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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2018

Von einer, die Träume stiehlt und einem, der Hoffnung sucht

Träume, die ich uns stehle
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Zunächst eine Warnung an alle Leser von Jojo Moyes, Viola Shipman, Lori Nelson Spielman oder Sofie Cramer: dies ist nicht das Buch, das ihr erwartet! Auch wenn die Aufmachung eine gefühlvolle und – nach ...

Zunächst eine Warnung an alle Leser von Jojo Moyes, Viola Shipman, Lori Nelson Spielman oder Sofie Cramer: dies ist nicht das Buch, das ihr erwartet! Auch wenn die Aufmachung eine gefühlvolle und – nach dem Cover zu urteilen – auch hoffnungsvolle Geschichte nahelegt, werdet ihr vielleicht enttäuscht sein. Denn schon nach wenigen Seiten dieses Buches ist klar: das hier wird kein Spaziergang und ja, das Sprichwort stimmt: das Leben ist kein Ponyhof.

Auf der einen Seite wird die Geschichte aus Laras Sicht erzählt: Lara, die nach einem Unfall im Krankenhaus ist und sich an nichts erinnern kann. Die von Beklemmungen gequält wird und von Worten, die sie nicht zurückhalten kann. Die von ihren Mitmenschen als ein wenig gaga wahrgenommen wird. Der Leser erlebt das zunächst als verwirrendes Sammelsurium aus Fakten, Träumen, Erinnerungen und… vielleicht Wahnvorstellungen?

Auf der anderen Seite ist da Thomas. Still ans Bett gefesselt, piepsen um ihn herum Maschinen, die er kaum wahrnimmt, wabern Erinnerungsfetzen durch seinen müden Geist und trudeln scheinbar zusammenhanglos vorbei. Wohin soll das führen? habe ich mich nach einem Viertel des Buches gefragt und wusste immer noch nicht, was ich davon halten sollte.
Ich gebe zu, ich habe ein gutes Stück des Buches gebraucht, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen und mit Lara und der Geschichte warm zu werden.
Dann entfaltet die Geschichte ihren Reiz und zeigt, wie sich zwei Menschen mit tragischem Hintergrund gegenseitig helfen können, wieder „ganz“ zu werden.

Mit der Bewertung des Romans tue ich mich sehr schwer, weil man sich wirklich auf die Geschichte einlassen muss. Gelingt einem das nicht, wird man den Roman verwirrt beiseite legen. Siegt die Neugier, wird man mit einer interessanten Geschichte im Kontext psychischer Krankheiten belohnt. Da ich persönlich mich recht schwer getan habe, Zugang zu den Charakteren und der Handlung zu finden, waren es für mich „nur“ 3 Sterne. Was aber nicht heißen soll, dass das Buch nicht gut ist. Es ist nur einfach nicht ganz MEIN Buch gewesen.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Wenig Neues in der Bäckerei und Neil ist leider nur noch Statist

Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg (Die kleine Bäckerei am Strandweg 3)
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Im dritten Band der „Little Beach Street Bakery“-Reihe wird es weihnachtlich. Während die Einwohner des kleinen Örtchens an der Küste Cornwalls sich aufs Fest freuen, haben Polly und Huckle Sorgen – Polly ...

Im dritten Band der „Little Beach Street Bakery“-Reihe wird es weihnachtlich. Während die Einwohner des kleinen Örtchens an der Küste Cornwalls sich aufs Fest freuen, haben Polly und Huckle Sorgen – Polly um ihre beste Freundin Kerensa, die schwanger ist und sich nicht sicher ist, ob ihr Ehemann Reuben der Vater ist. Und Huckle, weil Polly ihm das nicht erzählt hat. Schließlich ist Reuben Huckles bester Kumpel. Und so führt der Ausrutscher von Kerensa fast zur Trennung von Huckle und Polly. Außerdem muss sich Polly mit einem familiären Problem auseinandersetzen, das ihr ebenfalls zu schaffen macht.

Nun wäre ein Weihnachtsbuch kein Weihnachtsbuch, wenn sich nicht am Ende alles in einem richtig fetten Happy End auflösen würde. Und das tut es natürlich auch hier.

Allerdings gibt es nun wohl aus der Bäckerei nicht viel Neues mehr zu erzählen und – Fans der Reihe, bitte schlagt mich nicht – vielleicht ist das auch gut so. Die Charaktere sind mittlerweile vertraut, bieten dadurch aber kaum noch Neues bzw. Überraschungen. Pollys süßer, zahmer Papageientaucher Neil ist fester Bestandteil geworden, hat aber leider keine tragende Rolle mehr, die die Handlung in irgendeiner Weise beeinflusst oder gar voranbringt. Ab und zu piept er niedlich, kuschelt sich auf Pollys Schulter ein, und das war’s auch schon. Schade, denn Neil hätte vielleicht das Zeug dazu, eine weitere Geschichte um die Bäckerei zu tragen und der bekannteste Papageientaucher der Literaturgeschichte zu werden. Gut, ich gebe es zu – das Wort „Literatur“ ist etwas hoch gegriffen. Aber dennoch – nette Unterhaltung ist das Buch allemal. Gerade vor Weihnachten, wo sich doch irgendwie jeder nach einem Happy End sehnt.

Ich habe die Bücher rund um Polly, Neil und ihre Freunde genossen, aber ich traue der Autorin einfach nicht zu, noch eine vierte Geschichte um die Bäckerei zu schreiben, die mitreißen kann.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Für Fans von Downton Abbey

Belgravia
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Belgravia hat mich sofort an Downton Abbey erinnert. Und auch wenn das Buch ein ganzes Stück früher spielt, sind auch hier die typischen Zutaten einer historischen „Soap Opera“ erfüllt. Klatschende Dienstboten, ...


Belgravia hat mich sofort an Downton Abbey erinnert. Und auch wenn das Buch ein ganzes Stück früher spielt, sind auch hier die typischen Zutaten einer historischen „Soap Opera“ erfüllt. Klatschende Dienstboten, eine robuste und in keiner Situation verlegene Duchess, eine nicht so ganz rechtschaffene aristokratische Ehefrau, zwei Liebende aus unterschiedlichem Stand und und und… Das Buch hat wirklich alles, was ein guter Historienschmöker braucht.

Ab und zu konnte ich mir – aufgrund ähnlicher Wesenszüge und ähnlichem Alter – nicht verkneifen, dass vor meinem geistigen Auge die Schauspieler aus Downton Abbey auftauchten, auch wenn sie hier andere Namen hatten. Das ist aber sicher auch nicht verwunderlich, wenn der Verfasser dieses Romans auch der Schöpfer von Downton Abbey ist.

Sein Erzähltempo entspricht wohl den damaligen Verhältnissen – nichts geht drunter und drüber, sondern es wird gemächlich eins nach dem anderen erzählt. Daher wirkte der Roman auf mich leicht „behäbig“. Für mich hätte man an der einen oder anderen Stelle durchaus mal einen Zahn zulegen können.

Für Fans der Dowton-Serie ist das Buch sicherlich interessant, denn es geht um die gleichen Gesellschaftsschichten und die gleichen großen und kleinen Intrigen. Wie jemand ohne diesen Hintergrund das Buch einschätzen würde, kann ich nicht beurteilen.

Mir hat es gefallen, wenn ich auch über einige Längen zügig hinweggelesen habe.

Veröffentlicht am 22.10.2017

Gemütliche Wintergeschichte mit kleinen Plausibilitätspatzern

Winterengel
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Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich noch nicht in Weihnachtsstimmung bin. Aber leider kann ich mich den vielen 4- und 5-Sterne-Rezensionen nicht ganz anschließen. Natürlich, das Buch von Corina Bomann ...

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich noch nicht in Weihnachtsstimmung bin. Aber leider kann ich mich den vielen 4- und 5-Sterne-Rezensionen nicht ganz anschließen. Natürlich, das Buch von Corina Bomann ist wie immer was fürs Herz und zum Dahinschmelzen. Aber verglichen mit dem wunderschönen Roman „Winterblüte“ aus dem letzten Jahr ist es diesmal für mich leider kein Highlight gewesen.

Zu oft habe ich mich gefragt, wie es denn zu dieser oder jener Handlung kommen kann, ob sowas damals wohl wirklich stattgefunden haben könnte etc. Zuerst schon einmal kam es mir etwas merkwürdig vor, dass eine englische Königin tatsächlich eine deutsche Glasmacherin nach England holen würde um ihr ein wenig Schmuck für den königlichen Weihnachtsbaum abzukaufen. Und dass sie ihr dazu auch noch die gesamte Reise bezahlt. Wäre es nicht viel wahrscheinlicher, dass sie einen ihrer Angestellten nach Deutschland entsendet, der vor Ort einkauft und die Ware der Königin überbringt? Es hätte aus meiner Sicht schon eine handfeste Begründung geben müssen, um plausibel zu machen, warum sie Anna persönlich kennenlernen will. Die hat mir aber gefehlt. Und ist es wirklich so, dass viele englische Adlige, deren Vorfahren aus Deutschland stammen, noch in zweiter oder dritter Generation ein so gutes Deutsch sprechen, dass die Dialoge so wie im Buch geschrieben stattfinden können? Denn es wurde ja auch immer betont, dass sich Lord Sandhurst und viele andere mit Anna auf deutsch unterhielten, weil sie kein Englisch spricht.

Meine Zweifel an der Plausibilität einiger Gegebenheiten oder Vorkommnisse trübten also ein wenig meine Lesefreude. Auch wenn das Buch natürlich, wie von Frau Bomann gewohnt, eine charmante und gemütliche Geschichte für die kalte Jahreszeit bereithält, die sich flüssig lesen lässt und dunkle Gedanken vertreibt.

Mein Tipp: für gemütliche Stunden am Kamin bei einer Tasse Tee gut geeignet. Logikfragen sollten aber, sobald sie sich im Kopf formen, einfach ausgeblendet werden. Dann klappt’s auch mit dem Lesegenuss

Veröffentlicht am 19.10.2017

Sehr konstruierte Auflösung

Bruderlüge
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Nach dem ersten Teil („Schwesterherz“) war ich noch recht euphorisch und hab gespannt auf den zweiten Band und damit Abschluss dieser Reihe gewartet. Jetzt ist meine Euphorie einer gewissen Unzufriedenheit ...

Nach dem ersten Teil („Schwesterherz“) war ich noch recht euphorisch und hab gespannt auf den zweiten Band und damit Abschluss dieser Reihe gewartet. Jetzt ist meine Euphorie einer gewissen Unzufriedenheit gewichen.

Nicht, weil das Buch nicht spannend gewesen wäre – nein, daran lag es überhaupt nicht, ich habe bis zum Schluss mitgefiebert. Aber die Auflösung dieses riesigen Berges an Verstrickungen, mafiaähnlichen Strukturen und ominösen Beziehungen wirkte auf mich sehr konstruiert und unnatürlich. Eben genau so, als hätte sich vorher jemand hingesetzt und einen komplizierten Plot entworfen, der möglichst viele Twists enthält. Wirklich lebensnah war davon aus meiner Sicht leider kaum was. Nun kann ich das aber hier nicht weiter ausbreiten, denn ich will potentiellen Lesern nicht zu viel verraten. Wer Fragen hat kann mir gern eine Mail schreiben ;)

Am Schreibstil der Autorin gibt es nach wie vor nix zu meckern. Die Story war mitreißend erzählt und das Tempo rasant – definitiv ein Buch, über dem man „drüberbleibt“.

Die Figur des Martin Benner hat mich allerdings nicht mehr ganz so überzeugt wie im ersten Teil. Da war noch viel mehr von dem rotzfrechen Anwalt zwischen den Zeilen zu lesen. Hier im zweiten Teil gings dann ans Eingemachte und Benner wurde vorsichtiger, reflektierter, ängstlicher. Vom Verlauf der Story her verständlich und logisch, fürs Lesevergnügen ein wenig schade.

Ich weiß nun auch nicht so recht – soll ich die Benner-Bücher weiterempfehlen oder nicht? Wer rasante Thriller mit außergewöhnlichen Ideen mag und sich an der Lebensnähe eines Kriminalfalls nicht hochzieht, findet die Romane bestimmt super. Wem es wichtig ist, dass die Handlung lebensnah und nachvollziehbar ist, wird wohl – ähnlich wie ich - nicht so zufrieden sein (insbesondere mit Band 2).