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Veröffentlicht am 10.11.2017

Aza und die Gedankenspirale

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
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Wie viele Teenager besucht Aza Holmes eine Highschool in Indianapolis. Doch die 16-Jährige ist anders. Sie leidet unter einer Angststörung, zum Beispiel einer Phobie vor Körperflüssigkeiten, und an Zwängen. ...

Wie viele Teenager besucht Aza Holmes eine Highschool in Indianapolis. Doch die 16-Jährige ist anders. Sie leidet unter einer Angststörung, zum Beispiel einer Phobie vor Körperflüssigkeiten, und an Zwängen. Sie verbinden sich zu einem Gedankenstrudel, der die Halbwaise beschäftigt. Sie möchte sich deshalb zunächst nicht an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett, dem Vater ihres Bekannten Davis, beteiligen. Dieser ist vor einer bevorstehenden Hausdurchsuchung wie vom Erdboden verschluckt. 100.000 Dollar winken als Belohnung für Hinweise. Deshalb überredet ihre beste Freundin Daisy Ramirez sie, das Geheimnis um Pickett aufzuklären. Für Aza beginnt somit ein Abenteuer. Dabei merkt sie, dass es auch eine Reise zu sich selbst ist, nämlich in die Gedankenspirale, der sie entkommen will.

Mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist John Green wieder ein wundervoller Jugendroman gelungen.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive in 24 Kapiteln, die eine angenehme Länge haben. Der Erzählstil ist wieder einmal typisch für den Autor. Sprachlich konnte mich der Roman absolut begeistern. Viele tiefsinnige und zum Teil auch poetische Formulierungen sind darin zu finden.

Aza ist ein ungewöhnlicher, aber sehr reizvoller Charakter. Das Verhalten eines Menschen mit psychischer Krankheit wird sehr authentisch beschrieben. Man kann gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen. Für Außenstehenden ist das Verhalten der Hauptprotagonistin schwer zugänglich. Doch der Autor hat es sehr gut geschafft zu vermitteln, wie sich das Leben mit Ängsten und Zwängen gestaltet. Das fand ich sehr berührend und hat mich zum Nachdenken gebracht. Und obwohl Aza durch ihre Krankheit ein schwieriger Mensch ist, wurde sie mir sehr sympathisch.

Die Handlung ist nicht so spannend, wie es zunächst klingt. Dennoch habe ich mich nicht gelangweilt und habe das Buch nur ungern zur Seite gelegt. Das liegt auch daran, dass neben Azas Erkrankung weitere Themen wie Freundschaft und Liebe eine Rolle spielen. Traurige Passagen wechselten sie mit solchen ab, bei denen ich schmunzeln musste. An einigen Stellen wird es auch philosophisch. Diese Kombination habe ich als sehr unterhaltsam und bewegend empfunden.

Die limitierte deutsche Erstauflage ist nach meiner Ansicht von der Gestaltung sehr gelungen. Wenn auch inhaltlich passend, finde ich den deutschen Titel allerdings etwas sperrig.

Mein Fazit:
John Green hat mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ einen Roman geschrieben, der auch für Erwachsene eine berührende Lektüre ist. Mich konnte Azas Geschichte begeistern. Ich kann das Buch definitiv empfehlen.

Veröffentlicht am 08.11.2017

Eine Wissenschaftlerin, ein Pfarrer und eine unheimliche Schlange

Die Schlange von Essex
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England im Jahr 1893: Nach dem Krebstod ihres Mannes Michael verlässt Cora Seaborne die britische Hauptstadt London, um mit ihrem Sohn Francis und dem Kindermädchen Martha in den Küstenort Aldwinter zu ...

England im Jahr 1893: Nach dem Krebstod ihres Mannes Michael verlässt Cora Seaborne die britische Hauptstadt London, um mit ihrem Sohn Francis und dem Kindermädchen Martha in den Küstenort Aldwinter zu reisen. Die Witwe ist Naturwissenschaftlerin und eine Anhängerin der Thesen von Charles Darwin. Sie hört von der Geschichte um die ominöse Schlange von Essex, die dort gesehen wurde. Ihr Interesse ist geweckt, denn sie hofft auf eine wissenschaftliche Sensation. Doch sie gerät dort auch mit Pfarrer William Ransome aneinander. Obwohl beide in ihren Meinungen grundverschieden sind, fühlen sie sich stark zueinander hingezogen…

Mit „Die Schlange von Essex“ ist Sarah Perry ein preisgekrönter, ungewöhnlicher Roman gelungen.

Meine Meinung:

Mich hat der Roman schon nach wenigen Seiten in seinen Bann gezogen, sodass ich das Buch nur ungern zur Seite legen wollte. Das liegt unter anderem daran, dass die Geschichte sprachlich meisterhaft umgesetzt wurde. Sehr eindringlich und lebhaft sind die Beschreibungen, teilweise sogar poetisch. Durch schöne Sprachbilder entsteht viel Stimmung und Atmosphäre. Trotz der anspruchsvollen Sprache ist der Erzählstil flüssig und angenehm, sodass mein Lesefluss nicht ins Stocken geriet.

Die Handlung beginnt im Januar und setzt sich im Folgenden in den weiteren Monaten des Jahres fort. Dies drückt sich in der Aufteilung der Hauptkapitel aus.

Anders als vermutet geht es in der Geschichte nicht nur um die Protagonisten Cora und Will. Immer wieder springt die Erzählperspektive auch auf die anderen, teils ziemlich speziellen Charaktere, die sehr detailliert geschildert werden und deren Innenleben für mich gut vorstellbar wurde. Durch diesen Umstand entstehen zudem mehrere Handlungsstränge, was die Geschichte für mich reizvoll gemacht hat.

Wer eine seichte, reine Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht. Kunstvoll wird das Thema Liebe mit anderen Lebensbereichen wie Glaube und Wissenschaft verwoben. Auch weitere gesellschaftliche Aspekte der viktorianischen Zeit in England tauchen auf, was für mich sehr interessant und teilweise auch lehrreich war.

Positiv hervorzuheben ist meiner Ansicht nach außerdem das sehr hübsche Cover. Gut gefallen hat mir auch, dass der englische Titel 1:1 übersetzt und somit übernommen wurde.

Mein Fazit:

„Die Schlange von Essex“ ist sicherlich ein historischer Roman, der polarisiert und vom Leser einiges fordert. Zwar hatte ich anfangs andere Erwartungen an die Geschichte. Mich allerdings konnte das Buch von Sarah Perry mit seiner toller Sprache und seiner Tiefgründigkeit absolut begeistern.

Veröffentlicht am 30.10.2017

Jeder an seinem Platz

Die Optimierer
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Die Bundesrepublik Europa (BEU) im Jahr 2052: Samson Freitag ist Lebensberater und ein überzeugter Befürworter der Optimalwohlökonomie, in der Menschen nicht mehr für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen ...

Die Bundesrepublik Europa (BEU) im Jahr 2052: Samson Freitag ist Lebensberater und ein überzeugter Befürworter der Optimalwohlökonomie, in der Menschen nicht mehr für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und für jeden der ideale Platz gefunden werden soll. Es gibt Frieden, Wohlstand und Sicherheit in einer hochtechnisierten Gesellschaft. Allerdings muss dafür ein hoher Preis gezahlt werden: Überwachung rund um die Uhr, Abschottung vom Rest der Welt und eine Einschränkung der Freiheit des Einzelnen. Diese Schattenseiten werden Samson aber erst klar, als er von einem mustergültigen Bürger zum verachteten Mitglied der Gesellschaft degradiert wird. Kurz vor seiner Beförderung wird er beschuldigt, falsch beraten zu haben, und gerät damit in eine Abwärtsspirale. Das System tut alles, um auch ihn zu optimieren - ob er will oder nicht.

Mit „Die Optimierer“ ist Theresa Hannig ein preisgekrönter Debütroman gelungen.

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte und die Einführung in diese Welt der Zukunft sind der Autorin geglückt. Stück für Stück lernt man anhand von Beispielen unterschiedliche Lebensbereiche kennen und kann sich das System, das die komplette Kontrolle hat, gut vorstellen. Je weiter man liest, desto mehr treten die zunehmende Autorisierung, die Überwachung durch den Staat und die Einschränkungen zutage. Es wird ein beängstigendes, aber nicht allzu unrealistisches Zukunftsszenario dargestellt. Es gelingt, anschaulich zu zeigen, wie brutal und gnadenlos gegen Leute vorgegangen wird, die sich nicht konform verhalten. Auch Kritik an unserer heutigen Gesellschaft und aktuellen Themen wird deutlich. Dadurch wird die Lektüre nicht nur kurzweilig und spannend, sondern stimmt auch nachdenklich.

Der Hauptcharakter, Samson Freitag, wirkt - vor allem in den ersten Kapiteln - nicht besonders sympathisch. Mir fiel es gerade anfangs schwer, mir ihn bildlich vorzustellen. Im Verlauf der Geschichte wird aber klar, woran das liegt. Vor diesem Hintergrund ist die Figur authentisch dargestellt.

Die Handlung war für mich insgesamt gut nachvollziehbar. Meine Befürchtung, dass es im Buch zu viele Parallelen zu anderen Dystopien beziehungsweise Utopien gibt, hat sich nicht bestätigt. Die Geschichte kann mit neuen, kreativen Ideen überzeugen. Auch der überraschende Schluss ist nach meiner Ansicht stimmig.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, sodass sich die Geschichte angenehm lesen ließ. Auch sprachlich habe ich nichts auszusetzen.

Mein Fazit:
Der Autorin ist ein unterhaltsames Zukunftsszenario gelungen, das Lust auf eine Fortsetzung macht.

Veröffentlicht am 26.10.2017

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Ein ganzes halbes Jahr
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Louisa Clark, genannt Lou, verliert ihren Job in einem kleinen Café. Die Beziehung mit ihrem Freund Patrick läuft nicht ideal, denn sie liebt ihn nicht richtig. Ihr Heimatort ist ziemlich klein ist, daher ...

Louisa Clark, genannt Lou, verliert ihren Job in einem kleinen Café. Die Beziehung mit ihrem Freund Patrick läuft nicht ideal, denn sie liebt ihn nicht richtig. Ihr Heimatort ist ziemlich klein ist, daher ist die Suche nach neuer Arbeit nicht einfach. Dennoch ist ihre Familie auf ihr Einkommen angewiesen. Obwohl sie auf die Tätigkeit keine Lust hat, ergreift sie die Chance, die Pflege eines querschnittsgelähmten Mannes zu übernehmen, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Das aber ist nicht so einfach wie gedacht. Denn Will hat seinen Lebenswillen verloren...

"Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes erzählt die tragische Geschichte von Will und Lou.

Meine Meinung:
Wegen des riesigen Hypes habe ich das Buch zunächst ignoriert, wurde dann aber doch neugierig. Und von Beginn an konnte mich die Geschichte fesseln und bewegen. Nach den ersten Seiten konnte ich das Buch nur schwer weglegen. Es hat mich verzaubert.

Gefallen hat mir, wie feinfühlig und wenig klischeehaft mit dem Thema umgegangen wurde. Es hat mich ein wenig an "Ziemlich beste Freunde" erinnert. Beide Geschichten sind nicht nur emotional, sondern auch humorvoll. Jedoch fand ich das Buch von Jojo Moyes noch berührender. Es gab mir Stoff zum Nachdenken und hat in der Debatte um Sterbehilfe sicherlich einen Beitrag geleistet.

Der Schreibstil war sehr angenehm. Mit Lou ist eine ungewöhnliche und sympathische Figur die Hauptprotagonistin, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Pluspunkte sind für mich auch das hübsche Cover und der ansprechende Titel.

Mein Fazit:
Ich kann das Buch allen empfehlen, die mehr als nur typische Chick Lit lesen wollen und an einer Geschichte interessiert sind, in denen es um mehr als nur Liebe geht. Es war eines meiner Lesehighlights und hat Lust auf die Fortsetzung gemacht.

Veröffentlicht am 25.10.2017

Wenn man niemandem trauen kann

Die stille Kammer
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Fast drei Jahre hat Susan Webster in der forensischen Psychiatrie zugebracht. Ihr wird vorgeworfen, ihren damals nur zwölf Wochen alten Sohn Dylan getötet zu haben. Doch Susan, die sich in Emma Cartwright ...

Fast drei Jahre hat Susan Webster in der forensischen Psychiatrie zugebracht. Ihr wird vorgeworfen, ihren damals nur zwölf Wochen alten Sohn Dylan getötet zu haben. Doch Susan, die sich in Emma Cartwright umbenannt hat, kann sich an die Tat nicht mehr erinnern. In einer anderen englischen Kleinstadt, in der sie niemand kennt, will sie ein neues Leben beginnen. Da taucht plötzlich ein Brief auf mit dem Foto eines etwa dreijährigen Jungen, der den Namen ihres Kindes trägt. Kann es etwa sein, dass ihr Sohn doch noch lebt? Oder erlaubt sich nur jemand einen üblen Scherz mit ihr?

„Die stille Kammer“ ist das gelungene Thriller-Debüt der Autorin Jenny Blackhurst.

Meine Meinung:
Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Susan. Dadurch konnte ich die Innenwelt der Protagonistin gut nachvollziehen und war schnell in der Geschichte drin. Diese Kapitel wechseln sich ab mit anderen, die in der Vergangenheit spielen, beginnend im Jahr 1987. Die Verknüpfung mehrerer Erzählstränge ist nicht nur wichtig für den Verlauf der Handlung, sondern auch sehr geschickt gemacht. Immer wieder erhält der Leser aber auch Andeutungen, die später ins Leere führen. Mehrere Personen wirken verdächtig. Dadurch und durch mehrere Überraschungen wird die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten, sodass ich bis zum Schluss gespannt die Auflösung des Ganzen verfolgt habe. Durch die Komplexität der Geschichte war es interessant zu erfahren, wie alles miteinander zusammenhängt.

Positiv fand ich auch die Kürze der Kapitel, die ebenfalls zum Spannungsaufbau beigetragen und für ein hohes Tempo gesorgt haben. Hinzu kommt der flüssige, angenehme Schreibstil, sodass ich das Buch nur schwer beiseitelegen konnte.

Die Figuren des Thrillers sind glaubwürdig gezeichnet. Die Handlung wirkte auf mich stimmig, auch das Ende schlüssig.

Ein Pluspunkt waren für mich auch die hübsche Optik des Taschenbuchs und das sehr sympathische Nachwort. Leider sagt mir der deutsche Titel nicht so zu. Das englische Original „How I Lost You“ klingt für mich nicht nur ansprechender, sondern ist meiner Meinung nach auch thematisch passender.

Mein Fazit:
Jenny Blackhurst ist ein spannender und komplexer Psychothriller gelungen. Er macht mir Lust, weitere Bücher der Autorin zur Hand zu nehmen.

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