Ein Tanz zwischen Bär und Dämon
Schattenthron IIRahel hat es geschafft - oder so sollte man glauben. Sie ist Leonards Verlobte und wird in absehbarer Zeit Königin. Ihre Schwester Rieke ist die stellvertretende Regentin nach Leonards Mutter. Alles sollte ...
Rahel hat es geschafft - oder so sollte man glauben. Sie ist Leonards Verlobte und wird in absehbarer Zeit Königin. Ihre Schwester Rieke ist die stellvertretende Regentin nach Leonards Mutter. Alles sollte gut sein. Doch das ist es nicht:
Leonard sitzt alles andere als fest auf dem Thron und muss nicht nur mit seiner Entscheidung, sich für Rahel als seine Zukünftige zu nehmen, sondern auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass er seinen eigenen Vater getötet hat. Rahel hat soviel zu lernen, dass sie kaum Zeit mit den anderen verbringen kann. Und dann ist da noch das schlichte Geheimnis, dass sie alle antreibt: haben alle Wandler magische Kräfte und woher stammen sie? Und um das alles noch schlimmer zu machen, ist der frühere Regent Ivald noch immer in Freiheit und die Gruppe muss sich mit dem auseinandersetzen, was er hinterlassen hat: eine ganze Generation, die Ivald durch seinen schwarzen Stein verderbt hat.
Der zweite Teil von Schattenthron ist von Beginn an düsterer als der erste. Zwar scheint erst einmal alles gut und in die richtige Richtung zu laufen, doch das währt nicht lange. Spätestens als Rieke, Leonard, seine Mutter und Rahel die verlassene Jägerhütte finden ist klar, es ist gar nichts in Ordnung. Rieke kämpft mit ihrer Eifersucht, weil ihre Schwester so viel Zeit mit Leonard verbringen kann. Leonard muss einsehen, dass Ivalds Einfluss auf ihn weitaus größer war als geahnt. Und dann kommt es zu Übergriffen im Reich und er sieht sich zu einer Rundreise gezwungen, um wieder Ordnung zu schaffen.
Rahel ist ganz froh, aus dem Schloss zu kommen. Immerhin hat es mittlerweile mehrere Giftanschläge auf sie gegeben und ihre Zofe wurde getötet. Doch ist sie in dem Netz des Hofes gefangen, auf der Reise sogar ein wenig mehr als im Schloss selbst, muss sie sich doch immer korrekt benehmen, was ihr nicht immer gelingt.
Diem scheint in Band 2 der guten alten Hollywood-Regel gefolgt zu sein: Teil 2 bedeutet mehr Blut und Sterben. Und gestorben wird gleich reihenweise, Soldaten auf der Rundreise, die Zofe, die Männer, die Ivald mit seinem schwarzen Stein beeinflusst, Riekes Jugendliebe ... Das setzt sich so fort. Rahel zeigt zumindest zeitweise ihre empfindliche Seite in diesen Szenarios, hat aber auch immer wieder genug eigene Stärke, um sich selbst aus scheinbar ausweglosen Situationen wieder herauszukämpfen.
Der wirklich tragische Charakter in diesem Roman dagegen ist Leonard, den Diem im wahrsten Sinne des Wortes gründlich durch die Mangel dreht. Er muss irgendwie alles zusammenhalten, das Reich, seine Beziehung, sich selbst, seine deutlich verkleinerte Familie. Und vor allem bei sich selbst stolpert er immer wieder. Jahrelang glaubte er, ein Mensch zu sein, nur um dann herauszufinden, dass er ein Wandler und noch dazu ein Dämon ist. Ein Dämon, der noch immer unter Ivalds Einfluss steht. Erst Rahel gelingt es, diesen Bann zu lösen, doch den Dämon in ihm kann sie nicht vertreiben. Es muss irgendwie zu einer Einigung dieser drei Persönlichkeiten kommen, sonst ist nicht nur das Reich, sondern beide Welten. Doch Leonard fällt es schwer, er kämpft mit Schuldgefühlen, die er nicht zu haben braucht und um Kontrolle über etwas, was er nicht vollkommen versteht.
Schön war es, einige Charaktere aus dem ersten Teil wieder zu treffen. Und interessant, als Diem tiefer in die Erschaffung ihrer Welt eintaucht zusammen mit Rahel und Leonard, die auf der Suche nach weiteren Wandlern und nach Wissen über Wandler sind. Leonard gegenüber wird sein Großvetter Rohan gestellt, ebenfalls ein Wandler, der von Rachegefühlen getrieben wird und so gar nicht an den Hof zu passen scheint. Dennoch scheint sich da immer wieder etwas zwischen ihm und Rieke abzuspielen. Nun ja, am Ende gehen beide (zunächst) getrennte Wege.
Ein actiongeladener Nachfolger zum ersten Teil. Wem dieser zu seicht war, hier kommt er auf seine Kosten.