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Veröffentlicht am 03.11.2017

Wo ist Bonnie?

Untiefen (Ein Nora-Watts-Thriller 1)
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Da ich Kanada, British Columbia und Vancouver liebe, musste ich dieses Buch unbedingt haben. Worum geht es?
Nora Watts ist Privatdetektivin. Sie soll dem Ehepaar Walsh helfen, ihre Tochter Bonnie wiederzufinden. ...

Da ich Kanada, British Columbia und Vancouver liebe, musste ich dieses Buch unbedingt haben. Worum geht es?
Nora Watts ist Privatdetektivin. Sie soll dem Ehepaar Walsh helfen, ihre Tochter Bonnie wiederzufinden. Wie sich herausstellt, handelt es sich um Noras eigene Tochter, die sie vor 15 Jahren zur Adoption frei gegeben hatte.
Als Bonnie davon erfuhr, ist sie weggelaufen, um ihren richtigen Vater zu suchen. Dabei wurde sie in eine Falle gelockt und entführt.
Nora wurde einst brutal vergewaltigt und im Wald entsorgt. Doch Mike Starling hatte sie noch rechtzeitig gefunden. Nun liegt der Reporter ermordet in seiner Badewanne. Denn die Täter beseitigen Mitwisser und haben auch Nora bereits im Visier.
Macht, Lügen und Vergeltung, aber auch das Bergbauwesen sowie Immigranten aus Asien und Korruption, das sind die Zutaten für das Debüt von Sheena Kamal. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Nora.
Nora hat indianische Wurzeln. Sie ist eine Frau mit einer dunklen Vergangenheit, eine ehemalige Sängerin und trockene Alkoholikerin. Sie lebt im Keller eines schwulen Pärchens in Vancouver und hat eine streunende Hündin „adoptiert“.
Mit Nora konnte ich mich nicht identifizieren, ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Schade, war doch die Leseprobe so vielversprechend. Und dann ist da auch noch Brazuca, genannt Bazooka, ihr erster Sponsor bei den Anonymen Alkoholikern.
Letztlich mündet die Geschichte in einen blutigen Showdown. Leider bleiben am Ende viele Fragen offen.

Fazit: Der erste Fall für Privatdetektivin Nora Watts, der für meinen Geschmack etwas spannender hätte sein können.

Veröffentlicht am 21.10.2017

Niemals wieder sehen?

Niemals
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„Niemals“ ist die Fortsetzung von „Endgültig“ mit der blinden Polizistin Jenny Aaron. Die Geschichte führt uns zehn Jahre zurück in die Vergangenheit nach Rom. Jenny gerät zusammen mit dem Informanten ...


„Niemals“ ist die Fortsetzung von „Endgültig“ mit der blinden Polizistin Jenny Aaron. Die Geschichte führt uns zehn Jahre zurück in die Vergangenheit nach Rom. Jenny gerät zusammen mit dem Informanten Leon Keyes (nomen est omen) in einen Hinterhalt. Wird es ihr gelingen zu entkommen?
Heute: Seit einem misslungenen Einsatz in Barcelona vor fünf Jahren ist Jenny blind. Nichtsdestotrotz ist sie Mitglied einer international operierenden Elitetruppe der Polizei. Jenny erfährt, dass sie von ihrem alten Feind Ludger Holm zwei Milliarden Dollar geerbt hat. Allerdings muss sie dafür nach Marrakesch reisen…
„Endgültig“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen. „Niemals“ stand deshalb schon lange auf meiner Wunschliste. Action und Gewalt sind die Eckpfeiler in Andreas Pflügers zweitem Band um die blinde Heldin Jenny Aaron. Jenny folgt noch immer dem Bushidō, dem Weg des Kriegers. Außerdem raucht sie noch immer zu viel. Ab und zu finden sich Bezüge zum Vorgänger, erscheinen alte Bekannte.
Andreas Pflüger hat seinen neuen Thriller wieder packend und actionreich in Szene gesetzt. Es geht um Geld und Macht. Eine Geschichte mit vielen Wendungen und einem intensiven Spannungsbogen. Nichts ist wie es scheint. Die Vergangenheit wirft lange Schatten, die der Autor gründlich ausleuchtet. Erst ganz am Ende schließt sich dann der Kreis und mündet in ein Inferno aus Tod und Tränen.
Aber es gibt auch Hoffnung. Eine Therapie und vielleicht ein neues Leben?

Fazit: Band 2 der spannenden Thriller-Trilogie um eine ungewöhnliche Heldin.

Veröffentlicht am 11.10.2017

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Das Vermächtnis der Spione
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John le Carrés neuer Roman „Das Vermächtnis der Spione“ knüpft an die Handlung seiner Erfolge „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ an. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht ...


John le Carrés neuer Roman „Das Vermächtnis der Spione“ knüpft an die Handlung seiner Erfolge „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ an. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht der berühmte britische Agent George Smiley, sondern sein ehemaliger Assistent Peter Guillam. Worum geht es?
Guillam, halb Engländer, halb Franzose, der seinen Ruhestand auf einem alten Bauernhof in der Bretagne genießt, wird nach London zitiert. Es geht um seine damalige Rolle in der Operation WINDFALL, die mitten im Kalten Krieg gegen die STASI geführt wurde und 1961 mit dem Tod des britischen Top-Spions Alec Leamas und seiner Freundin Liz Gold endete.
Die Kinder der Spione drohen nun, die Regierung zu verklagen. Warum mussten die beiden Agenten an der Berliner Mauer sterben? Zitat: „Da George nicht verfügbar ist, haben sie mich [Guillam] in der Rolle des Bösewichts besetzt.“ Oder soll Guillam den Sündenbock geben? Guillam muss sich auch damit auseinandersetzen, wie er selbst eine Frau verriet, die er liebte.
Gekonnt verbindet John le Carré, in „Das Vermächtnis der Spione“ Vergangenheit und Gegenwart zu einem spannenden Plot über die dunklen Seiten der Geheimdienste. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Guillam. Ab und zu werden aber auch Briefe und Berichte aus jener Zeit eingestreut.
Das Verhör ist interessant und informativ, keine Frage. Aber das Lesen der Protokolle ist durch die vielen Decknamen und Abkürzungen anstrengend und ermüdend. Das geht ein bisschen zu Lasten der Spannung. Am Ende ist Guillam auf der Flucht: Zitat: „Wenn die Wahrheit dich einholt, sei kein Held, lauf weg.“ Doch Guillam entschließt sich stattdessen, Smiley aufzuspüren...
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern, erscheinen alte Bekannte. Über das Wiedersehen mit Smiley & Co. habe ich mich sehr gefreut. Denn „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ gehören für mich zu den besten Spionageromanen, die ich je gelesen habe.

Fazit: Das große Finale der George Smiley-Serie, spannend und faszinierend zugleich.

Veröffentlicht am 07.10.2017

Abgründig und packend zugleich

Die Farm
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„Die Farm“ von V.S. Gerling ist bereits der 4. Fall für das Ermittlerpaar Nicolas Eichborn und Helen Wagner. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne ...


„Die Farm“ von V.S. Gerling ist bereits der 4. Fall für das Ermittlerpaar Nicolas Eichborn und Helen Wagner. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Gleich mehrere spannende Handlungsstränge, häufig in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nicolas erzählt, gilt es zu verfolgen:
Nicht nur in Deutschland verschwinden Ehepaare. Es gibt keine Lösegeldforderungen, keine Leichen. Allen Fällen gemeinsam: die Paare sind jung und kinderlos.
In Deutschland werden zudem mehrere Geldtransporter überfallen. Günther Maria Helmes vom Amt für innere Sicherheit entdeckt eine Verbindung. Nicolas und Helen ermitteln…
Last but not least bekommt Nicolas Stress aus den eigenen Reihen. Kriminalrat Gunkel intrigiert und setzt ausgerechnet den ehemaligen Generalstaatsanwalt Stoll auf ihn an.
Es geht um Organisierte Kriminalität, Menschenhandel und Korruption - und um ein furchtbares Verbrechen. Die Spuren führen in die höchsten politischen Kreise - und in tiefste menschliche Abgründe.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Über das Wiedersehen mit Helen, Nicolas, Frettchen Helmes und Aspie Patrick Ebel habe ich mich sehr gefreut. Denn sie sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Aber auch Nicolas‘ alte Feinde Stoll und Semjonow sind wieder mit dabei.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die ersten Bände (noch) nicht kennen. Gefallen haben mir auch wieder die witzigen Dialoge: „Ich brauche ihn lebend.“ „Gatzke (Präsident des BKA) oder den Killer?“ […] „Den Killer.“

Fazit: Eine skurrile, abgedrehte Geschichte mit ernstem Hintergrund, die aber nicht an die Klasse der ersten Bände heranreicht.

Veröffentlicht am 18.09.2017

Sieben Leichen. Sieben historische Stätten. Siebenhundert Seiten.

Die Gärten von Istanbul
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Byzantion war der erste Name Istanbuls. Eine Stadt, in der Geschichte geschrieben wurde, die dem Römischen, dem Byzantinischen und dem Osmanischen Reich als Hauptstadt diente.
Kaum einer kennt sie so gut ...

Byzantion war der erste Name Istanbuls. Eine Stadt, in der Geschichte geschrieben wurde, die dem Römischen, dem Byzantinischen und dem Osmanischen Reich als Hauptstadt diente.
Kaum einer kennt sie so gut wie Nevzat, Oberinspektor des Morddezernats. Das erste Opfer ist ein Professor für Kunstgeschichte. Weitere Leichen werden aufgefunden. Alle an historischen Stätten mit einer antiken Münze in den Händen. Wo liegt das Motiv?
„Die Gärten von Istanbul“ ist nicht einfach nur Krimi, sondern vor allem psychologisches Drama. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nevzat. Ab und zu werden aber auch Abschnitte in Kursivschrift eingestreut, die über die Geschichte der Stadt berichten.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Nevzat kommt sympathisch rüber. Frau und Tochter wurden ebenfalls Opfer eines Verbrechens. Und so leidet der Leser mit ihm mit.
Ahmet Ümit besitzt eine ruhige, unaufgeregte Sprache. Die Spannung ist nicht immer hoch. 200 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan. Die Geschichte nimmt viele überraschende, dramatische und auch brutale Wendungen, bis zum tragischen Ende.

Fazit: Ein guter Krimi, ein großes Drama. Lesenswert!