Unglaubwürdig
HEN NA E - Seltsame BilderIn meiner Kindheit hatten wir einen Nachbarn, der konnte Dinge verschwinden lassen, indem er sie in die Luft warf. Ich habe geschaut und geschaut, wohin diese sich verflüchtigt hatten, konnte das Rätsel ...
In meiner Kindheit hatten wir einen Nachbarn, der konnte Dinge verschwinden lassen, indem er sie in die Luft warf. Ich habe geschaut und geschaut, wohin diese sich verflüchtigt hatten, konnte das Rätsel aber nicht lösen (ich war damals eben noch sehr klein).
Wenn mir heute allerdings jemand etwas verkaufen will, das so haarsträubend ist, wie die soeben gelesene Geschichte, dann falle ich nicht mehr darauf herein, sondern rolle höchstens mit den Augen.
In Japan wurde einst bekanntermaßen das Tamagotchi erfunden, jenes elektronische Wesen, das man nur am Leben erhalten konnte, indem man sich rund um die Uhr um es kümmerte. Da war ich glücklicherweise schon aus dem Alter heraus, in dem man solche Moden vielleicht noch mitmacht.
Der japanische Autor Uketsu (ein Name, der sich aus den Zeichen für Regen und Loch zusammensetzt, also ein Regenloch?) hat nun in Japan einen neuen Trend losgetreten, indem er rätselhafte Geschichten mit Krimi- und Horrorelementen schreibt, bei denen auch Bilder eine Rolle spielen. Es dauert eine Weile, bis man versteht, wie die einzelnen Kapitel und ihre Personen zusammenhängen, aber nach und nach kommt man hinter das Geheimnis bzw. bekommt die Erklärungen vom Autor direkt geliefert. Diese Erklärungen sind so abstrus, dass ich mich wundere, wie solch ein Krimi in Deutschland funktionieren kann, wo es doch bei dem sonntäglichen Tatort stets eine regelrechten Shitstorm gibt, wenn dieser ins Phantastische oder Experimentelle abdriftet.
Ich habe mich z.T. wie in einem Manga oder Superhelden-Film gefühlt. Die Personen agieren völlig unrealistisch (so tötet ein 11jähriges Mädchen seine Mutter, indem es sie niedertritt und ihr mit aller Kraft auf ihren Bauch springt) und es gab zahlreiche weitere Stellen, die ich hier leider nicht verraten kann.
Dass der Autor in der Öffentlichkeit eine weiße Maske und einen schwarzen Ganzkörperanzug trägt, wird den Hype um seine Bücher sicherlich noch befeuern, obwohl ich ihm - zumindest als Buchautor und Zeichner - kein großes Talent zuspreche. Verglichen damit ist Banksy, dessen wahre Identität ja ebenfalls nicht bekannt ist, ein echtes Genie!
Die Sprache des Buches ist schlicht und an manchen Stellen hatte ich das Gefühl, als würde bei der Übersetzung bereits KI eingesetzt. Die Übersetzerin Heike Patzschke hat ein weiteres Buch übersetzt, das ich seinerzeit ebenfalls mit nur 2 Sternen bewertet habe. Das muss nicht an der Übersetzerin liegen, allerdings würde ich Ausdrücke wie "mit grün und blau geschlagenen Händen" gerne im Original sehen, um mir einen Reim darauf machen zu können, wie das in der Praxis funktionieren soll.
Ich war tatsächlich neugierig auf das Buch und habe dem Autor zu Beginn noch so einiges durchgehen lassen, aber je weiter die Geschichte fortschritt, umso weniger hatte ich Lust, überhaupt weiterzulesen und das Ende fand ich so merkwürdig wie den ganzen Rest.