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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2024

Thriller in einzigartigem Setting

Todschwarze Nacht
3

„Todschwarze Nacht“ ist ein gelungener und spannender Thriller, den die Autorin im Obdachlosenmilieu angesiedelt hat.

Lou, eine ehemals preisgekrönte Journalistin, ist aus zunächst ungeklärten Gründen ...

„Todschwarze Nacht“ ist ein gelungener und spannender Thriller, den die Autorin im Obdachlosenmilieu angesiedelt hat.

Lou, eine ehemals preisgekrönte Journalistin, ist aus zunächst ungeklärten Gründen abgestürzt und lebt auf der Straße. Als immer mehr junge, wohnungslose Frauen sterben oder verschwinden und Lou selbst bedroht wird, erwacht ihr Recherche-Gen wieder zum Leben und sie versucht, den Vorkommnissen auf den Grund zu gehen.

Das Leben auf der Straße schildert die Autorin sehr eindringlich. Die verschiedenen Bedrohungen, die Not der Menschen, Hunger, Sucht, Krankheit und Kälte werden in dem Buch lebendig und man ertappt sich immer wieder dabei, beklommen auf den eigenen Umgang mit obdachlosen Menschen zu blicken. Alleine dieser Aspekt des Buches rüttelt wach und lässt einen mit ausreichend Stoff zum Nachdenken zurück.

Die Handlung selbst ist durchaus spannend. Lou ist eine sehr interessante Protagonistin mit einer geheimnisumwitterten und teils tragischen Vergangenheit. Alleine diesen Geheimnissen auf den Grund zu gehen macht Spaß und treibt einen voran. Hinzu kommt die freundschaftliche Beziehung zwischen Lou und Jenny, welche sich langsam aufbaut und durchaus viele Sympathien weckt.

Auch die Identität des Täters/der Täterin bleibt bis kurz vor Schluss unklar, auch wenn man anhand kurzer Kapitel immer mal Einblick in sein/ihr Seelenleben erhält. Hier findet sich tatsächlich auch der Grund für meinen einen Stern Abzug. Der/die MörderIn ist mir etwas zu klischeebeladen… halt so wie man sich einen typischen Psychopathen vorstellt.

Aber insgesamt ein spannender Thriller, den man gerne und zügig liest und dessen Ende Hoffnung auf eine Fortsetzung mit Lou macht.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 09.03.2024

Spannender Thriller mit überraschenden Wendungen

Ahnunglos schuldig: Thriller
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Der Thriller „Ahnungslos schuldig“ von Danilo Fender überrascht bis zum Schluss und hält für den Leser viel Spannung bereit - teilweise muss man sich auch auf eine sehr eindringliche Schilderung von Gewalt ...

Der Thriller „Ahnungslos schuldig“ von Danilo Fender überrascht bis zum Schluss und hält für den Leser viel Spannung bereit - teilweise muss man sich auch auf eine sehr eindringliche Schilderung von Gewalt gefasst machen.

Victor kommt nach 20 Jahren als verurteilter Mörder aus dem Gefängnis frei und zieht zurück zu seinen Eltern in sein kleines Heimatdorf. Victor ist von seiner Schuld überzeugt, kann sich aber an die Tat selbst und die Geschehnisse rund um die Tat nicht mehr erinnern. Schon kurz darauf kommt es in dem Dorf zu erneuten Verbrechen.

Das Buch setzt sich mit der Schuld auseinander und zeigt auf, wie die Menschen - Nachbarn, Bekannte, Familie, Polizei - insgesamt aber natürlich auch im Kontext weiterer Verbrechen auf die Rückkehr eines verurteilten Mörders reagieren. Als Leser begleiten wir Victor bei seiner Suche nach der Wahrheit und verfolgen die Aufklärung der neuesten Vorfälle.

Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen, den Leser zu fesseln und zu wilden Spekulationen anzuregen - und wartet doch immer wieder mit Überraschungen auf, die auch der geübte Thriller-Leser nicht vorher sehen konnte.

Dabei hat mir insbesondere die Auswahl der unterschiedlichen und doch sehr eigenen und besonderen Charaktere gefallen. Hervorzuheben wäre dabei die selbst ernannte „Privatdetektivin“ Lola, die eigentlich genug mit sich selbst zu tun hat, keine sonderlichen Erfolge nachweisen kann und einem doch mehr und mehr ans Herz wächst. Aus meiner Sicht eine der wenigen für die ich wirkliche Sympathien entwickeln konnte.

Insgesamt ein spannendes Lesevergnügen, das viele menschliche Abgründe aufzeigt.

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Blick auf‘s Erwachsenwerden

Die Mur checkt’s nicht
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Bei dem „Coming-of-age“ Roman „Die Mur checkt‘s nicht“ handelt es sich um ein kleines, hochwertiges Büchlein mit Lesebändchen.

Das Cover ist schön gewählt, mit dem Titel des Buches hadere ich noch. Vermutlich ...

Bei dem „Coming-of-age“ Roman „Die Mur checkt‘s nicht“ handelt es sich um ein kleines, hochwertiges Büchlein mit Lesebändchen.

Das Cover ist schön gewählt, mit dem Titel des Buches hadere ich noch. Vermutlich bietet der gewählte Titel eine Möglichkeit, bereits hier die Jugendsprache aufzugreifen, die sich durch das gesamte Buch zieht. Allerdings liegt der Fokus mehr bei Nick und Hannah, als bei Nicks Mutter (der Mur), die zwar immer mal eine Rolle spielt, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt den Titel verdient.

Erzählt wird nämlich aus der Sicht des Teenagers Nick, der kurz vor dem Abitur steht und uns an seiner Sicht über das Leben, die Schule, die Familie und die Liebe teilhaben lässt. Ob die Jugendsprache entsprechend des heutigen Gebrauchs realistisch eingesetzt wurde kann ich persönlich nicht beurteilen (vermutlich ändert diese sich auch schneller als man schauen kann). Aber als Stilmittel gelingt es so, eine authentische Geschichte zu erzählen, die sehr nah am Protagonisten und seiner Lebensrealität bleibt.

Die Erzählung lässt sich sehr flüssig lesen, macht Spaß und ist aus meiner Sicht von Anfang bis Ende sehr schlüssig. Die inneren Konflikte und die großen Fragen des Erwachsenwerdens werden sehr gut dargestellt und vom Protagonisten teils humorvoll, teils philosophisch betrachtet.

Ein Roman aus der Lebensrealität vieler Jugendlicher, der auch das Thema der psychischen Gesundheit nicht scheut und feinfühlig behandelt.

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Veröffentlicht am 19.01.2024

Mitreißende Geschichte um Autonomie und Liebe

Zwei Welten
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Charlotte, eine junge Frau kurz vor ihrem 18. Geburtstag, wird von ihrem Bruder aus der gewaltsamen Bevormundung ihrer gemeinsamen Mutter ‚gerettet‘ und in eine geheime Gesellschaft eingeführt.

Diese ...

Charlotte, eine junge Frau kurz vor ihrem 18. Geburtstag, wird von ihrem Bruder aus der gewaltsamen Bevormundung ihrer gemeinsamen Mutter ‚gerettet‘ und in eine geheime Gesellschaft eingeführt.

Diese zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Mitglieder über die verschiedensten magischen Gaben verfügen. Auch Charlotte ist mit Gaben gesegnet und nicht nur das - sie zeigt besondere Begabungen, die nur in jeder 10. Generation auftreten.

Wir begleiten die Protagonistin nun, gemeinsam mit alten und neuen Freunden und Liebschaften, bei ihrem Leben in der Gesellschaft, die noch stark an alten Traditionen festhält und nach und nach die Rebellin in ihr weckt.

Das Buch liest sich sehr flüssig und hat sehr schnell einen richtigen Sog auf mich ausgeübt. Die Geschichte ist sehr spannend und voller magischer, phantasievoller Ideen. Um ehrlich zu sein, hat Charlotte mir relativ lange einiges abverlangt, denn es dauert, bis sie aus ihrer unterwürfigen und passiven Rolle erwacht und Stärke und Mut beweist. Die Gaben der Menschen sind sehr vielfältig und stecken voller Ideenreichtum.

Sprachlich ist das Buch überwiegend flüssig zu lesen - es gibt ein paar Formulierungen, die für mich gewöhnungsbedürftig und ungewohnt waren (z.B. wenn es um die Augen geht oder die Blicke, die die Personen sich zuwerfen). Aber das hat meinem Lesespaß keinen Abbruch getan und das fulminante Ende lässt mich jetzt voller Ungeduld auf die Fortsetzung warten.

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Authentisch und mitreißend

Essex Dogs
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Schon die Gestaltung des Buchumschlags katapultiert einen in die Vergangenheit. Es erinnert von den Farben und dem Motiv an ein englisches Kriegsbanner. Besonders angetan hat es mir der Buchrücken, ...

Schon die Gestaltung des Buchumschlags katapultiert einen in die Vergangenheit. Es erinnert von den Farben und dem Motiv an ein englisches Kriegsbanner. Besonders angetan hat es mir der Buchrücken, der wie ein hochwertiges, altes ledergebundenes Buch gestaltet ist.

Wir befinden uns im Jahr 1346 und dürfen eine Gruppe von zehn britischen Söldnern begleiten, die mit der Armee des britischen Königs Edward III. in der Normandie landen und sich brandschatzend durch das Land vorarbeiten.

Dabei merkt man von Anfang an, dass der Autor ein erfahrener Historiker ist, der es versteht zu schreiben. Von der ersten Seite an taucht man ein in die Zeit und das Geschehen rund um Loveday und seine Essex Dogs. Dabei wird viel Wert auf Authentizität gelegt. Die Bilder und Beschreibungen sind drastisch, man kann sich die Zustände in dem Lager, mit all dem Dreck, dem Gestank und der Gewalt sehr gut vorstellen. Die Sprache ist derb, gespickt mit Kraftausdrücken. Und die Handlungen sind brutal und nicht beschönigend.

Die Handlung orientiert sich an der Geschichte des entsprechenden Feldzugs der britischen Armee im hundertjährigen Krieg und ist doch absolut mitreißend geschrieben und ist bis zuletzt sehr spannend.

Gut gefallen hat mir, dass man wechselnd Loveday, den Anführer der Essex Dogs und Romford, einen 16 jährigen Bogenschützen begleitet und einem als Leser somit unterschiedliche Einblicke in das Geschehen ermöglicht werden. So liegt der Fokus auf den Erlebnissen der einfachen Männer und doch erhält man etwas Einblick in die Handlungen und Entscheidungen der Heeresführer und des Königs.

Wer einen historischen Roman mit einem Helden, der „seiner Zeit voraus ist“ - wie man es in historischen Romanen oft vorfindet - sucht oder gar eine romantische Liebesgeschichte in den Wirren des 100 jährigen Krieges erwartet, ist hier falsch.

Mit „Essex Dogs“ begibt man sich auf eine spannende Reise auf den Spuren einer Reihe „kaputter“ Söldner, die versucht, die Geschehnisse authentisch wiederzugeben - ohne den Leser zu schonen.

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