Profilbild von Ann-liest

Ann-liest

Lesejury Star
offline

Ann-liest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ann-liest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2024

Verschwunden im Wolfswald

Wolfszone
0

Außergewöhnlicher near-future Cyber-Thriller - versehen mit einem fulminanten Show-Down.

Privatermittler Joe wird von seiner prominenten Auftraggeberin in die brandenburgische „Wolfszone“ geschickt, um ...

Außergewöhnlicher near-future Cyber-Thriller - versehen mit einem fulminanten Show-Down.

Privatermittler Joe wird von seiner prominenten Auftraggeberin in die brandenburgische „Wolfszone“ geschickt, um deren vermisste Tochter Lisa aufzuspüren. Lisa hatte sich als Aktivistin einer Pro-Wolf-Gruppe angeschlossen, die für den Erhalt der mutierten Nanotechnologie-Tier-Wölfe kämpft.

Es ist ein Hexenkessel verschiedener Positionen, denn es steht eine Entscheidung der Bundesregierung bevor, wie mit den Wölfen verfahren werden soll.

Der Roman erzählt aus der Perspektive verschiedener Charaktere in wechselnden, kurzen Kapiteln. Mir hat das gut gefallen - auch weil ich die Personen mit ihren individuellen Geschichten interessant fand. Dies hat dem Autoren auch ermöglicht, sein near-future Szenario mit verschiedenen Aspekten zu versehen: Auswirkungen des Klimawandels, Forschung, Technologie, Politik…

Joe ist ein kantiger Ermittler, der sich nicht scheut, Leuten auch mal auf die Füße zu treten. Mit den Konsequenzen muss er dann natürlich umgehen. Ich mag solche Protagonisten, die entgegen aller Widerstände ihr Ding durchziehen und ich konnte gut mit ihm mitfiebern - aber durchaus auch mal mit den Augen rollen. ☺️

Der Kriminalfall selbst entwickelt sich zunächst langsam. Hier und da hätte vielleicht eine Wiederholung weniger und etwas Tempo gut getan, aber dafür explodiert das Geschehen gegen Ende regelrecht in einem fulminanten Show-Down.

Mir hat der Thriller sehr gut gefallen, der Autor schreibt in einem angenehmen Stil und schafft es sprachlich durchaus in Situationen Spannung und Atmosphäre aufzubauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2024

Über innere und äußere Schönheit

Die Schönheit der Rosalind Bone
0

Bildgewaltige und symbolstarke Erzählung - atmosphärisch sehr dicht erzählt. Ein außergewöhnliches Büchlein.

„Die Schönheit der Rosalind Bone“ ist eine wirklich außergewöhnliche Erzählung. Angesiedelt ...

Bildgewaltige und symbolstarke Erzählung - atmosphärisch sehr dicht erzählt. Ein außergewöhnliches Büchlein.

„Die Schönheit der Rosalind Bone“ ist eine wirklich außergewöhnliche Erzählung. Angesiedelt ist die Handlung in dem kleinen walisischen Dorf Cwmcysgod, in dem ehemals Bergbau betrieben wurde. Sehr dankbar bin ich in diesem Kontext für die kurze Einführung in die walisische Aussprache zu Beginn des Buches. Eine wirklich sehr hilfreiche Ergänzung, dank derer ich weiß, das man den Ort „Kumkasgod“ ausspricht.

In diesem Ort leben allerhand verschiedene Menschen ein recht klischeehaftes Dorfleben - im übelsten Sinne: Tratschen, wegsehen, verurteilen, übergriffig werden, Ausweglosigkeit, Einsamkeit…alles existent. In kurzen Kapiteln wechseln wir zwischen verschiedenen Personen und deren Erzählperspektive und erfahren so allerhand über das Dorf, seine Bewohner und die titelgebende Figur Rosalind Bone. Ein junges Mädchen, das mit einer fast übermenschlichen Schönheit … ja, man muss sagen gestraft ist.

Insgesamt spielt der Begriff der Schönheit eine wichtige Rolle. Die Gegensetzlichkeit der oberflächlichen, äußeren Schönheit und welches Leid diese verursachen kann sowie der Stärke innerer Schönheit wird symbolstark in Szene gesetzt. Insgesamt steckt in dem eigentlich recht kleinen Büchlein unfassbar viel Handlung und Aussagekraft.

Der Erzählstil ist flüssig, dicht und etwas distanziert. Ich würde sagen, das passt gut zu der Erzählung hat mir am Anfang aber etwas Schwierigkeiten bereitet warm zu werden mit den handelnden Personen. Auch das Bild, das von den Dorfbewohnern - insgesamt, aber vor allem auch von den Männern - gezeichnet wird ist alles andere als wohlwollend. Es trägt sicherlich dazu bei, die Aussage zu stützen und zu intensivieren - aber ich hoffe dann doch, dass es auch in kleinen, abgehängten Dörfern noch etwas mehr Menschlichkeit gibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2024

Abenteuer in der Welt der Träume und Götter

Of Dreams and Gods
0

In dem romantischen Fantasy-Abenteuer „Of Dreams and Gods“ hat die Autorin ein sehr spannendes Thema in den Mittelpunkt der Handlung gestellt und dieses sehr einfallsreich umgesetzt.

Protagonistin Malie ...

In dem romantischen Fantasy-Abenteuer „Of Dreams and Gods“ hat die Autorin ein sehr spannendes Thema in den Mittelpunkt der Handlung gestellt und dieses sehr einfallsreich umgesetzt.

Protagonistin Malie ist Klarträumerin, das heißt sie kann sich während des Träumens klar werden, dass sie träumt und ihre Träume nach ihren Wünschen gestalten - auch bekannt als luzides Träumen. So nutzt sie die Zeit am liebsten, um ihren verstorbenen Vater zu treffen.

Bis plötzlich Traumgott Phynn auftaucht und sich auch in der realen Welt die Anzeichen mehren, dass mit der Traumwelt der Menschen irgendwas so ganz und gar nicht stimmt. So begibt sich der Leser mit Malie auf eine einzigartige Abenteuerreise - von der Traumwelt bis in die Unterwelt.

Die Charaktere sind sehr interessant gestaltet und es bleibt lange geheimnisvoll, welche Ziele verfolgt werden. Dabei wird die ganze Geschichte sehr phantasievoll erzählt und zieht einen schnell in seinen Bann. Für Jugendliche wichtige Themen - wie Freundschaft, Zusammenhalt, Trauer, Vertrauen und die erste Liebe - werden aufgegriffen und empathisch und gefühlvoll einfließen gelassen.

Sehr schade finde ich, dass gegen Ende des Buches ein Punkt erreicht wird, an dem man das Gefühlt hat, dass der Autorin die Puste ausgegangen ist. Auf einmal geht alles ganz schnell und auch die Entwicklung des Antagonisten ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Insgesamt finde ich das Buch sehr stimmig zu Ende gebracht - aber leider wurde der Handlung hier nicht genug Raum gegeben, da wäre definitiv noch Potential für mehr Spannung vorhanden gewesen..

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 04.05.2024

Über Glaube, Kultur und die Beziehung zur Mutter

Zuckerbrot
0

Schon beim Anblick des wunderschönen Covers tauchen wir ein in die Kultur der Punjabi. Die zarten Ornamente im Hintergrund erinnern an Henna-Zeichnungen. Mutter und Tochter auf dem Cover schauen zufrieden ...

Schon beim Anblick des wunderschönen Covers tauchen wir ein in die Kultur der Punjabi. Die zarten Ornamente im Hintergrund erinnern an Henna-Zeichnungen. Mutter und Tochter auf dem Cover schauen zufrieden und sind einander zugewandt, was ich sehr schön finde.

Protagonistin der Geschichte ist die 10-jährige Pin. Sie lebt mit ihren Eltern in einer kleinen Wohnung inmitten des multikulturellen Stadtstaats Singapur. Gemeinsam mit der Schülerin tauchen wir ein in das Treiben der Stadt und lernen viel über die indisch-stämmige Bevölkerung, über das Miteinander und Gegeneinander der Menschen, über Rassismus, Kultur und Religion.

Eines Tages zieht Pins Großmutter bei der Familie ein und stellt alles auf den Kopf. Nicht zuletzt weil aufgrund einer Familientragödie aus der Vergangenheit die Beziehung zwischen Mutter und Großmutter angekratzt ist.

Besonders eindrucksvoll fand ich die Überlegungen Pins zu Gott. Der kindliche Blick auf den Glauben, die Überzeugungen und Zweifel fand ich sehr eindringlich geschildert und gut nachvollziehbar.

Darüber hinaus haben mir die Bilder und Symbole sehr gut gefallen, insbesondere die Rolle des Essens und welche Verknüpfung zwischen der aktuellen Gefühlslage und den Mahlzeiten bzw. den Zutaten hergestellt wurden.

Es ist ein schönes Buch, das sich viel Zeit nimmt um die Gefühle der Beteiligten und das grundsätzliche Leben der Familie, das Miteinander und die Konflikte zu beschreiben. Mir persönlich ging es vielleicht insgesamt ein bisschen zu langsam voran auf dem Weg zum erzählerischen Höhepunkt. Insgesamt aber ein wirklich schönes, emotionales und auch trauriges Buch, das einen mitnimmt in eine ganz andere Kultur und wertvolle Einblicke ermöglicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2024

Eine spannende Reise in die 70ee

Die Kriminalistinnen. Acht Schüsse im Schnee
0

„Acht Schüsse im Schnee“ ist bereits der zweite Band über eine Gruppe junger Frauen um Protagonistin Lucia Specht, die seit 1969 als erste Frauen überhaupt in Deutschland zu Kriminalistinnen ausgebildet ...

„Acht Schüsse im Schnee“ ist bereits der zweite Band über eine Gruppe junger Frauen um Protagonistin Lucia Specht, die seit 1969 als erste Frauen überhaupt in Deutschland zu Kriminalistinnen ausgebildet wurden (Realitätsbezug). Ich selbst habe den ersten Band nicht gelesen, hatte aber auch nicht den Eindruck, dass mir Informationen gefehlt haben. Ich bin super in die Geschichte rein gekommen und habe die Kriminalistinnen schnell ins Herz geschlossen.

In diesem schönen Kriminalroman nimmt der Autor uns mit ins Jahr 1970. Als der allseits beliebte Millionär Theo Ellerbeck vor seinem eigenen Haus mit 8 Schüssen niedergestreckt wird, ermittelt die Polizei. Mit dabei die in Ausbildung befindlichen Kriminalistinnen - jede mit ihrer eigenen Geschichte, jede ein interessanter Charakter, tätig in verschiedenen Abteilungen (von Sitte über Mord bis Kriminaltechnik) und allesamt sehr starke und eigenständige Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten müssen und das auch mit Humor, Schlagfertigkeit, Intelligenz und Zusammenhalt meistern.

Der Autor lässt die 1970er wahrhaftig lebendig werden - ob Kleidung und Erscheinungsbild der Charaktere, Musik, Münztelefone, das Rauch- und Trinkverhalten oder auch weniger schöne Themen, wie die Rolle der Frau (z.B. dass der Ehemann noch für seine Frau kündigen konnte) oder Homophobie. Das Buch vermittelt ein sehr authentisches Bild der Zeit.

Neben dem eigentlichen Mordfall gibt es somit noch einige Nebenschauplätze - wie die persönlichen Lebenssituationen der Kriminalistinnen und insbesondere Lucias private Ermittlungen zum Tod ihrer Mutter. Dadurch tritt der Ellerbeck-Fall mitunter etwas in den Hintergrund.

Mein Lesevergnügen hat das aber wenig beeinträchtigt, da die verschiedenen Personen und die Zeit an sich einfach super interessant sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere