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Veröffentlicht am 24.03.2024

Was ich schon immer sagen wollte

Ein falsches Wort
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Das Cover läßt farblich an einen Sommertag auf dem Lande denken - eine Person sitzt abseits, es drängen sich Vermutungen auf. Sommerlich-leichte Wohlfühllektüre wird das Buch nicht werden, das kann man ...

Das Cover läßt farblich an einen Sommertag auf dem Lande denken - eine Person sitzt abseits, es drängen sich Vermutungen auf. Sommerlich-leichte Wohlfühllektüre wird das Buch nicht werden, das kann man dem Klappentext entnehmen.

Diese Familie ist eindeutig in zwei Lager geteilt. Zum einen die Eltern mit den beiden jüngeren Töchtern Astrid und Åsa und auf der anderen Seite die Tochter Bergljot und Sohn Bård. Die Eltern hatten ihre beiden Ferienhütten kürzlich den jüngeren Schwestern überschrieben. Es wurde festgelegt, daß die beiden älteren Kinder eine Ausgleichszahlung erhalten sollten. Diese fiel allerdings vergleichsweise gering aus. Über diese Ungerechtigkeit entbrennt aktuell und oberflächlich betrachtet ein weiterer Familienzwist. Astrid informiert jetzt ihre Schwester Bergljot, daß die Mutter einen Suizidversuch unternommen hat. Bergljot hat den Kontakt zu den Eltern schon vor langer Zeit abgebrochen, und zwar als sie über den Mißbrauch durch den Vater erzählte und es niemand hören wollte. Sie hat in diesem Zusammenhang ein Trauma, das sie bis heute verfolgt. Mittlerweile hat sie selbst erwachsene Kinder und Enkel. Auch Bård bekam die negative Seite des Vaters in Form von Prügeln zu spüren. Die beiden jüngeren Geschwister sehen die Eltern mit ganz anderen Augen. Deshalb sind sie offensichtlich auch nicht verwundert, als ihnen die beiden Ferienhäuser überschrieben werden und Bergljot und Bård eine Abfindung bekommen sollen. Allerdings und das ist der nach außen größte Streitpunkt - zum Marktwert. Die Mutter hatte einen Geliebten, kehrte aber schlußendlich zum Vater zurück, wurde von ihm gnädigerweise wieder aufgenommen, dafür bekam aber seine Gewalt und Wut zu spüren. Die Mutter selbst ist stärker als alle denken und eine „gute Schauspielerin“. Mein Eindruck war, daß sie gerne im Mittelpunkt stand und auch den mißlungenen Suizidversuch genau geplant hat. Sympathie konnte ich für sie nicht aufbringen, denn sie hatte es versäumt, Bergljot ernst zu nehmen und in ihrer Not zu unterstützen.

Als Leser bemerkt man sofort, daß in dieser Familie nichts stimmt. Der Schreibstil und die Geschichte sind nicht einfach zu lesen, denn sie sind eindringlich, bedrückend, dramatisch, beklemmend und emotional. Obwohl mir die Figuren alle sehr distanziert blieben, kam für mich ein Lesesog auf. Von familiärer Harmonie war hier nichts zu spüren.

Ich kann das Buch auf alle Fälle empfehlen!

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Veröffentlicht am 15.03.2024

Gespenster der Vergangenheit

Das Schweigen des Wassers
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1991 und Hauptkommissar Arno Groth wird als Aufbauhelfer Ost zurück in die alte Heimat geschickt, um an der Polizeischule Pasewald zu unterrichten. Eine nicht ganz freiwillige Versetzung, aber es soll ...

1991 und Hauptkommissar Arno Groth wird als Aufbauhelfer Ost zurück in die alte Heimat geschickt, um an der Polizeischule Pasewald zu unterrichten. Eine nicht ganz freiwillige Versetzung, aber es soll ein Karriere-Sprungbrett für ihn sein. Dort bekommt er Besuch von Siegmar (genannt Siegen) Eck, der etwas heruntergekommen aussieht und erklärt, daß jemand von früher hinter ihm her ist und sein Leben will. Als Nächstes sieht Groth ihn als Leiche im Wasser am Bootsanleger des Sees wieder. Die Mordermittlungen beginnen, aber Groth merkt, daß er mit seiner Hamburger Autonummer von allen als Wessi wahrgenommen wird und er nicht in der Gemeinschaft aufgenommen wird. Vor allem Kollege Gerstacker und er eruieren die Hintergründe jeweils im Alleingang, von Teamarbeit anfangs keine Spur. Da der Tote in der Nähe des Restaurants „Erholung“ gefunden wurde, werden die Angestellten vernommen, ebenso wird Kontakt mit dem Vater von Eck aufgenommen. Plötzlich verdichten sich die Informationen auf einen alten Fall, das Blatt scheint sich zu wenden und aus Groth und Gerstacker wird doch noch ein Team.


Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und für mich hat die Autorin einen sehr spannend konstruierten Plot daraus gemacht. Der Schreibstil ließ sich flüssig lesen. Mich hat es von der ersten Seite an gepackt und es wurde ein echter Pageturner daraus. Die Figuren wurden detailliert charakterisiert. Die Atmosphäre von früher, die Wende und was aus den Personen geworden ist wurde hervorragend und authentisch beschrieben. Das Ende läßt auf eine Fortsetzung hoffen.

Von mir erhält dieser Krimi auf jeden Fall eine Leseempfehlung und ich würde gerne mehr von der Autorin lesen!

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Ein echter Pageturner

Zorn – Schwarze Tage
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Zorn ist paralysiert, denn vor seinen Augen wurde seine Freundin, Staatsanwältin Frieda Borck, von einem alkoholisierten Medizinstudenten brutal überfahren. Fahrer war der Halbjordanier Tarek Macha, eir ...

Zorn ist paralysiert, denn vor seinen Augen wurde seine Freundin, Staatsanwältin Frieda Borck, von einem alkoholisierten Medizinstudenten brutal überfahren. Fahrer war der Halbjordanier Tarek Macha, eir hat überlebt und liegt im Krankenhaus. Bei den Unfallermittlungen übernimmt plötzlich das BKA mit Polizeioberrat Gursky. Zorn und Schröder sehen sich in einer Nebenrolle und fühlen sich ausgebootet. Dann häufen sich die Ungereimtheiten und offenen Fragen, Zorn und Schröder sind zwar beide in ihrer Trauer um Frieda gefangen, forschen aber auf ihre eigene Art weiter.


Dieser Band war für mich wieder ein Highlight. Der Autor kann einfach spannend, unterhaltsam und fesselnd schreiben, das hat er mit diesem Fall wieder unter Beweis gestellt. Bei Zorn und Schröder habe ich immer die Schauspieler vor Augen und mit ihnen tauche ich dann in die Geschichte ein. Ich konnte diese unendliche Trauer von Zorn sehr gut nachvollziehen und auch das Urvertrauen, das die beiden Ermittler zu einander haben. Bei manchen Szenen erinnern sie an ein altes Ehepaar, sie verstehen sich ohne viele Worte, fühlen mit dem anderen, respektieren sich als Partner und sie können auch miteinander lachen. Sie lassen sich auch von Gursky nicht unterbuttern, sondern gehen ihren eigenen Weg. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

An dieser Stelle muß ich unbedingt noch anmerken, daß das Nachwort des Autors auf jeden Fall gelesen werden sollte. Er hat hier sehr sympathisch und auch mit einem Augenzwinkern über seine Arbeit erzählt.

Das Cover paßt wieder in die Reihe, das freut jeden Buchliebhaber und -sammler.

Dieser Thriller war für mich ein wahrer Pageturner, den ich sehr gerne weiter empfehle!

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Packender Plot

Mörderfinder – Stimme der Angst
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Auf der Beerdigung seines Mentors Prof. Bormann trifft Max Bischoff auf eine Doppelgängerin seiner ermordeten Freundin Jenny. Sie gleicht ihr nicht nur im Äußeren, sondern auch ihre Gesten erinnern ihn ...

Auf der Beerdigung seines Mentors Prof. Bormann trifft Max Bischoff auf eine Doppelgängerin seiner ermordeten Freundin Jenny. Sie gleicht ihr nicht nur im Äußeren, sondern auch ihre Gesten erinnern ihn augenblicklich an sie. Das reißt alte Wunden bei ihm auf, denn Max fühlt sich schuldig an deren Tod. Die Unbekannte stellt sich als Dominique Klauber vor und die beiden sind sich gleich sympathisch. Allerdings hat Dominique einen eifersüchtigen und gewalttätigen Freund. Als sie von ihm zusammengeschlagen wird, ruft Dominique in ihrer Verzweiflung und Angst bei Max an und bittet ihn um Beistand. Zeitgleich verschwinden zwei Personen im direkten, persönlichen Umfeld von Max. Als Helfer in der Not erinnert sich Max an Dr. Marvin Wagner, Psychologe, Schriftenexperte und der Paradiesvogel vom letzten Fall und ihn bittet er um Unterstützung. Werden sie es schaffen, die Verschwundenen zu finden? Und kann Max Dominique dauerhaft helfen und wie wird es mit der Doppelgängerin weitergehen?


Ich bin seit dem ersten Band ein Fan dieser Reihe. Positiv finde ich, daß der Verlag, beim Cover dem einmal gewählten Stil treu geblieben ist. Arno Strobel schreibt hier ab Seite 1 bis zum Ende rasant und fesselnd, so daß man definitiv durchs Buch fliegt. Der Plot war gut konstruiert, wobei man als Krimileser manches durchaus erahnen konnte. Die bekannten Figuren werden weiter entwickelt. Max und Kriminalrätin Eslem Keskin werden wohl nie Freunde werden. Der sympathische Marvin beteiligt sich wieder aktiv und das gefiel mir sehr gut. Vor allem seine treffenden Sätze lockern die harte Ermittlungsarbeit etwas auf. Die vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit verbindet Marvin und Max jetzt so, daß sie es endlich schaffen, sich zu duzen. Max begibt sich persönlich auch in größte Gefahr, erkennt endlich seine wahre Liebe und am Ende gibt es grundlegende Veränderungen in der ganzen Konstellation, so daß man als Leser jetzt schon gespannt sein darf, was der Autor als nächstes plant.

Auch dieser vierte Fall bekommt von mir eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.02.2024

Wieder ein spannender Fall auf Rügen

Wintermord
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Im Jasmund wird eine männliche Leiche an einem Baum gelehnt gefunden. Offensichtlich wurde er von hinten mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen. Es handelt sich um den 20jährigen Studenten Benjamin Koller. ...

Im Jasmund wird eine männliche Leiche an einem Baum gelehnt gefunden. Offensichtlich wurde er von hinten mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen. Es handelt sich um den 20jährigen Studenten Benjamin Koller. Die Familie wurde im letzten Jahr wahrlich gebeutelt. Erst starb die Mutter bei einem Autounfall, der Vater beging daraufhin Suizid und nun der Tod von Benjamin. Der 18jährige Bruder Jakob muß das alles verarbeiten und schafft dabei sogar noch ein 1er Abi.

Romy Beccare und ihre Kollegen steigen in die Ermittlungen ein. Wer tötete den jungen Mann? Was war das für ein Autounfall der Mutter? Eigentlich scheint alles klar und die Akten werden geschlossen. Aber in einem Cold Case findet Kollege Finn Maurer eine Zeugenaussage Kollers und ein Journalist spielt den Ermittlern Unterlagen zu. Diese Fakten werfen ein neues Licht auf die Vorfälle. Alles wird nochmal aufgerollt und nimmt damit plötzlich ganz andere Ausmaße an.



Ich lese die Regio-Krimis der Autorin sehr gerne. Sie schreibt flüssig, spannend, bildhaft und die Atmosphäre der Ostsee ist spürbar. Dieses Mal war mir der Fall zu schnell abgehandelt und ich hatte meine Zweifel, ob hier der wahre Täter gefunden wurde. Dann nach den neuen Informationen begann ein wahres Verwirrspiel, Fragen, Anschuldigungen, Ungeheuerlichkeiten und plötzlich Fragezeichen ohne Ende. Die Figuren von Jan und Romy samt ihrem Privatleben kennt man schon, sie wurden weiter ausgebaut. Sehr gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit der sympathischen Ruth Kranold und ihrer Mitbewohnerin Ina. Speziell der clevere Finn hat mit seinen Entdeckungen sehr viel ausgelöst und bewirkt, er gefiel mit sehr gut.

Wer die Krimis der Autorin bisher gerne gelesen hat, dem wird auch dieser Band wieder gefallen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und von mir gibt es eine Leseempfehlung.

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