Ich wollte dieses Buch wirklich gerne mögen, aber ich habe lange nicht mehr sowas unreflektiertes gelesen
YellowfaceZunächst muss ich erstmal sagen, dass ich finde, dass RF Kuang eine unglaublich talentierte Autorin ist. Das ist das zweite Buch (nach Babel) was ich von ihr lese (höre) und man merkt wie viel Arbeit, ...
Zunächst muss ich erstmal sagen, dass ich finde, dass RF Kuang eine unglaublich talentierte Autorin ist. Das ist das zweite Buch (nach Babel) was ich von ihr lese (höre) und man merkt wie viel Arbeit, Leidenschaft und Recherche sie (normalerweise) in ihre Bücher steckt und wie viel Talent sie hat.
Leider fühlt sich dieses Buch für mich so an als wäre es von einem aufmüpfigen Teenager geschrieben worden, der sich für all seine Taten rechtfertigt ohne sich selber zu reflektieren.
Dabei möchte ich nochmal festhalten, dass dieses Buch an sich wichtige Themen anspricht. Rassismus, Plagiate, Vorurteile in der publishing Welt (nur um einige Themen zu nennen) sind wichtig und müssen diskutiert werden.
Hier liegt aber auch das größte Problem des Buchs, es findet nirgendwo eine Diskussion statt.
Die Autorin nutzt dieses Buch nur, um ihre eigenen Meinungen sowie Gedanken darzustellen, begleitet von einer Story, die sich auf vielleicht 5 Sätze runterbrechen lässt.
Dabei macht sie ihre Ansichten so stark deutlich, dass sich der Leser nicht seine eigene Meinung bilden kann, fast so als würde sie ihren Lesern nicht zutrauen zwischen „falsch oder richtig“ bzw „gut oder schlecht“ zu unterscheiden.
Ich habe das Gefühl, dass sie häufig die Intelligenz ihrer eigenen Leser unterschätzt und nicht darauf vertraut, dass wir auf die gleichen Rückschlüsse kommen wie sie. Und häufig sind mir ihre Themen viel zu sehr schwarz/weiß dargestellt. Vielleicht befindet sie sich in einer anderen bubble, aber die Welt ist eben grau, mit unterschiedlichen Meinungen, unterschiedlichen Denkweisen. Es gibt selten ein richtig oder falsch, vieles sind einfach Diskussionen und es ist wichtig mit vielen Menschen über unterschiedliche Denkweisen zu reden. Nur so können wir uns irgendwie in der Mitte treffen, für mich hat sie das irgendwie noch nicht gelernt.
Es kommt mir vor als verwendet sie die weiße, rassistische Hauptprotagonistin als Sinnbild für ihre „Hater“ um sich für Kritik zu rechtfertigen, die sie über tiktok/twitter in der Vergangenheit bekommen hat. Sie zieht dabei aber vieles ins lächerliche und eine Diskussion, die hier wichtig ist und geführt werden müsste fällt weg, da dem Leser übertrieben dargestellt wird, wie falsch die Ansichten der Hauptprotagonistin sind.
Wichtige Diskussionspunkte, wie „Wer darf über das Leid andere schreiben? Sollte man daraus überhaupt Profit ziehen?“, „Was für eine Rolle spielt dir Klassengesellschaft in der Welt der Autoren?“, „Sollten Mensch anderer Herkunft über andere Kulturen schreiben dürfen? Wann ja? Wann vielleicht eher nicht?“ werden nicht angesprochen, obwohl sie sehr offensichtlich Teil des Buches sind.
Nein, stattdessen wird alles schreckliche, was die Hauptprotagonistin tut größtenteils auf Neid und weniger Talent im Schreiben geschoben.
Schaut euch gerne dieses youtube Video (https://youtu.be/JUdFkRdgPDU?si=i0Rb6QyL0smNmSPv) an, ich finde hier sind noch einige sehr gute Punkte aufgeführt, warum dieses Buch leider nicht funktioniert.
Ich finde es schade, dass ich das Buch nicht mochte, da ich finde, dass es sehr viel Potential hatte, eine Grundlage für sehr sehr wichtige Themen ist und die Autorin wirklich talentiert ist.