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Veröffentlicht am 22.09.2024

Berührende Geschichte einer Radikalisierung

Der Morgen gehört uns
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„Als ich mich Jahre später fragte, wo und wann alles angefangen hatte, wo der Point of no Return gewesen sein mag, an dem ich endgültig falsch abgebogen war, stellte ich schaudernd fest, dass ich das unmöglich ...

„Als ich mich Jahre später fragte, wo und wann alles angefangen hatte, wo der Point of no Return gewesen sein mag, an dem ich endgültig falsch abgebogen war, stellte ich schaudernd fest, dass ich das unmöglich sagen konnte.“ (Seite 19/20)

In „Der Morgen gehört uns“ erzählt der in Arrest sitzende Ettore seine Geschichte. Wie kam es dazu, dass er bestimmte Dinge tat und dachte? Wo ist er falsch abgebogen?

Eigentlich war er ein ganz normaler, sensibler Junge. Ein Schulwechsel macht in zu einem Suchenden nach Halt und Anschluss. Dort lernt er den charismatischen Giulio kennen, der ihm Zugang zu einer faschistischen Jugendorganisation verschafft, der sogenannten Federazione.

Das ist der Zeitpunkt, wo er aufhört sich seiner Großmutter Elsa anzuvertrauen und eine andere Richtung einschlägt. Zu seinen Eltern hat er unlängst kein gutes Verhältnis mehr und in der Federazione erfährt Ettore zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl von Zugehörigkeit.

Das Buch beschäftigt sich mit der Entstehung einer Radikalisierung. Das besondere ist, dass es mit leisen und zarten Tönen auskommt, persönlich erzählt wird und alles in schöner Sprache verpackt ist. Ein Lob geht an dieser Stelle an den Übersetzer, der es geschafft hat, die besondere Atmosphäre des Buches zu transportieren.

Beim Lesen so nah mitzuerleben, wie schleichend eine Radikalisierungs-Spirale beginnen und irgendwann nur noch auf Extrem zusteuern kann, war faszinierend und erschreckend zugleich. Man merkt, das der Autor weiß, wovon er spricht, denn er hat Dinge aus seiner eigenen Vergangenheit in den Roman einfließen lassen. Nur ist er irgendwann woanders abgebogen…

Der Roman zeigt wieder: Es sind die leisen Dinge, die unser Herz berühren. Wahrscheinlich ist das der Grund, dass der Roman mir unter die Haut gegangen ist und hat mich nachhaltig beschäftigt hat.

Von mir gibt es eine große Empfehlung für das nach meinem Empfinden brandaktuelle Thema. Unlängst sind wir mittendrin in den Geschichten der Ettores von heute. Ich vergebe 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 13.06.2024

Innovativ

Schlafenszeit – Albträume erwachen, wenn diese Tür sich schließt
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Angepriesen als Horror-Buch, hatte ich so meine Bedenken, ob das Buch etwas für mich sein könnte. Meine Zweifel waren aber völlig unbegründet. ᵘⁿᵇᵉᶻᵃʰˡᵗᵉ ᵂᵉʳᵇᵘⁿᵍ, ˢᵉˡᵇˢᵗ ᵍᵉᵏᵃᵘᶠᵗ

Die Aufmachung des Buches ...

Angepriesen als Horror-Buch, hatte ich so meine Bedenken, ob das Buch etwas für mich sein könnte. Meine Zweifel waren aber völlig unbegründet. ᵘⁿᵇᵉᶻᵃʰˡᵗᵉ ᵂᵉʳᵇᵘⁿᵍ, ˢᵉˡᵇˢᵗ ᵍᵉᵏᵃᵘᶠᵗ

Die Aufmachung des Buches passt gut zum Inhalt, der auf jeden Fall düster ist. Die jugendliche Mallory kommt als neue Babysitterin in eine Familie, um den fünfjährigen Teddy zu hüten. Er malt immer schrecklichere Bilder, die einen Mord zeigen. Herausragend fand ich die Idee vom Autor, diese Zeichnungen auch im Buch zu zeigen. Das habe ich in der Form noch nicht gesehen und war für mich eine neue Leseerfahrung.

Der Autor hat das Buch geschickt aufgebaut, hat es verstanden Zweifel zu sähen und (teils unvorhersehbare) Wendungen in die Story einzubauen. Allerdings hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mehr sprachliche Finesse gewünscht. Die Protagonistin ist jedoch noch jung, somit auch die Erzählstimme. Auch für den Autor ist „Schlafenszeit“ sein Debüt, so dass ich für die Zukunft noch viel Potenzial sehe. Teils weiß man natürlich auch nicht, was bei der Übersetzung alles verloren geht. Der amerikanische Originaltitel heißt „Hidden pictures“, das beschreibt es wirklich perfekt. Leider hat sich für mich das Klischee, dass Amerika oberflächlich sei, hier für mich im Leseerlebnis bestätigt. Die großen Gefühle blieben leider für mich aus, das Ende war zwar spannend, hatte aber auch etwas von einem Hollywood-Blockbuster. Auch der angekündigte Horror war nur oberflächlich zu spüren, eher war es für mich ein mysteriöser Thriller. Aber im Umkehrschluss war es so auch gut erträglich für mich, da ich ein bisschen Respekt vor dem Genre hatte.

Fazit: Ein innovatives und lesenswertes Debüt für Fans von mysteriösen Thrillern, wie z. B. „Layla“ von Colleen Hoover. Ich vergebe 3,75/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 03.05.2024

Geheimtipp

Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen
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Zu dem Buch gegriffen habe ich wegen des Covers. Die Farbgebung und der ungewöhnliche und lange Titel haben mir gefallen.

Muss ein Fantasybuch immer episch sein, muss mit Superkräften gekämpft werden ...

Zu dem Buch gegriffen habe ich wegen des Covers. Die Farbgebung und der ungewöhnliche und lange Titel haben mir gefallen.

Muss ein Fantasybuch immer episch sein, muss mit Superkräften gekämpft werden und das Publikum mit halsbrecherischen Wendungen unterhalten werden? Nein! Genau das beweist „Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen“, das entspannt und ruhig daherkommt und mich auch damit überzeugen konnte! Absolut cosy, ein echtes Fantasy-Wohlfühlbuch.

Mika ist eine charmante Hexe, was sie stets zu verbergen weiß (also die Hexenidentität, nicht den Charme). Auf ihrem YouTube-Kanal gibt sie sich zwar als Hexe aus, aber wer soll das schon glauben? Dann wird sie engagiert, ins Nowhere House zu kommen und dort die drei Junghexen Terracotta, Altamira und Rosetta zu unterrichten. Die anderen Bewohner des Anwesens haben alle ein Geheimnis, dem Mika nach und nach auf die Schliche kommt. Da wären die Hausmeister Ian und Ken, der Bibliothekar Jamie und die Haushälterin Lucy.

Unerwartet findet Mika mehr als Magie: Sie findet Freundschaft, einen Platz am Tisch und im Herzen. Am Ende hat sie das, was sie nie hatte: Eine echte Familie.

Der Schreibstil ist herrlich entspannt und flüssig, man kann sich richtig fallen lassen. Obwohl ruhig, knistert es gewaltig. Meist vor Magie, aber auch eine Prise Liebe ist zwischen den Seiten zu finden.

Für mich ist die Geschichte ein echter Geheimtipp, die mich mit ihrer Andersartigkeit überrascht hat und am Ende mit einem warmen Gefühl im Herzen erfüllt hat.

Wer es ruhig mag und sich auf eine langsam entwickelnde Geschichte mit liebenswerten Charakteren einlassen möchte, dem kann ich Mika Moons Geschichte guten Herzens empfehlen.

Ich vergeben 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 03.04.2024

Außergewöhnliches Buch

Böse Mädchen sterben nicht
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Christina Henry ist insbesondere für ihre düsteren Neuinterpretationen von Klassikern wie „Alice im Wunderland“, „Peter Pan“ oder „Die kleine Meerjungfrau“ bekannt und ich war total neugierig auf ihr neues ...

Christina Henry ist insbesondere für ihre düsteren Neuinterpretationen von Klassikern wie „Alice im Wunderland“, „Peter Pan“ oder „Die kleine Meerjungfrau“ bekannt und ich war total neugierig auf ihr neues Buch: Betitelt als Horrorthriller, der mit hübschem Gewand (Cover, Farbschnitt) und interessantem Klappentext magische Anziehungskraft auf mich hatte.

Das Buch „Böse Mädchen sterben nicht“ ist definitiv besonders. Henry erzählt die Geschichten der drei Frauen Celia, Allie und Maggie. Alle stecken in bestimmten Szenarien fest, die an die Geschichten „Die Frauen von Stepford“, „Freitag der 13te“ und „Die Tribute von Panem“ angelehnt sind:

Celia wacht auf und befindet sich in einem fremden Haus mit ihr unbekannten Familienmitgliedern in einer fremden Stadt.

Allie landet in einem Horrorszenario in einer einsamen Hütte im Wald, obwohl sie eigentlich einen Wochenendtrip zum Strand machen wollte.

Maggie befindet sich in einem „Battle Royale“-Spiel und muss überleben, um ihre Tochter zu retten.

Alle Geschichten laufen am Ende zusammen und gipfeln in einer spannenden Auflösung. Leider war diese zu vorhersehbar für mich — ich hätte mir noch einen Clou zum Ende gewünscht. Der Spannung und den vielen Gänsehautmomenten tat das aber keinen Abbruch.

Der Schreibstil von Christina Henry war gewohnt gut und auch die Idee für das Buch fand ich sehr gelungen. Ich will nicht mehr verraten und vergebe 4/5 Sternen und eine Leseempfehlung an alle Neugierigen da draußen, die mal Lust auf ein etwas anderes Buch haben.

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Veröffentlicht am 09.03.2024

Tolle Fortsetzung

wenndann (#Wert!)
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Dies ist der zweite Teil der Formelsammlung-Trilogie, der nahtlos an den ersten Teil anknüpft.

Wieder steht Kalea hier im Mittelpunkt — zwischen zwei Männern. Somit ist das Gefühlschaos in der Dreiecksgeschichte ...

Dies ist der zweite Teil der Formelsammlung-Trilogie, der nahtlos an den ersten Teil anknüpft.

Wieder steht Kalea hier im Mittelpunkt — zwischen zwei Männern. Somit ist das Gefühlschaos in der Dreiecksgeschichte natürlich wieder vorprogrammiert. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, um nicht zu viel vorwegzunehmen. Nur so viel: Wieder einmal konnte ich Kaleas Entscheidungen nicht 1:1 nachvollziehen. Trotzdem ist mir ihr Charakter mittlerweile etwas mehr ans Herz gewachsen.

Absolut berührend waren wie schon in Band 1 die Kapitel, die einen Einblick in die Vergangenheit gegeben haben. Wobei sie mich vorher zugegebenermaßen mehr gepackt haben — hier hatte ich schon einen Einblick in die Charaktere und Thematik und vieles war vielleicht nicht mehr so überraschend beim Lesen für mich.

Trotz allem war wenndann (#Wert!) wieder eine Achterbahnfahrt der Gefühle und endet mit einem mächtigen Cliffhanger! Natürlich möchte ich jetzt den dritten Teil lesen, schlau gemacht!

Ich empfehle die Reihe auf jeden Fall chronologisch zu lesen, denn sonst könnte man Verständnisprobleme bekommen.

Der Schreibstil war wie im ersten Teil modern und erfrischend und überhaupt ist es wieder ein Buch fernab des Mainstreams und lässt sich, wie ich meine, in kein bestimmtes Genre einordnen.

Fazit: Wer den ersten Teil der Formelsammlung-Trilogie mochte, der wird auch die Fortsetzung mögen.

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