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Veröffentlicht am 23.08.2025

klingt noch lange nach

Das Geschenk des Meeres
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Es ist um 1900, als die junge Dorothy in das kleine abgelegene Fischernest Skerry an der schottischen Küste zieht, um dort als Dorflehrerin ein neues Leben zu beginnen. Als Fremde hat sie es nicht gerade ...

Es ist um 1900, als die junge Dorothy in das kleine abgelegene Fischernest Skerry an der schottischen Küste zieht, um dort als Dorflehrerin ein neues Leben zu beginnen. Als Fremde hat sie es nicht gerade leicht, in der sehr eigenwilligen Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen. Ebenso verhindern zahlreiche Umstände, dass sie ihr Liebessglück, mit dem Fischer Joseph, findet. Durch ein Unglück verliert sie auch noch ihren geliebten Sohn Moses. Jahre später, wird in einer Wintersturmnacht ein kleiner Junge angespült, der ihrem verlorenen Sohn unheimlich ähnelt. Damit werden Dinge und Geheimnisse ans Licht gebracht, die längst begraben schienen.
Die Geschichte spielt auf drei Zeitebenen und wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Und immer wieder steht die große Frage Raum, was geschah damals wirklich mit Moses und was hat es mit diesem geheimnisvollen Jungen auf sich.
Nach und nach erfährt man von den Träumen, Wünschen und Geheimnissen der einzelnen Personen. Sie begehen Fehler und müssen mit den Konsequenzen ihrer Handlungen leben. Besonders spürbar dabei, Dorothy hat den Tod von Moses nie verarbeitet. Viele Zusammenhänge erschließen sich erst im Laufe der Zeit, durch Rückblicke und Perspektivwechsel. Allmählich setzt sich das Gesamtbild der wahren Ereignisse zusammen. Die kurzen Kapitel sorgten für einen angenehmen Lesefluss.
Die Figuren wirkten auf mich allesamt authentisch und so rauh und unnahbar wie die schottische Küste selbst. Besonders nachvollziehbar empfand ich Dorothys Schwierigkeiten, sich in das Dorfleben zu integrieren. Nicht nur die Dorfbewohner machten es ihr schwer, oft stand sie auch selbst im Weg. Es gab Fehler auf allen Seiten. Es wird mehr übereinander als miteinander geredet. Natürlich regt es mich immer wieder auf, wenn Konflikte auf Grund von mangelnder Kommunikation oder falschem Stolz entstehen und künstlich aufrecht erhalten werden. Doch genau dies passt hervorragend in die handelnde Zeit und zu den Menschen dieser Umgebung. Mir gefiel, dass die Autorin eine kleine schottische Sage mit in die Geschichte eingewebt hat und nur am Rande mit floss. Dies sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre.
Der Schreibstil ist ruhig und beschreibt malerisch die Umgebung. Die Naturbeschreibungen sind sehr ausschweifend und lassen einen fühlen, als wäre man direkt vor Ort. Es wird mit Worten gespielt, die eine ganze eigene Stimmung erzeugen.
Es ist kein Wohlfühlroman, sondern eine Geschichte die einen berührt, mitfühlen lässt und in die Tiefe geht. Trauer, Verlust und Hoffnung auf zweite Chancen machen diesen Roman zu etwas ganz besonderen.
Eine klare Empfehlung für alle, die in die leisen Töne eintauchen wollen und das raue schottische Setting lieben.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2025

Tiefgründiges Familiendrama im Schutze des Waldes

Der Gott des Waldes
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„Sie erzählte, das Wort komme vom griechischen Gott Pan, dem Gott des Waldes. Er liebte es, die Menschen zu täuschen und ihre Sinne zu verwirren, bis sie die Orientierung verloren. Und den Verstand, sagte ...

„Sie erzählte, das Wort komme vom griechischen Gott Pan, dem Gott des Waldes. Er liebte es, die Menschen zu täuschen und ihre Sinne zu verwirren, bis sie die Orientierung verloren. Und den Verstand, sagte T.J., “

Dieser Sommer sollte etwas ganz besonderes werden. Ferienlagerromantik mitten im Wald.
Es wurde aber relativ schnell klar, dass dieser Schein trügt. Ein Mädchen verschwindet aus dem Camp. Ausgerechnet die Tochter der Besitzer. Und sie ist nicht die erste. Bevor sie geboren wurde, verschwand ihr Bruder ebenfalls unter mysteriösen Umständen in diesem Wald und konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Mit dem Verschwinden von Barbara rückt alles wieder in die Gegenwart und die Stimmen werden lauter, dass nichts ein Zufall sein kann.
Auf die konkreten Figuren und Handlungen möchte ich hier nicht direkt eingehen, da ich sonst Gefahr laufe ausversehen zu spoilern.
Besonders beeindruckt hat mich die wirklich außergewöhnliche Erzählweise. Die Autorin springt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven hin und her. Und selbst diese sind nie linear erzählt, sondern springen auch untereinander scheinbar willkürlich durcheinander. Dies sorgte oft für überraschende Wendungen und oft wurde ich in meinen Spekulationen in die Irre geführt, als hätte ich mich selbst im Wald verlaufen. Beim Lesen kam mir oft der Schmetterlingseffekt in den Sinn. Jede Handlung in der Vergangenheit hat spürbare Auswirkungen auf die Gegenwart. Die Spannung blieb dadurch durchgehend auf einem hohen Niveau. Erst nach und nach verdichteten sich die vielen kleinen Details zu einem Gesamtbild, dessen Ausmaß sich dem Leser erst ganz zum Schluss offenbart. Erst, wenn man die Vergangenheit versteht, lässt sich das Rätsel um Barbaras Verschwinden lösen.
Der Wald als Schauplatz verlieh der Geschichte eine geheimnisvolle aber auch beklemmende Atmosphäre. Als wäre der Wald selbst unsicher, ob er uns seine Geheimnisse anvertrauen möchte. Die Erzählperspektive verstärkte diesen Effekt für mich immens. Es wird zwar aus mehreren Sichtweisen erzählt aber nie in der Ich-Perspektive. Es wirkte auf mich fast so, als würde der Gott des Waldes seine Geschichte erzählen. Dabei zeigt er uns immer nur das, was er für nötig hält und uns dann wieder im Dunkeln tappen lässt.
Wie die Geschichte an sich entfaltete sich die Komplexität der Figuren erst nach und nach, mit jedem neuen Rückblick. Wie viel Vergangenheit steckt in unserer Gegenwart?
Trotz des Kriminalfalls, stehen für mich vor allem die Geschichten hinter der Geschichte im Vordergrund.
Liz Moore gelingt es auf beeindruckende Art und Weise eine Gesellschaftsanalyse der Rolle der Frau im Wandel der Zeit und Familienhierarchien der damaligen Zeit darzustellen und welche Folgen daraus entstehen konnten.
Für mich war diese Geschichte ein leises und tiefgründiges Highlight. Gerade diese Erzählweise und die darin verwobenen Themen werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wer subtile Spannung und raffiniert verwobene Erzählstränge mag, wird diesen Roman nicht mehr aus der Hand legen können.

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  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 31.05.2024

Sympathische Trickbetrügerin in einem Intelligenten Katz- und Mausspiel

Wer zuerst lügt
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Sich immer wieder neu zu erfinden klingt spannend, bis man seine eigene Identität verliert und einen die Vergangenheit einholt. Zum einen befinden wir uns in der Gegenwart und erleben, wie „Evie“ ihren ...

Sich immer wieder neu zu erfinden klingt spannend, bis man seine eigene Identität verliert und einen die Vergangenheit einholt. Zum einen befinden wir uns in der Gegenwart und erleben, wie „Evie“ ihren neuesten Auftrag ausführt. Die Art und Weise, mit der sich Evie in das Leben von Ryan geschlichen hatte, waren zugegebenermaßen schon sehr genial. Von ausgeklügelten Schachzügen bis zum kleinsten Detail war alles geplant. So viel Kalkül ist schon beeindruckend. Ryan selbst scheint auch nicht ganz harmlos zu sein, doch bleibt lange unklar, was genau seine Rolle in dem Ganzen zu sein scheint. Doch auch die beste Betrügerin muss aufpassen, nicht selbst aufs Kreuz gelegt zu werden. Denn in diesem Job kann man niemandem trauen. Sie kämpft nicht nur darum ihren Job zu erledigen und ihre eigene Identität wieder zurück zubekommen, sondern zum Schluss auch darum, überhaupt am Leben zu bleiben. Doch warum und weshalb sie auf der Abschussliste ist bleibt lange verborgen. Zwischendurch gibt es zahlreiche Rückblenden auf Evies zurückliegende Fälle und ihrem Leben vor alledem.
Zunächst dachte ich wirklich, dass Evie eine extrem abgebrühte Trickbetrügerin sei. Je mehr ich aber in ihre Vergangenheit eintauchte und ihren Werdegang nachverfolgen konnte, desto mehr wandelte sich mein Bild von ihr. Gerade weil sie so gut, indem ist, was sie tut, macht ihr diese Art von Arbeit so viel Spaß. Dabei geht sie äußerst gewieft und mit viel Raffinesse vor. Trotzdem plagen sie oft Gewissensbisse und sie versucht nie mehr Schaden anzurichten, als notwendig ist. Diese mitfühlende Art und ihre Bemühungen wieder sie selbst zu sein, hat sie in meinen Augen sehr menschlich und authentisch gemacht. Alle anderen Personen bleiben mehr oder weniger wage und sind weniger ausgebaut. Das empfinde ich aufgrund der Story aber nicht als störend, da mein Hauptaugenmerk wirklich auf Evie lag. Der angenehme und sehr flüssige Schreibstil ließen mich förmlich durch die Seiten fliegen. Die gesamte Story ist gespickt mit vielen Puzzleteilen, die mir aber manchmal schlichtweg entgangen sind. Das große Ganze offenbarte sich für mich wirklich erst zum Schluss und ich hätte bei weitem nicht mit diesen Wendungen gerechnet und war wirklich sprachlos. Ich hatte oft Vermutungen aber wurde immer wieder eines Besseren belehrt. Den letzten Satz empfand ich beinahe als Cliffhangermoment.
Ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Für mich wurden alle Kriterien erfüllt. Es gab einen sympathischen Hauptcharakter, eine spannende Story mit vielen Wendungen und einem gewissen Kniff. Ich empfehle dieses Buch allen, die Bourne und Oceans 11 Vibes mögen.



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Veröffentlicht am 11.02.2024

Stimme eriner verlorenen Generation

Demon Copperhead
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Es scheint, als haben einige Menschen von Beginn an ihres Lebens, ein schwereres Los als andere.
Einer dieser Menschen ist ein Junge namens Damon Fields, von allen nur Demon Copperhead genannt.
Damon selbst ...

Es scheint, als haben einige Menschen von Beginn an ihres Lebens, ein schwereres Los als andere.
Einer dieser Menschen ist ein Junge namens Damon Fields, von allen nur Demon Copperhead genannt.
Damon selbst tritt hier als Ich-Erzähler auf und erzählt uns ungeschönt seine Lebensgeschichte. Er scheint bereits am Ende der Geschichte zu stehen und versucht den Auslöser für das Fallen nachzuvollziehen. Dabei bemerkt er, dass es nicht nur ein konkretes Ereignis war, sondern die Summe seines Lebens. Schon seine Geburt war ein reiner Kampf, der sich durch sein ganzes Leben ziehen sollte. Dabei war aber nicht alles immer nur schlecht. Auch wenn die ersten Jahre seiner Kindheit entbehrungsreich zu sein schienen, so waren sie doch relativ glücklich. Seine Mutter war zwar nicht immer in der Lage sich vollumfänglich um ihn zu kümmern, doch schufen die Freiheit der Umgebung und die Fürsorge der Nachbarsfamilie einen guten Ausgleich.
Durch eine Reihe unglücklicher Umstände gerät Damon ins Pflegesystem und lernt nicht unbedingt dessen positive Seite kennen. Durch die Erfahrungen in dieser Zeit entwickelte sich ein unglaublicher Hunger in ihm. Dabei rede ich nicht nur vom körperlichen Empfinden. Seine Seele hungert förmlich nach Sicherheit, Anerkennung und Zugehörigkeit. Dies führte zu einer Vielzahl von ungünstigen Entscheidungen und Co-Abhängigkeiten. Zwischenzeitlich scheint sich das Blatt für Damon zum Guten zu wenden, doch wer hochsteigt, kann auch tief fallen. Und in seinem Fall ist es die Medikamentenabhängigkeit. Wieder aufzustehen fällt schwerer, als wieder liegenzubleiben.
Durch Damon als Erzähler ist der Sprachstil sehr flüssig zu lesen und durch die Umgangssprache sehr authentisch. Damons Gedankengänge und Ausdrucksweise gingen mir sehr nahe, da sie schonungslos ehrlich und direkt war. Und trotz all der Tragik gibt es dennoch einiges zum Schmunzeln.
Der Name Demon Copperhead hat in meinen Augen einen sehr symbolischen Charakter. Zum einen erinnert er natürlich an die Romanvorlage David Copperfield. Demon deutet an, dass sein Schicksal ihm schon vorherbestimmt zu sein scheint. Und Copperhead scheint sich nicht nur auf seine markante Haarfarbe zu beziehen, sondern auch auf die gefährlichen Giftschlangen der Region. Von der er nie eine zu Gesicht bekommen hat. Man hört immer nur von den Verlierern des Systems aber man sieht sie meist nie oder erst, wenn es zu spät ist. Neben dem Hunger hat auch das Meer eine ganz große Bedeutung für Damon. Trotz vieler Versuche hatte er nie die Möglichkeit es hautnah zu erleben. Für mich drückt diese Suche seine Sehnsucht nach Freiheit aus und seine Sorgen einfach fortzuspülen.
Ich glaube, dass Damons Leben ganz anders ausgegangen wäre, wenn nicht derart viele Resilienzfaktoren vorhanden gewesen wären. Er hat die Fähigkeit in seinen Zeichnungen Dinge zu verarbeiten und eine Handvoll Menschen, die immer an seiner Seite waren.
Barbara Kingsolver hat mit Demon Copperhead aber nicht nur einen Roman geschaffen, der von einer verkorksten Kindheit erzählt. Es geht nicht nur um Damon allein, sondern auch um die Menschen um ihn herum und gar eine ganze Region im vergessenen Herzen Amerikas.
Eine ganze Generation und die nachfolgende wurden, egal ob wissentlich oder unwissentlich, kaputtgemacht und im Stich gelassen. Das besondere Lebensgefühl der Menschen Appalachiens wird hier auf ganz besondere Weise zum Ausdruck gebracht. Sie mögen zwar nicht so fortschrittlich sein, wodurch lange auf sie herab geblickt wurde, doch ist ihr Gemeinschaftssinn ihr größtes Gut. Nicht umsonst käme dort niemand auf die Idee sein Haus oder Auto abzuschließen. Umso schlimmer ist es, wie diese Menschen behandelt wurden. Neben Ausbeutung und Perspektivlosigkeit, herrscht ein Mangel Schulbildung und das desaströse Gesundheitswesen ebnete der Profitgier der Pharmaindustrie den Weg, um eine wahre Opioidepidemie auszulösen. Eine Kettenreaktion, für die sich niemand mehr verantwortlich fühlt, obwohl sie dafür sorgte, dass 15-35% der Kinder nicht bei ihren Eltern aufwachsen konnten und vergessen wurden.
Das relativ offene Ende lässt den Leser selbst entscheiden, welche Abfahrt Demons Leben letztendlich nehmen könnte.
Dass Barbara Kingsolver selbst aus Appalachien stammt, macht diese ganze Geschichte für mich noch authentischer. Für mich ist dieser Roman eine längst überfällige Aufarbeitung der Geschehnisse in Appalachien und er gibt den Menschen eine Stimme, die lange überhört wurden.

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Veröffentlicht am 14.01.2024

Sherlock Holmes mit einem Hauch Magie

Der Spurenfinder
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„Wer sicher gehen möchte, dass in seinem Leben garantiert nichts Aufregendes mehr passiert, dem empfehle ich nach Friedhofen zu ziehen.“ So steht es in „Wanderungen durch das Königreich Dreibrücken“ von ...

„Wer sicher gehen möchte, dass in seinem Leben garantiert nichts Aufregendes mehr passiert, dem empfehle ich nach Friedhofen zu ziehen.“ So steht es in „Wanderungen durch das Königreich Dreibrücken“ von Deidra Harfner. Ich denke, dass jeder von uns mehr oder weniger solch ein Kaff kennt. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb es jemanden an solch einen Ort ziehen sollte. Die Antwort scheint ganz simpel. Menschen, denen zu viel passiert ist. Aber egal, wo man hinreist, man hat sich immer selbst im Gepäck.
Aus diesem Grund zieht es auch Elos von Bergen, bekannt als der beste Spurenfinder in den umliegenden Provinzen, in dieses stille Örtchen. Nach einem missglückten Mordanschlag auf ihn und seine Familie, hängt er seinen Beruf an den Nagel und setzt sich, mit seinen Kindern in Friedhofen zur Ruhe. Doch dann geschieht das Unfassbare und es findet ausgerechnet im langweiligsten Dorf Dreibrückens ein Verbrechen statt. Während Elos sich dem Spurenfinden widmet, sind seine Zwillingskinder, Ada und Naru, Feuer und Flamme ihren Vater bei der Lösung des Falles zu helfen. Ob dieser das nun will oder nicht. Denn, wenn man bedenkt, wer ihr Vater ist, ist es nicht verwunderlich, dass beide den Wunsch hegen in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Ada und Naru sind zwei unglaubliche Wildfänge. Obgleich sie Zwillinge sind, könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Ada ist ruhiger und besitzt einen cleveren Verstand, dagegen ist Naru etwas tollpatschig und manchmal schwer von Begriff. Und wie Geschwister nun einmal sind, necken sie sich mit Vorliebe, wodurch viele komische Momente entstehen. Es war eine wahre Freude den Dreien bei Suche nach dem Täter über die Schulter zu schauen. Elos geht relativ ruhig und gelassen an die Sache. Er hat ein gutes Gespür für Details und kann auch komplizierte Gegebenheiten kombinieren, wodurch er meist den Spuren nur zu folgen braucht. Ada und Naru dagegen sind natürlich impulsiver. Auch, wenn es dadurch öfter brenzlig wird, ergänzen die Drei sich wirklich gut. Es gab einige Sackgassen, die mich verzweifeln ließen und Wendungen, die mich sehr überraschten. Ein paar Details konnte ich gut erahnen aber auf die Auflösung des Falles wäre ich im Leben nicht gekommen. Bis zum Ende bleibt es spannend. Die größte Wendung gab es für mich im Epilog, der mich hoffen lässt noch mehr Abenteuer vom Spurenfinder und seinen Kindern zu lesen.
Die Welt, in die ich eintauchen durfte, empfand ich als sehr gut aufgebaut und beschrieben. Es hatte für mich eine mittelalterliche Atmosphäre, verwoben mit einem Hauch Magie und Mystik. Auch ein kleiner Gruselfaktor und spannungsvolle Momente wurden mit eingebaut. Der Schreibstil passte sich, in Satzbau und Wortwahl, dieser altertümlichen Umgebung bestens an und wurde untermalt mit viel Wortwitz und Ironie. Besonders lebhaft wurde es durch die vielen Skizzen, die es im Buch zu entdecken gab und den Eindruck verstärkten einen Märchenkrimi in den Händen zu halten.
Zusätzlich zum Buch habe ich mir die Hörbuchfassung angehört. Diese wurde vom Autor höchstpersönlich eingelesen. Ich muss zugeben, dass Marc-Uwe Kling hier ganz besondere Arbeit geleistet hat. Seine Darbietung unterstrich die Charakterzüge der handelnden Personen wirklich sehr gut und sorgte für noch mehr Spannung.
Marc-Uwe Kling hat mit seinen Töchtern, einen für mich sehr überzeugenden All-Age Märchenkrimi geschaffen, von dem ich gerne mehr lesen möchte.

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