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Veröffentlicht am 25.01.2024

Tolle Sprache!

Muna oder Die Hälfte des Lebens -
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MUNA oder DIE HÄLFTE DES LEBENS
Terézia Mora

DDR 1989:
Kurz vor ihrem 18. Geburtstag beginnt Muna bei einer kleinen Zeitung ein Praktikum. Dort verliebt sie sich unsterblich in Magnus, dem Mann, der sie ...

MUNA oder DIE HÄLFTE DES LEBENS
Terézia Mora

DDR 1989:
Kurz vor ihrem 18. Geburtstag beginnt Muna bei einer kleinen Zeitung ein Praktikum. Dort verliebt sie sich unsterblich in Magnus, dem Mann, der sie ignoriert und bei Fragen abwertend mit einem Grunzen reagiert.
Angeheizt von dessen Ignoranz stellt Muna ihm nach und taucht überall dort auf, wo sie den Lehrer Magnus vermutet.
Kurz nach ihrem Geburtstag gelingt es ihr endlich, ihn ins Bett zu ziehen. Während Muna an die große Liebe glaubt und nach einer Nacht bereits Zukunftspläne schmiedet, fährt Magnus am folgenden Tag in den Urlaub, aus dem er nicht zurückkehrt. Er flieht über Ungarn nach Deutschland, ohne ein Wort des Abschieds.
Muna leidet Ewigkeiten - schreibt ihm Briefe, die sie bei Bekannten deponiert, und versucht herauszufinden, wo er sich aufhalten könnte.

Sieben Jahre vergehen, in denen Muna eher schlechte als rechte Beziehungen pflegt, bevor sie Magnus wieder trifft. Muna lässt sich erneut ganz auf die Liebe ein, während Magnus nur an sich denkt und egoistische Entscheidungen trifft.
Dabei merkt Muna nicht, wie toxisch ihre Beziehung ist. Sie lechzt nach Aufmerksamkeiten und hofft, dass er sich ändert und merkt dabei nicht, dass sie die Hälfte ihres Lebens an den falschen Mann verschwendet.

Ui, was für ein Buch. Ich habe es in nur zwei Tagen beendet (das Ende musste ich sogar zweimal lesen), jedoch lässt es mich mit gemischten Gefühlen zurück.
Meine Güte, diese Frauen, die nicht merken, dass der Partner es unsexy findet, wenn man alles mit sich machen lässt … Ich muss schon sagen, dass ich gerne mal ein Machtwort gesprochen hätte - aber das haben ja schon ihre Freundinnen versucht und es hat nichts gebracht. Also musste ich mich wohl oder übel weiter über Muna ärgern und war mit ihren Entscheidungen alles andere als zufrieden.

Aber neben dem Ärgern gibt es auch sehr Gutes zu berichten, denn der Schreibstil der Autorin ist einfach toll (von dem krassen Ende will ich gar nicht reden - Hammer)!
Ja, es hätten gerne 100 Seiten weniger sein dürfen, aber könnte man dann trotzdem die Komplexität der Beziehung und das tiefgreifende Bild einer sensiblen Frau gut herausarbeiten? Vielleicht nicht.

Fazit:
Zu Recht auf der Shortlist 2023, ein Buch mit kleineren Längen in einer tollen Sprache, das ich gerne gelesen habe.
4/ 5

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Veröffentlicht am 23.01.2024

Spannende Fortsetzung!

Agonie (Milosevic und Frey ermitteln 2)
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AGONIE
Lea Adam


Eine bekannte Umwelt-Influencerin wird in ihrer Wohnung in der HafenCity tot aufgefunden. Man hat sie wie Schlachtvieh kopfüber an einem Schweinehaken erhängt und ihre Organe entnommen.

Das ...

AGONIE
Lea Adam


Eine bekannte Umwelt-Influencerin wird in ihrer Wohnung in der HafenCity tot aufgefunden. Man hat sie wie Schlachtvieh kopfüber an einem Schweinehaken erhängt und ihre Organe entnommen.

Das Hamburger Ermittlungsteam Jagoda Milosevic „Milo“ und Vincent Frey vom LKA werden mit der Mordermittlung beauftragt.
Schnell ermittelt das Team den Hintergrund der Toten: Mira Mönchshagen hat vor kurzem ihre grüne Kommune verlassen, um ihren eigenen „Channel“ zu betreiben. Unter „Miras Mission“ engagiert sie sich für Tierwohl und Umweltschutz.
Zumindest war das der letzte Stand. Doch wie passt es zusammen, dass die Tote in einem teuren Penthouse in der HafenCity wohnt und einen nagelneuen Tesla fährt?
Die Kriminalbeamten tappen völlig im Dunkeln. Unter Miras Post sind Hunderte von Hasskommentaren - kann man diese ernst nehmen?
Richtig unter Druck kommt das Ermittler-Duo allerdings, als sie feststellen, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben: Ein weiteres Opfer, das auf dieselbe Weise brutal zugerichtet ist, wird gefunden. Auf dem ersten Blick hat dieser so gar nichts mit der Influencerin zu tun …

Agonie ist der zweite Band des Autorinnen-Duos Lea Adam.
Der erste Teil „Stigma" hatte mir sehr gut gefallen, auch er spielte in Hamburg.
Auch in diesem gesellschaftskritischen Thriller habe ich mich wieder dabei ertappt, dass ich mit dem Täter sympathisierte. Es geht um Massentierhaltung und um die grausame Art WIE man die Tiere dort behandelt und tötet.
Der Thriller, den man übrigens auch lesen kann, ohne den Vorgänger zu kennen, war außerordentlich spannend, es fiel mehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Kleiner Minuspunkt: Für meinen Geschmack war zu viel Privatleben der Ermittler im Fokus, das hätte gerne ein wenig reduzierter sein dürfen.

Fazit:
Ein sehr guter und spannender Thriller, den ich euch gerne empfehlen möchte.
4/ 5

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Veröffentlicht am 26.12.2023

1984 reloaded

Julia
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Eines vorab: Georg Orwells „1984" habe ich nicht gelesen. Es hat sich einfach nie ergeben.

Als ich dann dieses Buch sah, wurde ich sofort neugierig: „1984“ reloaded - dieses Mal nicht aus der Perspektive ...

Eines vorab: Georg Orwells „1984" habe ich nicht gelesen. Es hat sich einfach nie ergeben.

Als ich dann dieses Buch sah, wurde ich sofort neugierig: „1984“ reloaded - dieses Mal nicht aus der Perspektive Winstons, sondern aus der Sicht Julias erzählt.

JULIA
Sandra Newman

Julia ist Mechanikerin und kann sich in London einigermaßen frei bewegen. Sie ist linientreu und angepasst, zumindest fast. Sie liebt Sex und das ist verboten. Wenn man sie beim Sexcrim erwischte, würde sie hängen - doch sie ist vorsichtig, auch wenn sie mit den Proleten, den Menschen, die nicht der Partei angehören, Tauschgeschäfte abschließt.
Geschäfte abzuwickeln oder Geheimnisse mit anderen austauschen, ist in dem Überwachungssystem Londons fast unmöglich, dieses erfordert großes Geschick - Spitzel, Spione und Fernsehüberwachungen sind allgegenwärtig.
Dann begegnet ihr Winston Smith und sie verliebt sich in ihn. Was als Liebe beginnt, endet im Desaster. Sie fliegen auf und die Partei zwingt sie, als Spionin zu arbeiten.
Ob Julia am Ende überlebt, müsst ihr selber herausfinden.

Was für eine großartige Idee, das Buch noch einmal aus der Sicht einer anderen Person dazustellen!
Ich wurde in eine Dystopie katapultiert - irgendwo zwischen Stasi-Deutschland und Nationalsozialismus.
Auch wenn ich das Buch nicht durchgehend spannend fand (teilweise zog es sich) und es im letzten Drittel wahnsinnig brutal wurde, gefiel mir das Buch im Ganzen gut. Der Schluss des Buches ist großartig und deshalb habe ich mir das Original 1984 von George Orwell bereits bestellt und werde es zeitnah lesen.

Anmerkung: Alle Dialoge zwischen Julia und Winston sind übrigens aus dem Buch 1984 entnommen.

Fazit:
Mir wird das Buch lange in Erinnerung bleiben.
4/ 5

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Veröffentlicht am 15.12.2023

Interessant

So weit das Licht reicht
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Was für ein ungewöhnliches (Hör)Buch:

SO WEIT DAS LICHT REICHT
Sabrina Imbler,
gelesen von Katja Bürkle

Die Autorin beschreibt in Essays Kreaturen aus dem Ozean, welche sie anschließend den Erlebnissen ...

Was für ein ungewöhnliches (Hör)Buch:

SO WEIT DAS LICHT REICHT
Sabrina Imbler,
gelesen von Katja Bürkle

Die Autorin beschreibt in Essays Kreaturen aus dem Ozean, welche sie anschließend den Erlebnissen und Erfahrungen ihres persönlichen Lebens gegenüberstellt:

So erfahren wir, wie die junge Sabrina in den USA als Tochter einer chinesischen Mutter und eines weißen Amerikaners aufwuchs. Sie entsprach nicht der US-Norm: Sie war queer, übergewichtig und hatte keine weiße Hautfarbe.
Imbler litt in ihrer Jugend immer wieder unter Essstörungen - getriggert durch ihrer Mutter, die sie mit ihrem Gewicht unter Druck setzte. Mit diesen Episoden leitet die Autorin geschickt zu den Meeresbewohnern über und vergleicht diesen Fall mit einem weiblichen Oktopus, der sich nach der Eiablage zu Tode hungert und erst stirbt, wenn die vielen kleinen Oktopoden geschlüpft sind.
Wir lernen Neues über Barsche, Quallen, Sepien und Wale. Wusstet ihr, dass Goldfische immer weiter wachsen, wenn sie zu fressen bekommen und dass ganze Flüsse aus dem Gleichgewicht geraten, wenn man Goldfische einfach wild aussetzt?
Aber zurück zu der Coming-of-Age-Geschichte Imblers. Es geht um Umweltzerstörung, über ihre Erfahrungen in verschiedenen Beziehungen, ihre Selbstfindung, die erste Liebe, Sex und dann natürlich auch der erste Liebeskummer.
Ihre/seine queere Welt nimmt einen großen Teil der Erzählungen ein.

Für mich persönlich waren die Erzählungen der Unterwasserwelt unglaublich eindrücklich (5 Sterne). Einige Fakten sind dabei so tief-traurig, dass mir fast die Tränen kamen. Diese Facts sind außergewöhnlich gut recherchiert und wahnsinnig spannend.
Die Geschichte der Autorin (3 Sterne) fand ich persönlich nur mittelmäßig. Ob es daran lag, dass die Autorin einer anderen Generation angehört oder mich einige Sätze wirklich verstörten, weiß ich nicht.
Erwähnen möchte ich allerdings noch die Sprecherin des Hörbuchs, Katja Bürkle. Sie hat dem Hörbuch eine ganz besondere Stimme verliehen, der ich super gerne gelauscht habe.

Hörempfehlung für alle, die außergewöhnliche Geschichten mögen und am Ende hoffe ich, dass die Meereskreaturen uns irgendwann einmal überleben werden - wir Menschen haben ihnen wirklich genug Schaden zugefügt.
4/ 5

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Veröffentlicht am 07.12.2023

Gelungener Abschluss

Wunderzeit
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WUNDERZEIT - Die Schwestern vom Waldfriede lV
Corina Bomann


Berlin, Zehlendorf 1948:
Im letzten Band der Waldfriede-Saga steht Lernschwester Christina im Vordergrund der Geschichte.

Alleine, ohne Familie, ...

WUNDERZEIT - Die Schwestern vom Waldfriede lV
Corina Bomann


Berlin, Zehlendorf 1948:
Im letzten Band der Waldfriede-Saga steht Lernschwester Christina im Vordergrund der Geschichte.

Alleine, ohne Familie, hatte Christina sich bis nach Berlin durchgeschlagen. Ihr Vater und Bruder waren im Krieg gefallen. Als die Russen auf dem Vormarsch waren, schickte ihre Mutter sie mit dem letzten Konvoi, der Ostpreußen verließ, aus der Stadt - für sie selbst war kein Platz mehr. Doch unterwegs passierte Schreckliches und Christina wurde verletzt in das Krankenhaus Waldfriede eingeliefert. In Schwester Hanna fand sie eine Vertraute und fast so etwas wie eine Ersatzmutter.
Christina, die seit dem Vorfall unter einem schweren Trauma leidet, durfte im Waldfriede als Haushaltshilfe bleiben.
Jetzt, 2 Jahre später, beginnt sie eine Lehre zur Krankenschwester.

Der Krieg ist seit 3 Jahren beendet, doch man spürt die Nachwehen überall. Es mangelt an Lebensmitteln und Materialien - der Schwarzmarkt blüht und die Preise dort sind verheerend.
Als die Deutsche Mark gegen den Willen der Sowjetunion eingeführt wird, riegeln diese Berlin ab. Die Alliierten reagieren mit einer Luftbrücke. Im Minutentakt landen Flugzeuge, sogenannte „Rosinenbomber“, am Flughafen Berlin Tegel und versorgen die Stadt mit Lebensmitteln, Kohle und benötigten Materialien.
Hier am Flughafen Tempelhof arbeitet der Mechaniker Peter, den Christina durch einen Zufall kennenlernt. Noch ahnt er nicht, dass sein größter Traum mit ihren Wünschen nicht kompatibel ist. Ob sie trotzdem eine gemeinsame Zukunft haben, müsst ihr selber herausfinden.

Auch dieses Mal ist es Corina Bomann sehr gut gelungen, Fiktion mit wahren Begebenheiten zu vereinen - ein wirklich guter Abschluss der Waldfriede-Saga.
Das Buch lässt sich zügig lesen, das Ende ist stimmig und alle Geschichten sind zu Ende erzählt.
Auch wenn ich jedem empfehlen würde, die anderen Bände vorab zu lesen, bin ich mir sicher, dass man dieses Buch auch verstehen und mögen würde, ohne deren Vorgänger gelesen zu haben.
Gerne empfehle ich dieses Buch, sowie jeden einzelnen vorherigen Band denjenigen, die fesselnde, jedoch seichtere Geschichten mögen.
4/ 5

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