die Tipps anzusehen.

Wer noch keinen Schnellkochtopf in Gebrauch hat, kann dieses Buch als Entscheidungshilfe für den Kauf heranziehen. Zeit- und Energieersparnis machen den etwas höheren Preis eines Schnellkochtopfes recht bald wett.

Ich liebäugle seit ein paar Monaten mit einem Dampfgarer, aber scheint, als könnte der Schnellkochtopf auch als solcher eingesetzt werden. Schauen wir uns das einmal an.

Die rund 150 Rezepte sind gut beschrieben und bebildert. Wie heißt es in der Werbung so schön? Probieren Sie es einfach aus! Guten Gelingen und guten Appetit!.

Fazit:

Dieser Anleitung, den Praxis-Tipps und der Rezeptesammlung gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.01.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Taubenschlag
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Als auf einer Baustelle in Berlin ein bislang unbekanntes unterirdisches Bunkersystem mit den skelettierten Überresten einer Familie gefunden werden, weiß noch niemand, welche Dimensionen dieser Fund haben ...

Als auf einer Baustelle in Berlin ein bislang unbekanntes unterirdisches Bunkersystem mit den skelettierten Überresten einer Familie gefunden werden, weiß noch niemand, welche Dimensionen dieser Fund haben wird. Allen Anschein nach sind die Mitglieder dieser Familie seit rund vierzig Jahren tot, verhungert und verdurstet.

Wenig später werden in Kiel, Hamburg und nahe Lübeck mehrere Menschen in ihren Häusern ermordet aufgefunden. Die Männer und die Frau haben einiges gemeinsam: Sie wurden gefoltert, gefesselt an einen Stuhl gebunden, anschließend erschossen und haben jeweils eine tote Taube im Schoß.

KHK Rudi Lehmann von der Polizeidirektion Flensburg und Kriminalassistentin Lykke Teit aus Kopenhagen, die bereits in „Gezeitenmord“, einem länderübergreifenden Kriminalfall sehr gut zusammengearbeitet haben, werden anlässlich einer Sondereinsatztruppe beauftragt, diesen Fall zu lösen.

In akribischer Kleinarbeit, die die beiden bis nach Berlin, in das Archiv der Stasi führt, kommen sie nur langsam vorwärts. Die Mordserie verlangt den beiden einiges ab, denn sowohl Lehman als auch Teit haben so ihre eigene Familiengeschichte.

Meine Meinung:

Dieser Krimi, der durchaus von wahren Begebenheiten inspiriert sein kann, hat mich sehr gut unterhalten. Auch mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall sind noch immer nicht alle Fälle von verschwundenen Personen restlos aufgeklärt. Die Ermittlungen mit all ihren Sidesteps und Sackgassen sowie gefährlichen Situationen sind recht realistisch geschildert.

Lehmann und Teit sind ein gutes Team, obwohl der Altersunterschied doch recht groß ist. Gut gefällt mir, dass Rudis Frau Verständnis für seinen Beruf hat und auch Lykke freundlich begegnet.

Interessant ist, dass der Täter und sein Motiv den Lesern schon recht bald sogar namentlich bekannt sind. Die Spannung liegt nun darauf, ihn zur Strecke zu bringen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der mich bis zur letzten Seite gefesselt und mir spannende Lesestunden beschert hat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.01.2024

Die Packende Geschichte einer Verblendung

Austrian Psycho Jack Unterweger
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Wer kennt ihn nicht, den Jack Unterweger, den Prostituiertenmörder, der als Häfn-Poet nicht nur Österreichs Schickeria, sondern auch die Justiz austrickste?

Jack Unterweger kommt als unehelicher Sohn ...

Wer kennt ihn nicht, den Jack Unterweger, den Prostituiertenmörder, der als Häfn-Poet nicht nur Österreichs Schickeria, sondern auch die Justiz austrickste?

Jack Unterweger kommt als unehelicher Sohn einer Kellnerin und eines US-Soldaten 1950 im steirischen Judenburg (Österreich) zur Welt. Er wächst bei seinen Großeltern auf und fällt bereits als Jugendlicher durch Einbrüche und Gewalt gegen Frauen auf. Seinen ersten Mord begeht er 1974 und wird daraufhin zu lebenslanger Haft verurteilt. Er sitzt in der Strafanstalt Stein ein.

Es ist die Zeit von Justizminister Christian Broda, der von der Utopie einer „gefängnislosen Gesellschaft“ träumt, weil er jeden Verurteilten für resozialisierbar hält, und daher gleichzeitig Verfahren gegen Täter des NS-Regimes verschleppen lässt.

Diese Stimmung nutzt Unterweger, der zuvor kaum schreiben und lesen kann, um seinen Hauptschulabschluss nachzuholen. Er dilettiert an Texten und schafft es, mit Unterstützung eine Art Autobiografie mit dem Titel „Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus“ zu schreiben. Nachdem es auch die Zeit des experimentellen Schreibens ist, wird das Buch von der Kulturszene begeistert aufgenommen. 1983 kommt es zu der legendären Lesung in der Strafanstalt, in der auch der Co-Autor dieses Buches eingeladen ist.

Aufgrund von zahlreichen Petitionen und Gutachten wird Unterweger 1990 vorzeitig entlassen und gilt als resozialisiert. Er treibt sich in und mit der Wiener Schickeria herum, erhält Aufträge seites des ORF, verfasst Theaterstücke und versucht sich als Journalist.

Noch weiß bzw. ahnt niemand, dass Unterweger Texte aus der Gefängnisbibliothek abschreibt und für seine Zwecke missbraucht. Selbst die Geschichten für die Radiosendung „Das Traummännlein“ schreibt nicht er selbst, sondern seine Mentorin Sonja von Eisenstein. Niemand erkennt die Manipulationen, mit der Unterweger die Menschen an der Nase herumführt.

„Die Öffentlichkeit, diese unbekümmerte Öffentlichkeit, die dank ihrer Persönlichkeiten, ihres Einflusses gearbeitet haben in der Sache, die haben Unterweger schlicht und einfach freigepresst.“ (Oberst Willibald Zach, damals stellvertretender Anstaltsleiter S. 58).

Und fast schon prophetisch ergänzt Zach:
„Mit der Sprache muss man vorsichtig umgehen. Man darf die Wirkung der Sprache nicht unterschätzen. Ich gehe so weit: Sprache kann töten.“(S. 58)

Dazu passt auch Unterwegers Interview am Tag seiner Entlassung:

„Im Prinzip bin ich gefährlicher als vor der Haft, weil ich ja das Denken gelernt hab und das Wort als Waffe verwenden kann.“ (S. 117)

In einer Talk-Show doziert er über Politik, die Strafrechtsreform (!) und andere aktuelle Themen der Gesellschaft. Wenn die Frage nach seinem Mord von 1974 kommt, wird er einsilbig und wirkt distanziert. Das Auditorium hält das für Reue.

Schon während der Haft erhält er Hunderte von Briefen, vor allem von Frauen, die sich zu ihm hingezogen fühlen. Nun, in Freiheit bedient sich Unterweger ihrer, denn Frauen sind für ihn vor allem eines: nützlich.

Wenig später werden in Brünn und wenige Wochen später in Bregenz zwei Frauen ermordet. Unterweger ist kurz davor in beiden Städten. Zufall? Oder, dass in den Wochen, die er in Los Angeles verbringt, mindestens drei Prostituierte erdrosselt werden? Noch ein Zufall?

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Polizei von LA und Wien arbeiten zusammen und für Unterweger klicken in den USA die Handschellen. 1994 wird er des neunfachen Mordes schuldig gesprochen und abermals zu lebenslanger Haft verurteilt, erhängt sich aber in der Nacht nach dem Urteil in seiner Zelle.

Meine Meinung:

Autor Malte Herwig ist Autor und Journalist und hat für Zeitungen wie die „SZ“ sowie Magazine wie den „Spiegel“ zahlreiche Prominente und auch einige Kriminelle interviewt.

In diesem Buch verquickt er gekonnt Fakten und Fiktion zu einer packenden Erzählung. Aus Interviews sowohl mit Unterweger selbst als auch mit Zeitzeugen hält er uns den Spiegel der Manipulationen des Serienmörders Zeit vor Augen. Die alte Weisheit „Man sieht nur, was man sehen will“ hat sich hier auf dramatische und tödliche Art bewahrheitet.

Der Titel ist an „American Psycho“ von Bret Easton Ellis angelehnt, der über den Serienmörder Patrick Bateman schreibt, der tagsüber in seinem Büro in der Wall Street saß und nächtens zahlreiche Menschen ermordete.

Fazit:

Dieser packenden Geschichte über die Verblendung zahlreicher Mitglieder der Wiener Society durch die Manipulation eines Serienmörders gebe ich gerne 5 Sterne. Möge sie als abschreckendes Beispiel dienen.

Veröffentlicht am 03.01.2024

Einfach ausprobieren

Weight Watchers - der neue 4 Wochen Powerplan
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Nach den Feiertagen haben Abnehm-Bücher wieder Hochsaison. Weight Watchers, in meinem Umfeld liebevoll-spöttisch „Gewichtssekte“ genannt, bildet da keine Ausnahme.

In seiner langen Geschichte hat Weight ...

Nach den Feiertagen haben Abnehm-Bücher wieder Hochsaison. Weight Watchers, in meinem Umfeld liebevoll-spöttisch „Gewichtssekte“ genannt, bildet da keine Ausnahme.

In seiner langen Geschichte hat Weight Watchers mehrmals die Richtlinien geändert. Seit rund 20 Jahren gibt es nun das Punktesystem für Lebensmittel. Damit fällt das oft lästige Kalorienzählen weg. Zusätzlich hat es einen psychologischen Nebeneffekt: die Zero-Points. Das sind Lebensmittel, die so wichtig für den Körper sind, dass sie jedenfalls gegessen werden müssen, also z.B. Eiweiß. Das suggeriert natürlich, dass hier gevöllert werden darf.

Doch zurück zu diesem 160-seitigen Kochbuch.

Gut gefällt mir, dass die meisten Rezepte für Einzelportionen berechnet sind!

Nach dem Inhaltsverzeichnis gibt es eine Einführung über gesunde Ernährung und das Abnehmen. Man erfährt etwas über das Punktesystem und ZeroPoint Lebensmittel. Man muss kein Mitglied von WeightWatchers sein, um diese Rezepte nachkochen zu können. Bei diesem 4-Wochen-Power-Plan sind zwei Mahlzeiten vorgeplant, die aus den Rezepten zusammengestellt werden können. Um die Abnehmwilligen bei der Stange zu halten erzählen erfolgreiche Mitglieder (Achtung, „Gewichtssekte“!) wie sie ihr Wunschgewicht erreicht haben. Dass es ohne Bewegung nicht geht, ist klar.

Dann sind schon die Rezepte an der Reihe. Mir regen auf den ersten Blick Folgende an, die ich demnächst ausprobieren werde:

Buntes Frühstücks-Snack-Board
Pak-Choi-Tatar-Pfanne mit Reis
Hüttenkäse-Bowl-mit Räucherlachs und Ei
Blumenkohlreis-Bowl mit Garnelen
Zitronige Eistörtchen

Die meisten Zutaten sind das ganze Jahr über erhältlich. Bei vielen Rezepten bleiben Reste von Zutaten (halbe Salatgurke, halbe Avocado etc.) übrig. Da gibt es dann einen Vorschlag, wie diese Reste am nächsten Tag verwertet werden können. Das gefällt mir sehr gut, denn ich finde es immer schade, Lebensmittel wegwerfen zu müssen.

Fazit:

Es ist nicht notwendig, Mitglied von WW zu sein. Die Rezepte bringen Farbe und eine ausgewogene Ernährung auf den Teller. Dass sie einfach zuzubereiten sind und (hoffentlich) schmecken, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.01.2024

Gelungener Abschluss der Trilogie

Diamanthelle Träume
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Dieser dritte Band ist das emotionale Finale der farbenprächtigen und opulenten Familien-Saga in Britisch-Indien. Wir steigen zu Silvester 1945 in die Geschichte zunächst einmal in Schottland ein, wo sich ...

Dieser dritte Band ist das emotionale Finale der farbenprächtigen und opulenten Familien-Saga in Britisch-Indien. Wir steigen zu Silvester 1945 in die Geschichte zunächst einmal in Schottland ein, wo sich Jeanie, die mit Mungo Munroe, dem Schulleiter der Nicholson School im indischen Murree verheiratet ist, seit dem Zweiten Weltkrieg aufhält. Wie so viele britische Frauen hat sie in der britischen Armee, und zwar im Auxiliary Territorial Service im neunten Search Light Regiment der 39. Anti-Aircraft Brigade gedient. Diese Zeit hat aus der naiven Tochter von Colonel Colin Grant und seiner Ehefrau Clara eine selbstbewusste Frau geformt.

Obwohl sie sich nun 1946 wieder auf ihren Ehemann freut, fühlt sie sich ihrer Mutter, die nach dem Tod des Ehemanns und ihres Sohn John einsam ist, verpflichtet und schiebt ihre Rückkehr nach Indien immer wieder hinaus. Die Einsamkeit der Mutter ist durchaus selbst gewählt, denn es gibt einige Familien wie die Lomax, die eine ähnliche Geschichte haben. Clara Grant lehnt den Kontakt zu den Lomax kategorisch ab und das hat nicht nur mit der anglo-indischen Herkunft von Esmie, Tom Lomax‘ Ehefrau, zu tun. Bei einer Geburtstagsfeier lernt sie nicht Andrew Lomax, der der beste Freund ihres Bruders war, sondern den charmanten Rick Dixon kennen und fühlt sich bei den Lomax‘ für einige Stunden unbeschwert.

Als Jeanie endlich doch nach Munroe und Mungo zurück ist, ist das Leben als Lehrerehfrau alles andere als erfüllend. Ihr Ehemann gängelt sie ständig, behandelt sie wie ein kleines Mädchen. Und da ist noch Miss Lavelle, die Hausmutter, die sich nicht nur um die Jungs im angeschlossenen Internat kümmert.

Kein Wunder, dass sie sich vernachlässigt fühlt und als sie auf einer anglo-indischen Hochzeit Rick Dixon wiedersieht, keimen verbotene Gefühle in ihr auf. Wenig später kommen lang verborgene Geheimnisse ans Tageslicht und Jeanie muss sich entscheiden.

Meine Meinung:

Mir hat das Finale dieser Trilogie sehr gut gefallen. Das Buch ist nicht nur eine Familien-Saga, sondern auch ein historischer Roman, der sich mit der Geschichte von Britisch-Indien beschäftigt. Die Autorin beschreibt die Zustände in der britischen Kolonie, die im Grunde ein Vielvölkerstaat ist und nach Unabhängigkeit strebt. Noch ist Britisch-Indien ungeteilt, doch die Spannungen zwischen den Religionen nehmen zu. Letzten Endes wird sich 1947 der muslimische Norden als Pakistan vom hinduistischen Indien abspalten.

Sehr gut getroffen ist das überhebliche Gewese der meisten Briten. Mungo Munroe begegnet als „reinrassiger“ Brite den Dixons oder Lomax‘, die indische Verwandte haben mit Herablassung. Das indische Hauspersonal wird überhaupt nicht wahrgenommen.

Die Charaktere sind sehr gut angelegt und einige davon wie Jeanie, dürfen sich zu ihrem Vorteil weiterentwickeln. Mungo Munroe ist mir gleich zu Beginn unsympathisch gewesen, was sich im Laufe der Lektüre gesteigert hat. Wasser predigen und Wein trinken - das ist so meine erste Einschätzung von ihm gewesen, die sich (natürlich) bestätigt hat. Während er allen möglichen Vergnügungen, die als Dienstreisen getarnt sind, nachgeht, soll Jeanie Däumchen drehen und die unsichtbare, doofe Ehefrau spielen. Er trifft Entscheidungen für ihr weiteres gemeinsames Leben, doch diesmal hat er sich verrechnet. Einem Neuanfang in Australien will Jeanie nicht zustimmen.

Fazit:

Gerne gebe ich dem farbenprächtigen und opulent erzählten Abschluss der Trilogie 5 Sterne.