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Veröffentlicht am 17.02.2024

Spannender Hannover-Krimi

Eichengrund
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Charlotte Stern war Mitarbeiterin im Kriminalarchiv, ist mittlerweile aber pensioniert. Die rüstige Rentnerin hält sich fit und genießt ihren Ruhestand. Doch dann erfährt sie, dass es innerhalb kurzer ...

Charlotte Stern war Mitarbeiterin im Kriminalarchiv, ist mittlerweile aber pensioniert. Die rüstige Rentnerin hält sich fit und genießt ihren Ruhestand. Doch dann erfährt sie, dass es innerhalb kurzer Zeit zwei Todesfälle in der Seniorenresidenz Eichengrund gab. Charlottes ehemalige Kollegen berichten ihr, dass es sich um Unfälle handelte. Doch Charlottes Misstrauen ist geweckt. Sie meldet sich in der Seniorenresidenz zum Wohnen auf Probe an und beschließt, sich dort etwas genauer umzusehen. Als es zu einem weiteren Todesfall kommt, ist Charlotte klar, dass das kein Zufall sein kann...

Der Einstieg in diesen Krimi verläuft zunächst gemächlich. Die Hauptprotagonistin Charlotte wirkt sehr sympathisch. Sie ist sportlich, attraktiv und nicht auf den Mund gefallen. Gemeinsam mit ihr erkundet man gerne die Seniorenresidenz und lernt die Bewohner näher kennen. Claudia Rimkus versteht es hervorragend, Handlungsorte und Protagonisten so lebendig zu beschreiben, dass man schon bald das Gefühl hat, selbst vor Ort zu sein. Charlotte wird von einigen Bewohnern herzlich aufgenommen, wodurch sie schnell Teil einer freundschaftlichen Runde wird. 

Ihre Nachforschungen wirken authentisch. Sie ist darauf bedacht, ihre Fassade, mit dem Gedanken zu spielen, sich irgendwann in der Seniorenresidenz zur Ruhe zu setzen, aufrechtzuerhalten. Gemeinsam mit ihr versucht man, den geheimnisvollen Todesfällen auf den Grund zu gehen. Man wird dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Doch zunächst lässt sich kein Motiv erahnen. Charlotte ist allerdings hartnäckig. Als sie erste Zusammenhänge sieht, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Der bis dahin durchgängig interessante Handlungsverlauf nimmt deutlich Fahrt auf, wodurch man das Buch kaum noch aus der Hand legen mag. Private Nebenhandlungen nehmen zwar immer wieder ein wenig Tempo aus der Handlung, sorgen aber dafür, dass man sich in diesem Krimi wohlfühlt und all die Charaktere vor Augen hat. Zum Ende hin steigert sich das Tempo nochmals. Man fiebert mit und hofft, dass alles gut ausgehen wird.

Der erste Fall für Charlotte Stern startet zwar zunächst etwas gemächlich, zieht einen dann aber schnell in seinen Bann. Die Neugier auf die Fortsetzungen wird definitiv geweckt, da man auf ein Wiedersehen mit den liebenswerten Charakteren hofft. 

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.02.2024

Spannende Cold-Case-Ermittlungen

Dunkelwald
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Eines Nachts schreckt Hanna Duncker aus dem Schlaf hoch. Ihr Haus brennt lichterloh. Im letzten Moment kann sie den Flammen entkommen. Hanna ahnt, dass der wahre Täter, der für den Mord verantwortlich ...

Eines Nachts schreckt Hanna Duncker aus dem Schlaf hoch. Ihr Haus brennt lichterloh. Im letzten Moment kann sie den Flammen entkommen. Hanna ahnt, dass der wahre Täter, der für den Mord verantwortlich ist, für den Hannas Vater im Gefängnis saß, den Brand gelegt hat. Doch ihr fehlen die Beweise, um ihn zu überführen. Mit genaueren Nachforschungen kann sie sich momentan dennoch nicht befassen, da das Skelett eines jungen Mannes, der bereits vor Jahren verschwand, gefunden wurde. Können Hanna und ihr Team den alten Fall nach all den Jahren aufklären? 

"Dunkelwald" ist bereits der dritte Fall für die Kriminalpolizistin Hanna Duncker, die auf Öland ermittelt. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann folgen, wenn man noch keinen Teil dieser Serie gelesen hat. Allerdings zieht sich der Handlungsstrang um Hannas Vater durch die Reihe. Dieser sollte chronologisch verfolgt werden. 

Dieses Mal haben es Hanna und ihr Partner mit einem Cold Case zu tun. Es gilt deshalb, einige Zeugen zu befragen. Doch schon bald hat man den Verdacht, dass nicht alle die Wahrheit sagen und dass sie wichtige Details verschweigen. Hanna und ihr Partner verfolgen allerdings hartnäckig jede Spur. Die Ermittlungen wirken authentisch und laden dazu ein, eigene Überlegungen anzustellen. In einer weiteren Perspektive beobachtet man den letzten Tag des ermordeten jungen Mannes. Nach und nach nähert man sich dabei der Wahrheit. Dabei kommt es zu überraschenden Wendungen. 

Durch die Brandstiftung und den Verlust ihres Hauses, wirkt Hanna zuweilen abgelenkt. Denn sie ist fest entschlossen, den Täter, der wahrscheinlich den Mord begangen hat, für den Hannas Vater im Gefängnis saß, zur Rechenschaft zu ziehen. Dieser Handlungsstrang gibt dem Krimi einen zusätzlichen Reiz. 

Handlungsorte und Charaktere werden lebendig beschrieben, wodurch man alles vor Augen hat und sich auf die Handlung einlassen kann. Das Privatleben der Ermittler fließt ausgewogen ins Geschehen ein und drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund. Im Gegenteil, denn die Hauptprotagonisten wirken dadurch noch authentischer. 

Der Fall selbst ist durchgehend interessant und lädt zum Miträtseln ein. Am Ende verknüpfen sich die unterschiedlichen Handlungsstränge schlüssig miteinander. Dieser Band endet allerdings mit einem Cliffhanger, der dafür sorgt, dass man sofort zum nächsten Teil der Reihe greifen möchte. 

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Humorvolle Lektüre

Jetzt ist Sense
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An ihrem 50. Geburtstag klingelt ein Mann an der Tür der Psychologin Liv Bentele. Obwohl er einen langen schwarzen Umhang trägt und eine Sense dabei hat, wirkt er äußerst attraktiv. Es stellt sich allerdings ...

An ihrem 50. Geburtstag klingelt ein Mann an der Tür der Psychologin Liv Bentele. Obwohl er einen langen schwarzen Umhang trägt und eine Sense dabei hat, wirkt er äußerst attraktiv. Es stellt sich allerdings heraus, dass er sich in der Tür geirrt hat und eigentlich zwei Etagen höher, zu Elisabeth Keller, einer älteren Dame, die ebenfalls im Haus wohnt, wollte. Als die Dame tot aufgefunden wird, schrillen bei Liv die Alarmglocken. Sie lässt ihre Beobachtungen nicht auf sich beruhen und als sie den Mann das nächste Mal trifft, stellt sie ihn zur Rede. Er verrät Liv, dass er Thanatos, der Gott des sanften Todes ist und sich für Psychologie interessiert, da er Hilfe für "einen Freund" benötigt. Liv kommt gedanklich zu einem ganz anderen Schluss. Doch dann häufen sich merkwürdige Todesfälle und andere grenzwertige Ereignisse...

"Jetzt ist Sense" ist ein unterhaltsames, zuweilen sehr humorvolles Buch, das allerdings auch ernste Themen anspricht und zum Nachdenken anregt. Um das Leben wertzuschätzen, ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass "irgendwann" irgendwann zu spät sein könnte. Denn keiner weiß, wann der Sensenmann an der eigenen Haustür klingelt.

Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Der Autor versteht es hervorragend, die Szenen so lebendig zu beschreiben, dass man sie spontan vor Augen hat. Dadurch kann man sich von Anfang an auf die Geschichte einlassen und misstrauisch beobachten, was der geheimnisvolle Fremde wirklich von Liv möchte. Besonders humorvoll wirken die Momente, in denen er verzweifelt versucht, der Psychologin zu vermitteln, dass er tatsächlich ein Gott ist. 

Auch wenn einige Klischees bedient werden, kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Im Gegenteil, denn es gelingt Hans Rath mühelos, das flotte Tempo durchgehend zu halten. 

Ein humorvolles Buch, das aber dennoch zum Nachdenken anregt. 

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Veröffentlicht am 27.01.2024

Spannender Pageturner

Thieves’ Gambit
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Rosalyn Quest, genannt Ross, entstammt einer legendären Diebesfamilie. Ross wurde von Kindesbeinen an darauf trainiert, die größten Coups durchzuziehen und dabei eventuelle Risiken einzukalkulieren. Als ...

Rosalyn Quest, genannt Ross, entstammt einer legendären Diebesfamilie. Ross wurde von Kindesbeinen an darauf trainiert, die größten Coups durchzuziehen und dabei eventuelle Risiken einzukalkulieren. Als Ross die Einladung zum Thieves' Gambit erhält, hat sie nicht vor, an diesem Wettbewerb, bei dem Nachwuchsdiebe gegeneinander antreten, teilzunehmen. Denn Ross hat ganz andere Pläne: Sie will dem Familienunternehmen den Rücken kehren und unter Gleichaltrigen leben. Doch ausgerechnet beim letzten Coup läuft alles aus dem Ruder. Ihre Mutter wird dabei gefangen genommen. Um sie zu retten, nimmt Ross die Einladung zum Wettbewerb schließlich doch noch an, denn dem Gewinner wird ein Wunsch erfüllt. Allerdings hat Ross keine Ahnung, auf was sie sich einlässt....

„Thieves' Gambit“ ist ein echter Pageturner, den man, einmal angefangen, kaum aus der Hand legen mag. Die Handlung wird in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Ross, geschildert. Ross wirkt vom ersten Moment an sympathisch, wodurch man sich gerne auf ihre Erzählung einlässt. Und die hat es wirklich in sich. Denn als ein vermeintlich harmloser Coup völlig aus dem Ruder läuft, wird Ross dazu gezwungen, ihre eigenen Pläne über den Haufen zu werfen, um am geheimnisvollen Gambit teilzunehmen. Genau wie Ross, weiß man nicht, wie der Wettbewerb ablaufen wird. Denn alles wirkt sehr geheimnisvoll. Dadurch gerät man früh in den Sog der Ereignisse. 

Gemeinsam mit Ross versucht man die anderen Teilnehmer einzuschätzen. Doch das ist schier unmöglich, da sich keiner in die Karten schauen lässt. Dass alle gewinnen wollen und einige bereit sind, dafür alles zu tun, wird jedoch schnell klar. Dass ausgerechnet Noelia, die aus einer weiteren angesehenen Diebesfamilie stammt und es seit Kindertagen auf Ross abgesehen hat, dabei ist, macht den Wettbewerb nicht leichter. Der charismatische Devroe lässt allerdings keine Zweifel daran, dass Ross ihm mehr als sympathisch ist. Doch kann sie ihm wirklich trauen? 

Die verschiedenen Aufgaben haben es wirklich in sich. Da die Szenen äußerst lebendig beschrieben werden, hat man alles mühelos vor Augen und fiebert mit. Das ständige Misstrauen, mit dem man die Teilnehmer betrachtet, gibt diesem spannenden Lesevergnügen einen zusätzlichen Reiz. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse geradezu, wodurch der Abschluss etwas zu abrupt wirkt. Allerdings wird dadurch die Hoffnung auf eine Fortsetzung geweckt. 

Ein echter Pageturner, den man kaum aus der Hand legen kann. 

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Veröffentlicht am 27.01.2024

Spannende Ermittlungen

Der stille Vogel
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In einem Vogelnest wird ein menschlicher Knochen gefunden. Die Untersuchungen ergeben, dass der Knochen zum Skelett eines Kindes gehören muss. Sofort werden Erinnerungen an den Fall der verschwundenen ...

In einem Vogelnest wird ein menschlicher Knochen gefunden. Die Untersuchungen ergeben, dass der Knochen zum Skelett eines Kindes gehören muss. Sofort werden Erinnerungen an den Fall der verschwundenen Brodin-Zwillinge wach. Die beiden Brüder verschwanden vor dreißig Jahren von einem Spielplatz und wurden nie gefunden. John Adderley beginnt den alten Fall neu aufzurollen. Nicht ahnend, welche Kette von Ereignissen damit in Gang gesetzt wird...

"Der stille Vogel" ist bereits der dritte Fall für John Adderley. Obwohl die Bände in sich abgeschlossen sind, empfiehlt es sich, die Reihenfolge einzuhalten. Denn John Adderley ist ein ehemaliger FBI-Agent, der unter falschem Namen im schwedischen Karlstadt ermittelt und sich im Zeugenschutzprogramm befindet. Die genauen Hintergründe, die dazu geführt haben, erfährt man in den ersten Teilen der Serie.

Der aktuelle Fall startet zunächst eher gemächlich. Adderley rollt nicht nur die alten Ermittlungen auf, sondern hat außerdem Schwierigkeiten mit seiner neuen Vorgesetzten. Darüber hinaus muss er sich Gedanken über das Zusammenleben mit seiner Nichte Nicole machen.

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Man beobachtet nicht nur die Nachforschungen im Cold Case, sondern bekommt außerdem einen Einblick in das Leben von Torgny und Beatrice und weiteren Bewohnern, die die Familie der damals verschwundenen Zwillinge kannten. Zunächst ist nicht klar, wie sich diese Stränge miteinander verbinden werden. Doch das Autorenduo verknüpft die Fäden nach und nach gekonnt. Denn plötzlich hat es das Team um Adderley nicht nur mit dem alten Fall zu tun, sondern mit einer weiteren Leiche. Die Zeugen sind, sowohl im alten, als auch im neuen Fall, wenig verlässlich. Dadurch weiß man nicht, was man glauben soll oder wem man vertrauen kann. Man wird dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Da es oft zu Überraschungen kommt, muss man diese oft überdenken. Auch wenn erfahrene Krimileser den Täter des aktuellen Mordes früh auf dem Schirm haben dürften, gelingt es den Autoren hervorragend, die Spuren geschickt auszulegen, wodurch man zu zweifeln beginnt. Die Spannung wird dadurch durchgehend gehalten und steigt zum Ende hin nochmals an.

Ein Krimi, der durch überraschende Wendungen überzeugt und die Neugier auf den weiteren Verlauf der Reihe weckt.

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