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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2024

Schwierig

Lichtungen
0

Wolffs Stil ist sehr malerisch, literarisch, ausufernd und erzählend. Dabei geht sie rückwärmts vor, sodass man immer weiter in die Vergangenheit abtaucht und so die Geschichte rückwärts erzählend liest. ...

Wolffs Stil ist sehr malerisch, literarisch, ausufernd und erzählend. Dabei geht sie rückwärmts vor, sodass man immer weiter in die Vergangenheit abtaucht und so die Geschichte rückwärts erzählend liest. Der Stil ist dabei schon schwierig zu verstehen. Man muss sich darauf einlassen. Ich habe schon vor Jahren einmal einen solchen Roman gelesen (Die Sommer mit Lulu von Peter Nichols) und es hatte mir damals nicht gefallen und auch jetzt gefällt mir solch ein Erzählstilmittel nicht besonders gut. Es ist allerdings sehr raffiniert, das muss ich zugeben. Insgesamt muss man allerdings so gezwungen sehr fokussiert und konzentriert zu lesen, um alles zu verstehen.

Kato und Lev sind beste Freunde aus der Kindheit, die sich auseinandergelebt haben, da Kato sich vom kommunistischen Rumänien verabschiedet und in den Westen zieht. Lev bleibt zurück. Wer sich für die Machenschaften, das Leben und die Ideen des kommunistischen Rumäniens interessiert und gern einmal einen rückwärts erzählenden Roman lesen möchte, dem empfehle ich den Roman. Er ist tief und voller schwerer Themen gepackt.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2024

Politthriller

Oxen. Pilgrim
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Oxen sorgt sich um seinen Teenagersohn und sucht gleichzeitig nach gewissen Mördern. Frank wird am Anfang von ihrer Arbeit entbunden und findet bald darauf durch Mossmann einen neuen Job. Bei diesem begegnen ...

Oxen sorgt sich um seinen Teenagersohn und sucht gleichzeitig nach gewissen Mördern. Frank wird am Anfang von ihrer Arbeit entbunden und findet bald darauf durch Mossmann einen neuen Job. Bei diesem begegnen sich Oxen und Frank. Kann das ein Zufall sein? Und in was für Machenschaften haben sie sich da verstrickt?

Jensens Werk "Oxen - Pilgrim" ist zwar der sechste Band, kann aber gut alleinstehend gelesen werden. Man benötigt zum Verständnis keinerlei Vorkenntnisse. Sein Stil ist sehr literarisch, aber es geht gern brutal und packend zu. Es gibt sehr viele rasante Autofahrten und Verfolgungsjagden. Durch die wechselnde Erzählperspektive, wobei stets in der dritten Erzählerperspektive geschrieben wurde und die Charaktere, die dabei im Fokus stehen, sich abwechseln. Daher muss man sehr konzentriert lesen. Jensen beschreibt alles sehr ausführlich und setzt auch dabei viele Dialoge ein. Die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren hat mir am meisten gefallen. Es war sehr nachvollziehbar und realistisch geschrieben. Insbesondere die Vater-Sohn-Beziehung war wundervoll zu lesen.

Empfehlenswert für Menschen, die gern fiktionale Politthriller lesen möchten.

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Veröffentlicht am 08.04.2024

Durchwachsen

Das Resort
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"Das Resort" startet mit einer sehr guten und extrem spannenden ersten Hälfte. Allerdings wandelt es ab dem Punkt und wird in der Mitte des Thrillers leider abstrus und wirkt so bedauerlicherweise sehr ...

"Das Resort" startet mit einer sehr guten und extrem spannenden ersten Hälfte. Allerdings wandelt es ab dem Punkt und wird in der Mitte des Thrillers leider abstrus und wirkt so bedauerlicherweise sehr an den Haaren herbeigezogen. Auf mich wirkte es danach so, als wäre der Thriller plötzlich von einer anderen Person vollendet worden. Es passte nicht zum Beginn, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Es war wirklich so konfus, dass ich ungläubig weiterlas.

Inhaltlich geht es um Mila, die Protagonistin, die mit Ethan, ihrem Ehemann, zur Hochzeit ihrer Schwester ins verschneite Bayern fährt. Sie bleiben jedoch leider mitten in der Pampa im Schnee stecken, sodass sie Zuflucht in einer verlassenen Hütte in der Nähe suchen. Am nächsten Morgen ist Ethan spurlos verschwunden und Mila fühlt sich beobachtet, hat kaum wärmende Kleidung oder Lebensmittel und schlägt sich durch und kämpft ums Überleben. Plötzlich findet sie gruselige Dinge und es geschehen auch Dinge, die unheimlich sind. Will jemand Milas Tod? Aber warum? Und insbesondere: Wer?

Der Schluss war für mich sehr unstimmig und insgesamt nicht sehr rund. Es wurden in den letzten Seiten noch mehr Dinge aufgerissen, statt die vielen offenen Themen logisch zu schließen. Das hat mich sehr unzufrieden hinterlassen.

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Veröffentlicht am 27.03.2024

Oberflächlich

Rosa und Leo
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Von Rosa und Leo wusste ich bisher gar nichts und habe mich auf historische Wissenserweiterung gefreut. Rosa Luxemburg aus Warschau ist eine erstaunliche Frau mit starker Persönlichkeit. Absolut bewundernswert, ...

Von Rosa und Leo wusste ich bisher gar nichts und habe mich auf historische Wissenserweiterung gefreut. Rosa Luxemburg aus Warschau ist eine erstaunliche Frau mit starker Persönlichkeit. Absolut bewundernswert, was sie alles als Frau in damaligen Zeiten erreicht hat! Dabei hatte sie gesundheitlich gesehen alles andere als eine schöne und einfache Kindheit. Sie ist in gut situierten Verhältnissen aufgewachsen, was auch ihren starken Drang und Kampf für eine Revolution und einen Sozialstaat erklärt.

Der Roman umfasst mehrere Zeitabschnitte detailliert, die alle zwischen 1888 und 1919 stattfanden. Roth beginnt mit Rosas Zeit in Zürich, wo sie studiert und bald darauf Leo kennenlernt, der ganz begeistert von ihrem Mut und ihren Ideen ist. Roth hat sehr ausführlich recherchiert und die Geschichte rund um Rosa und Leo detailreich und literarisch untermalt. Historisch kommt man beim Lesen gut mit und kann die Handlung gut verfolgen. Politisch blieb mir dafür alles auf der Strecke. Sie verteilt Flugblätter, hält Reden, engagiert sich als Journalistin und schreibt Unmengen von Artikeln, wird mehrfach verhaftet, aber direkter wird Roth dabei leider nicht. Zunächst ist sie für einen Sozialstaat, kann dann nicht mehr nach Polen bzw. Russland reisen, aber konkreter wird nichts erklärt. Schließlich wenden sie sich ab und gründen die KPD. Wie kam es zu diesem Wandel? Wirklich klar wurde ich aus dem Roman nicht in diesem Aspekt. Aber eines ist klar, beide haben sich für ihre Ideen und Werte absolut verausgabt und die Liebe dabei hintenangestellt. Nun stellt sich mir die Frage: Wie weit sollte man für seine Ideologie gehen? Ist die Ideologie wichtiger als die große Liebe?

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Kühl

Die Entflammten
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Das Cover ist sehr passend. Man erkennt direkt van Goghs besonderes Stil heraus. Inhaltlich klingt der Roman auf den ersten Blick auch sehr spannend. Jo, Schwägerin des berühmten Malers, wird zur Witwe ...

Das Cover ist sehr passend. Man erkennt direkt van Goghs besonderes Stil heraus. Inhaltlich klingt der Roman auf den ersten Blick auch sehr spannend. Jo, Schwägerin des berühmten Malers, wird zur Witwe mit Sohn und ist dabei noch keine 30. Also nimmt sie sich vor, das Arsenal an Werken, die ihr Schwager erschaffen hat, so zu vermarkten, dass sie mit ihrem Sohn problemlos durch die Runden kommt.

Die erste Hälfte besteht darin, dass sich Jo und ihr Mann Theo, der Bruder Vincent van Goghs, kennenlernen, heiraten und zu einem halbwegs geregelten Alltag finden, wobei Vincent eine große Rolle in der Ehe spielt, im Roman aber eher nebensächlich behandelt wird. Jo ist im Vordergrund und noch dazu Gina, deren Handlungsstrang 100 Jahre später abspielt und nichts zum eigentlichen Inhalt beiträgt. Ihr Abschnitt drehte sich sowohl um die Recherche zu Jo für ihre Uni, als auch über Probleme ihres Vaters. In meinen Augen sind beide Personen keine besonders berauschend interessanten Personen, sodass die Abschnitte für mich unwichtig blieben.

Die zweite Hälfte handelt dann nur noch knapp über den geteaserten Klappentext, sodass ich schon ein wenig enttäuscht war, wie wenig man hier von Jos Handlungen und Aktionen zum Verkauf erfährt.

Stilistisch ist der Roman sehr distanziert und kühl verfasst. Es gibt keinerlei Emotionen noch Spannung. Die Sachlichkeit hat hier Vorrang.

Wer sich für Vincent van Gogh interessiert und gern mehr über seine Schwägerin erfahren möchte, dem empfehle ich den Roman, wenn die genannten Kritikpunkte nicht abschrecken sollten.

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