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Veröffentlicht am 18.10.2024

Einmal durch die Hölle

Im Namen der Barmherzigkeit
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Puh. Wie viel ist ein Mensch im Stande zu ertragen? Bei diesem Buch wusste ich gar nicht so recht, was mich erwartet, auch wenn der Klappentext die Story eigentlich genug anteasert. Da ich aber gerne auch ...

Puh. Wie viel ist ein Mensch im Stande zu ertragen? Bei diesem Buch wusste ich gar nicht so recht, was mich erwartet, auch wenn der Klappentext die Story eigentlich genug anteasert. Da ich aber gerne auch mal Romane lese, die auf wahren Begebenheiten beruhen, war ich hier sehr gespannt. Schon der Einstieg lässt erahnen, welche Abgründe sich hier auftun könnten, aber in keinster Weise war ich darauf vorbereitet, durch welche Hölle Steffi in ihrem Leben gehen wird. Man hat oft das Gefühl, man liest in einer Zeit von vor hundert Jahren, dabei ist das alles noch gar nicht so lange her.

Man kann hier eigentlich gar nicht so viel schreiben, ohne etwas vorwegzunehmen. Hera Lind hat es geschafft, Steffis Leben so authentisch wie möglich darzustellen, die Nachworte von Steffi, Fr. Dr. Winkler und Hera Lind selbst (das fand ich ganz toll, hier am Ende noch die persönlichen Sichtweisen der beteiligten Personen zu lesen) zeigen auf, dass hier offenbar eher noch Abstriche bei den Grausamkeiten gemacht wurden, dennoch ist das Buch stellenweise nur schwer auszuhalten. Als ob es nicht reicht, was Steffi in ihrem Leben generell widerfährt, lassen sie in all der Zeit auch noch so viele Personen im Stich, die eigentlich in der Pflicht gewesen wären, sie aus ihrer Hölle zu befreien.

Das Buch lässt mich schwer erschüttert zurück und macht mir wieder deutlich, wie viel Schicksale uns so oft im Leben verborgen bleiben und in welch privilegierter Umwelt ich groß werden durfte.

Es ist eine Geschichte, die der Welt erzählt werden muss und ein Meisterwerk, diese Geschichte in diesen Roman zu formen, der schlussendlich daraus geworden ist. Danke für dieses durch und durch bewegende und ergreifende Buch.

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Veröffentlicht am 19.02.2024

Selbstjustiz als Mittel der Wahl?

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Nele Neuhaus ist ja eigentlich ein Garant für spannende Lektüre, so auch bei ihrem neuesten Werk. Sie schafft es wieder einmal, komplexe Handlungsstränge und vielschichtige Charaktere zu verbinden, ohne ...

Nele Neuhaus ist ja eigentlich ein Garant für spannende Lektüre, so auch bei ihrem neuesten Werk. Sie schafft es wieder einmal, komplexe Handlungsstränge und vielschichtige Charaktere zu verbinden, ohne dass die Handlung am Ende verworren und unübersichtlich wird. Der 11. Band um das Team Pia Sander und Oliver Bodenstein übertrifft sich wieder einmal selbst.

Das Buch beginnt mit der Leiche eines jungen Mädchens, erdrosselt und im Schnee liegen gelassen - das Umfeld und die Presse sind sich schnell einig - das kann nur ein wegen Vergewaltigung bereits vorbestrafter Geflüchteter gewesen sein, die Hetzjagd beginnt. Doch weitere Mordfälle geschehen ohne eine eindeutige Handschrift - wie steht das alles im Zusammenhang?

Mit jedem neuen Handlungsstrang erscheinen neuen Möglichkeiten und Verdächtige und am Ende kommt doch wieder alles anders, als gedacht. Der Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen macht einen nachdenklich und an mancher Stelle ist das Buch realistischer, als man es möchte und regt zum Nachdenken an.

"Monster" ist ein weiteres Meisterwerk einer meiner Lieblingsautorinnen, jede neue Ausgabe dieser Krimi-Reihe wird von mir sehnsüchtig erwartet und auch dieses Buch hat mich wieder darin bestätigt, dass die Sehnsucht berechtigt

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Veröffentlicht am 06.02.2024

Der Kreis schließt sich

Kinderklinik Weißensee – Geteilte Träume (Die Kinderärztin 4)
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"Geteilte Träume", der Abschlussband der Kinderklinik Weißensee-Serie, zieht geschickt Parallelen zwischen Lissis Geschichte und Marlenes Anfängen in der Klinik, und man spürt deutlich, wie sich der Kreis ...

"Geteilte Träume", der Abschlussband der Kinderklinik Weißensee-Serie, zieht geschickt Parallelen zwischen Lissis Geschichte und Marlenes Anfängen in der Klinik, und man spürt deutlich, wie sich der Kreis schließt. Die Autorin gelingt es, eine emotionale Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu knüpfen, was wieder zu einem wunderbaren Leseerlebnis führt, welches man ja bereits von den ersten drei Bänden kennt. Es beginnt in Lübars und es endet in Lübars.

Berlin-Weißensee, 1948: Elisabeth „Lissi“ Vogel kann es kaum erwarten, als Assistenzärztin an der Kinderklinik Weißensee endlich in die Fußstapfen ihrer Tante Marlene zu treten. Doch der Klinikdirektor schätzt die begabte, junge Frau wegen ihres verformten Beines, das von einer überstandenen Kinderlähmung herrührt, gering. Außerdem legt er ihr immer neue Steine in den Weg. Aber Lissi lässt sich so schnell nicht einschüchtern, genauso wie ihre Tante Marlene. Die musste in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Westberlin fliehen und dort bei null anfangen. Als sich in Berlin Fälle von Kinderlähmung häufen, wird die frisch verliebte Lissi plötzlich mit ihrer größten Angst konfrontiert und verliert den Mut, für ihre kleinen Patienten und für den Mann ihres Herzens zu kämpfen.

Das Buch zeigt einem auf recht beeindruckende Weise die Herausforderungen der Nachkriegszeit, wobei auch innerfamiliäre Differenzen nicht unberührt bleiben, ohne, dass die Autorin Partei für eine Seite ergreift. Politisch aufgeheizt kämpfen alle mit eigenen Problemen und Mauern, die sie nicht oder nur kaum beeinflussen können.

Ein zentrales Thema des Buches ist die weiterhin bestehende Benachteiligung von Frauen, trotz aller Fortschritte. Die Autorin scheut sich nicht, die Herausforderungen und Widerstände zu beleuchten, mit denen Frauen damals konfrontiert waren, trotz dass seit dem ersten Band der Serie ja bereits viele Jahre vergangen sind.

Der Hauch von (Liebes-)Kitsch, der bei dieser Art von Buch unvermeidbar ist, bleibt natürlich nicht aus. Das muss man mögen und brauche ich nicht in jedem Buch, in dieser Art Roman passt es meines Erachtens aber wirklich gut dazu. Für mich spielt bei dieser Art Büchern vor allem der historische Hintergrund eine Rolle, den die Autorin abschließend auch noch einmal persönlich erläutert, so dass man alle Ereignisse am Ende auch richtig einordnen kann.

"Geteilte Träume" regt auch dazu an, die gegenwärtige Zeit zu reflektieren. Man wird sich bewusst, in welch dankbarer Zeit wir heute leben, politisch, gesellschaftlich und gesundheitlich. Dinge, die man leider gern mal vergisst.

Insgesamt ist "Geteilte Träume" nicht nur ein Abschlussband, sondern ein eindrucksvoller Schlussakkord für die Kinderklinik Weißensee-Serie. Die einfühlsame Erzählweise, die historischen Einblicke und die lebendigen Charaktere machen einem den Abschied etwas schwer, aber man hat nicht das Gefühl, dass etwas offen geblieben ist, die Geschichte wirkt auserzählt und so bleibt die Vorfreude auf neue Werke der Autorin.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Alles Fassade?

Ein ungezähmtes Tier
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Joël Dicker nahm mich damit mit seiner Geschichte um Harry Quebert gefangen und so war ich wirklich gespannt auf dieses Buch. Um das Fazit vorweg zu nehmen, "Ein ungezähmtes Tier" ist gut, kann aber mit ...

Joël Dicker nahm mich damit mit seiner Geschichte um Harry Quebert gefangen und so war ich wirklich gespannt auf dieses Buch. Um das Fazit vorweg zu nehmen, "Ein ungezähmtes Tier" ist gut, kann aber mit den Vorgängern nicht ganz mithalten.

Es ist wie so oft im Leben, die Schönen und die Reichen und die weniger "Privilegierten", die neidisch auf das Leben der anderen schauen. So in etwa kann man wohl den Beginn der Geschichte beschreiben. Sophie und Arpad leben das vermeintlich perfekte Leben, der reiche Bänker und die erfolgreiche Anwältin im schicken Glashaus, während Karine und Greg nach ihrem Hausbau im schicken Wohnviertel, welches von den umliegenden reicheren Anwohnern abwertend nur "Die Warze" genannt wird, mit ihrem Dasein hadern.

Über die Kinder lernen sich die Väter Greg und Arpad beim Fußball kennen und die beiden Paare treffen sich zu Sophies Geburtstagsfeier. Und hier nimmt der Trubel seinen Lauf. In dieser Rezension jetzt tiefer in die Story einzusteigen würde eigentlich immer in Spoilern enden. Nur soviel, selten ist etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint und auch die perfektesten Familien haben ihre Fehler.

Das Buch ist auf eine sehr interessante Weise in ganz unterschiedlichen Zeitebenen geschrieben, die anfangs etwas verworren und unstrukturiert wirken, aber im Laufe des Buchs erkennt man den Sinn dahinter und ich hatte während des Lesens nicht nur einen "Oh"-Effekt, wenn wieder neue Details über die Protagonisten an's Licht kamen. Das macht das Buch auf eine Weise recht einzigartig. Im Summe war mir die Story aber manches Mal etwas drüber, die charakterlichen Abgründe zu tief und das Ende kam mir trotz der wieder mal überraschenden Wendung etwas zu "plump" daher.

Aber es ist lesenswert und war definitiv unterhaltsam und wird mich nicht davon abhalten, auch den nächsten Dicker zu lesen.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Mitreißend, aber keine neue Idee

Yoko
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Yoko ist Ende 20 und backt Glückskekse, da sie nicht in der alten Metzgerei ihres Vaters arbeiten möchte, die sie daraufhin eben zur Glückskeksmanufaktur umbaut.

Ihr Mitarbeiter Azad ist ein Goldstück, ...

Yoko ist Ende 20 und backt Glückskekse, da sie nicht in der alten Metzgerei ihres Vaters arbeiten möchte, die sie daraufhin eben zur Glückskeksmanufaktur umbaut.

Ihr Mitarbeiter Azad ist ein Goldstück, ihre Partnerin Marlen ein Glückstreffer, alles scheint perfekt. Bis sie an einem Abend bei einer Auslieferung ihrer Glückskekse an ein chinesisches Restaurant Grausames erlebt, was in ihr den unbändigen Drang auslöst, einen Rachefeldzug zu starten, der seines Gleichen sucht.

Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust, der Schreibstil ist super, wie man es von Bernhard Aichner gewohnt ist, man rast nur so durch die Geschichte und hat den Wunsch, immer noch eine Seite weiter zu lesen, als man vor dem Schlafengehen geplant hatte. Die andere Seite ist die Story, die so in sich natürlich hier und da sehr haarsträubend ist, aber warum sollte das bei einem fiktiven Buch auch alles realistisch sein, den Anspruch habe ich gar nicht. Was ein wenig schade war, dass hier eigentlich für mich die Totenfrau-Trilogie noch einmal durchgespielt wurde, nur mit anderen Protagonisten. Die Idee ist super, aber nicht mehrfach. So bin ich hin und her gerissen, was ich von diesem Buch jetzt halten soll und ob es nun ein Stern mehr oder weniger wird. Entscheide mich aber für die bessere Bewertung, da das Buch an sich schon super geschrieben ist und ein schönes Leseerlebnis war, da Bernhard Aichners ganz eigene Handschrift im Schreibstil wieder sehr zum Tragen kam, ich glaube genau die ist es auch, die einem das Gefühl gibt, durch das Buch zu galoppieren.

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