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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2025

Eine literarische Auseinandersetzung mit Herkunft und familiären Brüchen

Unser leuchtendes Leben
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In „Unser leuchtendes Leben“ erzählt Pedro Gunnlaugur Garcia von der Programmiererin Jóhanna im Island der nahen Zukunft. Als sie ein altes Romanmanuskript ihres Vaters liest, zu dem sie seit Jahren keinen ...

In „Unser leuchtendes Leben“ erzählt Pedro Gunnlaugur Garcia von der Programmiererin Jóhanna im Island der nahen Zukunft. Als sie ein altes Romanmanuskript ihres Vaters liest, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, beginnt eine vielschichtige Reise durch die Geschichte ihrer Familie. Dabei entfaltet sich ein Erzählnetz, das sich über Generationen und Kontinente zieht, zwischen Realität, Erinnerung und Fiktion.

Die Grundidee hat mir gut gefallen: Eine literarische Auseinandersetzung mit Herkunft, familiären Brüchen und der Frage, wie Vergangenheit und Zukunft zusammenhängen. Der Roman ist sprachlich ambitioniert und atmosphärisch dicht, mit interessanten Reflexionen über Technologie, Identität und Zusammenhalt.

Allerdings konnte mich die Erzählweise nicht durchgehend fesseln. Die Struktur ist komplex, die vielen Zeitebenen und Perspektivwechsel haben es mir manchmal schwer gemacht, emotional verbunden zu bleiben. Einige Figuren blieben für mich eher auf Distanz, obwohl ich die poetische Sprache grundsätzlich sehr gelungen fand.

"Unser leuchtendes Leben" ist ein klug durchdachter Roman mit origineller Erzählweise und einem besonderen Setting, nicht ganz leicht zugänglich, aber mit starken Momenten.

Veröffentlicht am 14.06.2024

Viel Raum für Interpretation

Vom Krähenjungen
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Man weiß nicht viel vom Krähenjungen in Moosbruck, einem kleinen Dorf in der Nähe von München, aber eines weiß man auf jeden Fall: Man hält sich am besten von ihm fern. Warum? Das weiß man nicht so recht.

Durch ...

Man weiß nicht viel vom Krähenjungen in Moosbruck, einem kleinen Dorf in der Nähe von München, aber eines weiß man auf jeden Fall: Man hält sich am besten von ihm fern. Warum? Das weiß man nicht so recht.

Durch die Geschichte "Vom Krähenjungen" fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, in eine düstere, eine in der es noch üblich war, abergläubisch zu sein und Menschen nach ihrer Herkunft zu be- und verurteilen. Und genau so ergeht es Sam, der plötzlich wieder da ist, zurückgekehrt, um - was eigentlich?

Sonja Ketterings Schreibstil ist sehr besonders und - für meinen Geschmack etwas zu gewollt - ungewöhnlich. Einerseits kann ich mich nicht wirklicht damit anfreunden, andererseits passt er hervorragend zur Geschichte und erzeugt gemeinsam mit der Handlung einen Sog, dem ich mich kaum widersetzen kann. Die Autorin macht Andeutungen, spricht kaum etwas konkret aus und lässt so ganz viel Raum für Interpretation. Immer wieder frage ich mich, ob ich verstehe, was die Autorin sagen möchte. Das lässt mich etwas ratlos zurück.

Veröffentlicht am 02.06.2024

Ausschweifende Geschichte über die Französische Revolution

Die Frauen von Notre Dame
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Josie, eine junge Deutsche, ist zufällig in Paris als im April 2019 Notre Dame brennt. Als Restauratorin hilft sie beim Wiederaufbau und findet einen Ring und einen Brief. Gemeinsam mit Antoine, einem ...

Josie, eine junge Deutsche, ist zufällig in Paris als im April 2019 Notre Dame brennt. Als Restauratorin hilft sie beim Wiederaufbau und findet einen Ring und einen Brief. Gemeinsam mit Antoine, einem Historiker, macht sie sich auf die Suche nach dem Geheimnis, das sich hinter den Fundstücken verbirgt. Dabei finden sie Spuren, die sie mitten in die Französische Revolution und zu bekannten Persönlichkeiten führen.

"Die Frauen von Notre Dame" ist ein sehr gut recherchierter historischer Roman, der die Geschehnisse rund um die Französische Revolution ausführlich beleuchtet vor dem Hintergrund der Liebesgeschichte von Lucile und Camille Desmoulins. Ausgehend von Josies Fund beschreibt Eva-Maria Bast abwechselnd das große historische Ereignis in Rückblenden in die Zeit ab 1789 und verbindet sie mit dem Brand der Kathedrale in der Gegenwart.

Die Beschreibung der Französischen Revolution und der Beziehung von Lucile und Camille ist sehr detailreich und ausschweifend - für mich zu ausschweifend und hätte deshalb eine inhaltliche Straffung vertragen. Die Sprünge zwischen den Erzählsträngen der Gegenwart und der Vergangenheit kommen in sehr kurzen Intervallen und bilden dazu einen Gegensatz, stören aber den Lesefluss.

Wer sich für französische Geschichte interessiert und sich nicht an meinen Kritikpunkten stört, könnte aber durchaus Spaß an dem Buch haben.

Veröffentlicht am 01.06.2024

Etwas überfrachtete Familiengeschichte

Mit der Flut
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Paul reist 1923 als blinder Passagier an Bord eines Auswandererschiffs nach Amerika, bleibt und lernt dort Antonina und ihre sizilianische Familie kennen. Seine Mutter lockt ihn mit dem Versprechen zurück ...

Paul reist 1923 als blinder Passagier an Bord eines Auswandererschiffs nach Amerika, bleibt und lernt dort Antonina und ihre sizilianische Familie kennen. Seine Mutter lockt ihn mit dem Versprechen zurück nach Deutschland, ihn bei der Erfüllung seines größten Traums, Arzt zu werden, zu unterstützen. 1937 macht er sich tatsächlich auf den Weg.

Ich liebe Familiengeschichten, die sich über mehrere Kontinente erstrecken - eine Geschichte wie "Mit der Flut". Agnes Krups Roman beginnt auch direkt recht turbulent, ereignisreich und dicht. Es fehlt nicht viel, um richtig mitzureißen. Im weiteren Verlauf verfängt sich die Autorin in ausführlichen Beschreibungen der Charaktere und zu vielen Details, die für deutliche Längen und einer gewissen Überfrachtung sorgen. Eine inhaltliche Straffung hätte gut getan und eine fesselnde Geschichte erzählt.

Veröffentlicht am 01.06.2024

Etwas langatmige Geschichte vor südfranzösischer Kulisse

Die Farbe des Feuers
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Die Familie von Rebecca hat ein Haus in der Provence. Anlässlich ihrer geplanten Hochzeit mit Gabriel sind alle dort versammelt, auch ihre Freundin Swann hat den langen Weg aus Deutschland auf sich genommen. ...

Die Familie von Rebecca hat ein Haus in der Provence. Anlässlich ihrer geplanten Hochzeit mit Gabriel sind alle dort versammelt, auch ihre Freundin Swann hat den langen Weg aus Deutschland auf sich genommen. Dann erhalten sie die Nachricht, dass Notre Dame brennt.

"Die Farbe des Feuers" zeigt ungeschönt die Beziehungen einer Familie und ihres Umfelds, dabei werden auch keine Klischees ausgelassen - sehr früh wurde ein Verdacht gestreut, wer für das Feuer in Notre Dame verantwortlich sein könnte. An mancher Stelle war es fast schon Sensationsgier, die mich weiterlesen ließ, aber leider nicht soweit erfüllt wurde, um über eine gewisse Langatmigkeit hinwegtäuschen zu können. Schade, die Geschichte vor dem Hintergrund der südfranzösischen Landschaft hatte durchaus das Potential, zu einem Lesevergnügen zu werden.