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Veröffentlicht am 07.08.2024

Mutterglück?

Glück
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Für Marie-Claire wird es langsam eng mit dem Kinderkriegen, die biologische Uhr tickt, oder ist das nur der gesellschaftliche Druck, den sie sich angeeignet hat? Auch in Anahitas Leben würde mindestens ...

Für Marie-Claire wird es langsam eng mit dem Kinderkriegen, die biologische Uhr tickt, oder ist das nur der gesellschaftliche Druck, den sie sich angeeignet hat? Auch in Anahitas Leben würde mindestens ein Kind passen, das gehört doch dazu zu einer Politikerin, die sich Familie ganz oben auf die Agenda geschrieben hat; nur fehlt ihr dafür nicht nur der Mann, sondern vor allem die Zeit.
„Glück“ von Jackie Thomae beleuchtet die Leben beider Frauen, die ähnlich damit umgehen. Sie nehmen ein neues Präparat, das ihnen ein wenig mehr Zeit schenkt für das übergroße Thema Mutterschaft. Der Roman taucht in die jeweiligen Familien ein. Da ist MCs Schwester Rebekka, die immer in ihrem Schatten stand; da ist Anahitas Schwägerin, die erst beim dritten Kind richtig in die Mutterrolle fand, und noch weitere Frauen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, doch Mutterglück spielt zumindest immer eine Rolle.
Es ist viel Input, manchmal überladen und kreist doch um dasselbe Thema: den Wunsch und den Druck Mutter zu werden. Mir persönlich war das etwas zu viel. Zu viel Sehnsucht nach Muttersein, gerade von den Protagonistinnen, denen ich zugetraut hätte, dass sie über diesem gesellschaftlichen Druck stehen. Viel wird erzählt, manches hat mich nicht interessiert oder war redundant und ich habe mich gefragt, wozu dieser Rundumschlag? Wozu zwei Frauen, die im Grunde dasselbe verfolgen, mit ähnlichem Weg, der vielleicht von außen betrachtet unterschiedlich endet, im Inneren der Figuren allerdings nicht.
Zwar wird auch angeschnitten, dass ein Leben ohne Kinder möglich ist, aber die Frage, ob das wirklich sinnvoll ist, scheint zu bleiben. Anahita und MC, beide glückliche Singles mit erfülltem Leben, wollen ein Kind, wollen sich zumindest die Möglichkeit offen halten.
Tatsächlich scheint die Botschaft des Romans an mir vorbeigehüpft zu sein, denn ich nehme eher daraus mit, das Kinder in irgendeine Weise dazu gehören, obwohl ich glaube, dass es genau andersherum gemeint ist. Richtig abgeholt hat es mich also nicht.

Veröffentlicht am 16.05.2024

Leider kein Erfolg

Das Gegenteil von Erfolg
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Es ist ein wichtiger Tag für Lorrie. Die zweifache Mutter hat morgens ein Gespräch wegen einer Beförderung und abends ein großes Event, das ihr berufliches Baby ist. Ihre beste Freundin Alex, die daran ...

Es ist ein wichtiger Tag für Lorrie. Die zweifache Mutter hat morgens ein Gespräch wegen einer Beförderung und abends ein großes Event, das ihr berufliches Baby ist. Ihre beste Freundin Alex, die daran zwar auch teilnehmen will, hat momentan aber anderes im Sinn. Sie ist zwischen Lorries Ex und seine Frau Zoe geraten und weiß nicht, wie sie mit ihren Gefühlen zu Zoe umgehen soll.
„Das Gegenteil von Erfolg“ ist Eleanor Elliott Thomas’ Debüt und das merkt man leider auch. Richtig abholen konnte es mich nicht. Alle Figuren, besonders Lorrie sind absolut überspitzt dargestellt und immer wenn ich dachte, ich könnte irgendwie relaten, wurde es wieder übertrieben. Zudem wirkt es so als habe Eleanor Elliot Thomas versucht alles in den Roman zu packen, was ihr im Kopf umging: Liebe, Feminismus, Umweltschutz, Kapitalismus, Betrug, Essstörung. Das führt dazu, dass an allem nur vorbeigehuscht wird.
Eigentlich spielt das Buch an einem Tag, doch mit den unzählige, teilweise sehr weit ausholenden Rückblenden, die mich immer wieder aus der Geschichte gerissen haben, wurde versucht alles zu erklären. Vieles ist sehr stark ausgeschmückt und toterzählt. ‚Kill your Darlings’ ist mir nicht nur einmal in den Sinn gekommen. Und als Kirsche auf der Sahne fühle ich mich als Leserin an der Nase herumgeführt, denn in einer Rückblende wird etwas erzählt, was sich beim großen Finale als ganz anders darstellt. Ich meine zu verstehen, warum das gemacht wurde, aber es war unnötig. Diese Information zu einem früheren Zeitpunkt hätte nichts am Spannungsbogen geändert.
Trotzdem habe ich das Buch zu Ende gelesen, oft quer, aber immerhin, weil es Lichtblicke hatte, die mich auflachen ließen, und ich kann mir den Roman gut als Film oder Miniserie vorstellen.

Veröffentlicht am 10.03.2024

Kommt nicht an die Vorgänger ran

Gestehe
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Jacket liebt das Rampenlicht und weil er vor vier Jahren durch die Blutnacht, in der er einen Organhändlerring im Alleingang ausgeschaltet und das letzte Opfer gerettet hat, zum Helden wurde, sonnt er ...

Jacket liebt das Rampenlicht und weil er vor vier Jahren durch die Blutnacht, in der er einen Organhändlerring im Alleingang ausgeschaltet und das letzte Opfer gerettet hat, zum Helden wurde, sonnt er sich bis heute in der Öffentlichkeit. Polizist ist er nur noch auf dem Papier bis er an einen Tatort stolpert, der ihm bekannt vorkommt - aus seinem Manuskript, welches eigentlich niemand kennt. Nun muss er nicht nur herausfinden, wer ihn in eine blutige Mordserie hineinziehen will, sondern auch noch seinen engagierten Kollegen Mo bremsen.
„Gestehe“ von Henri Faber hat mir am wenigstens von seinen drei Thrillern gefallen, wahrscheinlich, weil die anderen beiden mich wirklich sehr überzeugt habe. Auch hier ist der Plot durchdacht, es gibt Wendungen, falsche Spuren und Charaktere, die eine solide Entwicklung durchmachen. Doch es ist stellenweise, gerade am Anfang und am Ende langatmig. Sehr viele Informationen werden anfangs eingebracht, die später zwar wichtig werden, aber auch viel Raum einnehmen. Und dann geht es plötzlich Schlag auf Schlag, ein Showdown jagt den nächsten, bis zum großen Finale, welches ich ein bisschen übertrieben fand. Damit endet der Thriller aber nicht, sondern er plätschert noch ein wenig weiter und gibt die letzten Lösungen, allerdings sind diese für mich nicht absolut stimmig, zumindest was Mo angeht.
Gut hat mir gefallen, dass auch politische Themen wie der gegenwärtige Rassismus, speziell in Österreich thematisiert werden und wie PoC alltäglichen Anfeindungen ausgesetzt sind. Schade fand ich allerdings, dass das Wienerische nicht durch kam, immerhin spielt „Gestehe“ in Wien und Henri Faber ist gebürtiger Österreicher. Vielleicht hat er das aus Rücksicht auf die deutsche Leserschaft getan, aber ich mag solchen Lokalkolorit sehr und so hätte auch eine deutsche Stadt als Schauplatz dienen können.
Alles in allem war es spannend und ich habe es nicht zur Seite gelegt, doch an die anderen beiden Bücher kommt „Gestehe“ für mich nicht ran.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Leider nicht überzeugend

Die Probe
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Als der junge Xavier die Erzählerin, eine gefeierte Schauspielerin, anspricht, ahnt sich nicht, dass er ihr Leben ins Chaos schubsen wird. Er behauptet, er sei ihr Sohn, was unmöglich ist und doch trifft ...

Als der junge Xavier die Erzählerin, eine gefeierte Schauspielerin, anspricht, ahnt sich nicht, dass er ihr Leben ins Chaos schubsen wird. Er behauptet, er sei ihr Sohn, was unmöglich ist und doch trifft sie sich mit ihm und verheimlicht es sogar ihrem Mann Tomas, der sie dann im Restaurant erwischt.
So beginnt „Die Probe“ von Katie Kitamura und wer meint nach so einem chaotischen Anfang, geht es nicht schlimmer, der hat weit gefehlt. Zunächst hatte ich mich sehr auf den neuen Roman von Katie Kitamura gefreut, denn der Vorgänger „Intimitäten“ hat mir vor ein paar Jahren ausgesprochen gut gefallen, aber das schlug schnell um.
Zunächst stolperte ich über zahlreiche Formulierungen, die teilweise nicht durchdacht, teilweise hölzern wirkten, was ich allerdings auf die Übersetzung schiebe, denn „Intimitäten“ wurde von Kathrin Razum übersetzt, „Die Probe“ von Henning Ahrens (und erneut stellt sich mir die Frage: Wieso muss ein Mann eine Autorin übersetzen?)
Trotzdem habe ich weitergelesen, denn ich war auch neugierig: wie geht es mit der Erzählerin, dem angeblichen Sohn und Tomas weiter? Erst lief es in geregelten Bahnen, aber dann kam Teil zwei und meine Verwirrung wurde übermächtig. Plötzlich ist Xavier tatsächlich der Sohn und zieht sogar bei der Erzählerin und Tomas ein. Und als ich mich gerade damit abgefunden hatte, stellt sich heraus, dass die Erzählerin absolut unzuverlässig ist. Normalerweise macht mir das nichts aus. Im Gegenteil: ich finde es spannend. Hier hat es mich gestört. Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, warum Xavier jetzt doch der Sohn ist. Und dann hat Tomas sich komplett anders verhalten als zu Anfang. Alles brach irgendwie auseinander.
Wahrscheinlich ist genau das gewollt, eine unzuverlässige Erzählerin, die eine Welt erschafft, die uneindeutig bleibt. Aber ich hatte das Gefühl, es ist nicht richtig durchdacht und zum Schluss wurde noch eine ganz neue Figur eingeführt, die wohl der Auslöser für das Ende sein soll. Die angepriesene Spannung basierte nur auf der herrschenden Verwirrung und die Auflösung des Ganzen habe ich so nicht in der Geschichte wahrgenommen.
Nun würde ich unter Umständen den Roman noch mal lesen, um zu schauen, ob ich diese Auflösung darin wiederfinde, doch dafür konnte es mich sprachlich nicht genug überzeugen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Leider nicht meins

Onigiri
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Aki möchte mit ihrer Mutter, die an Demenz erkrankt ist, nach Japan reisen.
So steht es im Klappentext von Onigiri von Yoku Kuhn. Da ich nur bis Seite 71 gekommen bin und dann etwas entnervt abgebrochen ...

Aki möchte mit ihrer Mutter, die an Demenz erkrankt ist, nach Japan reisen.
So steht es im Klappentext von Onigiri von Yoku Kuhn. Da ich nur bis Seite 71 gekommen bin und dann etwas entnervt abgebrochen haben, kann ich nicht sagen, wie die Reise verlaufen ist. Bis dahin war es eine schier endlose Aneinanderreihung von Erinnerungen und Beobachtungen von Aki, die meist völlig unzusammenhängend wirkten und die Reise hat noch nicht begonnen. Dies scheint auch der rote Faden zu sein, nur leider nicht eingebettet in einen Plot, der durchaus gegeben wäre, nämlich die Reise nach Japan, in die Vergangenheit der Mutter. Zunächst geht es nur um Aki und wie sie ihre Kindheit in Deutschland verbracht hat. Mal bei ihrer alleinerziehenden Mutter, mal bei ihren deutschen Großeltern. Irgendwann kommen auch Vater und Bruder vor, aber alles sprunghaft, oft gegenüberstellend, à la arm gegen wohlhabend. Gerade dieses hin und her Gehopse, fand ich sehr anstrengend und es hat mich nicht in die Geschichte finden lassen, sondern dazu verführt Passagen schon früh querzulesen.
Mit diesen 71 Seiten habe ich mehr als ein Drittel gelesen und da sollte, meiner Meinung nach, schon mehr passiert sein. Ich verstehe, dass man ein Setting entwerfen und eine Atmosphäre schaffen möchte, aber das kann man durchaus im Voranschreiten der Geschichte, aber vielleicht habe ich auch das Konzept des Romans nicht verstanden, oder es war einfach nicht meins.
Mich sprechen durchaus unaufgeregte Romane an, dann muss es aber sprachlich, also stilistisch abliefern. Doch auch hier hat es mich nicht beeindruckt. Es wirkt wie ein nüchterner, sehr detailreicher Bericht, der keine Emotionen bei mir weckte.
Ich finde es schade, dass der Roman mich nicht abholen konnte. Vielleicht habe ich auch was anderes erwartet. Als Migrantenkind spiegelt es in mancherlei Hinsicht meine eigenen Erinnerungen und Erfahrungen wider; Japan und dessen Literatur habe ich in den letzten Jahren liebe gelernt, aber „Onigiri“ hat mich leider enttäuscht.