Im Buch ,Vorstandssitzung im Paradies’ von Arto Paasilinna geht es um das altbekannte, vielmals klischeehaft behandelte Thema, dass ein Flugzeug über dem Meer abstürzt und die Geretteten auf einer einsamen ...
Im Buch ,Vorstandssitzung im Paradies’ von Arto Paasilinna geht es um das altbekannte, vielmals klischeehaft behandelte Thema, dass ein Flugzeug über dem Meer abstürzt und die Geretteten auf einer einsamen Insel ums Überleben kämpfen. Hier sind es vorrangig finnische Waldarbeiter und schwedische Hebammen, die sich aus dem indischen Ozean auf eine unbewohnte Insel retten,
Hinterkünftig und sarkastisch, mit klaren Worten dringt der Autor ins Innerste seiner Protagonisten ein. Er offenbart sowohl grundlegende zwischenmenschliche Bedürfnisse wie auch gesellschaftliche Abgründe. In der Wildnis wird geliebt, gelebt, gehasst wie auch in der zivilisierten Welt. Schnell treten Spannungen auf und der Wunsch nach Struktur und Regeln. Man organisiert sich den Umständen entsprechend.
In monatelanger körperlicher Schwerstarbeit wird eine Rettungsaktion vorbereitet. Sie gelingt. Doch will man überhaupt zurück vom mittlerweile gut eingeführten und behaglichen Inselsozialismus in die westliche Welt?
Die Richtung passt nicht mehr für jeden, was auch der Marsch mit dem Rettungsboot auf dem Cover genial zur Geltung bringt.
Gefesselt sowohl von der Handlung, als auch von dem klaren und treffsicheren Schreibstil, beginnt auch der Leser, sich den bohrenden Fragen Paasilinnas zu stellen.
Gesellschaftskritik, witzig und skurril verpackt, ein absolutes Muss.
Kommissar Chevalier entspannt im zweiten Teil der Chevalier-Krimis gerade mit Frau und Töchterchen an der Küste seiner neuen Heimat auf der Ile de Roc, als ihn ein brutaler Dreifachmord vor atemberaubender ...
Kommissar Chevalier entspannt im zweiten Teil der Chevalier-Krimis gerade mit Frau und Töchterchen an der Küste seiner neuen Heimat auf der Ile de Roc, als ihn ein brutaler Dreifachmord vor atemberaubender Kulisse in seiner Gegend ohne Vorwarnung aus dem Urlaub an seinen Arbeitsplatz zurückkatapultiert.
Das schöne Örtchen La Rochelle dient als Schauplatz grausamer, undurchsichtiger Morde.
Die Ermittlungen fordern Chevalier, doch mit seiner warmherzigen und kompetenten Art, einem engagierten und loyalen Team und ungewöhnlichen Wegen ermittelt er zielstrebig und konsequent.
Seine Querelen mit dem selten kooperativen und gerne quengelnden Vorgesetzten beleben die polizeiliche Ermittlungsarbeit immer wieder auf wohltuende, amüsante Weise, denn die diversen Verdächtigungen, diffusen Verbindungen bis hinein in den familiären Bereich und raffinierten Handlungswendungen fordern den Leser. Er befindet sich mit den Protagonisten auf gefährlichem französischem Pflaster.
Am Ende gibt es in dieser atemberaubenden Urlaubskulisse sogar noch einen Toten mehr und natürlich auch einen Täter, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hätte.
Spannung pur, auf glaubwürdiger Basis detail- und facettenreich erzählt! Ein sympathischer, gewiefter Ermittler mit einem sympathischen Team sowie einem familiären Rückzugsort vermitteln neben der kriminalistischen Handlung auch ein Gefühl von Wärme und Menschlichkeit.
Eine große Portion Lokalkolorit ermöglicht das Eintauchen in die französischen Schauplätze an der Atlantikküste und schürt definitiv riesige Lust auf den nächsten Frankreichurlaub wie auch auf einen nächsten Teil der Chevalier-Reihe.
Ein Krimi, in und mit dem man sich sehr wohl fühlt.
Der Roman „Die Wolkengucker“ von Kristina Fritz schenkt sein Interesse lauter grundverschiedenen, in sich gekehrten Menschen, von denen jeder sein eigenes Päckchen auf individuelle Weise trägt bzw. erträgt. ...
Der Roman „Die Wolkengucker“ von Kristina Fritz schenkt sein Interesse lauter grundverschiedenen, in sich gekehrten Menschen, von denen jeder sein eigenes Päckchen auf individuelle Weise trägt bzw. erträgt.
Wilma natürlich, die reiche Grande-Dame, die die Strippen zieht, ihre verstorbene Freundin Margarete und Ayla, die unscheinbare Putze und Haushälterin, die Wilma von Margarete sozusagen „geerbt“ hat. Der tieftraurige und unorganisierte Matt, der in der Trauer um seine verstorbene Frau manchmal seine kleine, nur schwarze Klamotten tragende Tochter Mia fast zu vergessen scheint, ein anfänglich fieser Nachbar und ein paar weitere Teilnehmer der Wolkengucker.
Auf Wunsch von Wilmas verstorbener Freundin Margarete treffen sie sich regelmäßig bei Wilma, einer wohlhabenden älteren Dame, um Wolken am Münchner Himmel zu beobachten und zu interpretieren.
Aufgrund der äußerst verschiedenen Charaktere der Protagonisten scheint dieses Unterfangen zuerst schier unmöglich. Doch allmählich entwickelt sich eine illustre Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Wünschen und Zielen.
Unterteilt ist das Buch in übersichtliche Kapitel, den einzelnen Protagonisten gewidmet und aus Erzählersicht verfasst.
Nur die Kapitel von Ayla sind in der Ich- Form geschrieben, sodass ich den Eindruck hatte, dass sie, die kleine Haushälterin mit dem gesunden Menschenverstand und dem Herz am rechten Fleck die eigentliche Erzählerin ist, da es nur Dank ihres Engagements gelingt, den bunten Haufen von Wolkenguckern zu einer Gemeinschaft zu formen.
Alle diese Menschen entwickeln und ändern sich in unterschiedlichem Tempo und treten in Beziehungen zueinander. Es entstehen Freundschaften und Verbindungen und, obwohl zum Ende hin alles ziemlich absehbar ist, tut es der angenehmen Atmosphäre dieses Romans keinen Abbruch.
Denn es gelingt der Autorin mit sanften und leisen Tönen, ohne jegliche Art der Reißerei , jeden einzelnen ihrer Hauptdarsteller lebendig zu gestalten und so wachsen zu lassen, dass der Leser mitunter das Gefühl hat, auf weichen, positiven Wolken zu schweben und immer weiter lesen zu wollen.
Der Sprachstil ist stets klar, flüssig und stimmungsvoll und unterstrichen wird die Grundstimmung aus Hoffnung und Aufbruch durch ein farblich schön , aber zurückhaltend gestaltetes Cover: Schlicht und einfach, aber mit einer bunten, fröhlichen Botschaft des Aufbruchs, da die kleine Mia hier nämlich bunt gekleidet ist.
Schade, dass auch dieses Buch irgendwann ein Ende hatte.
Dieser Roman von Siri Østli punktet schon vor dem Lesen durch die pure, skandinavisch angehauchte Aufmachung des Covers. Bereits der erste Anblick imponiert mit dunkelgrüner Grundfarbe, auf der man in ...
Dieser Roman von Siri Østli punktet schon vor dem Lesen durch die pure, skandinavisch angehauchte Aufmachung des Covers. Bereits der erste Anblick imponiert mit dunkelgrüner Grundfarbe, auf der man in unterschiedlich großen, verschieden grün- und rosafarbenen Kacheln gängige adventliche Motive findet. Dazwischen befindet sich der Titel des Buches "Adventskalender zum Glück" , gedruckt in der Form eines Weihnachtsbaumes.
Der Klappentext verspricht magische, adventliche Momente, nicht zu Unrecht, obwohl der Roman mit dem desaströsen Zustand der Protagonistin Fie und ihrem missglückten Leben beginnt.
Denn im herbstlichen Oslo, verlassen vom elitären Ehemann und Zahnarzt, abgelehnt vom versnobten Sohn, verfällt Fie ihrer Depression und ihren Beruhigungsmitteln und befindet sich unter Aufgabe ihrer Selbstachtung in einer Art komatösem Dämmerschlaf. Erst als sie Ihr Ex aus dem Haus in eine schäbige Wohnung katapultiert, erkennt sie ihre missliche Lage und begreift, dass sie ihr Leben radikal ändern und sich frei schwimmen muss. Dies erscheint anfangs nahezu ausweglos, vor allem, da Fie sich rundum von adventlicher Glückseligkeit umgeben und nur benachteiligt fühlt.
Den Anstoß zum „Glück“ gibt ihre Schwester, die zwar weiter weg wohnt, die kleine Schwester Fie jedoch in- und auswendig zu kennen scheint. Damit diese sich aus ihrer Lethargie erhebt und wieder aktiv wird, bekommt sie von der großen Schwester als eine Art Adventskalender (fast) jeden Tag im Advent eine lebensbejahende und lebenspraktische Aufgabe gestellt. Fie hält sich, anfangs noch recht missmutig, daran, stellt sich aber trotzdem den Tücken des Alltags, dem echten Leben und macht dabei neue, liebenswerte und ehrliche Bekanntschaften wie mit der wundervollen Lykke und ihrem Sohn Adam, den Nachbarn oder dem hilfsbereiten Peder.
Sie erkennt schnell, dass ihre alten Werte wie Perfektion, Geld und Wohlstand keine so große Rolle spielen müssen wie in ihrem Leben davor. Als Inhaberin eines Trödelladens findet sie neue Inspiration und Genugtuung. Sie lernt, sich selbst zu akzeptieren, bis dahin, sich zu mögen, zu verwöhnen oder auch verwöhnen zu lassen. Als Frau mittleren Alters kommt sie in einem neuen Leben an, in dem mit geheimnisvollen Trym auch eine neue Verliebtheit rasch Platz findet.
Fie lernt zu geben und zu nehmen und plötzlich ist das Glas nicht mehr halb leer, sondern halb voll und die Lebensfreude gewinnt die Oberhand.
Lediglich auf die Figur von Lilian, die Fies Eifersucht erwecken soll, könnte ich persönlich verzichten, da sie meiner Meinung nach nicht relevant ist.
Obwohl es auch um das Thema Depression und Selbstfindung geht, ist dieses Buch keineswegs ein Ratgeber, sondern eine authentische, herzerwärmende und spannende Geschichte, die den Leser in erfrischendem und flottem Schreibstil einlädt, an vielen greifbaren Emotionen teilzuhaben, mitzufühlen und durchaus spanndende und auch witzig-vergnügliche Lesestunden zu genießen. Man ist mittendrin in diesem heimeligen Weihnachtskosmos von Fie und Ihren Freunden, das Happy-End gibt es natürlich auch..
Warmherzig und mit Suchtpotential, ein Buch, das man unbedingt immer weiterlesen möchte und das durchaus auch noch länger hätte sein dürfen. Auch die kluge Einteilung in 44 schlüssige Kapitel und die darin liegenden Adventstage 2 bis 24 konnte mich kaum bremsen.
Da es sich um das erste ins Deutsche übersetzte Werk der Autorin handelt, scheint mir die präzise, feinfühlige Übersetzung besonders erwähnenswert und es bleibt zu hoffen, dass es bald mehr von Siri Østli auf deutsch zu lesen gibt.
Ein absoluter empfehlenswerter Wohlfühlroman, der es schafft, ohne Klischees und ohne Kitschfaktor in weihnachtliche Stimmung zu versetzen; geeignet für alle, die wohlige, emotionale Lesestunden in der adventlichen Zeit zu schätzen wissen.
Mit Mira Belgusto und die tote Winzerin‘ entführt uns die Autorin Angelika Lauriel ins malerische Veltlin, wo Reisejournalistin Mira im Frühjahr beruflich über kulinarische Köstlichkeiten berichtet.
Wegen ...
Mit Mira Belgusto und die tote Winzerin‘ entführt uns die Autorin Angelika Lauriel ins malerische Veltlin, wo Reisejournalistin Mira im Frühjahr beruflich über kulinarische Köstlichkeiten berichtet.
Wegen eines Hundes hat sie einen kleinen Unfall mit Claudio, einen Ex-TV-Moderstor, in Miras Augen eher Typ unsympathischer Promi und Schönling.
Da jedoch beide Mitleid mit dem kleinen, herrenlosen Hündchen haben, beschließen sie, ihn heim zu bringen. Dabei finde sie seine Besitzerin, die Winzerin Lucrezia, ermordet vor.
Schon stecken die mitten drin in einem Kriminalfall. Die Neugier ist geweckt und die beiden ermitteln, sehr gegen den Willen der ortsansässigen Carabinieri, auf eigene Faust. Die Hobby-Spürnasen decken etliche dörfliche und zwischenmenschliche Ungereimtheiten auf und kommen sich näher. Vorurteile werden abgebaut und es entwickelt sich Freundschaft. Claudio erweist sich neben Dulcinetta, dem Hündchen, das alles ausgelöst hat, als guter Begleiter und Berater in Sachen kulinarische Geheimtipps.
Trotz des etwas lauen Endes besticht die Geschichte sowohl durch einen angenehmen Sprachstil, der Lesende mitnimmt an wunderschöne Schauplätze, als auch durch interessante Protagonisten, in die mannshoch gut einfühlen kann.
Dazu regionale Genüsse, jede Menge Gusto und sogar Rezepte dazu, mir lief das Wasser im Munde zusammen!
Für mich auch ohne blutrünstigen Ermittlungseifer eine sehr gelungene Symbiose aus Krimi und Wohlfühlroman,