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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2025

Temporeicher, spannender und mitreißend geschriebener Kriminalroman

Der Tod und das dunkle Meer
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Im Jahr 1634 fährt ein Schiff von Indonesien nach Amsterdam. Neben der Besatzung sind auch einige Edelleute sowie der bekannte Detektiv Samuel Pipps und sein Freund und Beschützer Arent Hayes an Bord der ...

Im Jahr 1634 fährt ein Schiff von Indonesien nach Amsterdam. Neben der Besatzung sind auch einige Edelleute sowie der bekannte Detektiv Samuel Pipps und sein Freund und Beschützer Arent Hayes an Bord der Saardam. Doch auch eine dunkle Macht ist zugegen und macht den Menschen die Schifffahrt zur Hölle: Menschen sterben, Angst und Aberglaube greifen um sich.
Klingt das gut? Ja! Und lasst euch gesagt sein, es klingt nicht nur gut.

Schon die ersten Seiten haben mich mitten ins Geschehen gerissen. Bevor die Saardam ablegt, teilt ein Aussätziger der versammelten Mannschaft mit, dass die Reise verflucht ist und der Teufel mitreisen wird. Dann geht er in Flammen auf. Auf den wenigen ersten Seiten lässt Stuart Turton schon so viel passieren, dass ich nur dachte, was wird noch alles passieren? Nun, einiges…
Ein leises Flüstern geht auf dem Schiff um. Eine Stimme raunt der Besatzung und den Edelleuten zu, dass sich ihre größten Wünsche erfüllen werden, aber dafür müssen sie natürlich auch etwas tun. Umsonst ist eben nichts. Das Misstrauen untereinander wächst. Wer ist der Aussätzige, der über das Deck schleicht? Ist es der, der im Hafen von Batavia verbrannt ist? Wie kommt er – lebendig – auf dieses Schiff? Und überall wimmelt es vor den Zeichen des Teufels, den alle nur der Alte Tom nennen. Drei unheilige Wunder werden geschehen und dann sollen alle sterben, die sich nicht dem Teufel anschließen.

Stuart Turton spielt mit den Menschen auf dem Schiff. Jeder ist verdächtig, dem Alten Tom zu dienen. Er spielt Reiche und Arme gegeneinander aus, lässt sie aber auch Verbindungen knüpfen. Das macht er in einem mitreißenden Erzählstil und gutem Tempo. "Der Tod und das dunkle Meer“ lässt sich kaum aus der Hand legen. Dadurch, dass niemand das Schiff verlassen kann, gerät das Buch zu einem unheimlichen und spannenden Kammerspiel. Überall lauern Gefahren, Falltüren, Geheimverstecke, Menschen, die an nassen Schiffswänden heraufklettern… Hach, ich bin begeistert. :)

Auf den letzten Seiten hatte ich plötzlich eine bange Vorahnung, dass die Auflösung mir nicht gefallen wird. Aber Stuart Turton reißt das Ruder rum und präsentiert eine Erklärung, die mich komplett überrascht und sehr befriedigt das Buch zuschlagen lässt. Bravo Stuart Turton – und Bravo Dorothee Merkel, die das Buch hervorragend übersetzt hat (wie auch schon Stuart Turtons erstes Buch sowie Ein wenig Glaube von Nickolas Butler).

Wer sich Sorgen macht, dass das Buch zu historisch sein, dem nehme ich gern die Sorge. Stuart Turton schreibt in einer sehr humorvollen Nachricht am Ende des Buches (auch unbedingt lesen!), dass Der Tod und das dunkle Meer weder ein historischer Roman, noch einer über Schiffe ist. Er schreibt, dass er Details bewusst ignoriert hat und sich die geschichtlichen Ereignisse auch zu anderen Zeiten oder ganz anders (oder gar nicht) zugetragen haben. Natürlich spielt die Geschichte auf einem Schiff, weshalb auch maritime Begriffe fallen, aber das sollte niemanden vom Lesen abhalten.

Fazit: Ein temporeicher, spannender und mitreißend geschriebener Kriminalroman, der mit ambivalenten Charakteren und überraschenden Wendungen punktet. „Der Tod und das dunkle Meer“ ist ein grandioses Schauer- und Kammerspiel zu hoher See, das ich euch sehr gerne ans Herz lege.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Ein großes Lesevergnügen

The Stranger Times
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The Stranger Times ist eine Zeitung, die sich mit den Nachrichten auseinandersetzt, die die anderen (seriösen) Zeitungen links liegen lassen, z. B. UFO-Sichtungen, Begegnungen mit Nessi, vom Teufel besessenen ...

The Stranger Times ist eine Zeitung, die sich mit den Nachrichten auseinandersetzt, die die anderen (seriösen) Zeitungen links liegen lassen, z. B. UFO-Sichtungen, Begegnungen mit Nessi, vom Teufel besessenen Toiletten – halt das ganz normale Unnormale. Verrückt, also noch verrückter, wird es, als plötzlich die Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten, doch passieren.
Der Chefredakteur dieses Blattes ist Vincent Banecroft, ein Typ den niemand gern als Chef haben möchte. Er brüllt ständig alles und jeden an, schießt gerne mal wahllos mit einem altertümlichen Gewehr um sich und hält nichts von Körperhygiene. Auch deshalb (oder wohl vor allem deshalb) hat die Zeitung nur wenig Personal.

Neu dabei ist Hannah, die gerade ihrem untreuen Ehemann das Haus abgefackelt hat und dringend Geld braucht. Obwohl der Rest der Belegschaft glaubt, dass Hannah schnell die Segel streichen wird, kommt sie jeden Tag aufs Neue in die Redaktion, die übrigens in einer ehemaligen Kirche untergebracht ist.

Im Erdgeschoss steht die monströse Druckerpresse, die für den Zeitungsdruck scheinbar keine externe Energie benötigt und von einem Typ bedient wird, der außer weißer, bodenlanger Dreadlocks nichts trägt. Herz der Zeitung ist Grace, die den Empfang managt und darauf achtet, dass Banecroft nicht mehr als nötig flucht, was diesem sehr schwer fällt. Außerdem gibt es die beiden Redakteure Ox und Reggie sowie Stella, von der eigentlich niemand so richtig weiß, was sie macht und die immer zeitgleich in ihr Handy und ein Buch guckt.
Allein diese bunt gemischte Truppe sorgt schon für kuriose Szenen. Dazu kommt aber noch die eigentliche Handlung, in der ein Untier auf Menschenjagd geht, allerlei Magie im Spiel ist und noch mehr verrückte Leute auftreten. Wie die Magie funktioniert, wird nicht großartig erklärt – die Menschen fuchteln halt irgendwie mit ihren Händen in der Luft rum. Und aus irgendeinem Grund werden die Menschen in Typ 2, Typ 7 etc. eingeteilt, was aber auch nicht weiter erklärt wird. Gestört hat es mich nicht, es passt zum Stil des Buches. Außerdem gehe ich davon aus, dass es weitere Erklärungen im nächsten Band gibt.

Wie wahrscheinlich deutlich geworden ist, ist „The Stranger Times“ ein sehr witziges Buch. Aber Humor ist ja immer so eine Sache, manche mögen es subtil, andere lieben es ins Gesicht. C. K. McDonnell ist ein ehemaliger Stand-up-Comedian und das merkt man dem Fantasy-Krimi-Roman auch an. Der Humor ist zudem very british – das sollte man mögen, bevor man zu dem Buch greift. Meinen Humor-Nerv trifft es auf jeden Fall. Mehr als einmal fühlte ich mich an Jasper Fforde oder Terry Pratchett erinnert. Die Wortgefechte, an denen dank seines furchtbaren Verhaltens natürlich oft Banecroft beteiligt ist, haben mir besonders gut gefallen. Ein Lob deshalb auch an den Übersetzer André Mumot. Was für ein Spaß.

Fazit: „The Stranger Times“ ist ein großes Lesevergnügen. Das Buch ist ein gelungener Mix aus Fantasy und Krimi, der bis zur letzten Seite mit seinen skurrilen Charakteren und witzigen Sprüchen unterhält. Ein grandioses, weil lustiges, rasantes und einfach komplett verrücktes Buch. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung(en).

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Veröffentlicht am 23.02.2024

Rasant, skurril und einfach großartig

This Charming Man
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In Manchester geht es eh schon nicht mit rechten Dingen zu, wie die Mitarbeiter der Wochenzeitung The Stranger Times wissen. Aber jetzt treiben auch noch blutrünstige Vampire ihr Unwesen. Vampire? Die ...

In Manchester geht es eh schon nicht mit rechten Dingen zu, wie die Mitarbeiter der Wochenzeitung The Stranger Times wissen. Aber jetzt treiben auch noch blutrünstige Vampire ihr Unwesen. Vampire? Die gibt es doch gar nicht. Zumindest ist es das, was Hannah, Banecroft und die anderen Mitarbeiter der Zeitung bei ihrer Recherche stets zu hören bekommen. Nur dumm, dass die Vampire das nicht wissen. Und dann will auch noch jemand Stella entführen. Ob es hier Zusammenhänge gibt?

Wie habe ich mich gefreut, wieder nach Manchester zu den lieb gewonnenen Charakteren der Stranger Times-Zeitung zu reisen. Die Mitarbeiter bestehend aus Mr. Banecroft, Hannah, Stella, Grace, Ox und Reggie sowie dem ominösen Manny, der eigentlich 2 ist, wurden alle bereits im ersten Teil ausgiebig vorgestellt, so dass sich die Geschichte diesmal auf außerhalb der Zeitung konzentriert. Die Vampirplage betrifft nämlich nicht nur die Zeitungsmitarbeiter, sondern auch eine ganze Reihe anderer Menschen, sei es Pub-Besitzer und sprechende Hunde, Polizisten oder App-Entwickler.

Da einiges an Geschichte Platz haben muss, ist This Charming Man auch um knapp 70 Seiten länger geworden als sein Vorgänger. Kein Nachteil, da die Fortsetzung erneut rasant und mit vielen skurrilen Ideen daher kommt. Wenn ich kurz auf hohem Niveau meckern dürfte, würde ich sagen, dass mir diesmal die Zeitungstruppe als Einheit zu wenig Raum bekommen hat. Meist sind sie in ihren eigenen Erzählsträngen beschäftigt und bewegen sich viel außerhalb des Zeitungsgebäudes. Aber gerade die Wortgefechte im Verlag gehörten im ersten Teil zu meinen liebsten Stellen.

Zum Glück verzichtet C. K. McDonnell nicht gänzlich auf die Kabbeleien und ich habe wieder Tränen über Banecroft und Co. gelacht. Dass für meinen Geschmack die Wortgefechte etwas zu kurz kamen, soll aber nicht heißen, dass ihr auf den britischen und manchmal recht schwarzen Humor verzichten müsst. Im Gegenteil: Der Autor hat ihn auch auf einige neue Charaktere ausgeweitet. Ein der Wahrheit verpflichteter Mann mit einer sprechenden Bulldogge auf einem Hausboot sind dabei meine Lieblinge.
This Charming Man macht riesigen Spaß. Auf jeder Seite passiert irgendwas und einmal angefangen, kann man das Buch nur sehr schwer zur Seite legen, so unterhaltsam ist es. Der Cliffhanger am Ende des Buches macht zum Glück deutlich: Das war noch nicht das Ende der Stranger Times.

Wie auch der erste Band schließt die Fortsetzung mit einer sehr humorvollen Danksagung des Autors, die dem Witz der Geschichte in nichts nachsteht. Eigentlich überfliege ich Danksagungen fast immer, aber bei dieser Reihe lohnt es sich wirklich, sie komplett zu lesen.

Fazit: Mit This Charming Man hat C. K. McDonnell eine würdige Fortsetzung zu The Stranger Times geschrieben. Ein rasantes Erzähltempo, skurrile Ideen und Charaktere sowie jede Menge britischer Humor zeichnen das Buch aus. Ich freue mich auf den dritten Band.

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Veröffentlicht am 23.02.2024

Ein großartiger, weil vielschichtiger Roman

Yellowface
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In „Yellowface“ schreibt Rebecca F. Kuang über die schwierige Freundschaft zwischen den jungen Autorinnen Athena und June. Während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena einen Erfolg nach dem nächsten ...

In „Yellowface“ schreibt Rebecca F. Kuang über die schwierige Freundschaft zwischen den jungen Autorinnen Athena und June. Während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena einen Erfolg nach dem nächsten feiert, interessiert sich niemand für die Geschichten eines weißen Mädchens, so empfindet es zumindest June. Als Athena bei einem Unfall stirbt, nimmt June ihr unvollendetes Manuskript – ein Roman über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des Ersten Weltkriegs – an sich, überarbeitet es und gibt es schließlich als ihr Buch aus. Der Roman wird ein riesiger Erfolg – doch zu welchem Preis?

„Yellowface“ entwickelt ab der ersten Seite einen unglaublichen Sog. Ich wollte zunächst nur kurz reinlesen, konnte das Buch aber nicht mehr zur Seite legen und habe es in kurzer Zeit durchgelesen. In ihrem Roman stellt Rebecca F. Kuang die Antagonistin in den Mittelpunkt und schafft es durch ihr eindringliches Schreiben (großartig übersetzt von Jasmin Humburg), dass ich June für ihren Diebstahl nicht nur negativ betrachte, sondern z. B. bei einem auftretenden Shitstorm gegen sie, sogar ein wenig Mitgefühl entwickle – gerade, wenn sie auch ihre Vergangenheit mit Athena zur Sprache bringt. Eine Geschichte ist eben nicht nur schwarz/weiß. Ebenso wenig sind es Menschen. Denn auch Athena, die nach ihrem Tod von vielen Internetnutzern beinahe zur Heiligen emporgehoben wird, ist eine zwiespältige Persönlichkeit. Überhaupt sind die Figuren in Kuangs Roman fast alle unsympathisch. Erstaunlich, dass mir das Buch dennoch so gut gefallen hat, da ich sonst mindestens eine positive Figur brauche.

„Yellowface“ ist ein außerordentlich vielschichtiger Roman. Neben der Geschichte um June und Athena hat mir auch der Einblick in die (nur amerikanische?) Verlagsbranche sehr gefallen. Jeder will Geld verdienen, so viel steht fest. Aber so manche tun das auf Kosten anderer und ohne jegliche Moral. Als June Rassismus vorgeworfen wird, weil sie über chinesische Geschichte schreibt – steht ihr das zu? Darf sie das als weiße Frau? -, schweigt sich der Verlag aus. Und noch schlimmer: Man bedient sich irgendwann weißer Radikaler, die den Buchverkauf noch einmal vorantreiben. Hier macht sich June zu einem Zeitpunkt darüber lustig, dass es erstaunlich ist, das Rassisten in die Läden rennen, um ein Buch über chinesische Arbeiter zu kaufen. Rebecca F. Kuang regt hier zum Nachdenken an: Es geht um race, um kulturelle Aneignung, es geht aber auch um Frauen in der Literaturwelt, Konkurrenzdenken zwischen Autorinnen und auch die Einsamkeit der Autoren wird thematisiert. June wird mit den immer bedrohlichen medialen Angriffen gänzlich alleine gelassen – auch von ihrem Verlag, der aber weiterhin das Geld nimmt, das ihr Buch einbringt. Rebecca F. Kuang hat mich schon auf den ersten Seiten durch ihren mitreißenden Stil begeistern können und dieser Eindruck hielt bis zum Schluss.

Fazit: „Yellowface“ ist ein großartiger, weil vielschichtiger Roman, der Themen wie kulturelle Aneignung, race und den Literaturbetrieb behandelt. Mitreißend geschrieben entwickelt er zudem ab der ersten Seite einen enormen Sog. Eine große Empfehlung.

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Veröffentlicht am 07.12.2016

Ein großartiger Roman!

Die Attentäter
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Antonia Michaelis erzählt in ihrem neuen Buch von der Freundschaft zwischen den in Berlin aufwachsenden Cliff und Alain sowie Margarete. Die drei begegnen sich im Kindesalter und ihre Geschichten werden ...

Antonia Michaelis erzählt in ihrem neuen Buch von der Freundschaft zwischen den in Berlin aufwachsenden Cliff und Alain sowie Margarete. Die drei begegnen sich im Kindesalter und ihre Geschichten werden auf verhängnisvolle Weise miteinander verwoben. Die Gefühle zwischen Cliff und Alain sind schon von Anfang an besonders, doch sie sind auch von Anfang an von einem Schatten belegt. Ein Schatten, der alles zerstören wird. Cliff findet seinen Platz im Leben nicht und landet schließlich bei den Kämpfern der IS. Als er nach Berlin zurückkehrt, glauben Alain und Margarete, dass nun alles gut wird, doch ein schrecklicher Plan kommt langsam ans Licht.

Antonia Michaelis' Bücher sind etwas Besonderes. Obgleich die Geschichte in der Realität spielt, schwingt auch immer Phantasie in ihnen mit - mal mehr, mal weniger. Auch in ihrem neuesten Buch wird es teilweise phantastisch - (Engels)flügel begleiten die Protagonisten. Dieser Punkt könnte für einige Leser vielleicht etwas "schräg" sein, man muss sich auf jeden Fall auf diese Art der Erzählung einlassen. Auch die Sprache ist wunderschön, schon nach wenigen Seiten war ich wieder gefangen. Düster, traurig, ehrlich, liebevoll: die Autorin lässt mich tief ins Innere der drei Hauptpersonen blicken. Ihre Liebe zueinander ist allgegenwärtig, genau wie die Angst von Alain und Margarete um (den gefallenen Engel) Cliff. Ein paar Einsichten gibt es auch in die Gefühle der anderen Attentäter neben Cliff. Das junge Mädchen, die die IS-Kämpfer für "Popstars" hält, und gar nicht richtig weiß, worauf sie sich einlässt, oder die junge Frau, die eigentlich zu klug für die kommenden Ereignisse ist und dennoch ins Verderben rennt

Die Bilder, die Antonia Michaelis nutzt, um ihre Geschichte zu erzählen, sind wundervoll und eindringlich. Dabei geht sie auch bis an die Grenzen, z. B. wenn sie von den grausamen Machenschaften der IS-Kämpfer schreibt. Auch wenn nicht alles explizit dargestellt wird, wurden die Bilder vor meinen Augen umso furchteinflößender. Und der geplante Anschlag auf das Berghain ist einfach grauenerregend. Diese Bilder werden lange nicht aus dem Kopf verschwinden, denn Die Attentäter ist vor allem auch - leider - sehr aktuell und der Tag des Blutes könnte so jeden Tag stattfinden.

Die Attentäter gehört zwar in die Kategorie Jugendbuch, aber ist eindeutig nicht nur für Jugendliche geschrieben. Obwohl ich kein Teenager mehr bin, hat mich die Geschichte sehr beschäftigt. Es ist auf kein Buch, das leicht zu vergessen ist. So poetisch die Sprache ist, so authentisch und realistisch ist das Geschehen - und das ist absolut bedrückend.

Ein großartiger Roman!