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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2024

Unfassbar intensive Erzählung - in ihrer Kürze voller Dichte und Emotionen

Der ehrliche Finder
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Das Buch war ein echtes Highlight und ich bin nach der Lektüre noch immer ganz angespannt. Es war mein erstes Buch von Lize Spit und ich war unschlüssig, ob eine Kurzgeschichte mich emotional wirklich ...

Das Buch war ein echtes Highlight und ich bin nach der Lektüre noch immer ganz angespannt. Es war mein erstes Buch von Lize Spit und ich war unschlüssig, ob eine Kurzgeschichte mich emotional wirklich ergreifen kann. Naja, und wie sie das konnte! Die Autorin hat ein unglaubliches Talent für sprachliche Feinheiten und liefert mit „Der ehrliche Finder“ ein so dichtes Werk, dass es lange nachhallt. Die Geschichte ist von einer wahren Begebenheit aus Belgien inspiriert und ich weiß nicht, ob es das jetzt besser oder schlimmer macht.. ❤️‍🩹

Wir erleben eine Geschichte über Freundschaft aus der Sicht von Jimmy, der nicht erst durch die Scheidung seiner Eltern viel Einsamkeit ertragen muss. Mobbing in der Schule ist an der Tagesordnung und so flieht er in seinen Job als „ehrlicher Finder“. In diesem sammelt er mit leidenschaftlicher Präzision Flippos - kleine Sammelmarken aus Chipspackungen. Dann tritt aber Tristan in sein Leben, der mit seiner Familie vor dem Krieg im Kosovo geflohen ist und eine traumatische Fluchterfahrung hinter sich hat. Als der Abschiebebescheid eintrifft, schmiedet Tristan mit seiner Schwester einen Plan, der die Abschiebung verhindern soll - und Jimmy soll dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Lize Spit schafft es für mich phänomenal, die Sprache des 10-jährigen Jimmys in ihrer kindlichen Zugewandtheit abzubilden. Der Text ist damit leicht zugänglich und die Lesenden können gar nicht umhin, in die Sichtweise des Protagonisten einzutauchen. Seine Sicht auf die Welt ist so kindlich optimistisch wie ernsthaft, an keiner Stelle wirken seine Schilderungen lächerlich. Die Traumata der Familie Ibrahimi werden an wenigen Stellen angeschnitten und obwohl das eher nebenbei passiert, trifft es eine*n ins Mark!

Die Geschichte ist eine perfekte Balance zwischen Zartheit sowie bedingungsloser Liebe und einer Dunkelheit rund um Hass gegen Geflüchtete, Traumata und Einsamkeit. Sie hat mich emotional komplett auf links gedreht und wirkt sehr lang nach. Das Ende hat mir das Herz herausgerissen und ich wollte vor lauter Unrecht schreien. 💔

Lest dieses Buch mit seinen zarten 125 Seiten, mehr kann ich echt nicht sagen. 🥺

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Veröffentlicht am 20.05.2024

Wundervoll amüsantes und liebevolles Buch!

Funny Story
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"Funny Story" war mein zweites Buch von Emily Henry und es hat mich auf ganzer Strecke überzeugt. Es ist eine perfekte Geschichte für alle, die RomComs mit gutem Humor mögen und einfach mal wieder ein ...

"Funny Story" war mein zweites Buch von Emily Henry und es hat mich auf ganzer Strecke überzeugt. Es ist eine perfekte Geschichte für alle, die RomComs mit gutem Humor mögen und einfach mal wieder ein Buch verschlingen wollen. 🙂

Die Ausgangslage finde ich schon tragisch-komisch: Daphne wurde von ihrem Verlobten Peter für dessen beste Freundin Petra (😂) verlassen. Letztere verlässt dafür wiederum ihren Partner Miles. Daphne zieht aus der Not heraus zu Miles, der zu Beginn verpeilt-chaotisch wirkt und sich später zu einem wirklich liebenswerten Menschen mausert. Und was aus einer solchen WG-Situation entstehen kann, erfahren wir auf den folgenden 450 Seiten...

Sicherlich ist bei RomComs allen klar, wie die Geschichte am Ende ausgeht. 🤭 Emily Henry schafft in "Funny Story" für mich aber einen grandiosen Balanceakt zwischen sarkastischem Humor sowie viel Situationskomik und ernsten, lebensnahen Themen. Hierbei erfahren wir vor allem viel über die Auswirkungen davon, wenn Menschen sich innerhalb einer Partnerschaft isolieren, und über die Konsequenzen schwieriger Eltern. 💔
Dabei wachsen die beiden Protagonist*innen in meinen Augen sehr glaubwürdig und lehrreich an ihren Erfahrungen.

Neben den wirklich netten Hauptcharakteren hab ich auch die Nebenfiguren sehr gemocht. Sie sind nicht nur Beiwerk, sondern runden die Handlung perfekt ab. Auch, dass z. B. nicht-weiße Figuren und queere Eltern einfach so vorkommen dürfen, fand ich richtig toll. Und die Liebe der Hauptfigur Daphne für ihre Arbeit in einer Bibliothek hat mein Herz als Buchliebhaberin richtig gewärmt. 💚

Der Schreibstil ist locker und leicht, an manchen Stellen ist die Übersetzung eventuell etwas holprig, aber das kann ich immer nicht so gut einschätzen. Ich habe an vielen Stellen wirklich gelacht, auch wenn es in der zweiten Hälfte weniger lustig wird. Das Buch hat kaum irgendwelche Längen, ich habe es verschlungen und nur für die Leserunde immer mal pausiert. Emily Henry versorgt uns auch mit ein paar spicy Szenen, die dem Ganzen natürlich ordentlich Schwung geben. 😅🥵

Der wie immer nicht problematisierte Alkoholkonsum der Figuren hat mich schon etwas gestört, führt für mich im Gesamten aber nicht zu Punktabzug. Petra und Peter fand ich persönlich im Rückblick ziemlich unnötig und charakterlich flach, so als hätte sich die Handlung beim Schreiben einfach in eine andere Richtung entwickelt. Der Aufhänger der Story bleibt auch wirklich nur ein Aufhänger. Das ist aber auch nichts, was ich mit Punktabzug bestrafen würde.

Ein richtig tolles Buch, das ich von Herzen empfehle! 💚

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Veröffentlicht am 18.04.2024

Ein nächstes Jahreshighlight!

Treibgut
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Ehrlicherweise hätte ich den Weg zu diesem Buch ohne die Leseprobe und ein anschließendes Rezensionsexemplar wohl eher nicht gefunden. Aber wie FROH bin ich, dass es so gekommen ist. Das Buch hat mich ...

Ehrlicherweise hätte ich den Weg zu diesem Buch ohne die Leseprobe und ein anschließendes Rezensionsexemplar wohl eher nicht gefunden. Aber wie FROH bin ich, dass es so gekommen ist. Das Buch hat mich richtig begeistert und reiht sich in meine bisherige TOP 5 für dieses Jahr ein.

Bei „Treibgut“ handelt es sich um einen Familienroman und wir begleiten die einzelnen Charaktere in wechselnden Perspektive (was ich sehr liebe). Wir haben zum einen Adam, einen bald pensionierten Walbiologen, der zum einen an einer bipolaren Störung und zum anderen unter seiner drohenden Bedeutungslosigkeit leidet. Seine Kinder Abby (eine Künstlerin, die bald ihr erstes Kind erwartet) und Ken (erfolgreicher Immobilienunternehmer mit einer kriselnden Ehe) haben eine komplizierte Beziehung zueinander, aber auch zu ihrem Vater. Hinzu kommen Steph, deren eigene Familie durch ein enthülltes Geheimnis durcheinandergebracht wird, und Jenny als Kens Ehefrau und Abbys beste Freundin.

Klingt viel und komplex, ist es auch. Aber die Autorin schafft es, dass Lesende den Faden nicht verlieren, sondern in die Handlung hineingezogen werden. Die beiden Männer struggeln nicht nur mit ihren eigenen Problemen, sondern auch mit der sich verändernden Welt, welche die Machtposition von Männern hinterfragt. Mit ihrer dargestellten Grandiosität und der Ablehnung von Gesprächstherapie oder Unterstützung im Allgemeinen erfüllen sie einige (realistische) Klischees. Ich fand die beiden fast durchgängig schwer zu ertragen und konnte dennoch an einigen Stellen durch geschickt geschriebene Ambivalenz mit ihnen mitfühlen. Die Frauenfiguren waren mir deutlich sympathischer. Sie alle kämpfen sich in irgendeiner Form frei - mal von kleineren, mal von größeren Abhängigkeiten - und stehen zudem auch zueinander in komplexen, aber gesunden Beziehungen. Im Laufe der Handlung lernen wir, dass besonders die Geschwisterbeziehung von Ken und Abby weit düsterer ist, als es zu Beginn scheint. Hier werden Geschehnisse angedeutet, die mir den Magen umgedreht haben.

Ein besonderes Highlight war Adams Geburtstagsparty kurz vor Schluss. In diesem Kapitel fließen nämlich alle Perspektive ineinander und überlagern sich. Dadurch bekommt dieser inhaltliche Höhepunkt noch einmal ein ganz spezielles Tempo.

Großartig verstrickter Roman mit vielschichtigen Figuren und spannenden Entwicklungen bis zum Schluss. Ich habe ihn sehr geliebt und hatte ein kurzweiliges Lesevergnügen mit ihm.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Großartig!

Mehr als wahrscheinlich
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WOW!!! Das Buch ist so unfassbar gut geschrieben, dass ich es nicht weglegen konnte. Die vier Freundinnen sind von verschiedenen Diskriminierungsarten betroffen und haben verschiedene Hürden im Leben, ...

WOW!!! Das Buch ist so unfassbar gut geschrieben, dass ich es nicht weglegen konnte. Die vier Freundinnen sind von verschiedenen Diskriminierungsarten betroffen und haben verschiedene Hürden im Leben, sind dabei aber immer so unterstützend und respektvoll, dass ich richtig berührt war. 💜
Zu Beginn gibt es einen Teaser mit wenigen Informationen und Sarah Watson schafft es, die Story so zu schreiben, dass mensch bis zu den letzten 10 Seiten keine Ahnung hat, wer jetzt Präsidentin der USA geworden ist. Nochmal: WOW!!

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Pflichtlektüre zu anti-asiatischem Rassismus

Das Ende der Unsichtbarkeit
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Ich durfte hier schon so viel unbezahlt von Hami lernen, dass es für mich ganz selbstverständlich war, ihr Buch zu kaufen und zu lesen.
In ihrem Debüt schreibt Hami so zugänglich und persönlich über ihre ...

Ich durfte hier schon so viel unbezahlt von Hami lernen, dass es für mich ganz selbstverständlich war, ihr Buch zu kaufen und zu lesen.
In ihrem Debüt schreibt Hami so zugänglich und persönlich über ihre eigenen rassistischen Erfahrungen, die Trauer um den Verlust von Traditionen und Sprache sowie das eigene Emanzipieren von den Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft. Das kombiniert sie mit ganz vielen Fakten und geschichtlichen Hintergründen. Viel zu wenig wird in Deutschland über die Situation sogenannter Bootsflüchtlinge (BRD) bzw. ehemaliger Vertragsarbeiter*innen (DDR) gesprochen. Dass sie, wenn überhaupt, nur zeitlich begrenzt hier willkommen waren. Wie sich die rassistischen Gewalt von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen auf die deutsche Asylpolitik ausgewirkt hat (paradoxerweise im Negativen). Was das Zusammenspiel aus Misogynie und Rassismus mit asiatisch gelesenen Frauen macht. Und wer eigentlich mit „asiatisch“ gemeint ist und warum auch diese Bezeichnung problematisch ist.

Hami schreibt so nahbar und ehrlich, dass ich wiederholt beklemmt war. Wie viel Schikane und als positiv bezeichneten Rassismus können Mitglieder der sogenannten „Vorzeigeminderheit“ nur ertragen? Ich fand das Buch trotzdem leicht zu lesen und habe wirklich viel über anti-asiatischen Rassismus gelernt.

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