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Veröffentlicht am 22.05.2024

Unterhaltsamer Cozy-Krimi

Mord im Antiquitätenladen
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Waldi Lehnertz, bisher vor allem aus der Sendung "Bares für Rares" bekannt, ist unter die Autoren gegangen. Gemeinsam mit Miriam Rademacher, die leider nicht auf dem Cover erwähnt wird, hat er den Roman ...

Waldi Lehnertz, bisher vor allem aus der Sendung "Bares für Rares" bekannt, ist unter die Autoren gegangen. Gemeinsam mit Miriam Rademacher, die leider nicht auf dem Cover erwähnt wird, hat er den Roman "Mord im Antiquitätenladen" geschrieben.

Dank einer Leseprobe im Internet wusste ich bereits, bevor ich das Buch in meinen Händen hielt, das mir der Schreibstil gefallen würde. Ich vermute stark, dass wir diesen vor allem Miriam Rademacher zu verdanken haben.

Der Schreibstil also gefällt mir schon einmal, aber wie ist es mit der Geschichte selbst?

Ich bin positiv überrascht worden. "Mord im Antiquitätenladen" ist ein klassischer Whodunit, der sich in diesem Fall von der Expertise, aber offenbar auch Person Waldi Lehnertz' nährt. Das tut dem Kriminalroman durchaus gut.

Zum einen ist da der grundsympathische Protagonist Siggi, der - natürlich - unfreiwillig in einen Mordfall hineingezogen ist. Da die Polizei - ein bisschen Klischee muss sein - ihm keinen Glauben schenkt und auch sonst eher tölpelhaft agiert, übernimmt Siggi gemeinsam mit seinem Freund Anton und seiner neuen Reinigungskraft Doro selbst die Ermittlungen.

Die Charaktere und das Ambiente des Antiquitätenladens machen sehr viel Spaß. Im Grunde genommen ist "Mord im Antiquitätenladen" ein Feelgood-Krimi. Für mich war das genau das Richtige. Die Spannung hält sich deshalb zwar in Grenzen - die Leser*innen wissen von Anfang an, dass Siggi & Co. den Fall lösen werden und niemand von ihnen ernsthaft zu schaden kommen wird -, aber das ist bei solchen Krimis nun wirklich kein Beinbruch.

Wichtig ist vielmehr, dass die Geschichte selbst im genau richtigen Tempo erzählt wird. Das ist hier der Fall. Schön auch die immer wieder eingeflochtenen Antiquitäten, deren Beschreibungen offenbar auf Waldi Lehnertz' Erfahrungsschatz basieren. Und auch der Fall selbst konnte mich durchaus überzeugen. Tatsächlich war, wie es sich gehört, der Täter eine Überraschung. Ich wusste bis zum Ende nicht, wer in Frage käme. Echte Verdächtige konnte ich im Lauf des Romans nicht ausmachen, so dass die Spannung für mich auch daher rührte, dass ich unbedingt wissen wollte, wer denn nun der Mörder ist.

Alles in allem hat mich "Mord im Antiquitätenladen" sehr gut unterhalten. Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, einen weiteren Roman rund um Siggi und seine Freunde zu lesen. Aber vielleicht entsteht auch keine Serie aus dem Roman, sondern Waldi Lehnertz und Miriam Rademacher erfinden komplett neue Charaktere. Auch denen würde ich gerne begegnen. So oder so sind - ganz real und nicht erdichtet - Waldi Lehnertz und Miriam Rademacher ein tolles AutorInnen-Paar, von dem ich gerne mehr lesen möchte.

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Veröffentlicht am 27.04.2024

Alles in allem gute Unterhaltung

Die Stille der Flut
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"Die Stille der Flut" markiert sowohl die (meines Wissens) erste Zusammenarbeit von Anna Johannsen und Elke Bergsma als auch den ersten gemeinsamen Fall von Lina Lübbers und Kea Siefken.

Lina Lübbers ...

"Die Stille der Flut" markiert sowohl die (meines Wissens) erste Zusammenarbeit von Anna Johannsen und Elke Bergsma als auch den ersten gemeinsamen Fall von Lina Lübbers und Kea Siefken.

Lina Lübbers wird undercover von Osnabrück nach Aurich versetzt, um dort einen Maulwurf aufzuspüren. Kea Siefken ist ihre neue Vorgesetzte, die - genauso wie auch alle anderen KollegInnen in Aurich - nichts von Linas Undercover-Arbeit weiß. Kurz nach ihrem Auftauchen in Aurich hat es Lina aber erst einmal mit einem Todesfall zu tun: Die junge Schülerin Mia wurde tot am Strand gefunden. Kea und ihr Team haben also alle Hände voll zu tun.

Mir hat gut gefallen, dass der Roman schnell zur Sache kommt und auch sonst ziemlich rasant erzählt ist und zu keiner Zeit langatmig ist. Trotzdem bleiben Charakterisierungen und Ortsbeschreibungen nicht auf der Strecke.

Die Idee, Lina und Kea abwechselnd aus ihrer Perspektive erzählen zu lassen, ist einerseits ganz nett, insgesamt aber meiner Meinung nach nicht besonders gut umgesetzt, weil ihnen keine individuelle Figurensprache gegönnt wurde. Sie sind nur deshalb als zwei unterschiedliche Ich-Erzählerinnen erkennbar, weil es die Kapitelüberschriften so kennzeichnen (und sie natürlich unterschiedliche Leben führen). Wenn man das schon so handhabt, dann sollte man ihnen auch konsequent ein Eigenleben gönnen und somit eben auch erkennbar individuelle Erzählweisen.

Alles in allem liest sich der Kriminalroman flüssig und lädt durchaus zum Rätseln ein - vor allem hinsichtlich des Maulwurfs -, leider schwächelt der Roman ausgerechnet im letzten Viertel. Vor allem das Ende habe ich als "billig" empfunden: Motiv und Grund für die Tat werden auf so konstruierte Art präsentiert, dass es mich persönlich ziemlich geärgert und das Gesamt-Leseerlebnis geschmälert hat. Der letzte Eindruck ist eben doch das, was am Ende am deutlichsten in Erinnerung bleibt.

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Hilfreich

Klima im Kopf
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Ich fand das Buch insofern hilfreich, als es mir gut erklären konnte, was einerseits bei mir im Kopf passiert, andererseits, was gesellschaftlich passiert bzw. nicht passiert und warum. Das alles wird ...

Ich fand das Buch insofern hilfreich, als es mir gut erklären konnte, was einerseits bei mir im Kopf passiert, andererseits, was gesellschaftlich passiert bzw. nicht passiert und warum. Das alles wird aus psychologischer Sicht erläutert, aber in einfachen Worten, so dass das Buch allgemeinverständlich ist.

Allerdings sollte man nicht zu viel erwarten.

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Kurzweilige Unterhaltung

Gehe mit den Toten
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Schon lange wollte ich mal ein Buch von Alexander Hartung lesen. Sein Name taucht immer wieder auf, wenn es um Thriller geht. Da seine Bücher im Durchschnitt recht hoch bewertet werden, war meine Neugierde ...

Schon lange wollte ich mal ein Buch von Alexander Hartung lesen. Sein Name taucht immer wieder auf, wenn es um Thriller geht. Da seine Bücher im Durchschnitt recht hoch bewertet werden, war meine Neugierde schnell geweckt.

Mit "Gehe mit den Toten" bot sich nun eine gute Gelegenheit, denn es ist eine aktuelle Veröffentlichung, die nicht (zumindest noch nicht) Teil einer Serie ist.

Erschienen ist der Thriller bei Edition M, dem deutschen Krimi-und-Thriller-Ableger von Amazon Publishing. Das bedeutet, dass das Taschenbuch noch billiger wirkt als bei anderen Taschenbuch-Veröffentlichungen. Ich persönlich mag die Qualität der Buchumschläge von Amazon Publishing nicht besonders.

Aber nun zum Inhalt. Ein reicher Mäzen Frankfurts wurde ermordet in seinem Haus aufgefunden. Der Mord war brutal und es scheint ein persönliches Motiv gegeben zu haben. Unter anderem Lara Plank wird auf den Fall angesetzt. Schon bald ist sie quasi im Alleingang unterwegs. Einzig ihr ehemaliger Kollege Simon steht ihr zur Seite.

Alexander Hartungs Schreibstil und Erzähltempo gefallen mir grundsätzlich. Ich konnte das Buch zügig lesen und Hartung hat erfreulicherweise auf Pseudo-Cliffhanger verzichtet - es gibt AutorInnen, die solche Cliffhanger massiv einsetzen, so dass es nur noch nervt. Hartung gehört zum Glück nicht zu dieser Spezies, was aus meiner Sicht für ihn spricht.

Allerdings muss ich gestehen, dass er Lara Plank auf eine Art und Weise porträtiert, die mich teilweise stark irritiert hat. Zum einen ist sie wohl seit 5 Jahren bei der Kriminalpolizei und sie ist wohl auch eine herausragende Beamtin. Das merkt man nur leider nicht allzu oft. Sie ist überfordert, ihr Handy aufzuladen und verpasst dadurch wichtige Anrufe. Sie vernimmt trotz gegenteiliger Anweisungen Zeuginnen komplett allein und wundert sich dann, dass ihr daraus ein Strick gedreht wird. Sie gibt einem Ex-Kollegen ihre Zugangsdaten zum Polizeicomputer und so weiter und so fort.

Natürlich ermittelt sie weiter, als sie beurlaubt wird - so verlangt es das Thriller-Gesetz -, natürlich findet sie etwas heraus, was all ihre Kolleg
innen übersehen haben (obwohl es ehrlich gesagt so offensichtlich war, dass es selbst ein Blinder mit Krückstock gesehen hätte, aber egal. Und selbst dann hören die Alleingänge nicht auf.

Ein Thriller muss für mich nicht hyper-realistisch sein, aber "Gehe mit den Toten" lehnt sich sehr weit aus dem Fenster - auch, was den Umgang der Vorgesetzten mit Lara Plank und ihren Alleingängen angeht.

Hartung geht auch wenig subtil vor, wenn er Zeitsprünge macht und dann seinen Protagonistinnen Dialoge in den Mund legt, die die Leserinnen auf den aktuellen Stand bringen sollen. Das kommt zum Glück nicht allzu oft vor, hat mich aber ein bisschen gestört.

Wenig überraschend ist, dass am Ende wirklich alles bis ins Kleinste aufgeklärt und für die LeserInnen nett verpackt serviert wird.

Trotz dieser (und weiterer) Schwächen hat mich "Gehe mit den Toten" immerhin so gut unterhalten, dass ich das Buch binnen weniger Stunden gelesen hatte. Das wiederum spricht für den Thriller. Ein total langweiliges Buch wäre eine Qual gewesen und ich hätte deutlich mehr Zeit benötigt. Positiv hervorzuheben ist auch, dass Alexander Hartung zwar dem Genre entsprechend Gewalt thematisiert, diese aber nicht exzessiv einsetzt.

Alles in allem wurde ich gut unterhalten. Wer allerdings realistische oder anspruchsvolle Thriller bevorzugt, sollte die Finger weglassen.

Von mir gibt's 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 06.04.2021

Gute Geschichte über Freundschaft, Gerechtigkeit und Tierwohl

Sofabanditen oder Die verrückte Befreiung der Hühner
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Ich habe lange überlegt, was ich zu dem Buch schreiben soll, denn es ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach.

Zum einen hat mich das Buch gut unterhalten - und meinen Sohn auch. Die Charaktere sind nachvollziehbar. ...

Ich habe lange überlegt, was ich zu dem Buch schreiben soll, denn es ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach.

Zum einen hat mich das Buch gut unterhalten - und meinen Sohn auch. Die Charaktere sind nachvollziehbar. Die achtjährige Ada bietet eine Identifikationsfigur und Lilli das Schaf ist unglaublich witzig und sympathisch.

Vor allem am Anfang wartet das Buch mit unglaublich viel Witz auf, was im Verlauf der Erzählung aber leider ein bisschen verloren geht. Witzige Momente bleiben, aber ich hatte während der Lektüre oft den Eindruck, dass Judith Kleinschmidt ab der Mitte des Buchs die Ideen ausgingen. So hat die Geschichte insgesamt etwas Unausgegorenes an sich, was sehr schade ist.

Symptomatisch ist der Titel des Buchs und dessen Umsetzung im Buch: "Sofabanditen oder Die verrückte Befreiung der Hühner" weckt Erwartungen. Am Ende ist die "verrückte Befreiung der Hühner" eine Randerscheinung, ziemlich schnell abgehakt und ist ehrlich gesagt wenig verrückt.

Es ist schade, denn das Buch hat echt Potenzial, das aber leider ab ungefähr der Mitte komplett verschenkt wird. Zwar gibt es immer noch ein paar schöne und witzige Einfälle, aber das Pulver wurde im Grunde genommen in den ersten Kapiteln verschossen.

Schön sind natürlich die Themen: Freundschaft, Gerechtigkeit und Tierwohl sind gerade für Kinder von großem Interesse und für sie ansprechend. Mein Sohn fand diese Themen jedenfalls spannend und hat natürlich auch über weite Strecke mitgefiebert, wie es weitergehen würde. Am Ende war aber auch er ein bisschen enttäuscht.

Die Bilder von Barbara Jung sind sehr schön und kindgerecht. Es hätten aber ruhig ein bisschen mehr Farbbilder sein dürfen, sagt mein Sohn.

Alles in allem ist "Sofabanditen oder Die verrückte Befreiung der Hühner" ein durchwachsenes Buch, von dem ich persönlich mir mehr erhofft hatte.

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