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Veröffentlicht am 18.11.2024

Feministische Fantasy

When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
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"When Women Were Dragons" von Kelly Barnhill ist eines meiner Jahreshiglights.
Der Roman rund um Alex Green, die im Amerika der 1950er Jahre aufwächst, zeigt auf eindrückliche, aber nicht allzu belehrende ...

"When Women Were Dragons" von Kelly Barnhill ist eines meiner Jahreshiglights.
Der Roman rund um Alex Green, die im Amerika der 1950er Jahre aufwächst, zeigt auf eindrückliche, aber nicht allzu belehrende Art, wie wichtig Frauen und Emanzipation sind. Denn in der alternativen Geschichte Amerikas, die uns Barnhill zeigt, verwandeln sich im Jahr 1955 tausende weiblich gelesene Personen in Drachen. Ehefrauen, die von ihren Männern genug haben, Fabriksarbeiterinnen, die von ihren Chefs schlecht behandelt werden,... Und die amerikanische Bevölkerung? Die beschließt dieses Ereignis einfach totzuschweigen.
"When Women Were Dragons" ist trotz der Thematik kein schweres oder anstrengendes Buch. Die fast 500 Seiten lesen sich erstaunlich schnell und man ist sofort von der Geschichte gefesselt. Die Protagonistin, Alex, ist eine sympathische junge Frau, die viel zu oft vom Leben Steine in den Weg gelegt bekommt und trotzdem nie aufgibt. Natürlich hat sie ihre Fehler, natürlich trifft sie die eine oder andere fragwürdige Entscheidung, aber genau das macht sie menschlich und umso liebenswerter.
Der Fantasyroman ist eine fesselnde queere Erzählung, die Gleichberechtigung auf greifbare, aber auch nachdrückliche Art vermittelt, ohne dass man das Gefühl hat mit der Moralkeule erschlagen zu werden. Eine gelungene Geschichte, die in sich stimmig ist und kaum Lücken lässt - gerne mehr davon, aber bitte nicht künstlich einen zweiten Teil anhängen!

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Nicht unbedingt spannend, aber bissig

Echtzeitalter
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Es geht um Till, der auf die altehrwürdige Privatschule Mariannum (nach Kaiserin Maria Theresia benannt) in Wien geht und in seiner Freizeit gerne Age of Empires 2 spielt. Jedoch gerät er an den vermutlich ...

Es geht um Till, der auf die altehrwürdige Privatschule Mariannum (nach Kaiserin Maria Theresia benannt) in Wien geht und in seiner Freizeit gerne Age of Empires 2 spielt. Jedoch gerät er an den vermutlich schrecklichsten Klassenvorstand, Herrn Dolinar. In seinem acht Schuljahren ist er vielleicht nicht der beste Schülern wird jedoch zu einem der Top- Spieler in der AoE2-League. Neben den Schikanen in der Schule, bekommt Till natürlich auch viel vom Zeitgeschehen mit und auch diese haben Einfluss auf sein Leben.

Ich kann nicht genau sagen, was es am Ende war, dass mich so überzeugt hat. Der Roman hat bestimmt nicht die spannendste Handlung, ist eigentlich ziemlich vorhersehbar, es gibt keinen großen Plot-Twist... Den braucht der Roman aber auch nicht. Es geht nicht darum, möglichst viel Spannung aufzubauen und die Leser:innen eiskalt zu erwischen. Das Buch möchte Kritik üben, an veralteten Lehrmethoden und "Traditionsschulen", die nichts falsch machen können, da sie das bekannteste und angesehenste Privatgymnasium im Land sind. Was jedoch hinter den alten Steinmauern passiert, war bisher unbekannt. Echtzeitalter ändert dies und macht es auf eine sprachlich sehr ansprechende Art. Till ist ein sympathischer Junge, mit dem man mit leidet und am Ende nur hofft, dass er glücklich wird. Man lernt viel über das System im Theresianum - sorry, Mariannum - und denkt danach vielleicht zweimal darüber nach, ob diese Schulen soviel besser sind als die öffentlichen.

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Veröffentlicht am 17.07.2024

Vermutlich einer der wichtigsten Romane des Autors

VIEWS
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Marc-Uwe Kling hat mit VIEWS einen Roman geschrieben, der mindestens so viele Views (bzw. Reads) verdient, wie das Video im Roman. Die Kriminalbeamtin Yasira Saad sieht bei ihrem Tinderdate ein Video online, ...

Marc-Uwe Kling hat mit VIEWS einen Roman geschrieben, der mindestens so viele Views (bzw. Reads) verdient, wie das Video im Roman. Die Kriminalbeamtin Yasira Saad sieht bei ihrem Tinderdate ein Video online, auf dem die 16-jährige Lena Palmer von Asylwerbern vergewaltigt wird. Ein heikler Fall, denn die Polizei muss ermitteln, ohne die rechte Seite zu sehr zu befeuern. Das machen die schon selbst und sind sehr aktiv dabei!
Kling spricht in dem Roman viele wichtige Themen an, wie z.B. die Gefahren von Social Media, was die falsche Nutzung anrichten kann, Rassismus und Rechtsradikalität und was alles ein Video bewirken kann. Es gibt sogar noch mehr wichtige Themen, die hier zu erwähnen, wäre jedoch ein großer Spoiler.
Ganz nach Kling, der meist satirische Bücher schreibt, ist der Schreibstil einfach gehalten, was überhaupt nicht stört, denn dieser Roman überzeugt und schockiert mit dem Inhalt und das schafft er sogar besser, wenn man nicht 90% seiner Konzentration benötigt, um irgendwelche poetischen Satzkonstrukte zu entwirren.
Ich kann sagen, dieses Buch ist vermutlich nicht nur eines der wichtigsten in der Karriere des Autors, sondern auch einer der wichtigsten Bücher des Jahres!

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Veröffentlicht am 14.05.2024

Ersetzt die Scham durch Wut!

Sorry not sorry
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Mit "Sorry not Sorry" hat Anika Landsteiner ein Manifest geschaffen, für alle Frauen auf der Welt, die sich nicht mehr ständig entschuldigen wollen, für Dinge, die eigentlich ganz normal sind. Landsteiner ...

Mit "Sorry not Sorry" hat Anika Landsteiner ein Manifest geschaffen, für alle Frauen auf der Welt, die sich nicht mehr ständig entschuldigen wollen, für Dinge, die eigentlich ganz normal sind. Landsteiner zeigt in den in diesem Buch gesammelten Essays, wie die Gesellschaft und das Patriachart Frauen dazu drängt, sich für Dinge zu schämen, die eigentlich ganz normal sind und bei Männern manchmal sogar zelebriert werden - das Altern, das Verlangen nach Sex, das Single-sein und noch so viel mehr. Mit persönlichen Anekdoten und diversen Verweisen auf andere Publikationen, Studien oder ähnliches beweist die Autorin in einer einfach verständlichen Sprache, wie die Scham genutzt wird, um Frauen klein zu halten und Geld mit ihnen zu verdienen.
Das Buch hat genau das erreicht, was es sollte - ich wurde wütend! Wütend auf etwas, das mir eigentlich schon längst klar sein sollte, wütend auf ein System, das einfach nicht hinterfragt wird, obwohl es so offensichtlich die Ungleichberechtigung der Geschlechter unterstützt, wütend, dass ich mich in so vielen Essays wieder finden konnte, als Opfer dieser Scham, die ich eigentlich gar nicht empfinden müsste! Das Buch ist eine gelungene Aufforderung an alle FLINTA*-Personen, diese Scham in Wut zu ändern und diese Wut zu nutzen, endlich dieses verdammte System zu ändern!

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Veröffentlicht am 25.04.2024

Macht wütend, aber auf gute Art

Und alle so still
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Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Roman "Und alle so still" von Frauen, die von einen Tag auf den anderen entscheiden, dass sie ihre Arbeit, die Hausarbeit und die Carearbeit nicht mehr machen. Aus Protest ...

Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Roman "Und alle so still" von Frauen, die von einen Tag auf den anderen entscheiden, dass sie ihre Arbeit, die Hausarbeit und die Carearbeit nicht mehr machen. Aus Protest legen sie sich auf die Straße.
Fallwickl erzählt ihren Roman aus verschiedenen Perspektiven, darunter sind auch etwas ungewöhnlichere wie eine Pistole, die Gebärmutter und die Berichterstattung. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kommt jedoch schnell rein und am Ende ist klar, dass es ein genialer Kunstgriff war, der den Mehrwert des Buches nur steigert. Aufrüttelnd erzählt die Autorin von den Orten in unserer Gesellschafft, wo Frauen unverzichtbar sind, teilweise weil Männer diese Arbeit einfach nicht machen wollen, da das doch "Frauensache" ist. Die Männer merken jedoch schnell, dass diese Aufgaben gar nicht so einfach wie gedacht sind und dass es eben nicht ohne die Frauen geht.
Als Frau hat man beim Lesen dieses Buches eigentlich keine andere Möglichkeit, als wütend zu werden. Wütend darauf, dass unsere Gesellschaft genau so funktioniert und dass es sich vermutlich nicht ändern wird. Am liebsten möchte man sich mit den Frauen im Roman auf die Straße legen, möchte aufzeigen, was eigentlich allen klar sein sollte - denn wenn der Roman eines nicht unbedingt gebracht hat, dann sind es bahnbrechende neue Erkenntnisse. Nein, er spricht nur das an, woran niemand denken möchte, was jeder ignoriert und irgendwo in eine dunkle Ecke des Gehirns sperrt. Fallwickl gräbt genau das hervor, spricht es an und zeigt: So sollte es nicht weitergehen, aber haben wir tatsächlich eine Alternative?

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