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Veröffentlicht am 14.09.2024

6 Tage auf der Hallig

Die Gräfin
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Die Hauptperson dieses Romans gab es tatsächlich, die Autorin hat sie hier in einer 6 Tage Szene zu Leben erweckt und Historie und Fiktion verwoben.

Die 80jährige Diana Gräfin von Reventlow-Criminil ...

Die Hauptperson dieses Romans gab es tatsächlich, die Autorin hat sie hier in einer 6 Tage Szene zu Leben erweckt und Historie und Fiktion verwoben.

Die 80jährige Diana Gräfin von Reventlow-Criminil lebt auf ihrer Hallig Südfall gemeinsam mit ihrem Hausmädchen Meta und dem Hausmeister Maschmann. Durch ihren aufmerksamen Hund findet die Gräfin im Sommer 1944 einen abgestürzten britischen Piloten im Watt vor der Hallig. Sie versteckt ihn und das Flugzeug. Ein befreundeter Arzt vom Festland hilft dem Verletzten.

Die verschrobene Gräfin mag das zurückgezogene Leben und vertraut nur wenigen Menschen. Das Misstrauen ist angebracht, denn sie verhilft Menschen zur Flucht vor den Nazis.
Die Landschaft und das Wetter sind immer wieder Thema, die poetisch ruhigen Beschreibungen wirken eindrücklich. Über Erinnerungen der Gräfin erfährt man etwas aus ihrem Leben und über ihre Familie, ansonsten erlebt man als Leser die Geschehnisse der beschriebenen 6 Tage, was davor und danach geschieht, kann nur vermutet werden.

Warum der Pilot abgestürzt ist, wird nicht klar, über seinen Auftrag schweigt er. Er ist ungeduldig bezüglich seines Aufenthalts, was sich verstärkt als ein weiterer Flüchtling auf die Hallig kommt.
Die Verhältnisse auf dem Festland werden angedeutet, durch plattdeutsche Einschübe wirken die Dialoge authentisch. Die Neugier einiger Bewohner deutet auf das Denunziantentum der Zeit hin.
Die Zeit und auch das beschriebene Geschehen ist dramatisch, dennoch plätschert die Handlung dahin, als ob die flirrend beschriebene Hitze der Tage alles lähmen würde.
Obwohl ich das kleine Büchlein gerne gelesen habe, lässt es mich etwas ratlos zurück. Warum das Schlaglicht genau auf diese 6 Tage gelegt wurde, erschloss sich mir nicht. Irgendwie fehlte es mir etwas an Handlung. Die Dramatik der Zeit wird nicht genügen herausgearbeitet, die Figuren haben nicht ausreichend Konturen gewonnen. Offene Ende mag ich, aber hier war es mir zu abrupt, aufgrund der neuen Figur am Ende hätte ich mir hier noch ein paar Seiten gewünscht. Da die Autorin verstorben ist, wird es keine Fortsetzung geben.
Von mir gibt es eine eingeschränkte Leseempfehlung und 3,5 Sterne, die ich aufrunde, wo es nötig ist.

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Veröffentlicht am 23.08.2024

verstörende Flitterwochen

Letzte Lügen
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Will Trent und Sara Linton erleben hier ungewöhnliche Flitterwochen. Statt der wohlverdienten Zweisamkeit in einer äußerst abgeschiedenen Lodge, werden sie mit Verbrechen konfrontiert, die es aufzuklären ...

Will Trent und Sara Linton erleben hier ungewöhnliche Flitterwochen. Statt der wohlverdienten Zweisamkeit in einer äußerst abgeschiedenen Lodge, werden sie mit Verbrechen konfrontiert, die es aufzuklären gilt. Schon am ersten Abend finden sie die brutal zugerichtete Lodgemanagerin, die Will noch letzte Worte zuflüstern kann, bevor sie verstirbt. Sowohl die Familie, die die Lodge führt, als auch die anderen Gäste, haben Motive. Zu dem eigentlichen Fall kommen immer mehr Nebenstränge, die das Ganze immer verworrener machen. Es gibt eine große Anzahl an Personen mit interessanten Geschichten, die mit dem Geschehen lose verknüpft sind, dabei ist die Autorin wie so häufig nicht zimperlich: Vergewaltigungen, Missbrauch, Misshandlungen u.v.m. kommen vor. Hierzu gibt es leider keine Triggerwarnung.
Obwohl es sich hier um den 12. Teil der Reihe handelt, kann man auch ohne Vorkenntnisse folgen. Die wechselnden Perspektiven, Briefe und Rückblicke sorgen für Abwechslung.
Das Hörbuch wurde von Nina Petri gekonnt eingelesen, der gute Erzählstil Slaughters trägt dazu bei.
Die Anzahl der Motive, Personen und Nebenstränge wurden mir im Verlauf etwas zu viel. Es entstanden Längen, die Spannung ging verloren und ich hatte Mühe dran zu bleiben. Eine etwas dichtere Ausarbeitung hätten mir besser gefallen.
Da hier alle Beteiligten von Anfang an vorgestellt waren, konnte man gut mitraten. Das ich mit meiner ersten Vermutung am Ende richtig lag, hat mich dann aber doch überrascht.
Trotz der kleinen Schwächen hat mich das Hörbuch gut unterhalten, ich vergebe hier gerne 3,5 Sterne, die ich aufrunde, wo es nötig ist.

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Veröffentlicht am 23.08.2024

hat Luft nach oben

Das Dickicht
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Das Cover und die Leseprobe haben mir gut gefallen, daher habe ich mich sehr auf das Buch gefreut. Das frische Ermittlerteam: Juha und Lux vom LKA Hamburg muss in einem Entführungsfall ermitteln, der auffällige ...

Das Cover und die Leseprobe haben mir gut gefallen, daher habe ich mich sehr auf das Buch gefreut. Das frische Ermittlerteam: Juha und Lux vom LKA Hamburg muss in einem Entführungsfall ermitteln, der auffällige Parallelen zu einem alten Fall aufweist. Es war der erste Fall für den Ermittler Juha und leider endete er tragisch. Der damals entführte Junge konnte nicht gerettet werden. Während sich der neue Fall eher unspektakulär entwickelt, ergeben sich in dem Altfall neue Erkenntnisse.

Der Erzählstil konnte mich nicht über die Länge des Buches fesseln, leider brach der Spannungsbogen stellenweise ein und sorgte für eine gewisse Zähigkeit, die wenig Freude machte. Verkorkste Privatleben scheinen neuerdings zum guten Ton in Krimiserien zu gehören, dies ist auch hier teils ausführlich der Fall. Am Ende konnte die Geschichte nochmals punkten, aber insgesamt gibt es hier noch reichlich Luft nach oben. Ich vergebe 3,5 Sterne und überlege noch, ob ich bei der Fortsetzung wieder am Start bin.

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Veröffentlicht am 28.03.2024

mehr Cosy als Crime

Orkantief
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Telse Himmel und Wanda Holle ermitteln zum zweiten Mal, der Teil kann jedoch ohne Vorkenntnis des Vorgängers gelesen und verstanden werden. Die Freundinnen Telse und Wanda stolpern eher zufällig in einen ...

Telse Himmel und Wanda Holle ermitteln zum zweiten Mal, der Teil kann jedoch ohne Vorkenntnis des Vorgängers gelesen und verstanden werden. Die Freundinnen Telse und Wanda stolpern eher zufällig in einen Cold Case Fall, der von der Polizei mangels Verdachtsmomente nicht untersucht wird. Sie beißen sich fest und haben schließlich so weit Erfolg, das die Polizei die Ermittlungen aufnimmt. Auch danach mischen sie sich noch gerne ein und bleiben neugierig.

Die Freundinnen wohnen gemeinsam auf einem Grundstück, Wanda in ihrer Villa, Telse residiert im dazugehörigen Gästehaus. Der zuständige Kommissar Oliver Wuttke und seine Frau Camilla sind direkte Nachbarn und auch Freunde der Beiden. Die Grundstücke sind in Kiel Schilksee nahe des Ostseestrandes gelegen, die Örtlichkeiten spielen des öfteren eine Rolle.

Wanda und Telse erfahren eher zufällig von einem Familiendrama. Nach dem Verschwinden des sechsjährigen Kalli ist seine Mutter abgetaucht. Niemand weiß etwas über den Verbleib der Vermissten. Kalli wird per Zufall mumifiziert in einer alten Eiche gefunden, Wanda und Telse wollen nun wissen, was mit der Mutter geschehen ist. Sie verbeißen sich in die Geschichte, weil sie von einem Mord an der Mutter ausgehen. Immer wieder finden sie Bekannte, die sie zu der Ehe und den Vorgängen vor drei Jahren befragen können. Die Krimihandlung entwickelt sich ohne nennenswerte Wendungen, recht früh kann man das Ende erahnen. Unterhaltsam unterbrochen wird der Roman von diversen Nebensträngen zu anderen Themen, privaten Streitigkeiten, neuen Beziehungen usw. Der Erzählstil ist leicht und flüssig, man kann das Buch gut durchlesen und auch an den regionalen Besonderheiten Spaß haben. Die kurzweilige Lektüre hinterlässt keinen Nachhall, ist aber eine schöne Unterhaltung für zwischendurch oder den Urlaub an der See.

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Veröffentlicht am 19.03.2024

Rückblicke

Mühlensommer
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Maria ist alleinerziehende Mutter von zwei Teenager-Mädchen und erfolgreich in der Werbebranche. Eine Frau, die im Leben steht und dies meistert, auch wenn das mitunter ziemlich stressig ist. Sie freut ...

Maria ist alleinerziehende Mutter von zwei Teenager-Mädchen und erfolgreich in der Werbebranche. Eine Frau, die im Leben steht und dies meistert, auch wenn das mitunter ziemlich stressig ist. Sie freut sich auf den Ausflug mit ihren Mädchen und einer befreundeten Familie mit kleinen Kindern. Gerade an der Berghütte angekommen erreicht sie der Notruf der Mutter: der Vater hatte einen Unfall. Maria muss zur Unterstützung zurück auf den elterlichen Einödhof.
Martina Bogdahn erzählt in einem leichten angenehmen Tonfall. Die Geschichte ist gespickt mit vielen Rückblicken in Marias Kindheit. Jeder Schritt und jede Tätigkeit scheint eine Erinnerung wachzurufen. Die Kindheit von Bauernkindern war hart und arbeitsreich, es gibt aber auch viele schöne Anekdoten. Die Verbundenheit mit dem Bruder und der Familie ist Maria abhanden gekommen, das Verhältnis ist in eine Sprachlosigkeit abgerutscht. Nun gibt es Gelegenheit Dinge wieder zu Tage zu fördern und anzusprechen. Ob und wie dies gelingt, kann jeder für sich hier nachlesen. Es gibt eine anschauliche Gegenüberstellung von Großstadt- und Landleben, die gelegentlich in Klischees abdriftet.
Eine unterhaltsame Geschichte über die Selbstbesinnung einer Frau, die jedoch einige Stränge am Ende offen lässt. Einige Episoden fand ich unnötig und hätte statt dessen mehr über die Maria von heute erfahren, über ihr aktuelles Leben und ihre eigene kleine Familie. Die Autorin hat einen anderen Schwerpunkt gesetzt. Das Buch lässt sich leicht lesen und ist unterhaltsam. 3.5 Sterne, die ich aufrunde, wo es nötig ist.

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