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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2024

Nicht der allerbeste Dupin-Krimi

Bretonische Sehnsucht
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In seinem nunmehr 13. Fall bekommt es Kommissar Georges Dupin mit mehreren toten Männern und uralten bretonischen Riten auf der Insel d’Ouessant zu tun. Blöderweise muss er ohne die bewährte Hilfe von ...

In seinem nunmehr 13. Fall bekommt es Kommissar Georges Dupin mit mehreren toten Männern und uralten bretonischen Riten auf der Insel d’Ouessant zu tun. Blöderweise muss er ohne die bewährte Hilfe von Nolwenn auskommen, die aktuell an einer Atlantiküberquerung teilnimmt. Immerhin, starker Kaffee wird ihm auf der mystischen Insel gekocht und Kollege Riwal weiß viel über die Insel und ihre historischen Wurzeln zu berichten.

Zunächst wird Dupin nur wegen eines Toten auf die Insel gerufen. Der glücklose Musiker Lionel wird tot an die Küste gespült, ertrunken ohne Spuren auf Fremdeinwirkung. Im Haus des Toten machen die Polizisten dann eine eigenartige Entdeckung: auf dem Kopfkissen finden sie ein aus Wachs gefertigtes Kreuz, hinter dem, wie man Dupin erzählt eine Jahrhunderte alte Tradition der Insulaner steckt: Es soll als Symbol für alle jene gelten, die auf See verschollen sind. Allerdings ist das Gedenkritual seit 1962 nicht mehr angewendet worden.

Dupin ist überzeugt, dass das Wachskreuz ein Hinweis auf oder vom Mörder ist. Sybill, eine uralte, weise Frau warnt Dupin mehrmals vor allerlei Gefahren wie Dämonen, Nixen und Sirenen, vor denen es auf und rund um die Insel nur so wimmeln soll. Obwohl Georges Dupin ein rational und analytisch denkender Mensch ist, hat er in seinen Jahren in der Bretagne dazugelernt und nimmt die Warnungen nicht ganz auf die leichte Schulter. Allerdings, die eindringliche und mehrfache ausgesprochene Warnung „sich ja nicht zu verlieben“ findet er ein bisschen seltsam, denn er ist bei Claire, in festen Händen.

Dann folgen kurz nacheinander zwei ganz ähnliche Todesfälle, wieder Männer, wieder ertrunken, das ominöse Kreuz auf dem Kopfpolster und wieder ist Sybill ganz in der Nähe. Hat die alte Frau etwas mit den Toten zu tun? Zu den anderen Verdächtige gehören fünf Musikerinnen, die sich die „Sirenen“ nennen und einige Geheimnisse miteinander haben. Besonders Rayanne, die erst vor Kurzem von Irland wieder auf ihre Heimatinsel gezogen ist, erweckt Dupins Misstrauen.

Meine Meinung:

Die Geschichte der Île d’Ouessant mit ihren keltischen Wurzeln hat mein Interesse geweckt. Trotzdem hat mir dieser Krimi nicht ganz so gut gefallen.

Ich bin ein seit Beginn der Reihe ein Georges Dupin-Fan und mag die mystischen Geheimnisse der Bretagne. Diesmal ist es mir einen Hauch zu viel. Überall wittert Riwal Mysterien, die er weitschweifend zu erklären versucht. Genauso wie die oftmaligen Wiederholungen, wann und warum Dupin bei seinem eBike auf Boost schaltet oder nicht. Ja, die Île d’Ouessant ist nahezu autofrei, aber schneller als zu Fuß ist man mittels eBike. Aber muss das dauernd erwähnt werden? Wir Leser können uns das merken, dass die Ermittler mit dem modernen Drahteseln unterwegs sind.
Die eBikes bilden einen interessanten Kontrast zur urgeschichtlichen Insel. Die einen wollen die Urtümlichkeit bewahren, andere wiederum Fortschritt und Touristen auf die Insel locken. Ein ewiges Dilemma, das sich als Mordmotiv sehr gut eignet. Neben der Insel mit ihren Leuchttürmen und Menhiren spielt auch die keltische Musik eine große Rolle.

Ein bisschen hat mich auch gestört, dass Jean-Luc Bannlec alias Jörg Bong, so dreist Werbung für die Île d’Ouessant als Ausflugsziel bzw. Urlaubsdestination macht, dabei bleiben die Insulaner lieber unter sich.

Fazit:

Für mich ist dieser 13. nicht der allerbeste Dupin-Krimi, daher gibt es diesmal nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 04.06.2024

Beste Krimiunterhaltung

Mordsschnitzel
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Dieser Krimi ist der zweite, der in Bad Gastein spielt. Für mich ist es das erste Zusammentreffen mit Valerie Thaller, der toughen Besitzerin des Grand Hotels und Hobbyermittlerin.

Die aktuelle Tourismussaison ...

Dieser Krimi ist der zweite, der in Bad Gastein spielt. Für mich ist es das erste Zusammentreffen mit Valerie Thaller, der toughen Besitzerin des Grand Hotels und Hobbyermittlerin.

Die aktuelle Tourismussaison ist gelaufen, daher können Valerie und ihr Mann Victor in wenigen Tagen zu einem wohlverdienten Urlaub aufbrechen. Zuvor will man noch mit Bernhard Lederer, dem als „Schnitzelwirt“ bekannten und geschätzten Gastronomen, seinen 70. Geburtstag feiern. Doch die große Feier, bei der er seiner Freundin einen Heiratsantrag macht, wird vom unerwarteten Auftritt seiner arroganten nicht eingeladenen Ex-Frau, einem Ungewitter und der Präsentation eines Bauprojektes, das Bad Gasteins Hausberg, den Graukogel, verschandeln wird, überschattet. Am nächsten Morgen ist der Jubilar tot!

Auf Anordnung der Polizei darf niemand abreisen und so müssen die Ex-Frau und die ebenso arroganten erwachsenen Kinder des Toten im Grand Hotel untergebracht werden. Das bringt naturgemäß jede Menge Zores.

Weil Valeries Neugier bekannt ist, beschließt Dorothea Oswald, die ermittelnde Kriminalbeamtin, die Orts- und Menschenkenntnis der Hotelbesitzerin für ihre Zwecke zu nutzen. Valerie muss versprechen, keine eigenen Recherchen anzustellen ...

Meine Meinung:

Der Krimi ist in das Sub-Genre Cozy-Krimi einzuordnen, denn es stehen die Nachforschungen von Valerie und ihrer Freundin Nora im Mittelpunkt. Echte Polizeiarbeit sieht vermutlich anders aus.

Eine wichtige Rolle spielen auch die schöne Landschaft mit dem großen Wasserfall sowie die Sorge der Gasteiner, dass aus das großkotzige Immobilienprojekt der Graukogel in ein gesichtsloses Skigebiet verwandelt wird, von denen es schon genügend in Österreich gibt. Die Gasteiner sind in der Vergangenheit schon mehrmals von Immobilienentwicklern getäuscht worden, die ihnen das Blaue vom Himmel versprochen haben.

Die Charaktere sind eindeutig in Gute und Böse eingeteilt. Daher ist es als Leser recht einfach Sympathiepunkte zu verteilen.

Der Krimi lässt sich leicht und flüssig lesen und eignet sich daher sehr gut als Urlaubslektüre.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Cozy-Krimi aus Bad Gastein 4 Sterne.

Veröffentlicht am 04.06.2024

Hat mir gefallen

Hausverwaltung im Rampenlicht
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Clemens und Bernhard Riha betreiben gemeinsam eine Hausverwaltung und erzählen aus ihrem Alltag. Dass das Verwalten von Zinshäusern nicht immer trockene Zahlenspielerei ist, erfährt der interessierte Leser ...

Clemens und Bernhard Riha betreiben gemeinsam eine Hausverwaltung und erzählen aus ihrem Alltag. Dass das Verwalten von Zinshäusern nicht immer trockene Zahlenspielerei ist, erfährt der interessierte Leser in diesem Buch. Dafür haben sie auch Anekdoten von ihren Kollegen gesammelt, die in sechs Themengruppen zusammengefasst sind:

Vom Glacis zur Ringstraße: die Hausadministration um alten Wien
Mieterschutz und Konzession: die Hausverwaltung nach dem Ersten Weltkrieg
Verdunkelung und Wiederaufbau: Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Neubeginn im Neubau: das Wohnungseigentumsgesetz 1948
Punks, Neuverträge, Pinke: das Mietrechtsgesetz 1982
Work-Life-Balance und Dekarbonisierung: die Zukunft der Hausverwaltung

Der Blick hinter die Fassaden ist interessant, denn die Mitarbeiter der Hausverwaltungen bekommen es mit unterschiedlichsten Menschen zu tun. Da kann schon der eine oder andere Prominente oder eine Unterweltgröße dabei sein. Aus der Vielzahl von Anekdoten haben die beiden Autoren einige herausgepickt, die zum Schmunzeln verführen oder aber auch vereinzelt die Abgründe der Menschen aufzeigen. Der Hausverwalter weiß nie, was ihm der nächste Arbeitstag bringen wird. Daher ist der Job nichts für Leute mit schwachen Nerven.

Sehr interessant ist der Rückblick auf die Geschichte der Hausverwaltungen sowie der - mitunter sorgenvolle - Blick in die Zukunft, denn die Dekarbonisierung wird neue Herausforderungen an Eigentümer, Hausverwaltungen und Mieter stellen.

Zum Abschluss eine persönliche Anmerkung: Lobe deine Hausverwaltung hin und wieder. Meistens arbeiten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verborgenen, ohne dass die Mieter das mitbekommen. Erst wenn es im Haus Probleme, egal welcher Art, gibt erinnert man sich an sie.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem interessanten Einblick in den Arbeitsalltag einer Hausverwaltung 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.06.2024

Gedanken zum Pride Month

Eine kurze Geschichte queerer Frauen
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Kirsty Loehr erzählt in diesem 155 Seiten umfassenden Buch einige mehr oder weniger bekannte Lebensgeschichten gleichgeschlechtlich liebender Frauen. Sie spannt den Bogen von der Antike bis zur Gegenwart. ...

Kirsty Loehr erzählt in diesem 155 Seiten umfassenden Buch einige mehr oder weniger bekannte Lebensgeschichten gleichgeschlechtlich liebender Frauen. Sie spannt den Bogen von der Antike bis zur Gegenwart. Doch zuvor gibt es noch einen Exkurs in die Steinzeit, von der es mangels schriftlicher Aufzeichnungen keine echten Quellen gibt. Apropos Quellen: die und links zu weiterführender Literatur sind im Anhang zu finden.

Die zahlreichen Beispiele, in denen Religionen, die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen (und Männern) verdammten und drakonische Strafen verhängten, zeigt deutlich, dass nicht nur in der katholischen Kirche kein Platz für queere Gläubige war(?)/ist. Ob Christentum, Judentum oder Islam (um nur drei der großen Weltreligionen zu nennen) - frau hat sich fortzupflanzen. Punktum!

Immer wieder schlüpfen Frauen in Männerkleider, um z.B. auf die Universität gehen zu dürfen oder als nicht existenter Sohn zu gelten. Daraus kann nicht unbedingt geschlossen werden, dass sie gleichgeschlechtliche Liebe bevorzugt hätten.

Viel Platz wird Berlin in den „Goldenen Zwanzigerjahren“, das als Eldorado der queeren Community gefeiert wird, bevor die NS-Diktatur dem ein schreckliches Ende bereitet.

Das Kapitel „Forsche Sexualforscher“, ja männlich besetzt, zeigt deutlich, wie „gut“ sich Männer mit der weiblichen Psyche und dem weiblichen Körper auskennen. Frauen sind keine penislosen Männer!

Schmunzeln musste ich über den „Selbst-Check“ von Krafft-Ebbing „Wie viel pervertierter Mann (invertierte Frau) steckt in dir?“

Nach diesem Selbsttest bin ich schwerst gefährdet. Warum? Ich selbst trage seit rund 30 Jahren einen Messerhaarschnitt, einfach weil er praktischer ist. Und ich mag weder Lidschatten noch Make-up. Blöderweise habe ich einen Männerberuf. Heißt das nun, ich bin lesbisch? Halt, nein, meine tägliche Morgentoilette (sprich duschen) rettet mich vor diesem Etikett. Oh, nein doch nicht, denn Staub wischen und ähnliche Hausarbeiten mag ich gar nicht. (Das überlasse ich gerne der Putzfrau.)

Das Buch lässt sich leicht lesen und bietet einen bunten Mix aus Fakten und Fiktion. An manchen Stellen wirkt es ein wenig unstrukturiert, weil es zwischen Raum und Zeit ein wenig herumspringt. Aber, das ist vielleicht gewollt.
Der Schreibstil (und die Übersetzung) sind stellenweise sarkastisch. In diesem Sinne darf/muss folgenden Aussage unterschrieben werden.

„Ich habe das unveräußerliche Recht homosexuell zu sein.“ Ja, eh!

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.06.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Unheilvolles Lançon
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Autor Cay Rademacher ist mit „Unheilvolles Lançon“ ein vielschichtiger Krimi gepaart mit einer großen Portion Lokalkolorit der Provence gelungen. Vielleicht nicht ganz so spannend, wie andere Teile der ...

Autor Cay Rademacher ist mit „Unheilvolles Lançon“ ein vielschichtiger Krimi gepaart mit einer großen Portion Lokalkolorit der Provence gelungen. Vielleicht nicht ganz so spannend, wie andere Teile der Reihe.

Zunächst sieht es einmal so aus, als gäbe es gar keinen Fall, obwohl Capitaine Roger Blanc von Alice Merlin, der Eigentümerin des bekannten Weinguts Château Richelme eine Drohnenaufnahme gezeigt bekommt, auf der eine leblose Frau auf einem Felsen liegt. Blanc fährt zu dem mutmaßlichen Tatort und findet keine Leiche, keine Spuren, einfach gar nichts. Sein berühmtes Bauchgefühl lässt ihn dennoch ermitteln, auch wenn Commandante Nkoulou und Madame le Juge, Aveline Vialaron-Allègre, das ein wenig anders sehen. Er möge den Ball ganz flach halten und möglichst unauffällig nachforschen, so der einhellige Tenor der beiden. Das Weingut ist ein weit über die Provence bekanntes, daher möge Blanc vorsichtig agieren. Diese eigenartige Haltung der beiden lässt bei Roger Blanc seinen üblichen Widerspruchsgeist aufkommen.

Bei seinen Ermittlungen auf dem Weingut stößt er auf zahlreiche Ungereimtheiten. Halb- und Viertelwahrheiten sowie auf Francis Merlin, den todkranken Winzer und seinen enterbten Sohn Justin sowie auf einen Immobilienmakler, der wie ein Aasgeier über dem Weingut kreist.

Meine Meinung:

Die Schilderung der Umgebung und des (fiktiven) Weingutes, auf dem sich ein Großteil der Geschichte abspielt, ist gute gelungen, kennt sich doch der Herr Autor in der Provence recht gut aus. Hilfreich dazu ist der Lageplan in der Buchklappe, der die Lesern die Umgebung leicht verorten lässt.

Trotz der zögerlichen Haltung von Commandante Nkoulou und Madame le Juge, Aveline Vialaron-Allègre, geht Rober Blanc methodisch vor und findet sich unversehens in einem veritablen Familiendrama wieder, dessen Wurzeln in die Vergangenheit reichen.

Gut gefällt mir, dass mit Carmen und Manuel Rodriguez zwei Vertreter der Gens du Voyage (des Fahrenden Volkes) Platz in diesem Krimi finden. Zwar fehlt es nach wie vor an Verständnis für diese Art zu leben wie es diese Minderheit in Frankreich betreibt, aber man bietet ihnen zumindest ordentliche Campingplätze an. Dass die Mitglieder des Clans nicht gar so gerne mit den Flics reden wollen, ist wegen ihrer schlechten Erfahrungen mit Behörden aller Art nur zu verständlich.

Stellenweise wirkt der Krimi bedächtig. Blanc macht sich allerdings Sorgen um seine Mitarbeite Marius und Fabienne. Der eine, ein trockener Alkoholiker (?) scheint wieder zur Flasche zu greifen und Fabienne ist wieder schwanger und hat Ambitionen die Provence und damit das Team um Capitaine Roger Blanc gemeinsam mit ihre Frau zu verlassen. Blanc hat ohnehin kein gutes Gefühl, wenn Fabienne mit dem Motorrad durch die Landschaft braust und ihre Schwangerschaft abermals gefährdet ist.

Ich habe recht bald den Täter und sein Motiv ausgemacht. Allerdings sind die Familienangelegenheiten der Merlins noch um eine Facette komplexer.

Fazit:

Wer auf der Suche nach einem Kriminalroman mit einem sympathischen Ermittlerteam und viel Lokalkolorit ist, ist hier richtig, wenn auch dieser 11. Fall nicht ganz so fesselnd ist, wie andere Teile der Reihe. Diesmal gibt es 4 Sterne.