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Veröffentlicht am 26.03.2024

Schwermütig zum Abschied

Move On - New England School of Ballet
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Jetzt ist die „New England School of Ballet“-Reihe mit Band 4 tatsächlich schon wieder vorbei. Dabei fühlt es sich so an, als wäre es gerade erst losgegangen. Den ersten Band hatte ich einer Leserunde, ...

Jetzt ist die „New England School of Ballet“-Reihe mit Band 4 tatsächlich schon wieder vorbei. Dabei fühlt es sich so an, als wäre es gerade erst losgegangen. Den ersten Band hatte ich einer Leserunde, wo viel diskutiert wurde, war es jetzt genug Ballett, ja nein? Wahrscheinlich ist es mir deswegen noch emotional so präsent und deswegen auch so nah. Insgesamt würde ich sagen, dass ich mir von dieser Reihe von Anna Savas etwas anderes vorgestellt hätte. Aber mit dem dritten Band habe ich glaube ich auch damit abschließen können, nicht mehr so viel Tanzen und so eigene Vorstellungen zu einer Ballettschule zu erwarten und dann war es auch deutlich einfacher, sich mehr auf das zu konzentrieren, was ich angeboten bekommen haben. Und da ist ganz klar der Fall, dass Savas eine gute Erzählerin ist.

Auf den dritten Band hatte ich mich richtig gefreut, weil Lia einfach die Persönlichkeit war, die mich bis dato am meisten fasziniert hat. Bei Skye war das jetzt etwas anders. Ich mochte sie zwar durchgängig, gerade weil sie auch für Jace so eine gute Freundin war, aber sie war dennoch für mich nicht so mysteriös aufgebaut, dass ich ihr unbedingt hinter die Birne gucken wollte. Aber sowas ist so gesehen nicht schlimm, denn Reihen lese ich eigentlich eh konsequent und da wird man oft von Figuren überrascht, die man vorher gar nicht so vielversprechend auf dem Schirm hatte. Skye gehörte eindeutig zu. Sie ist wirklich einfach eine liebe Persönlichkeit, die mir wahrscheinlich aus der Reihe von der Persönlichkeit her auch am ähnlichsten ist. Das waren dann vor allem Eigenschaften, sich so sehr um andere zu sorgen, dass man sich selbst dabei verliert. Aber es war auch das Teilen von eigener Kunst, ohne dass aber konkret die Person dahinter im Vordergrund stehen muss, sondern vielmehr die Botschaft des Ganzen. Das hat mich mit Skye sehr verbunden. Dementsprechend habe ich mich bei ihr schnell einfinden können. Gabriel war nun ein Neuzugang und er hat es am Anfang nicht leicht bei mir gehabt.

Das liegt aber auch daran, dass die anfängliche Atmosphäre des Buchs schon recht düster ist. Es war ein wenig wie im ersten Band bei Zoe und Jace, aber da war ohnehin noch alles neu zu entdecken, weswegen es mich da nicht so gestört hat, aber so Enemies-to-Lovers-Geschichten haben immer einen schmalen Grat. Ich mag es normalerweise gerne, wenn da am Anfang in das feindliche Miteinander Humor eingewoben wird. Das war hier nicht möglich. Gabriel und Skye haben eine gemeinsame Geschichte mit vielen verletzten Gefühlen, bei der auch wirklich böse Worte gefallen sind. Natürlich kann da nicht mit Humor gearbeitet werden. Aber dadurch war die Geschichte anfangs so schwer. Egal, wann die beiden Figuren sich begegneten, immer Hass, Hass, Hass. Ich weiß nicht, ob in einem Buch schon mal so oft „Ich hasse dich“ gefallen ist. Das hat mit mir als Leserin schon etwas gemacht. Dazu kam auch das Ungleichgewicht der Perspektiven und damit meine ich nicht, wer hat wie viele Kapitel bekommen, sondern mehr, dass ich aus Skyes Perspektive ein besseres Verständnis für die Gesamtsituation hatte, während Gabriel da zurückhaltender gestaltet wurde, weswegen ich die ganze Zeit dachte, warum hat er denn nun so überreagiert?

Den Verlauf der gemeinsamen Geschichte, sowohl in den Rückblenden erzählt, aber dann auch in der Gegenwart, das war für mich vollkommen okay. Die Anziehung zwischen den beiden war evident und hat durch das Eifersuchtsdrama auch angemessenes Futter bekommen. So war es gut nachvollziehbar, warum die beiden ein Arrangement getroffen haben, wo dann schnell alles aufgesprungen ist, weil da nun mal mehr loderte. Also von der Chemie, der Intensität zwischen ihnen, da hat Savas nochmal einen richtig guten Job angeboten. Dennoch würde ich in einer Nachbetrachtung sagen, dass die Trennung arg überzogen war. Auch wenn letztlich noch rausgekommen ist, dass beide nicht ehrlich waren, aber Gabriels Empfindungen erschienen mir dennoch zu intensiv, zumal ich aufgrund der Andeutungen aus seiner Perspektive viel Schlimmeres erwartet hätte. So entstand mehr der Eindruck, wie viel Zeit die beiden zusammen verplempert haben. Also insgesamt ein reizvolles Paar, aber drum herum eine Geschichte, die mehr Leichtigkeit verdient gehabt hätte. Aber der Abschlussband rettet sich von der Atmosphäre her auch, weil es wunderbar gelungen ist, die übrigen Paare noch einmal einzubinden. Auch die Idee mit der Dokumentation war da sehr passend, weil so während der Produktion schon viel rekapituliert werden konnte, aber besonders der Zeitsprung war noch einmal richtig schön und hat mir auch nochmal bewiesen, dass ich die Reihe trotz der generellen Kritik rund um Ballett dennoch gerne gelesen habe.

Fazit: Mit „Move On“ verabschieden wir uns von der Ballettschule in Boston und es war noch einmal eine sehr schwermütige Geschichte, die zwar ein Paar hat, wo von der Chemie her alles da war, so dass ich mitfühlen konnte, aber ein bisschen mehr Spaß und Laune wäre nicht schlecht gewesen. Dazu ist der generelle Abschiedsgedanke wunderbar gelungen und hat belegt, Abschied nehmen ist hier nicht leicht, aber ich freue mich auf neue Abenteuer mit Anna Savas.

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Veröffentlicht am 25.03.2024

Fehlende Perspektive verhindert bessere Liebesgeschichte

The Love Code. Wenn die widersprüchlichste Theorie zur großen Liebe führt
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Die Autorin Susannah Nix sagte mir bis zu „The Love Code“ gar nichts, was aber auch wenig verwunderlich ist, da das Buch ihren Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt bedeutet. Für mich war reizvoll, dass ...

Die Autorin Susannah Nix sagte mir bis zu „The Love Code“ gar nichts, was aber auch wenig verwunderlich ist, da das Buch ihren Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt bedeutet. Für mich war reizvoll, dass ich zuletzt einige Liebesromane gelesen habe, die eine humorvolle Unternote haben und vor allem mit dem etwas sperrigen Untertitel „Wenn die widersprüchlichste Theorie zur großen Liebe führt“ habe ich mich bestätigt gesehen, dass es in die Richtung geht. Weiterhin war für mich auch ein Argument, dass der Klappentext sowie dann auch der ‚Code‘ im Titel auf eine etwas nerdige Geschichte hindeuten, wo die Protagonistin aus der Liebe vielleicht ein wissenschaftliches Experiment macht. Ich war also aus mehreren Gründen neugierig.

Von dieser beschriebenen Ausgangssituation her muss ich sagen, dass ich nicht wirklich das bekommen habe, was ich erwartet habe. Zunächst würde ich sagen, dass mir der Stil als nicht besonders humorvoll erschienen ist. Natürlich gab es auch mal peinliche Situationen zum Lachen, aber Susannah Nix hat ihrer Protagonistin Melody keinen speziellen Ton mitgegeben, wo ich mich schon alleine an der Wortwahl hätte erheitern lassen können. Dennoch würde ich den Schreibstil deswegen nicht kritisieren wollen, denn ich bin gut durch die Geschichte geglitten. Ich hatte die Hörbuch-Version, die von Vanessa Stoll gelesen wird. Ich fand ihre Stimme angenehm. Es war nur etwas seltsam angesichts der Geschichte, dass es keine Ich-Erzählung war. Da wir die ganze Geschichte nur durch Melodys Perspektive erleben, hätte sich vielleicht ein Ich-Erzähler besser angeboten. Im Hörbuch war ich nämlich manchmal auch irritiert, wer nun ‚sie‘ ist, weil das Melody oder eine der anderen Frauenfiguren hätte sein können. Ich weiß aber nicht, ob mich das in der Buchausgabe auch gestört hätte. Durch das Vorlesen war es aber so, dass ich immer erst mehr Kontext brauchte, um zu wissen, von wem nun die Rede ist.

Neben dem Humor hat aber auch das nerdige für mich gefehlt. Ja, Melody ist weniger die, die jedes Wochenende Halli Galli macht und sich daher in vielen Fandoms bestens auskennt, ja, sie ist auch die ITlerin, aber ansonsten ist sie wirklich sehr durchschnittlich als Figur. Vielleicht ist sie nicht per se die romantischste, aber sie ist keinesfalls verkopft, sie ist für mich also eher gefühlsgesteuert. Also noch etwas, was ich mir anders vorgestellt hätte und dennoch fand ich das Buch deswegen nicht schlecht. Es war halt völlig anders, aber ich empfand Melody als sympathische Protagonistin, die auch einige mir bekannte Prinzipien hat. Ich fand auch viele Nebenfiguren sehr sympathisch und war positiv überrascht, wie sich manche Dinge gewendet haben, die zunächst klischeehaft in die eine Richtung gingen, dann aber doch ganz anders auskamen. Unterhaltsam war die Geschichte daher also definitiv von vorne bis hinten.

Dennoch würde ich die Liebesgeschichte noch etwas in Klammern nehmen wollen. Ich mochte auch Jeremy als Figur eigentlich ganz gerne. Schon sein erster Auftritt ist eigentlich etwas gewesen, wo er sofort bei mir einen Stein im Brett hatte. Dennoch hat ihm etwas geschadet, dass wir seine Perspektive nicht bekommen. Denn nach dem Zeitsprung kommt gleich die Info, Melody war ein Seitensprung. Das war mal eine Hausnummer. Ich finde es eigentlich positiv, wenn Figuren auch so andere Seiten bekommen, mit denen man sich aktiv etwas näher beschäftigen möchte, um es zu verstehen. Doch das hat „The Love Code“ nicht so recht hinbekommen. Auch wenn ich Jeremy nie als Red Flag-Figur wahrgenommen habe, aber sie war auch nicht so bedingungslos, wie ich es mir gewünscht hätte. Denn Jeremy hat extrem starke Momente, doch die Erzählweise reißt zwischendurch immer Lücken und ich hätte mir so viel mehr zu ihm gewünscht. Dadurch hatte ich stellenweise auch das Gefühl, das geht niemals mit einem Happyend aus, weil Jeremy nicht die entsprechenden Vibes hatte. Im letzten Viertel reißt die Geschichte das Ruder nochmal um. Das hat mich auch gut versöhnt.

Fazit: „The Love Code“ war weniger das, was ich mir im Vorfeld erwartet hätte, so dass auch die Werbung für die MINT-Frauen für mich eher unpassend erscheint. Dennoch habe ich insgesamt eine gut zu hörende Liebesgeschichte angeboten bekommen. Sie hatte ihre Schwächen, was für mich vor allem an Jeremys fehlender Perspektive liegt. Aber ich habe es insgesamt nicht bereut, zugegriffen zu haben.

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Veröffentlicht am 16.02.2024

KI + Esacpe Rooms, aber Charaktere?

Die Burg
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Ursula Poznanski wird wohl immer für mich mit einem entscheidenden Aha-Moment verbunden sein und das durch „Erebos“. Ich hatte damals so ein Buch noch nie gelesen, weswegen das Grenzen Aufzeigen von Technik ...

Ursula Poznanski wird wohl immer für mich mit einem entscheidenden Aha-Moment verbunden sein und das durch „Erebos“. Ich hatte damals so ein Buch noch nie gelesen, weswegen das Grenzen Aufzeigen von Technik und wie weit man es damit treiben kann, sich sehr spannend inszeniert anfühlte. Danach habe ich bei Poznanski immer mal wieder zugegriffen, zuletzt auch bei ihrer Krimireihe (die mir gefallen hat), aber so die anderen Bücher, die in Richtung „Erebos“ gingen, da war es immer etwas schwierig. Als ich nun aber auf „Die Burg“ aufmerksam wurde, war ich gleich neugierig, denn KI, auch dank Chat GPT ganz aktuell ist in aller Munde und immer wieder wird auch auf damit verbundene Gefahren gegenüber den Vorteilen aufmerksam gemacht. Deswegen dachte ich gleich, das ist ein ideales Thema gepaart mit den geliebten Escape Rooms, wo ich gerne mal reinschaue, ob „Erebos“ zumindest vom Gefühl her noch einmal reaktiviert wird.

Es geht gleich mittendrin los, denn unsere wichtigste Perspektive mit Maxim ist gleich schon an der Burg angekommen, wo er eine ganz neue Vision von Escape Rooms mit anderen austesten soll. Neben ihm werden noch einige andere Figuren eingeführt und wir haben die Spielleiter bzw. ITler etc., die dafür sorgen wollen, dass alles reibungslos verläuft und das haben wir personifiziert durch Alissa. Mir fiel es etwas schwer, mit den Figuren mich wirklich einzuleben, weil natürlich auch Tempo in der Handlung ist. Das macht es für Charakterstudien natürlich schwieriger, aber ich fand es im weiteren Verlauf dennoch sehr unglücklich, dass wir mit Poznanski an den zwei Perspektiven kleben. Wenn man Maxim dann wenigstens abwechselnd mit den anderen hätte interagieren lassen, dann hätte man mehr Möglichkeiten gehabt. Bei Alissa wiederum war sie schon das Problem. Ich fand sie nicht unsympathisch, aber sie war eher funktionell und charakterlich austauschbar. Das hat sich durch das ganze Buch gezogen. Auch wenn es je nach Genre andere Anforderungen gibt, aber greifbare Figuren, die man verstehen kann, selbst wenn sie einem völlig charakterlich entgegen sind, sind die kein Standard?! Für mich hat das beim Lesen doch einiges genommen, auch weil ich so am Ende noch viele Fragen hatte, die nicht nötig gewesen wären.

„Die Burg“ lebt von sehr viel Vorstellungskraft, weil die verschiedenen Rätsel immer wieder in andere Szenarien führt. Das für mich etwas herausfordernd, weil ich leider einfach nicht so eine anbetungswürdige Vorstellungskraft wie andere habe. Aber das werfe ich der Autorin natürlich nicht vor, das ist meine individuelle Sache. Dadurch, dass es für mich aber so schwierig war, würde ich generell sagen, dass es auf jeden Fall gut gemacht war. Poznanski muss sehr detaillierte Vorstellungen gehabt haben. Ich selbst habe mich eher an die Rätsel geklammert, da ich selbst schon in Escape Rooms war und da sind gewisse Tendenzen immer wiederholend und das war meine Ebene. Sehr interessant war sicherlich auch die Ebene, wo die KI die Teilnehmer mit sehr persönlichen Sachen konfrontiert, die die meisten verdrängen wollen. Das fand ich sehr reizvoll, ist aber dann immer unwichtiger geworden, obwohl es für die Charakterebene ideal gewesen wäre. Dazu war ich überrascht, wie düster es inhaltlich geworden ist. Kein Wunder, dass Poznanski hier keine jugendliche Zielgruppe direkt ins Visier genommen hat, denn es passiert einiges, wo es einen belastbaren Magen braucht.

Die ganze Brutalität hat letztlich aber vor allem die Botschaft des Buchs unterstrichen. Ich hatte kein Gefühl dafür, wie es wohl ausgeht, was schon sehr positiv war. Am Ende gab es auch noch Wendungen, die ich niemals so vermutet hätte. Insgesamt zeichnet das ein Bild, was nachdenklich macht. Poznanski hatte hier definitiv etwas zu sagen und das ist bei mir auch angekommen. Aber ich hätte „Die Burg“ ganz sicher lieber gehabt, wenn es auf der Charakterebene ein anderes Niveau gegeben hätte.

Fazit: „Die Burg“ ist thematisch brandaktuell, aber das kann man bei Ursula Poznanski eigentlich immer einplanen. Hier haben mir die Botschaften, die Verbindung zu Escape Rooms und die durchgehende Spannung gut gefallen. Aber auf der Charakterebene war ich in vielen Belangen enttäuscht. Auch die Wahl der Perspektiven war nicht ideal, weswegen ich insgesamt ein gutes Buch gelesen habe, was aber noch besser hätte sein können.

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Kanzlei und Liebesgeschichte vereint

In Case We Trust
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Nachdem „Suits“ 2023 große Streamingerfolge gefeiert hat, hat es sich natürlich bestens angeboten, „In Case We Trust“, den Auftaktband einer Reihe von Tess Tjagvad, als Vergleich zu bewerben. Ich musste ...

Nachdem „Suits“ 2023 große Streamingerfolge gefeiert hat, hat es sich natürlich bestens angeboten, „In Case We Trust“, den Auftaktband einer Reihe von Tess Tjagvad, als Vergleich zu bewerben. Ich musste unweigerlich an Ava Reed und ihre Krankenhausreihe denken, die natürlich Vergleiche zu „Grey’s Anatomy“ angeboten hat. Tatsächlich habe ich die Reihe inzwischen abgebrochen, weil für mich die Balance aus Liebesgeschichte und Darstellung des Krankenhausalltags nicht gut genug geklappt hat. Deswegen war mir gleich klar, das könnte die große Gefahr bei „In Case We Trust“ sein, wo ich mir nach der Ansage anwaltlichen Alltag gepaart mit einer Liebesgeschichte wünsche.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass mir der Balance bei „In Case We Trust“ gut gefällt. Man bekommt einen Eindruck von einem konstanten Fall, man erlebt das Miteinander Nachwuchskräfte, damit verbundener Konkurrenzkampf. Man erlebt auch die Dynamiken im Büro, dass es gerade für den Nachwuchs auch oft Ausnutzen ist, auch Kaffee holen etc., aber natürlich auch die Arbeitszeiten. Das kommt insgesamt schon gut rüber. Das Privatleben ist da gut eingebunden, denn beispielsweise bei Gracie haben wir den Schwerpunkt, dass sie Verbindungen zu der Konkurrenz-Kanzlei hat, das aber unter allen Umständen verbergen will. Sie und ihr Love Interest Ira werden zusammen dem Fall zugeteilt, so dass sich Fachlichkeit und Liebesgeschichte hier gut ineinander verweben lassen. Vor allem habe ich im Vergleich zu Reeds Krankenhaus-Reihe auch das Gefühl, dass sich hier generell mehr Zeit genommen wird. Ich weiß, dass Langatmigkeit versus Oberflächlichkeit immer eine große Diskussion unter der Leserschaft ist. Ich bin immer Team ausgearbeitet, detailreich und dadurch gerne auch mal langatmiger, wenn ich dadurch genau einfühlen kann. Deswegen passt mir hier der Stil gut. Tjagvad nennt in ihren Dankesworten auch Merit und ich vermute mal stark, dass damit Merit Niemeitz gemeint ist und ich muss sagen, dass ich gewisse Stilelemente von ihr erkannt habe und finde, dass es gut passt.

Dennoch ist es die Ausarbeitung für mich noch nicht ideal. Gerade wenn man schon lange „Suits“-Fan wie ich und auch diverse andere Anwaltsserien gesehen hat, dann ist die Vielfalt der dargestellten Arbeitsfelder in einer Kanzlei für mich noch zu dünn abgearbeitet. Es mag sein, dass Tjagvad sich das für die anderen beiden angekündigten Bände aufbewahren will, um dann die Palette zu zeigen. Ich finde aber, dass so ein Prozess in einer intensiveren Darstellung diesem Band gut gestanden hätte. Gerade weil Gracie ihren Vater auf der Gegnerseite wusste, hätte ich mir gut vorstellen können, wie es zu einem Showdown vor Gericht kommt. Manche Ideen, die sich als großes Potenzial in meinem Kopf manifestiert haben, haben sich leider nicht so ergeben. Ja, es ist nicht meine Geschichte, aber ich neige eigentlich gar nicht so sehr dazu, eigene Handlungsstränge zu erfinden. Dementsprechend glaube ich wirklich, dass gewisse Hürden, die die Geschichte sich selbst aufgebaut hat, nicht einwandfrei übersprungen wurden.

Gegen die Liebesgeschichte habe ich aber nichts einzuwenden. Ira ist eine ebenso interessante Figur wie Gracie. Vielleicht war es für mich nicht so die Liebesgeschichte, wo direkt die Funken sprühen, aber insgesamt würde ich schon sagen, dass die Figuren gut zusammenpassten und sich auch im angemessenen Maß gegenseitig herausgefordert haben. Es gab für beide auch individuell sehr entscheidende Momente, die perfekt gepasst haben. Auch die anderen eingeführten Figuren machen schon Lust auf mehr. Vielleicht hat mir in diesem Band etwas die Darstellung der Freundschaft von Gracie zu Cassidy gefehlt. Die ist ein gegebener Faktor, wird nicht richtig herausgefordert und sonderlich viel wird davon auch nicht gezeigt. Das war noch etwas schade, dafür wurde mit Otis und Ira bzw. Gracie und Jude auch interessante Momente geschaffen.

Fazit: „In Case We Trust“ beweist, dass Anwaltalltag und Liebesgeschichte zusammenpassen können. Es ist ein interessanter Einblick mit noch viel Luft nach oben und manche Handlungen, die sich angeboten hätten, wurden ausgespart, aber es macht Lust auf. Die erste Liebesgeschichte funktioniert gut, so dass ich die Reihe gerne weiterverfolgen möchte.

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Veröffentlicht am 14.08.2023

Der Bessere der Mixtape-Reihe

Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen
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Die Mixtape-Dilogie geht mit „Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen“ auch schon wieder zu Ende. Ursprünglich hatte ich mich sehr über diese beiden Bände gefreut, denn Musik mag ich einfach gerne und bin ...

Die Mixtape-Dilogie geht mit „Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen“ auch schon wieder zu Ende. Ursprünglich hatte ich mich sehr über diese beiden Bände gefreut, denn Musik mag ich einfach gerne und bin dann immer gespannt, wie es umgesetzt wird. Im ersten Band, der mit diesem übrigens keine Überschneidungen aufweist, also völlig unabhängig voneinander gelesen werden kann, war mir Musik schon zu unterschwellig, und das ist in „Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen“ zwar verbessert, aber insgesamt konnten beide Bände da eigentlich nicht erfüllen, was ich mir ursprünglich mal so erhofft hatte.

Zwar geht es natürlich wieder um Musik, da Oliver Berufsmusiker ist und mit seinem Zwilling ein erfolgreiches Duo gebildet hat, aber mir hat einfach gefehlt, mehr an den Prozessen der Musikentstehung beteiligt zu sein und auch zu den Lyrics mehr Input zu bekommen. Natürlich fand ich die Idee süß, dass Mixtapes hier doppeldeutig verwendet wurden, einmal eben als Möglichkeit, um Songs zu sammeln und sich dadurch zu unterhalten und dann eben aus psychiatrischer Sicht als Sinnbild für die Songs des Lebens, die einen jeweils ausmachen und die man ergründen kann. Das fand ich schon schön und eine tolle Idee, aber Oliver als Musiker ist mir ferner geblieben. Beim ersten Band hatte ich mich etwas mit dem Einstieg schwer getan und überraschenderweise war auch diesmal der Einstieg für mich der schwierigere Teil. Oliver kennenzulernen war erstmal keine Offenbarung. Auch wenn man natürlich aufgrund der Umstände Mitgefühl mit ihm entwickelt hat, so war es gleichzeitig ein Verhalten und eben ein Zusammenbruch der mehr eklig als alles andere war und das hat es mir doch sehr erschwert, mich da wirklich erstmal emotional einzufinden.

Das war später natürlich kein Problem mehr, weil Emery und Oliver einfach tolle Menschen sind, die viel Herz, die viel Seele und viel Traurigkeit in sich haben, aber sich bestens gegenseitig heilen können. Die Chemie war toll und mir hat auch das Behutsame gefallen. Reese hat das ganze mit ihrer Art natürlich auch noch erheitert und sie hat mit ihrer kindlichen Offenheit alles unterhalten. Ob es unbedingt das Verhalten einer 5-Jährigen ist, lassen wir das mal als zweifelhaft stehen, aber ohne Reese wäre das Buch nur halb so unterhaltsam gewesen. Neben diesem tollen Part hat das Buch aber auch wirklich hässliche Charaktere und vorhersehbare Wendungen. Letzteres habe ich dem Buch eigentlich auch schnell verziehen. Selbst wenn ich mir die Geschichte in zwei entscheidenden Punkten selbst erzählen konnte, wenn die Emotionalität stimmt, dann verlange ich von Romance kein Thriller-Niveau. Wenn ich dann aber auf die Charaktere blicke und ich würde mal dreieinhalb Charaktere als sehr zweifelhaft bezeichnen, dann haben sie mit ihrer Art zu viel von der Geschichte eingenommen. Zumal es eben auch zwei unabhängige Geschichten waren, so dass es sich noch geballter anfühlte und ich fand es echt anstrengend, weil viele hässliche Dinge gesagt wurden, die zu lesen auch nicht so angenehm sind. Das macht Emery und Oliver als Charaktere natürlich noch angenehmer, aber anstrengend und an den Nerven zehrend war es dennoch.

Was sich „Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen“ noch ankreiden lassen muss, das ist dann wohl die Unvollständigkeit der Geschichte in einigen Aspekten. Denn neben den schwierigen Nebenfiguren gab es auch sehr nette Menschen noch, wo es am Ende Andeutungen gab, aber eben keine Antworten. Auch die Geschichten der Widerlinge waren nicht alle sauber zu einem Ende gebracht. Speziell die Rufzerstörung/Cancel Culture wäre als Thema doch sehr interessant gewesen, wurde aber eigentlich völlig unter den Tisch gekehrt.

Fazit: Der Mixtape-Reihe hätte mehr Musik definitiv gut gestanden, aber „Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen“ hatte süße Ideen und war auch im Vergleich die nahbarere Geschichte, auch wenn eine gewisse Vorhersehbarkeit und widerliche Charaktere das Erlebnis umgekehrt auch geschmälert haben.

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