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Veröffentlicht am 03.03.2024

Wendungsreiches Katz- und Maus-Spiel um Lügen und Misstrauen, aber ohne wirklichen Thrill und mit antiklimaktischer Entwicklung

Wer zuerst lügt
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Evie Porter wurde auf den Geschäftsmann Ryan Sumner angesetzt und ist ihm schon nach wenigen Wochen so nahe gekommen, dass sie bei ihm eingezogen ist und die Fassade einer perfekten Freundin aufrecht erhalten ...

Evie Porter wurde auf den Geschäftsmann Ryan Sumner angesetzt und ist ihm schon nach wenigen Wochen so nahe gekommen, dass sie bei ihm eingezogen ist und die Fassade einer perfekten Freundin aufrecht erhalten kann. Seine Freunde sind zwar ein wenig misstrauisch, aber Ryan konnte sie gut um den Finger wickeln. Eine gut platzierte erste Lüge ist Evies Strategie, um sich ihren Weg zu ebnen.
Als sie auf einer Party der neuen Freundin eines Jugendfreundes von Ryan vorgestellt wird, fällt sie aus allen Wolken. Die Frau sieht ihr nicht nur äußerlich sehr ähnlich, sondern verwendet auch noch ihre wahre Identität als Lucca Marino. Während Evie sich noch fragt, was es mit ihr auf sich hat und ob es ein Test ihres Auftraggebers ist, um sie zu kontrollieren, ist Lucca wenig später tot und Evie wird zunehmend nervös. Sie muss den Spieß umdrehen und ihrem Chef einen Schritt voraus sein, damit ihr nicht das gleiche Schicksal blüht.

Der Roman schildert in der Gegenwart, wie Evie einen neuen Auftrag von dem mysteriösen Mr. Smith angenommen hat, um dafür zu sorgen, dass dieser den illegalen, aber lukrativen Geschäftszweig von Ryan Sumner übernimmt. Evie hat jedoch Sympathien für Ryan entwickelt und steht ihrem Chef nicht ausreichend loyal gegenüber und träumt insgeheim davon, ein solides Leben in einem Einfamilienhaus mit Garten zu führen.

In Rückblenden, beginnend mit ihrer Jugend, erfährt man, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass Lucca mit wechselnden Identitäten diverse Aufträge angenommen hat, um sich in die Leben anderer einzuschleichen, deren Vertrauen zu gewinnen und Diebstähle oder Erpressungen zu begehen. Vor dem Hintergrund ist Luccas/ Evies Charakter glaubwürdig angelegt. Bei ihrem Handeln ist sie allerdings nicht auf sich alleingestellt, sondern hat einen klugen, technisch versierten Freund im Hintergrund, dessen Lebenslauf im Dunklen bleibt.
Evie muss sich während ihrer Aufträge immer wieder aus brenzligen Situationen befreien und hat damit etwas zu häufig Glück, was die Geschichte zu realitätsfern und abenteuerlich wirken lässt. Auch wenn Lucca/ Evie überzeugend als klug und gerissen dargestellt ist, hat sie mit ihrem Freund einen Mann, der sich in sämtliche Systeme von Gangstern oder Polizei hacken kann und Probleme aus dem Weg schafft.
Weiterhin sorgt das alleinige Abstellen auf Rückblenden auf - zugegebenermaßen knifflige Aufträge - dafür, dass die Lebendigkeit fehlt, denn ein aktives Mitfiebern mit Evie unter diversen anderen Identitäten bleibt damit außen vor.

"Wer zuerst lügt" ist wendungsreich und nicht leicht zu durchschauen. Was Evies ominöser Chef mit ihr vor hat, sorgt für Spannung und eröffnet ein komplexes Konstrukt aus Lügen und Misstrauen.
Der Roman erinnert an einen unblutigen Spionagethriller, wobei Evie zu heldenhaft erscheint, als dass man das Gefühl haben müsste, dass sie tatsächlich in Gefahr schwebt, weshalb das Buch nicht so nervenaufreibend und fesselnd ist, wie erhofft und durch die vielen glücklichen Zufälle und übermächtigen Handlungen zu repetitiv ist und sich nach einem spannenden Beginn antiklimaktisch entwickelt.

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Veröffentlicht am 04.02.2024

Zwei Frauen in unterschiedlichen Zeiten und ihre Liebe zur Natur - wie schon in Band 1 kann die vernachlässigte Familiengeschichte nicht überzeugen

Glückstöchter - Einfach lieben
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Anna von Quast ist auf der Tonkaalm, einem Familienbesitz, der seit mehreren Jahren unbewohnt ist, angekommen. Oben in den Bergen und weitab von den nächsten Nachbarn möchte sie ein neues, unabhängiges ...

Anna von Quast ist auf der Tonkaalm, einem Familienbesitz, der seit mehreren Jahren unbewohnt ist, angekommen. Oben in den Bergen und weitab von den nächsten Nachbarn möchte sie ein neues, unabhängiges Leben beginnen. Zwischen Gemüsebeet und Töpferscheibe ist Anna in ihrem Element, aber auch unweigerlich den Unwägbarkeiten von Natur und Witterung ausgesetzt.
Eva fühlt sich wohl in ihrer WG in München, arbeitet in einer Apotheke und setzt ihr Studium fort. Sie vermisst ihre Freundin Maja, die nach Indien gegangen ist, hat aber in Mitbewohner Milo einen Ersatz gefunden. Sie hadert noch immer damit, als Adoptivkind nicht ihre Herkunft zu kennen, ist selbst schwanger und unsicher über die Vaterschaft. Ihr Interesse für Naturkosmetik ist ungebrochen und auch die Müsliproduktion findet auf dem Wochenmarkt Anklang. Der Traum von einem Naturkostladen zusammen mit ihren Mitbewohnern rückt in greifbare Nähe.
"Glückstöchter - Einfach lieben" ist die Fortsetzung von "Glückstöchter - Einfach leben", der erste Band der Dilogie, der noch viele Fragen offen ließ.
Wer Band 1 mochte, wird Band 2 lieben. Wer seine Problem mit dem ersten Teil hatte, wird auch im zweiten Teil Kritikpunkte haben.

Mit über 600 Seiten ist "Glückstöchter - einfach leben" sehr lang, was spekulieren lässt, ob eine ursprünglich als Trilogie (mit "Glückstöchter - einfach träumen") angedachte Reihe gekürzt wurde und der Roman am Ende arg gerafft wirkt.

Der Roman handelt wie schon in Band von der Liebe zur Natur und dem Leben im Einklang mit ihr. Das wird auf beiden Zeitebenen sehr anschaulich und lebendig geschildert. Hierbei wird viel Wissen über Pflanzen und deren Wirkung, über Naturkosmetik und Naturheilkunde in die Handlung miteingebaut. Die Familiengeschichte, die Verbindung zwischen Anna und Eva sowie die Umstände für die Adoption geraten im Vergleich zu langen Schilderungen über das Anlegen von Beeten oder vielen nebensächlichen Details, die einfach nur den Rahmen ausschmücken, aber keinen Mehrwert haben, zu kurz.
Anna und Eva machen keine wesentliche Entwicklung durch. Anna bleibt die liebenswertere Hauptfigur, während Eva eher polarisiert.
Der Roman hat zwar einzelne dramatische Episoden, ist für seine Länge aber viel zu wenig ereignisreich. Dabei werden einige interessante Themen angesprochen und Impulse gesetzt, jedoch nicht vertieft dargestellt. Anti-AKW, Frauenrechte, Straßenproteste, Nationalsozialismus und Entnazifizierung verbleiben bei deren Erwähnung. Insgesamt fehlt es der Geschichte an Spannung - nicht einmal die Suche nach Evas Wurzeln kann fesseln, da sie lange nur halbherzig erfolgt und am Ende weitgehend per Epilog im Schnelldurchlauf abgearbeitet und was vergangen ist, erklärt wird. Die Erläuterungen darin sind jedoch nicht alle schlüssig und lassen immer noch Fragen offen.
Ärgerlich sind in dem Roman zudem wenig realistische Zufälle und auffallend viele Fehler - von kleineren Ungenauigkeiten wie Schwiegermutter statt Stiefmutter bis zu gravierenden Schnitzern wie ein falsches Geburtsdatum oder eine Tote, die wieder lebendig wird.

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Schwerfälliger und schwermütiger Roman über Selbstbestimmung und Selbstakzeptanz, der das Potenzial um Mystik und Magie von Geistererscheinungen nicht voll ausschöpft

Happy Spirits
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Nach der Trennung von ihrem Freund und dem Verlust ihres Jobs ist Sabrina notgedrungen wieder in ihre Heimat Wisconsin zurückgekehrt, wo sie für ihre Erzfeindin Erika "Duck"-Touren durch die örtliche Touristenattraktion, ...

Nach der Trennung von ihrem Freund und dem Verlust ihres Jobs ist Sabrina notgedrungen wieder in ihre Heimat Wisconsin zurückgekehrt, wo sie für ihre Erzfeindin Erika "Duck"-Touren durch die örtliche Touristenattraktion, den Wasserpark, führt, um ihr Studiendarlehen abzubezahlen. So schnell wie möglich möchte sie wieder zurück nach Washington D.C., um den Geistern der Vergangenheit zu entkommen. Buchstäblich - denn Sabrina hat die Gabe ihrer Vorfahren geerbt und kann Verstorbene sehen, die noch eine Aufgabe zu erledigen haben und deshalb noch nicht im Jenseits sind. Für Sabrina ist die Gabe ein Fluch, denn sie bringt sie immer wieder in peinliche Situationen und hindert sie daran, Beziehungen einzugehen. Ohnehin leidet sie an Angstattacken und versucht den Kontakt zu fremden Menschen zu meiden.
Ray, der erst vor Kurzem den Supper Club seines inzwischen verstorbenen Onkels übernommen hat, hat ein Auge auf die scheue Sabrina geworfen und möchte sie kennenlernen. Er spürt, dass sie auch etwas für ihn übrig hat, weiß aber nicht, was sie zurückhält.

Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht von Sabrina als auch Ray erzählt, wobei Sabrinas Leben den größeren Anteil hat. Während Ray vor Selbstbewusstsein strotzt, neu in Wisconsin Dells ist und sich mit seinem Restaurant etwas aufbauen und von seinen Eltern abnabeln möchte, ist Sabrina eine unsichere, introvertierte junge Frau, die lieber wieder in die Anonymität einer Stadt flüchten möchte, als in dem Ort zu wohnen, wo sie aufgewachsen ist und mitunter schlechte Erfahrungen gesammelt hat.

Der Klappentext lässt einen warmherzigen und humorvollen, etwas skurrilen Roman mit einer Prise Magie erwarten, ist aber vor allem zu Beginn schwerfällig und sprüht nicht gerade vor Charme. Das Potenzial der - geistreichen - Idee wird nicht vollständig ausgeschöpft.
Die Hauptfigur leidet unter einer Angststörung, die zwar beschrieben, nicht aber wirklich zu spüren ist. Das Mobbing ihrer Erzrivalin wirkt kindisch und dem Alter nicht angemessen.

Die Geister spielen eine irritierend kleine Rolle. Dauergeist Molly erscheint zwar ab und an, nimmt aber keinen entscheidenden Einfluss auf die Handlung. Ihr Bezug zur diesseitigen Welt sowie Rays Versuch, den letzten Willen seines Urgroßvaters zu erfüllen sind leicht vorhersehbar und hätten spannender inszeniert werden können.
In Teilen ist die Geschichte nicht ganz stimmig. So erscheint unglaubwürdig, dass Sabrina, die Angst vor Menschen hat und unter Panikattacken leidet, als Saisonarbeiterin Touristen auf einem Boot unterhält. Auch dass sich Ray schon bei der ersten Begegnung Hals über Kopf in Sabrina verguckt und hartnäckig um sie wirbt, obwohl er Sabrina nur besudelt angetroffen hat, lässt die Liebesgeschichte etwas voreilig erscheinen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte kommt man den Charakteren jedoch näher und kann ihre Motive und Handlungen besser nachvollziehen. Schön sind auch so manch kreative Idee wie die Welpenschule oder das versteckte Restaurant. Liebevoll beschreibt die Autorin ihre Heimat, so dass man sich im Gegensatz zu Sabrina in Wisconsin Dells sofort wohlfühlt. Rays Leidenschaft für Essen und regionale Lebensmittel ist spürbar und streut Fakten über lokale Spezialitäten gefällig in die Handlung ein.

"Happy Spirits" ist schwermütiger als erwartet und nicht ganz rund erzählt. Die Botschaft kommt am Ende aber dennoch an. Es ist eine Geschichte über den Wunsch nach Selbstbestimmung über Selbstakzeptanz sowie Liebe für sich und seine Mitmenschen, die trotz der ein oder anderen Geistererscheinung nicht ins Fantastische abdriftet, sondern von sehr realen Problemen handelt.

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Veröffentlicht am 11.01.2024

Kein echter Thriller, aber spannend aufgebaut und mit hintergründiger Bedrohung, allerdings mit oberflächlicher Charakterdarstellung

LITTLE LIES – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht
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Leah steht vor einem Neuanfang, lässt ihr altes Leben in Boston als Journalistin hinter sich und zieht zusammen mit ihrer Freundin Emmy nach West Pennsylvania aufs Land, wo sie als Lehrerin an einer Schule ...

Leah steht vor einem Neuanfang, lässt ihr altes Leben in Boston als Journalistin hinter sich und zieht zusammen mit ihrer Freundin Emmy nach West Pennsylvania aufs Land, wo sie als Lehrerin an einer Schule anfängt. Emmy arbeitet nachts in einem Motel, weshalb sich die Freundinnen im Alltag kaum sehen. Aus diesem Grund fällt Leah auch erst auf, als Emmy mit der Miete in Rückstand ist, dass sie sie schon seit Tagen nicht mehr wahrgenommen hat. Zeitgleich wird eine junge Frau schwer verletzt in der Umgebung aufgefunden, die Leah zum Verwechseln ähnlich sieht. Verdächtigt wird zunächst ein Kollege aus der Schule, von dem sich Leah belästigt fühlte, was sie jedoch nicht zur Anzeige gebracht hat.
Als die Polizei ermittelt und auch Leah befragt, macht sie sich auf die Suche nach Emmy und erkennt, dass sie ihre Freundin gar nicht wirklich kannte.

"Little Lies - Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht" (im Original "Perfect Stranger" - warum den englischen Titel ändern?) ist mehr ein Spannungsroman als ein Thriller, denn die Bedrohung ist eher hintergründig und die Gefahr lauert mehr hinter der Vergangenheit der Protagonisten.
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Leah geschildert, so dass man auch als Leser nur ihre Wahrheit kennt und sich derer nie gewiss sein kann. Erst allmählich erfährt man, was Leah dazu bewogen hat, ihre Heimat zu lassen und wie ihr Verhältnis zu Emmy ist.

Wie die Charaktere ist auch die Handlung undurchsichtig. Es ist lange unklar, welche Rolle die Vergangenheit spielt, wer Opfer und wer Täter ist und wer wen für welche Zwecke manipuliert. Trotz der aufgefundenen schwer verletzten Frau, einer Leiche und dem Verschwinden Emmys sind die Ermittlungen der Polizei nicht im Vordergrund. Als Leser begleitet man einzig Leah bei ihren Nachforschungen, die Stück für Stück ergeben, dass ihre Freundin sie belogen hat.
Was hinter den Verbrechen steckt und inwiefern Leah sich selbst schuldig gemacht haben könnte, bleibt bis zum Ende spannend.

"Little Lies" handelt von Vertrauen und Wahrheit, von dem Bild, das wir uns von anderen Personen machen und dem, was wir selbst vorgeben zu sein. Die Charakterdarstellung bleibt dabei oberflächlich und auch mangelt es dem Buch an Nervenkitzel, so dass es als kategorisierter Thriller nicht fesseln kann. Dennoch hat die Erzählung eine gewisse Raffinesse, die die Neugier aufrecht erhält, da über die Zusammenhänge bis zum Schluss nur spekuliert werden kann.

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Romanbiografie über Rosa Luxemburg, die die Liebe zu Leo Jogiches in den Mittelpunkt stellt - lebendig, aber sehr einseitig erzählt.

Rosa und Leo
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"Rosa und Leo" ist eine Romanbiografie über Rosa Luxemburg, in der nicht nur ihr Leben und Wirken als Revolutionärin in den Mittelpunkt gerückt wird, sondern die auch von der leidenschaftlichen und dramatischen ...

"Rosa und Leo" ist eine Romanbiografie über Rosa Luxemburg, in der nicht nur ihr Leben und Wirken als Revolutionärin in den Mittelpunkt gerückt wird, sondern die auch von der leidenschaftlichen und dramatischen Liebe zu Leo Jogiches erzählt.

Nach einem kurzen Ausblick in das Jahr 1919 erfolgt eine chronologische Schilderung von Rosa Luxemburgs Lebensgeschichte ab dem Jahr 1888, ihrem Abschied von der Kindheit, ihrer Familie und ihrer Heimat Polen. In Zürich, wo zur damaligen Zeit bereits Frauen studieren durften, widmet sich Rosa dem Studium, lernt Leo Jogiches kennen und wird politisch aktiv.
Unermüdlich setzt sich Rosa für Gerechtigkeit, Frieden und Menschlichkeit ein. Sie schont sich nicht, arbeitet Tag und Nacht an Veröffentlichungen und setzt damit auch ihre angeschlagene Gesundheit aufs Spiel. Auch ihre Liebe zu Leo Jogiches, für den stets die Revolution an erster Stelle steht, ist unerschütterlich. Sie erkennt in ihm, was andere nicht sehen und offenbart den weichen Kern hinter seiner harten Schale.

Charlotte Roth weckt mit "Rosa und Leo" Rosa Luxemburg zum Leben. Ihre Leidenschaft, ihr selbstloser Kampf für die Arbeiter, für eine gerechtere Welt und für Frieden ist auf jeder Seite nachzuvollziehen. Auch Leos innerer Konflikt zwischen seiner geheimen Liebe zu Rosa und seinem Kampf für die soziale Revolution ist spürbar.

Beim Lesen kommt man Rosa als Person, als Frau, Liebende und Kämpfernatur unheimlich nahe. Dabei erscheint sie uneingeschränkt sympathisch, da sie völlig unkritisch dargestellt wird. Ihre Vorstellungen, Forderungen und streitbaren Elemente ihrer Ideologie bleiben vage, insbesondere wenn man bedenkt, dass ihr Leben fast ausschließlich aus Politik, aus Reden und dem Verfassen von Flugblättern, Schriften und Büchern bestand. Auch die Verfolgung durch politische Gegner und ihr früher Tod sind ohne Details aus ihrer sozialistischen bis kommunistischen Ideologie unterbreitet bekommen zu haben, schwer verständlich.

Aber - "Rosa und Leo" möchte keine Biografie sein, sondern ein Roman und eine Liebesgeschichte, weshalb die einseitige Herangehensweise verständlich ist. Das Buch zeichnet dennoch ein interessantes Bild von Rosa Luxemburg und ihrem Charakter und regt an, sich tiefer mit ihrer Biografie und ihren politischen Zielen zu beschäftigen. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Inhalte ihrer Reden und Schriften in die Geschichte eingeflossen wären, schließlich sind es ihre Worte, die sie berühmt gemacht haben und nicht die Liebe zu Leo Jogiches.

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