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Veröffentlicht am 15.01.2024

Essays

Bad Feminist
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"Bad Feminist" enthält feministische Essays der amerikanisch-haitianischen Autorin Roxane Gay. Diese sind eigentlich schon 2014 erschienen, wurden aber erst jetzt auf Deutsch übersetzt. Frau Gay ist in ...

"Bad Feminist" enthält feministische Essays der amerikanisch-haitianischen Autorin Roxane Gay. Diese sind eigentlich schon 2014 erschienen, wurden aber erst jetzt auf Deutsch übersetzt. Frau Gay ist in mehrfacher Hinsicht "gestraft" und weiß daher, wovon sie spricht und über welche Zustände sie sich beschwert: sie ist eine Frau, sie ist nicht heterosexuell und sie hat eine dunkle Hautfarbe. Außerdem hat sie in ihrer Kindheit in Haiti erschreckende Armut erlebt und ist übergewichtig.



Die Essays sind in 4 Bereiche unterteilt: Texte über sie selbst, Artikel über Gender & Sexualität; Race & Entertainment; sowie Politik, Gender & Race.



In der ersten Hälfte des Buches rezensiert Roxane Gay größtenteils andere Bücher, Filme & Serien und teilt uns ihren Standpunkt zu diesen Machwerken mit. Einige davon kennt man auch in Deutschland, aber viele Titel sagten mir nichts, von daher war es eher anstrengend, sich mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten ein Bild von den Werken zu machen.

Ganz kompliziert wird es, wenn sie von ihrem eigenen ersten Roman spricht - der noch gar nicht erschienen ist. Als sie dann mal eine Serie über den Klee lobt, erwähnt sie deren Namen nicht. Hilfreich. (Sie sagt auch Amy Winehouses Name nicht, aber den hab ich immerhin erkannt.)



Doch genug gejammert - einige Texte haben mich auch richtiggehend begeistert. Hier meine Lieblinge:

"Wie man mit einer anderen Frau befreundet ist": Frei nach dem Motto #MiteinanderStattGegeneinander zählt Roxane Gay die Möglichkeiten auf, wie sich Frauen gegenseitig im Alltag unterstützen können. Anstatt sich gegenseitig die Wimpern auszureißen oder herumzulästern, sollten wir uns viel lieber dabei helfen, voranzukommen. Es werden uns genug Steine in den Weg gelegt, das müssen wir nicht noch untereinander tun.
"Schenken Sie dem kulturellen Mythos keinen Glauben mehr, nach dem weibliche Freundschaften zickig, giftig oder kompetitiv sein müssen. Dieser Mythos ist wie High Heels und Handtaschen - hübsch, aber dazu gemacht, Frauen zu BREMSEN."



"Jenseits männlicher Maßstäbe" betrifft mich persönlich besonders, denn es handelt von Frauen im Literaturbetrieb und davon, wie "Frauenliteratur" mit anderem Maß gemessen wird als Romane von Männern mit denselben Themen.
"Frauen lesen die Bücher, die von Männern über Männer geschrieben werden, aber für Männer gilt nicht das Umgekehrte.

Die Romane von Männern über das Leben in der Vorstadt (Franzen) sind Gesellschaftsromane;

die Romane von Frauen über das Leben in der Vorstadt (Wolitzer) handeln von Frauen."



Überraschenderweise konnte ich auch herzhaft lachen: "Das Problem mit dem Märchenprinzen oder Er, der uns erniedrigt" nimmt das Phänomen "50 Shades of Grey" nach allen Maßstäben der Kunst auseinander.
"Fifty Shades verhält sich zu BDSM wie McDonald's zu richtigem Essen."



Der titelgebende (und finale) Essay "Bad Feminist: Take 2" spricht wohl so manchen Leser
innen aus dem Herzen - jeder kennt doch die kleine Stimme, die uns erzählt, wir sind furchtbar schlecht in irgendwas. Die kleine Stimme in diesem Essay erzählt Roxane Gay, dass sie eine schlechte Feministin ist...
"Ich bin lieber eine schlechte als gar keine Feministin."



Die Texte sind meist nicht sehr lang - das ist bei den teils schweren Themen auch besser so. Dadurch kann man nach jedem Essay erstmal durchatmen und das Gelesene sacken lassen.



Was mich interessiert hätte, wäre eine Art Glossar der Übersetzerin gewesen; wieso sie manche Wörter englisch belassen hat, obwohl es durchaus wohlklingende deutsche Pendants gegeben hätte oder wieso weiß (als Hautfarbe) immer kursiv und klein geschrieben wurde (einmal sogar, obwohl wissen gemeint ist), und Schwarz immer groß (ich weiß das zufällig seit 2 Monaten, aber bestimmt nicht jeder Leserin).

Was mich außerdem begeistert hätte, wäre ein ordentliches Korrektorat. Wenn man schon so lange wartet, einen Text zu übersetzen, kann man auch noch zwei Wochen für ein Abschlusskorrektorat investieren. Das hat meine Leselaune leider etwas getrübt.



Dennoch - ein wichtiges Werk unserer Zeit mit einmalig vielen Perspektiven aus einer Hand.



"Qui tacet consentire videtur ~ Wer schweigt, stimmt zu."

Veröffentlicht am 15.01.2024

Nicht mein Humor

Luftgitarrengott
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Da der Klappentext leider nicht viel über den Inhalt verrät, hier eine kleine Zusammenfassung: Es geht um einen Mann (Bastian Berger), der alle Chancen im Leben hat und keine einzige davon nutzt. Ja, teils ...

Da der Klappentext leider nicht viel über den Inhalt verrät, hier eine kleine Zusammenfassung: Es geht um einen Mann (Bastian Berger), der alle Chancen im Leben hat und keine einzige davon nutzt. Ja, teils liegt das an seiner intriganten Schwester, die nur ihr eigenes Glück im Blick hat, aber teils auch an seiner eigenen Dummheit (wer unterschreibt denn einen Vertrag, ohne ihn vorher durchzulesen?!).

Wir folgen also Bastian durch sein Leben - unterteilt in 10-Jahres-Abschnitte, von vor (!) der Geburt in den 80ern bis in die 2070er - und seine (Miss-)Erfolge.



Die Schwester ist unerträglich (nicht nur egomanisch, sondern sporadisch auch rassistisch und unterstes Niveau), der Hauptcharakter wie bereits erwähnt unsagbar dumm und die armen Verwandten stehen drumrum und müssen das Elend mitansehen. Leider hatte der Korrektor dann scheinbar auch keine Lust mehr, denn in der zweiten Hälfte tummelten sich noch einige Fehler - auch wenn ich mir bei manchen nicht sicher bin, ob das nur österreichische Abwandlungen sind, irritierend ist es dennoch.



Wieso habe ich ein Rezensionsexemplar / Bloggeraktion unterstützt, wenn ich gar nicht richtig wusste, worum es geht? Das Buch wurde als super witzig beschrieben, handelte von Musik, hatte einen coolen Farbschnitt und da ich selbst mal mit einem Luftgitarrengott zusammen war, hatte ich die Hoffnung, dass es die nötige verrückte Ablenkung im aktuellen Weltenelend bieten könnte. Leider ist "anderen Menschen dabei zulesen, wie sie von einer Sch* in die nächste stolpern" nicht wirklich mein Humor und so sah ich dem Elend, das Bastian aus seinem Leben macht, eher gequält zu. Ich weiß, es gibt Menschen, die finden das furchtbar lustig, mich hat es kein einziges Mal zum Lachen gebracht. Ich bin dann wohl weniger "Fleisch ist mein Gemüse" und mehr "Populärmusik aus Vittula".

Falls ihr also ersteres gut fandet, seid ihr hier richtig aufgehoben. Ansonsten erfreut euch besser nur an der hübschen Aufmachung und hottet noch ne Runde ab.



"Wahnsinn und Talent werden einem in die Wiege gelegt. Wenn man Glück hat."

Veröffentlicht am 15.01.2024

Teenies

Ein alter Hut
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Anna, Benny und Sarah sind die typischen Outcasts in ihrer Schule. Eines Tages startet die neue Lehrerin einen Talentwettbewerb, bei dem auch die drei teilnehmen. Doch nachdem sie es in die zweite Runde ...

Anna, Benny und Sarah sind die typischen Outcasts in ihrer Schule. Eines Tages startet die neue Lehrerin einen Talentwettbewerb, bei dem auch die drei teilnehmen. Doch nachdem sie es in die zweite Runde geschafft haben, wird die Lehrerin immer wunderlicher und auch der Wettbewerb nimmt seltsame Ausmaße an... wo sind die drei da nur reingeraten? Als wäre das nicht genug, werden sie vom Schultyrann geärgert und der charismatische Elias interessiert sich plötzlich sehr für die Freunde...





Beworben wird das Buch mit der Tagline "Germany's Next Topwitch", aber im Gegensatz zu den Hauptcharakteren wissen die Models wenigstens, worauf sie sich einlassen und worum sie kämpfen. Hier ist das alles jedoch ein großes Mysterium, auch wenn der Cover-Hut (der übrigens selbst eine große Rolle spielt!) und dieser Werbespruch dem Leser schon einiges verraten. Was mir nicht ganz schlüssig erschien, war, wieso die Jugendlichen sich überhaupt darauf einlassen. Ja, ihre Lehrerin sagt ihnen, am Ende gibt es für den Gewinner eine tolle Belohnung, aber ich wäre nach der ersten Aufgabe mal mindestens zu meinen Eltern gegangen, ob das mit rechten Dingen zugeht... Wie bei jedem Wettbewerb gibt es die klassischen Charaktere: eine Clique, ein Arschloch, ein Nerd etc. Auch wenn meine Schulzeit schon etwas zurückliegt, konnte ich mich mit den drei Freunden gut identifizieren - rothaarige Hexe? Check. Schwarztragender Goth? Check! Magienerd? Check. Leseratte? Dingdingwinner! Auch die vielen Anspielungen auf Serien, Filme und andere Bücher mochte ich - keine Sorge, falls ihr nicht so Popkultur-firm seid: sie werden alle kurz darauf erklärt, sodass ihr zumindest wisst, woher sie stammen. Da es im letzten Schuljahr spielt, kommen auch andere jugendliche Themen wie nervige Lehrer, Mobbing und Familienwahnsinn zur Sprache.



Meine Kritik ist eher gefühlt als wirklich artikulierbar - es fühlt sich wirklich sehr nach Teenie-Roman an und weniger nach All-Age-Fantasy. Hätte man die Tagline nicht, wäre dies ein Roman über ein paar Teenies, die von einer seltsamen Lehrerin durch lebensgefährliche Aufgaben gejagt werden, ohne zu wissen, wofür - ich hätte mir das Magische, die Hexen und Hintergründe etwas präsenter gewünscht. Das wird leider am Ende recht schnell und unvollständig abgehandelt.



Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen mit fulminantem Finalkampf, das ich an einem Tag verschlungen habe.



"Niemand hat es verdient zu sterben, nur weil er anders ist." (Hörthört!)



"Und ich soll entscheiden, was ich wähle? Das ist leicht. Immer das Buch."

Veröffentlicht am 15.01.2024

Meh

Brumm!
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Doktor Urs Podini hat neben seinem meschuggenen Namen einen schweren Sprachfehler: Er kann nicht Nein sagen. Seine Lebensgefährtin Karolin schubst ihn herum, in seiner Werbeagentur redet er den Kunden ...

Doktor Urs Podini hat neben seinem meschuggenen Namen einen schweren Sprachfehler: Er kann nicht Nein sagen. Seine Lebensgefährtin Karolin schubst ihn herum, in seiner Werbeagentur redet er den Kunden nach dem Mund und wenn er glücklich sein will, futtert er Süßigkeiten. Eines Tages findet er in einem Laden ein unglaublich flauschiges und lebensnahes Panda-Kostüm. Urs posiert damit für ein paar Fotos - doch mit seinem Äußeren verändert sich auch sein Inneres: Er entdeckt sein Krafttier und wird fortan vom Panda bei seinen Handlungen geleitet... Ein flauschiger Panda, der nur schlafen und fressen will, in freier Wildbahn im Brennpunkt Offenbach? Das kann ja lustig werden! Und dann werden die Medien auf ihn aufmerksam...



Direkt ein Hinweis vorab: Trotz des putzigen Covers ist dies KEIN Kinderbuch! Es geht um Sex, Polizeigewalt, Politik, es wird geflucht und behandelt allgemein erwachsenere Themen.



Bei der Gestaltung des Buches, das per Startnext finanziert wurde, hat sich der Autor viel Mühe gemacht: Passend zum Panda-Thema ist das Cover flauschig-weich, an jedem Kapitelanfang hangelt sich ein putziger Panda an der Initiale entlang und im Impressum dankt er den Figuren in seinen anderen Romanen - und beteuert, dass beim Schreiben keine Pandas verletzt wurden. Exzellent!



Zu Beginn ist das Buch leider relativ anstrengend - vieles wird häufiger wiederholt und Karolin ist extrem nervig - aber das soll sie ja auch sein. Leider müssen wir sie ca. 100 Seiten ertragen, bevor der Panda ausbricht.

Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, habe ich mich gefragt, ob ein Furry dieses Buch mal gegengelesen hat oder was diese Gemeinde davon halten würde. Doch sie werden im Buch mehrmals erwähnt und auch xier politisch inkorrekte, aber höchst amüsante Transvestit-Ladenbesitzer* ist sehr unterhaltsam. Helmut Barz hat sich wirklich alle Mühe gegeben, niemandem auf den Schlips zu treten, alle Begrifflichkeiten zu erklären und die verschiedenen Spielarten respektvoll darzustellen. Ich bin beeindruckt.

Leider war mir das Buch etwas lang. An mehreren Stellen hätte man ein wunderbares Ende hinpacken können, doch die Geschichte um den knuffigen Pandamann geht immer weiter. Und am Ende kriegen wir einen Plottwist mit halb-offenem Ende und Weltverschwörung. Weird.



Insgesamt ein flauschiger, unterhaltsamer, wilder Ritt durch die Psyche. Und natürlich durch Offenbach.



Alle Infos und Leseprobe auf der Website des Autors!



"Kuscheln! Kuscheln! Kuscheln!"

Veröffentlicht am 15.01.2024

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Der Teufel im Detail
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Dessie leitet in den schottischen Highlands ein Bed & Breakfast. Eines regnerischen Abends taucht eine Gruppe Wanderer auf, die verzweifelt noch eine Bleibe suchen. Dessie schickt sie zu einer Unterkunft ...

Dessie leitet in den schottischen Highlands ein Bed & Breakfast. Eines regnerischen Abends taucht eine Gruppe Wanderer auf, die verzweifelt noch eine Bleibe suchen. Dessie schickt sie zu einer Unterkunft weiter, da sie nichts mehr frei hat - und am nächsten Morgen ist einer der Männer verschwunden!

Doch das ist nicht das Schlimmste: Dessie lebt seit 10 Jahren in dem verschlafenen Kaff, weil damals ihr Mann ebenfalls über Nacht spurlos verschwand - und zwar aus derselben Unterkunft...



Sagt Bescheid, falls ihr meint, dass mich eins davon interessieren könnte:

~ Hexen

~ Schottische Highlands

~ Cozy Mysteries

Oh, alles drei, sagt ihr? Tja, da habt ihr wohl recht!

Leider, leider konnten mich die Highland-Hexen jedoch nicht so begeistern, wie ich aufgrund dieser Liste erhofft hatte. Meine Gegenliste:



Dessie leidet immer noch unter ihrem PTSD und klammert sich panisch an jede Spur, die zu ihrem Mann führen könnte - auch 10 Jahre später hat sie mit der Sache nicht abgeschlossen und offensichtlich dringend eine Therapie nötig. Auch dass sie mit vielen Vorurteilen behaftet ist, obwohl sie eigentlich eine studierte Frau aus der Großstadt ist, hat mich irritiert.



Mitzulesen, wie Hexen verfolgt werden, ist für mich schwer genug, aber aus Sicht des Verfolgers ist aus meiner Perspektive einfach lächerlich und nervig.



Ich lasse mich beim lesen gern entführen, ich denke nicht großartig mit, sondern lasse mich ganz von der Handlung treiben und überraschen - und dennoch war für mich sofort klar, was Grayson tut. Es war mir auch klar, was die Damen da tun. Dann ist es natürlich immer etwas lästig, darauf zu warten, dass die anderen Charaktere drauf kommen.



Wie bei Isabel Dalhousie ist auch hier nicht sicher, ob es überhaupt einen Mord gibt. Die beiden Männer verschwinden einfach (beide Fälle werden am Ende natürlich aufgelöst). Ich finde es dann immer etwas schwierig, die Motive der sich festbeißenden Damen nachzuvollziehen. Das ist bei mir wie bei "Blair Witch Project", wo man nur Wald sieht und nicht mal ein Schatten auftaucht, vor dem man sich gruseln könnte. Ich fand den Film todsterbenslangweilig, weil ich es nicht einsehe, mich vor Wald zu fürchten.

In anderen Krimis gibt es mehrere Verdächtige, die immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln verdächtigt werden, doch hier wurde von Anfang an nur auf einen Bösewicht hingesteuert. Das hat mich etwas irritiert - sollte die Spannung durch das Wissen um die Gefahr kreiert werden?



Auch wenn das jetzt alles nicht so positiv klingt, kann ich euch die Highland-Hexen doch empfehlen, falls ihr auf kurzweilige Krimis und schottische Details steht. Es war nur für mich leider nicht so umwerfend wie erhofft.

Scheinbar wird aber jeder Band aus Sicht einer anderen Person in dem Dorf erzählt und die Leseprobe des zweiten Bandes zeigt, dass er aus der Perspektive einer der Hexen spielt. Vielleicht gebe ich dem noch eine Chance. Gebt mir mehr Magie! Mehr Highlands!