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Veröffentlicht am 15.04.2024

Eine nette kleine Geschichte

Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen
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Frau Yeom besitzt in Seoul einen kleinen 24 Stunden-Laden, den sie zum Leidwesen ihres Sohnes noch immer betreibt, obwohl er nur wenig Gewinn abwirft. Der würde stattdessen lieber verkaufen und das Geld ...

Frau Yeom besitzt in Seoul einen kleinen 24 Stunden-Laden, den sie zum Leidwesen ihres Sohnes noch immer betreibt, obwohl er nur wenig Gewinn abwirft. Der würde stattdessen lieber verkaufen und das Geld in seine eigenen Ideen investieren. Doch dann lernt Frau Yeom durch Zufall den Obdachlosen Dok-go kennen und bietet ihm die Nachtschicht in ihrem Laden an. Schon bald hat er sich eingelebt und beeinflusst das Leben seiner Kundschaft auf die ein oder andere Weise.

„Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen“ ist der erste Roman des Redakteurs und Drehbuchautors Kim Ho-yeon. Er ist der erste Band einer Reihe und wird in Korea derzeit als Theaterstück und fürs Fernsehen adaptiert. Erzählt werden im Prinzip lauter kurze Begegnungen in der Vergangenheitsform, die sich in bzw. im Zusammenhang mit Frau Yeoms Laden abspielen. Die Personen wechseln dabei ständig, im Fokus stehen aber sicherlich die Ladenbesitzerin selbst und Dok-go, die beide mit ihrem Wesen und Verhalten ihre Umgebung beeinflussen.

Frau Yeoms Entscheidung, einen Obdachlosen in ihrem Laden arbeiten zu lassen, trifft nicht nur auf Verständnis. Während die junge Angestellte Si-hyeon ihre Vorbehalte schon bald aufgeben kann, bleibt die ältere Frau Oh lange Zeit misstrauisch und verhält sich Dok-go gegenüber abweisend, wenn sie ihn beim Schichtwechsel im Laden trifft. Überhaupt hat mir nicht gefallen, wie über den Obdachlosen gesprochen wird. Er wird von beinahe allen als ein zotteliges Tier beschrieben, das auch die entsprechenden Laute von sich gibt. Diese Vorurteile werden leider erst spät von den handelnden Figuren selbst herausgefordert oder überdacht.

Thematisch gesehen erzählt der Roman viele kleine Geschichten. Da geht es um berufliche Träume, um das schwierige Verhältnis zur eigenen Familie, um Alkoholsucht und um das verlorene Gedächtnis von Dok-go, dessen Name übrigens „einsam und allein“ bedeutet. Erst gegen Ende der Handlung kann dieser die Bruchstücke seines Lebens wieder zusammensetzen – dieser Teil wirkt seltsam „angehängt“ und relativiert Aussagen, welche die Handlung eigentlich transportieren will. Schade!

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Nicht wie erwartet

Griechischstunden
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Han Kang gehört, seit ich im letzten Jahr ihren Roman „Menschenwerk“ gelesen habe, zu meinen liebsten Autorinnen. Mit „Griechischstunden“ ist nun ihr neustes Buch erschienen, übersetzt von Ki-Hyang Lee. ...

Han Kang gehört, seit ich im letzten Jahr ihren Roman „Menschenwerk“ gelesen habe, zu meinen liebsten Autorinnen. Mit „Griechischstunden“ ist nun ihr neustes Buch erschienen, übersetzt von Ki-Hyang Lee. Darin begegnen wir einer jungen Frau in Seoul, die ihre Stimme verloren hat und einen älteren Mann, ihren Griechischlehrer, der zu erblinden droht. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit entdecken die beiden Gemeinsamkeiten und bewegen sich wie in Zeitlupe aufeinander zu.

Erzählt wird die Handlung aus zwei Perspektiven. Der Professor spricht in der Ich-Form, wendet sich aber auch kapitelweise an andere Personen. Da hier immer nur von einem „Du“ die Rede ist, muss aus dem Kontext geschlossen werden, um wen es gerade geht. Die Perspektive der jungen Frau wird in der dritten Person geschildert – vielleicht, weil sie neben ihrer realen, auch die innere Stimme verloren hat. Eine Konversation zwischen beiden Hauptfiguren ist somit beinahe unmöglich, denn der Professor kann kaum noch sehen.

Die junge Frau hat einige Schicksalsschläge hinter sich. Erst kürzlich starb ihre Mutter und sie verlor das Sorgerecht für ihren Sohn. Nun steht der Vater kurz davor, mit ihm ins Ausland zu ziehen und es gäbe somit so vieles für sie zu sagen. Dennoch kann sie einfach nicht sprechen, obwohl es dafür keine körperliche Ursache gibt. Der Professor hingegen verheimlicht, dass er schon fast erblindet ist. Zudem hat er sowohl in Deutschland als auch in Korea gelebt und fühlt sich nun in beiden Ländern als Außenseiter. Vielleicht kann er daher die junge Frau so gut verstehen.

Sprachlich ist Han Kang wieder ein wunderbarer Text über Menschen gelungen, die an einem Scheidepunkt ihres Lebens stehen. Inhaltlich und vor allem emotional konnte „Griechischstunden“ mich jedoch nicht erreichen. Die Anonymisierung der Figuren und Szenen, deren Kontext erraten werden muss, lassen mich keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Noch dazu passiert erst bei etwa 75% des Romans das, was der Klappentext verspricht, nämlich ein richtiges Aufeinandertreffen der Charaktere. Daher ist auch der Schluss für mich leider nicht plausibel.

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Veröffentlicht am 22.01.2024

Hoffnung und verlorene Träume

Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah
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Schon seit 36 Jahren lebt Mani mit ihren Eltern in demselben Haus im Seouler Viertel S-dong, doch nun steht ein Umzug an und damit die Hoffnung, von der Armut der Unterschicht in die Mittelschicht aufzusteigen. ...

Schon seit 36 Jahren lebt Mani mit ihren Eltern in demselben Haus im Seouler Viertel S-dong, doch nun steht ein Umzug an und damit die Hoffnung, von der Armut der Unterschicht in die Mittelschicht aufzusteigen. Mani als Frau trägt neben den Makeln des fehlenden Geldes und ihrer Arbeitslosigkeit noch einen weiteren: sie ist unverheiratet und wohnt noch immer mit ihren Eltern zusammen. Wird der Umzug in ein neues Viertel wirklich die gewünschte Veränderung bringen?

„Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah“ ist der zweite, auf Deutsch erschienene Roman der südkoreanischen Autorin Cho Nam-Joo; die Übersetzung stammt von Jan Henrik Dirks. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Protagonistin Mani in der Ich- und Vergangenheitsform. Der Titel des Romans ergibt schon bald einen Sinn, denn das Viertel S-dong befindet sich auf steilen Hügeln, die sich dem Mond entgegen recken.

Hier träumte Mani seit ihrer Kindheit von einer Karriere als Kunstturnerin, doch dieser Traum sollte sich aufgrund der fehlenden Mittel und, ehrlich gesagt, auch ihrer fehlenden Begabung nicht erfüllen. Diese Erfahrung hat ihr Leben geprägt und zwar deutlicher, als die im Klappentext erwähnte Schande des Unverheiratet-Seins. Hier hätte ich mir einen etwas stärkeren Blick auf die Rolle der Frau in Korea und speziell die Erwartungen an junge Frauen gewünscht.

Das zweite zentrale Thema ist die Armut der Familie. Der Vater bemüht sich, Frau und Tochter zu ernähren, doch die Zeiten haben sich geändert und sein Imbiss hat nicht mehr so viele Kunden wie früher. Manis Job hingegen wurde von ihrer Firma gestrichen, um Geld zu sparen und die Mutter kann selbst nicht arbeiten. Als der Familie ein Angebot gemacht wird, ihr Haus an einen Investor zu verkaufen, klammert sich die Familie an diese Hoffnung, doch es scheint, als wollte man sie betrügen – kann ihr Traum noch wahr werden oder sind all ihre Ersparnisse verloren?

Fazit: Ein nüchterner Roman über Armut und verlorene Träume, der sich so auch in einem deutschen Plattenbau abgespielt haben könnte. Cho Nam-Joos vorangegangene Bücher konnten mich mehr abholen.

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Veröffentlicht am 14.01.2024

Schwächer als Band 1

Die Prinzessinnen: Helden und andere Dämonen
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Die Prinzessinnen haben einen neuen Auftrag. Dieses Mal sollen Aiby, Decanra, Cinn, Mef und Narvila Prytos beschützen, den großen Helden des Götterkrieges. Der ist zwar eigentlich unsterblich und inzwischen ...

Die Prinzessinnen haben einen neuen Auftrag. Dieses Mal sollen Aiby, Decanra, Cinn, Mef und Narvila Prytos beschützen, den großen Helden des Götterkrieges. Der ist zwar eigentlich unsterblich und inzwischen weit über 100 Jahre alt, dennoch scheint seine Kraft zu schwinden. An seiner Seite müssen die fünf Söldnerinnen sich - neben seinen Prahlereien und Eigenheiten - mit Monstern aller Art herumschlagen, doch plötzlich steht das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel.

„Helden und andere Dämonen“ ist der zweite Band der Reihe rund um die fünf Söldner-Prinzessinnen aus der Feder von Christian Endres. Erzählt wird nach demselben Schema wie in Band 1, also abwechselnd aus Narvilas Perspektive in der Gegenwart und einer Rückblende in die Vergangenheit der Prinzessinnen. Leider sind, im Gegensatz zum ersten Band, diese Rückblenden nicht immer zielführend. Manchmal liefern sie zwar Kontext zu einer Szene in der Gegenwart oder beleuchten das alte Leben der Prinzessinnen, teilweise sind sie aber auch obsolet oder wiederholen Dinge, die wir bereits in Band 1 erfahren haben. Hier wäre mir ein „Was bisher geschah“ zu Beginn des Romans lieber gewesen.

Ich muss es auch ehrlich zugeben: In diesem zweiten Band fehlt mir der Charme der Reihe. In Band eins stehen sympathische, kämpferische Frauenfiguren im Fokus. Nun dreht sich alles um den selbstgefälligen Helden Prytos, der zudem die Dynamik zwischen den Prinzessinnen verändert, denn nicht alle von ihnen sind einverstanden, ihn während seiner „Abenteuer“ zu beschützen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Prinzessinnen sich teilweise ganz anders verhalten, als der Autor es im ersten Band aufgebaut hat.

Auch der Handlungsverlauf hat leider seine Schwächen. Unsere Charaktere reisen von Punkt A, nach B, nach C, nach D und treffen auf die unterschiedlichsten Monster. Erst später kommt eine tatsächliche Aufgabe und damit ein Spannungsbogen hinzu und auch Prytos erhält ein etwas runderes Profil. Das Ende lässt schließlich mindestens einen weiteren Band plausibel erscheinen – da hoffe ich dann auf die Rückkehr zu den Qualitäten von Band 1.

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Drei Perspektiven, aber keine Antworten

Chrysalis
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Eines Tages taucht die namenlose Protagonistin im Fitness-Studio auf. Sie will ihren Körper völlig verändern, will stärker und muskulöser werden. Nach und nach lernen wir sie aus drei unterschiedlichen ...

Eines Tages taucht die namenlose Protagonistin im Fitness-Studio auf. Sie will ihren Körper völlig verändern, will stärker und muskulöser werden. Nach und nach lernen wir sie aus drei unterschiedlichen Perspektiven kennen: Elliot, der im selben Studio trainiert und von ihr fasziniert ist. Bella, ihre Mutter, die uns erzählt, wie ihre Tochter aufgewachsen ist und womit sie zu kämpfen hatte. Und schließlich Arbeitskollegin und Freundin Susie, die sie nach einer Trennung bei sich aufnimmt.

„Chrysalis“ ist der erste Roman der britischen Autorin Anna Metcalfe, deren Erzählungen bereits veröffentlicht und preisgekrönt wurden; die deutsche Übersetzung stammt von Eva Bonné. Jede der drei Erzählperspektiven ist in der Ich- und Vergangenheitsform geschrieben und gibt den Blick auf die Abgründe der Figuren frei. Elliot ist unangenehm, geradezu ein Stalker, der aus einer ersten Begegnung gleich eine besondere Beziehung ableitet. Bella zeigt sich mit der Fürsorge für ihre Tochter überfordert, zugleich fällt es ihr schwer, sie loszulassen. Und Susie geht völlig darin auf, die neue Mitbewohnerin zu verwöhnen und mit Geschenken zu überhäufen.

Doch was wissen wir wirklich über die Protagonistin? Nach einen traumatischen Beziehung, die sie selbst jedoch verharmlost, beschließt sie, ihren Körper zu stählen – was der Trainer im Fitness-Studio erst einmal nicht glauben will, denn wenn Frauen Sport machen, dann doch um abzunehmen, oder? Unsere Heldin will noch dazu von niemandem mehr abhängig sein und so stößt sie alle drei Erzähler*innen nach und nach von sich, um am Ende nur noch von ihren Fans für ihre Social Media-Kunst verehrt zu werden.

Man könnte denken, die drei unterschiedlichen Perspektiven würden ein Gesamtbild der Hauptfigur zusammensetzen, aber eigentlich ist es noch lückenhafter als zuvor. Ihren Wunsch konnte ich nach dem, was sie erlebt hat, verstehen, nicht aber, wie sie selbst Menschen bewusst verletzt. Noch dazu scheint sie auch der Kontrast nicht zu stören, dass sie zwar einerseits niemanden um sich haben will, dann aber doch ihr ganzes künstlerisches Sein auf anderen aufbaut: Elliot liefert die Idee, Susie die Requisiten und Bella das Geld. Mir fehlt hier konkret die Perspektive der Protagonistin, um diese Widersprüche aufzulösen oder zumindest zu verstehen.

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