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Veröffentlicht am 25.02.2024

Interessante Eindrücke

Weiße Wolken
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"Weiße Wolken" von Yandé Seck erzählt die Geschichte zweier Schwestern, Dieo und Zazie, die auf unterschiedliche Weisen mit den Herausforderungen unserer Zeit ringen. Dieo, in Frankfurt lebend, erfährt ...

"Weiße Wolken" von Yandé Seck erzählt die Geschichte zweier Schwestern, Dieo und Zazie, die auf unterschiedliche Weisen mit den Herausforderungen unserer Zeit ringen. Dieo, in Frankfurt lebend, erfährt die Last unerfüllbarer gesellschaftlicher Erwartungen an ihre Rolle als Mutter. Ihr Mann Simon, ein mittelalter weißer Mann im Finanzsektor, gerät dabei ebenso unter die kritische Lupe wie sie selbst. Die konstante Kritik ihrer jüngeren Schwester Zazie, die an der rassistischen und sexistischen Realität verzweifelt, macht Dieos Leben zusätzlich komplex.

Die Autorin, Yandé Seck, erzählt mit Klugheit, Erhellung und hintergründigem Witz von den Konflikten, die in Familien und Gesellschaften existieren. Der Roman entfaltet sich in in der Umgebung des Frankfurter Nordends, wo Dieo mit ihrem Mann und drei Söhnen lebt. Diese Umgebung wird zu einem Mikrokosmos, in dem die unterschiedlichen Perspektiven auf Schwarzsein, Muttersein und das bürgerliche Familienideal aufeinanderprallen.

Der Tod des eigenwilligen Vaters, der vor über vierzig Jahren aus dem Senegal nach Deutschland kam, wird zum Auslöser für einen Neuanfang der Schwestern. Die Reise in das Land ihres Vaters zur Beerdigung wird nicht nur zu einem Abschied, sondern öffnet auch Türen zu neuen Perspektiven und Veränderungen.

Yandé Seck gelingt es, die Komplexität der Themen – Rassismus, Sexismus, familiäre Dynamiken – auf eine interessante Weise zu beleuchten. Durch die sorgfältige Charakterzeichnung wird der Leser in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten gezogen.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Absurde Ideen im Schleifenmodus

Schleifen
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Der Roman "Schleifen" von Elias Hirschl beginnt mit einem faszinierenden, intellektuell reizvollen Ansatz. Die Geschichte um Franziska Denk, die an einer eigentümlichen Krankheit leidet – sie übernimmt ...

Der Roman "Schleifen" von Elias Hirschl beginnt mit einem faszinierenden, intellektuell reizvollen Ansatz. Die Geschichte um Franziska Denk, die an einer eigentümlichen Krankheit leidet – sie übernimmt jedes Symptom, von dem sie hört oder liest –, ist originell und vielversprechend. Besonders stark ist die Idee, dass sie sich mithilfe von Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden immunisiert. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet sie einen Seelenverwandten, und gemeinsam entwickeln die beiden eine obsessive Suche nach der perfekten Sprache.

Der Autor greift zahlreiche sprachwissenschaftliche, philosophische und mathematische Theorien auf, die von seinen Figuren konsequent weitergedacht und im Streben nach absolutem Wissen oder Perfektion ins Absurde überzeichnet werden. Das ist stellenweise klug, witzig und gedanklich anregend. Gerade zu Beginn hat mir dieser spielerisch-intellektuelle Zugang sehr gefallen.

Mit fortschreitender Lektüre wurde mir das jedoch zu viel. Irgendwann verliert der Roman für mein Empfinden seinen erzählerischen Fluss und wirkt eher wie eine lose Aneinanderreihung wissenschaftlicher Texte oder theoretischer Exkurse. Die Figuren und ihre Beziehung treten zunehmend in den Hintergrund, während die Konzepte dominieren. Ein wirklicher Ausgang oder ein finales Ergebnis der vielen präsentierten Theorien bleibt aus, was den Roman am Ende etwas unbefriedigend wirken lässt.

So bleibt "Schleifen" ein gedankenreiches Buch, das interessante Fragen stellt, sich aber zunehmend in seiner eigenen Konzeptlastigkeit verliert. Und am Ende fragt man sich: Welchen Sinn verfolgt das ständige Name-Dropping eigentlich – dient es der inhaltlichen Vertiefung oder eher der intellektuellen Selbstinszenierung?

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Facettenreich bis verwirrend

Acht
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Im Roman "Acht" von Peter Sascha Kunze prallen Vergangenheit und Zukunft zusammen und führen wie beim Urknall zu einer chaotischen Mischung von Situationen und Charakteren, die unterschiedlicher nicht ...

Im Roman "Acht" von Peter Sascha Kunze prallen Vergangenheit und Zukunft zusammen und führen wie beim Urknall zu einer chaotischen Mischung von Situationen und Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein können. Die verschiedenen Zeitschienen beschreiben dabei die Geschichte eines Schamanen, der vor 8000 Jahren zu besonderen Wissen und Fähigkeiten erlangt, die er dann zeitversetzt in der Zukunft anwenden kann. Dort trifft er auf verschiedene Personen, die sich von ihm inspirieren lassen. Selbst KI tritt hier in Form einer Frau auf, die als "Eva" und damit metaphorisch wohl als Verführerin eine undurchschaubare Rolle spielt. Die Charaktere sind sprachlich gut beschrieben. Die Anhäufung von schwer nachvollziehbaren bzw. absurden Situationen und Beschreibungen haben mich eher verwirrt und leider verhindert, dass ich irgendetwas Sinnvolles aus diesem Buch herausziehen konnte.

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Veröffentlicht am 28.02.2024

Ein schwacher Start

In einem Land nach unserer Zeit 1: Die Erwachte
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Der Titel ist definitiv sehr gut gewählt und zeigt auch die Stärke der Autorin, unkonventionell und fantasievoll Ideen zu vermitteln. Bei dem Untertitel hatte ich dagegen auf die Zweideutigkeit des Wortes ...

Der Titel ist definitiv sehr gut gewählt und zeigt auch die Stärke der Autorin, unkonventionell und fantasievoll Ideen zu vermitteln. Bei dem Untertitel hatte ich dagegen auf die Zweideutigkeit des Wortes gehofft, und hier einen Reifeprozess bei der Protagonisten erwartet. Im Buch ist -nach meinem Verständnis - als zweite Bedeutung nur die Rückkehr der Erinnerung gemeint, was ich als bedauerlich empfunden habe. Der Gedanke einer zerstörten Erde, die nach einer Eiszeit wieder Natur und einige Menschen beherbergt, ist als mögliche Perspektive durchaus nachvollziehbar. Ich konnte mich allerdings überhaupt nicht mit dem Hauptcharakter anfreunden oder identifizieren, was es mir erschwert hat, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Da es zu dieser Geschichte noch weitere Episoden gibt, kann ich mir vorstellen, das dieser erste Teil, einfach ein schwacher Start war und es beim nächsten Mal viel spannender und unterhaltsamer weitergeht. Das Potenzial dazu ist ohne Zweifel vorhanden.

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Veröffentlicht am 25.02.2024

Schwierig

Not Your Business, Babe!
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Hier wird eine kritische Perspektive auf die Geschlechterungleichheit in der Arbeitswelt thematisiert. Die Stärke des Buches liegt meiner Meinung in seiner Ehrlichkeit und dem persönlichen Erfahrungsaustausch ...

Hier wird eine kritische Perspektive auf die Geschlechterungleichheit in der Arbeitswelt thematisiert. Die Stärke des Buches liegt meiner Meinung in seiner Ehrlichkeit und dem persönlichen Erfahrungsaustausch der Autorin. Sie vermittelt nicht nur ihre eigenen Erfahrungen, sondern ruft auch zur Solidarität zwischen Frauen auf und betont die Bedeutung, anderen Frauen zu helfen und eine unterstützende Gemeinschaft aufzubauen, insbesondere in einer patriarchalen Gesellschaft. Sie beschreibt die Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert sind, sowie die komplexen Dynamiken, die Selbstbewusstsein und Empowerment beeinflussen. Als störend empfinde ich den Schreibstil, der durch die häufige Verwendung von englischen Formulierungen und der zum Teil aggressiv wirkenden Umgangssprache, mich vom Zugang zu den Aussagen des Inhalts abgelenkt haben.

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