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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2024

Gleichgültigkeit, Egoismus und sogar Kälte

Verborgen
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Das sind die Faktoren, die in diesem Familien(Kriminal)roman eine Rolle spielen - zumindest in den Familien aller Charaktere, die irgendwann in diesem Roman in Verdacht geraten. Von Lieblosigkeit ...

Das sind die Faktoren, die in diesem Familien(Kriminal)roman eine Rolle spielen - zumindest in den Familien aller Charaktere, die irgendwann in diesem Roman in Verdacht geraten. Von Lieblosigkeit geprägt ist der Umgang mit- bzw. eher gegeneinander und nicht selten gesellt sich auch Einsamkeit dazu - ein Adjektiv, das in den Krimis der Autorin Eva Björg Ægisdóttir immer wieder eine Rolle spielt.

Hier wird ein junger Mann, gerade mal 20 Jahre alt, tot in seinem Bett aufgefunden - kein Wunder eigentlich, denn das Haus um ihn herum ist abgebrannt. Ausgerechnet er ist aber Teil einer Familie, bei der es deutlich warmherziger zuging, als in denen, von denen sie umgeben waren. Da die Eltern verreist waren, hatten die jungen Leute - Marino, so heißt der Verstorbene, hatte noch eine Zwillingsschwester - mit Freunden und ziemlich viel Alkohol gefeiert.

Und am nächsten Morgen dann das! Rasch gerät eine weitere Familie in Verdacht, deren Sohn Andri als enger Freund von Marino bei der Feier dabei war. Hier herrscht definitiv die angesprochene Kälte. Aber wie sind hier die Zusammenhänge?

Ein eher ruhiger Krimi, in dem dennoch eine Menge passiert. Wie immer ermitteln die Kriminalkommissar*innen Ella und Saevar und - man darf gespannt sein - auch bei ihnen gibt es eine Veränderung.

Aus meiner Sicht fällt er gegenüber den beiden Vorgängern einen Hauch ab, wenn auch auf extremst hohem Niveau - wie immer bei dieser Serie konnte ich das Buch vor dem Schluss nicht aus der Hand legen!

Veröffentlicht am 28.01.2024

Eine ganz besondere Flocke

Das Haus Kölln. Glänzende Zeiten
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Nämlich die Haferflocke hat der Familie Kölln im niedersächsischen Elmshorn einen gewissen Wohlstand beschert. Worauf Charlotte sehr stolz ist - auch nachdem sie ihren Mann Peter nach einem Arbeitsunfall ...

Nämlich die Haferflocke hat der Familie Kölln im niedersächsischen Elmshorn einen gewissen Wohlstand beschert. Worauf Charlotte sehr stolz ist - auch nachdem sie ihren Mann Peter nach einem Arbeitsunfall viel zu früh begraben muss. Doch der nächste Peter, nämlich der gemeinsame Sohn, steht schon in den Startlöchern - doch warum hat er sein Auge ausgerechnet auf Bertha geworfen, die aus ärmsten Verhältnissen kommt? Charlotte tut, was sie kann, um diese Verbindung zu lösen - vergeblich. Doch hat der Stammhalter tatsächlich eine schlechte Wahl getroffen?

Autorin Elke Becker hat recherchiert, so akribisch es irgend möglich war und das war nicht sehr viel - von der Familiengeschichte gibt es nur noch ein paar Bröckchen. Umso mehr bewundere ich ihr Talent, aus dem Wenigen einen prachtvollen Teppich zu weben - einen, der die Frauen der Familie in den Vordergrund stellt.

Mir hat es einen Riesenspaß gemacht, mit ihr runde 140 Jahre in die Vergangenheit zu reisen: die von Elke Becker geschaffene Geschichte ist aufgrund des Einbringens zahlreicher historischer Fakten ausgesprochen schlüssig und hat mir spannende Lesestunden beschert.

Einzig zum Ende hin wird es dann doch etwas zu abenteuerlich in unterschiedlicher Hinsicht - wobei ich mir vorstellen kann, dass gerade das viele Leser*innen ganz besonders fasziniert.

Auf jeden Fall ein Leckerbissn für Liebhaber historischer Romane, die sich besonders für die deutsche Wirtschaftsgeschichte und die Entstehung eines soliden Mittelstandes interessieren!

Veröffentlicht am 28.12.2023

Mitte dreißig? Erst?

Crossing America
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Dass der Schwabe Jonas Deichmann, seines Zeichens Extremsportler, noch so jung ist, vermochte ich angesichts der Fotos von seiner Amerikadurchquerung gar nicht zu glauben. Doch das ist sowas von egal, ...

Dass der Schwabe Jonas Deichmann, seines Zeichens Extremsportler, noch so jung ist, vermochte ich angesichts der Fotos von seiner Amerikadurchquerung gar nicht zu glauben. Doch das ist sowas von egal, ist er doch - fast - Tag und Nacht unterwegs auf seiner langen Tour und, so anstrengend sie auch war, vermag er sie sehr eloquent und mit nicht nur einem Augenzwinkern zu beschreiben.

Am besten dabei gefallen mir die Begegnungen mit den Menschen, die so unterschiedlich sind wie die USA selbst. Wobei deutlich mehr nette und ganz besondere Typen seinen Weg kreuzen - hat er ja auch nicht anders verdient.

Ein Buch nicht nur für Extremsportler, sondern für alle, die gerne über eine ganz besondere Challenge lesen und einen richtig tollen Typen kennenlernen wollen!

Veröffentlicht am 05.12.2023

Es wird blutig um die Feiertage herum!

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Dies ist ein sehr altergerechter Einstieg in den Krimi - als ob man sich mit einem Menschen der Generation Ü80 unterhält. Die fangen ein Gespräch auch häufig so an, als ob man sich schon bestens ...


Dies ist ein sehr altergerechter Einstieg in den Krimi - als ob man sich mit einem Menschen der Generation Ü80 unterhält. Die fangen ein Gespräch auch häufig so an, als ob man sich schon bestens in ihrem Leben auskennen müsste.

Da ich inzwischen schon einen Teil kennenlernen durfte, ist es für mich nicht so schlimm - dennoch dürfte sich der allwissende Erzähler hier ein weniger häufiger einschalten.

Andererseits - selbst schuld, ich hätte mich auch vorher schon drum kümmern können. Aber wie auch immer, ich habe mich auf eben diese generationengerechte Art - ich bin zwar jünger, gehöre aber auch schon zum älteren Eisen - den vier zentralen Charakteren Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim genähert und zähle sie jetzt definitiv zu meinem Freundeskreis. Bisher sind Joyce und Ibrahim meine Lieblinge - im nächsten Band kann sich das aber schon wieder ändern.

Wobei die Leiche - ein Antiquitätenhändler - ja eigentlich auch fast schon ein Freund ist, jedenfalls von Elisabeth.

Ich habe mich auf die hier verwendete generationengerechte Art - ich bin zwar jünger, gehöre aber auch schon zum älten können. Aber wie auch immer, iren Eisen - den vier zentralen Charakteren Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim genähert und würde sie jetzt definitiv zu meinem Freundeskreis zählen.


Ihr Fall, in dem ich ziemich um die vier zittern musste, nimmt bald deutlich an Fahrt und man merkt schnell, dass alte Besen gut kehren. Diese hier auf jeden Fall! Jetzt bin ich richtig froh, dass mir noch zwei ungelesene Fälle bevorstehen.


Veröffentlicht am 19.11.2023

Ganz doll, ein bisschen und weniger bekannt

Nicht nur Heldinnen
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sind die Frauen, die hier vorgestellt werden - nach thematischen Gruppierungen geordnet. Es gibt zum Beispiel Kreative, Macherinnen und Kämpferinnen. Und noch so einige mehr.

Wobei bei den Kämpferinnen ...

sind die Frauen, die hier vorgestellt werden - nach thematischen Gruppierungen geordnet. Es gibt zum Beispiel Kreative, Macherinnen und Kämpferinnen. Und noch so einige mehr.

Wobei bei den Kämpferinnen jedem/r, der/die in den letzten Jahren die Entwicklungen in den USA verfolgt hat, Ruth Bader Ginsburg, die Anwältin, die etwas zu früh starb, ein Begriff sein mag. Sie ist eine der vier Kämpferinnen.

Aber wer um Himmels Willen ist Margery Fry oder auch Irena Sendler (in der selben Gruppe eingeordnet)? Sollte man kennen, das ist mir jetzt auch klar. Aber dafür habe ich ja jetzt dieses Buch.

Das ich größtenteils wirklich empfehlen kann. Und wenn manches doch nicht so interessant scheint, muss man ja nicht unbedingt alles lesen!