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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2024

Winterelicher Wohlfühlroman

Die Eisfischerin vom Helgasjön
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Kurz bevor Rieke und Marco in den Skiurlaub mit Freundinnen fahren, hat Rieke einen Unfall und verletzt sich am Fuß. Schnell ist klar: Skifahren kommt für sie nicht infrage und sie muss zuhause bleiben. ...

Kurz bevor Rieke und Marco in den Skiurlaub mit Freundinnen fahren, hat Rieke einen Unfall und verletzt sich am Fuß. Schnell ist klar: Skifahren kommt für sie nicht infrage und sie muss zuhause bleiben. Marco hingegen fährt allein mit den Freundinnen - der erste getrennte Urlaub in ihrer siebenjährigen Beziehung. Um sich selbst aufzumuntern und nicht vollständig auf Urlaub verzichten zu müssen, erfüllt sich Rieke ihren langersehnten Traum und reist nach Lappland. In den endlosen Weiten, der Winterlandschaft und den gemütlichen Hütten erhofft sie sich Ruhe und Erholung. Doch dann taucht Theo, ein ehemaliger Studienkollege in Lappland auf, sie verbringen Zeit miteinander und kommen sich näher. Dabei gerät Riekes Gefühlsleben ganz schön in Aufruhr. Sie hinterfragt ihr bisheriges Leben, die Beziehung zu Marco und fragt sich, was sich ändern sollte.

"Die Eisficherin von Helgasjön" ist ein schöner Wohlfühlroman im winterlichen Setting Lapplands. Mir gefielen die anschaulich beschriebene Landschaft, die gemütlichen Abende vorm Kamin und die Dialoge zwischen Theo und Rieke. Generell war mir Theo sehr sympathisch - Rieke konnte ich nicht immer folgen oder war zwischenzeitlich auch mal von ihr genervt. Frieda Lamberti schreibt flüssig, ruhig und atmosphörisch. hat mir einige gemütliche Lesestunden beschert und konnte mich an der einen oder anderen Stelle auch überraschen.

Veröffentlicht am 14.02.2024

Komplex mit überraschenden Wendungen

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Die 16-jährige Larissa Böhlefeld verschwindet nach einem Nachmittag mit Freundinnen. Ihre Leiche wird hinter einem Marienaltar in einem Feld bei Schwalbach entdeckt - sie wurde erdrosselt. Da es winterlich ...

Die 16-jährige Larissa Böhlefeld verschwindet nach einem Nachmittag mit Freundinnen. Ihre Leiche wird hinter einem Marienaltar in einem Feld bei Schwalbach entdeckt - sie wurde erdrosselt. Da es winterlich kalt ist, ist ihr Körper von einer Eisschicht bedeckt. Pia Sander und Oliver von Bodenstein starten die Ermittlungen. Da an Larissas Leiche die DNA-Spuren von Farwad M., einem abgelehnten afghanischen Asylbewerber, der wegen Vergewaltigung bereits zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, gefunden und nach ihm gesucht wird, werden Unmut, Bestürzung und Wut auf die Flüchtlingsunterkunft gelenkt. Farwad kann jedoch untertauchen und Pia und Oliver stoßen auf weitere Spuren. Außerdem bleibt Larissa nicht die einzige Person, die verschwindet und tot aufgefunden wird.

Aus Nele Neuhaus' Krimireihe um Pia Kirchhoff (mittlerweile Sander) habe ich schon einige Teile gelesen und bin immer wieder begeistert von der Komplexität, den aktuellen Themen sowie den überraschenden Wendungen. Auch in "Monster" ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint und Larissas Tod offenbart ein großes Gebilde mit enormen Auswirkungen - auch für das Ermittlungsteam um Pia.
Ohne viel zum Inhalt oder den aufgegriffenen Themen zu sagen, kann ich den elften Teil der Reihe nicht nur Fans von Nele Neuhaus empfehlen, sondern allen, die Entwicklungen und Verstrickungen auf verschiedenen Ebenen in Krimis mögen.

Veröffentlicht am 24.01.2024

Dark Acadamia trifft auf New Adult

Starling Nights 1
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Mabel startet ihr Studium an der Universität Cambridge und ist froh, dass ihre beste Freundin Zoe auch dort studiert. Zusammen gehen sie auf eine Student*innenparty einer Verbindung, der Stare. Dort trifft ...

Mabel startet ihr Studium an der Universität Cambridge und ist froh, dass ihre beste Freundin Zoe auch dort studiert. Zusammen gehen sie auf eine Student*innenparty einer Verbindung, der Stare. Dort trifft Mabel auf Cliff, einen jungen Studenten, der sofort eine magische Anziehung auf sie hat. So charmant wie er zunächst wirkt, so kühl und distanziert ist er im nächsten Moment. Mabel weiß noch nicht, was sie von ihm halten soll. Ihre Freundin Zoe hingegen gerät immer tiefer in den Bund der Stare und verhält sich immer merkwürdiger in Mabels Augen. Sie begibt sich ebenfalls tiefer in die Gemeinschaft der Stare und erfährt, dass sie zahlreiche seltsame Ereignisse verschulden - und das bereits seit Jahrhunderten. Auch Cliff kommt sie sehr viel näher, wobei sie nicht sofort spürt, dass sie sich in Gefahr begibt...

"Starling Nights" ist der erste Teil einer Dilogie von Merit Niemeitz an der Universität Cambridge und lässt sich am besten als eine Mischung aus Dark Acadamia, New Adult und Fantasy beschreiben. Die Figuren und ihre Konstellation finde ich interessant und konnte sowohl zu Mabel, Zoe als auch zu Cliff einen Zugang finden. Ich brauchte die ersten Kapitel, um im Setting anzukommen und mich in der Story orientieren zu können. Dann packten mich sowohl Handlung als auch Entwicklung und ich wollte ebenfalls herausfinden, was es mit den Staren auf sich hat.
Ein guter erster Teil und ich bin gespannt auf den zweiten!

Veröffentlicht am 14.01.2024

Mysteriöse Morde

Waiseninsel
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"Waiseninsel" ist der vierte Band der Thriller-Reihe um die Kommissarin Jessica Niemi, in der ihre persönliche Entwicklung stark thematisiert wird. Jessica Niemi befindet sich in Therapie und gerät nach ...

"Waiseninsel" ist der vierte Band der Thriller-Reihe um die Kommissarin Jessica Niemi, in der ihre persönliche Entwicklung stark thematisiert wird. Jessica Niemi befindet sich in Therapie und gerät nach einer nicht so gut verlaufenden Sitzung in eine Auseinandersetzung mit einem Passanten. Dabei wird die handgreiflich, die Auseinandersetzung wird gefilmt, online gestellt und geht viral, woraufhin sie beurlaubt wird. Jessica Niemi fährt auf die abgelegenen Åland-Inseln, um Abstand zu gewinnen und zur Ruhe zu kommen. Dort besteht seit Jahren die Erzählung um das Mädchen im blauen Mantel, das einen Mitarbeiter eines ehemaligen Waisenhauses umgebracht haben soll. Eine Gruppe von Menschen, die damals in dem Waisenhaus waren und sich "die Zugvögel" nennen, treffen sich einmal im Jahr in der Pension wieder. Als eine Frau aus der Gruppe tot aufgefunden wird, beginnt Jessica Niemi zu ermitteln. Schließlich ist es nicht die erste Person aus dem Dunstkreis des Waisenhauses, die auf mysteriöse Weise gestorben ist.

Generell gefallen mir Thriller, in denen das Privatleben der Ermittlerinnen stark im Fokus stehen und der Fall dadurch in den Hintergrund rückt, nicht so gut. Leider bekommen wir von Jusuf, Jessicas Partner auch kaum etwas mit, was ich schade finde. Trotz des starken Augenmerks auf Jessicas persönlichen Probleme, hat Max Seeck es geschafft, die Fragen um die Morde und das Mädchen im blauen Mantel nicht in den Hintergrund rücken zu lassen. Erzählt wird nicht nur von den gegenwärtigen Geschehnissen auf der Insel, sondern auch aus der damaligen Zeit im Waisenhaus. Schnell wird klar, dass es sich dabei nicht nur um einen angenehmen Platz für die Kinder handelte, und es ein Mädchen ganz besonders schwer hatte.
Durch die wechselnden Zeitebenen und Perspektiven blieben meine Neugier und meine Anspannung bis zum Schluss erhalten, obwohl ich einige Abschnitte über Jessica als langatmig empfand. Die Auflösung, die Seeck am Ende wählte, könnte ich nur bedingt nachvollziehen und fand auch nicht alles schlüssig! Während der Lektüre hatte ich zwar eine richtige Vermutung, was den
die Täter*in anging, jedoch fehlte mir das Motiv, das mir auch zum Schluss nur bedingt logisch erschien.
Trotz einiger Schwächen habe ich das Buch gern gelesen und mochte insbesondere die Kapitel, die im Waisenhaus spielten. Für die Fortsetzung der Reihe um Jessica Niemi war dieser Band sicherlich wichtig.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 10.01.2024

Kinoregisseur im Nationalsozialismus

Lichtspiel
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In seinem neuen Roman "Lichtspiel" erzählt Daniel Kehlmann von dem Regisseur Georg Wilhelm Pabst, der von 1885 bis 1967 lebte und zu den größten und erfolgreichsten Regisseuren seiner Zeit galt. Pabst ...

In seinem neuen Roman "Lichtspiel" erzählt Daniel Kehlmann von dem Regisseur Georg Wilhelm Pabst, der von 1885 bis 1967 lebte und zu den größten und erfolgreichsten Regisseuren seiner Zeit galt. Pabst war während der Machtergreifung durch die Nazis bei einem Dreh in Frankreich, floh vor den Nazis nach Hollywood, wo die Konkurrenz enorm hart war und er sich keinen erfolgreichen Ruf erarbeiten konnte. Daher fand er sich schließlich in seinem Heimatland Österreich wieder. Doch er wird vom Propagandaminister angeworben und soll nach Berlin kommen und dort für die Nazis tätig werden. Pabst war bekannt für seine Schnittkunst, die so niemand zu der Zeit beherrschte.
Kehlmann erzählt zwar von dem Ruhm und dem Weg der Kunst Pabsts, indem historische Eckdaten und Fakten berücksichtigt und eingebunden werden. Jedoch untermauert er die Entwicklungen, die Persönlichkeit und die Kunstfigur Pabst durch fiktionale Ergänzungen. Dabei steht das künstlerische Schaffen während der NS-Zeit stets im Fokus.

Ich fand es spannend, die Szenen aus Pabsts Leben geschildert zu bekommen, und das immer aus der künstlerischen Perspektive. Die Art des Erzählens in "Lichtspiel" war für mich außergewöhnlich, da ich sonst wenig Romane über Kunst und Filmschaffende lese und der Erzählton recht distanziert ist. Die moralischen Einstellungen und das entsprechende Handeln konnte ich nicht immer nachvollziehen, allerdings wurden die politischen Zwänge und der Druck durch die Nazis, auf deren Basis Pabst handelte, dargestellt.

Unterm Strich ein interessanter Roman über das Kino in Zeiten des Nationalsozialismus mit biographischem Fokus.