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Veröffentlicht am 16.08.2024

Stockholm und Tübingen

WintersSpuren
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Eben war für Henriette, genannt Henry, die Welt in Stockholm noch in Ordnung. Dann wird sie am Telefon Zeugin, wie ihre Mutter an der Haustür erschossen wird. Im Haus entdeckt sie Hinweise, dass ihr Vater, ...

Eben war für Henriette, genannt Henry, die Welt in Stockholm noch in Ordnung. Dann wird sie am Telefon Zeugin, wie ihre Mutter an der Haustür erschossen wird. Im Haus entdeckt sie Hinweise, dass ihr Vater, den sie seit 30 Jahren für tot hält, noch am Leben sein könnte. Die Spür führt sie nach Tübingen, wo die Familie einst lebte.

Das klingt wieder mal ganz interessant, war aber ehrlicherweise nicht so aufregend. Die Handlung ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen und vieles ist vorhersehbar. (Wer bitte schön verwahrt einen Glastropfen als Glücksbringer über Tage in der hinteren Hosentasche?) Außerdem handelt die Protagonistin mal wieder so, dass man ständig sagen möchte, lass es doch bitte, bitte bleiben! Das finde ich immer ziemlich ärgerlich. Einzig die Kombination von Stockholm und Tübingen als Handlungsorte ist ungewöhnlich und für mich persönlich ganz witzig, weil ich öfter in Tübingen bin und z. B. auch jedes Mal an der Jugendherberge in der Gartenstraße vorbeikomme, in der Henry in Tübingen wohnt. Allerdings klingt es dann doch immer etwas putzig, wenn Henry, die eigentlich nur in Stockholm und für einige Zeit in Hamburg gelebt hat, von der Kehrwoche etc. spricht. Da schmilzt dann der Schwedenkrimi wieder zum Regionalkrimi zusammen und ist doch weder das eine noch das andere. Für zwischendurch ganz nett, dennoch für mich eher enttäuschend.

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Stream of consciousness

Nahe dem wilden Herzen
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Mit dem Titel ihres Debütromans zitiert die Brasilianische Autorin (1920-1977) James Joyce. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich der gleichen Erzähltechnik bedient wie der Ire Joyce in seinem ...

Mit dem Titel ihres Debütromans zitiert die Brasilianische Autorin (1920-1977) James Joyce. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich der gleichen Erzähltechnik bedient wie der Ire Joyce in seinem Roman "Ulysses".

Im Zentrum von Lispectors Buch steht Joana, die als Waisenkind zu Onkel und Tante kommt, den Lehrer verehrt und dann in ein Internat geht. Sie heiratet Otávio, aber die Ehe scheitert. Otávios Ex-Freundin erwartet ein Kind von ihm und auch Joana hat einen namenlosen Geliebten, der nur schemenhaft auftaucht. Damit sind schon nahezu alle fassbaren Elemente des Romans geschildert. Es gibt keinerlei Impulse von Außen oder Beschreibungen der Umgebung, alles spielt sich nur im Kopf der Protagonistin und in kurzen Gesprächen ab. Joana hadert mit ihrem Leben und blickt in die Vergangenheit zurück. Der Tante war Joana unheimlich, Otávio war überfordert mit ihrer Phantasie: "Oh, verschone mich, hörte Joana aus Otávios Schweigen. Aber gleichzeitig mochte sie es, laut zu denken und ohne bestimmte Richtung einen Gedankengang zu entwickeln, der sich einfach weiterspann. Manchmal erfand sie aus reinem Vergnügen Gedanken [...]" (S. 121). Am Ende des Romans sieht sie jedoch voller Zuversicht in die Zukunft, sieht sich als starke und unabhängige Frau, die keine Angst hat.

Der Text ist voller Bilder und Vergleiche, die manchmal wunderschön sind, manchmal aber auch einfach rätselhaft. Es gibt viele Wiederholungen, wie um bestimmte Gedanken zu fassen zu bekommen. Insgesamt spricht aus dem Roman eine kraftvolle Stimme, allerdings hatte es für mich wenig Unterhaltungswert und ich habe mich wirklich stellenweise gequält.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Wieder ein Krimi unter dem Thriller-Deckmäntelchen

Perfect Secret – Hier ist Dein Geheimnis sicher
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Schon öfter war ein Pick aus dem Reese-Witherspoon-Book Club für mich eher eine Enttäuschung. Leider war das auch hier der Fall. Der Krimi, man kann es gar nicht Thriller nennen, kommt sehr behäbig daher. ...

Schon öfter war ein Pick aus dem Reese-Witherspoon-Book Club für mich eher eine Enttäuschung. Leider war das auch hier der Fall. Der Krimi, man kann es gar nicht Thriller nennen, kommt sehr behäbig daher. Deswegen hatte ich auch kein Problem damit, ihn nach der Hälfte erstmal für einige Wochen wegzulegen, weil anderes dringender war.

Avery ist Managerin für einige Ferienhäuser, die den wohlhabenden Eltern ihrer Freundin Sadie Loman gehören. Zum Saisonende wird eine Party in einem der leerstehenden Häuser veranstaltet. Alle kommen, bloß Sadie fehlt. Als die Polizei auftaucht, denken noch alle an eine Beschwerde wegen Ruhestörung. An den Felsen wurde jedoch die Leiche von Sadie gefunden und der Tod schließlich als Selbstmord eingestuft. Ein Jahr später findet eine Gedenkfeier für die Verstorbene statt und da kommt einiges ans Licht.

Mich hat das Buch interessiert, weil es in einem kleinen Küstenort in Maine spielt (liebe das Setting). Die ersten Seiten machten mich auch richtig glücklich, weil der Wohnsitz der Familie Loman von den Einheimischen Breakers genannt wird. Eine Anspielung auf das Anwesen der Familie Vanderbilt in Newport, Rhode Island, das ich im Januar besucht hatte. Tja, aber dann plätscherte die Handlung so vor sich hin. Die Geschichte wird von Avery in der Ich-Perspektive geschildert und die Kapitel springen zwischen Sommer 2017 (Party) und Sommer 2018 (Gedenkfeier) hin und her. Es dauert ziemlich lange, bis man sich ein Bild von allem und jedem machen kann und das nervt irgendwie. Auf den letzten 100 Seiten überschlagen sich die Ereignisse und es wird tatsächlich ein bisschen spannend, das wiegt die 300 Seiten vorher aber nicht auf. Zudem hat man nicht das Gefühl, dass die Charaktere alle um die dreißig sind, ich hatte immer Teenager vor Augen. Das Buch liest sich eigentlich ganz schnell, zieht sich aber durch die beschauliche Story wieder in die Länge. Mich hat außerdem gestört, dass zu Beginn nicht erklärt wird, was diese ominöse Plus-One-Party ist, die ständig erwähnt wird. Vielleicht bin ich auch die einzige, die den Begriff nicht kannte. Allerdings heißt es auch im Buch, dass jeder, der von der Party hört, auch eingeladen sei. Das widerspricht ja dem Sinn, dass nämlich jeder Eingeladene auch einen Gast (Plus One) mitbringen darf. Es wäre insgesamt auch sinnvoller gewesen, den originalen Titel "The Last House Guest" beizubehalten. Wer den Lesenden zutraut "Perfect Secret" zu übersetzen, denen kann auch der Original-Titel zugemutet werden.

Krimi für zwischendurch, der sich rasch liest, wenn man dranbleibt und am Ende auch ein bisschen überrascht. Allerdings verspricht der Klappentext mal wieder Dinge (ultimativer Thriller; Spannung bis zur letzten Seite), die aus meiner Sicht nicht gehalten werden können.

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Verwirrende Suche

Kaiserwald
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Ich hatte Schwierigkeiten in diesen Roman zu starten. Erzählt wird aus der Sicht von Mathilda (2023), Rebecca (1997) und Penelope (ohne Jahr) und Xenia (ohne Jahr) jeweils in recht kurzen Kapiteln, so ...

Ich hatte Schwierigkeiten in diesen Roman zu starten. Erzählt wird aus der Sicht von Mathilda (2023), Rebecca (1997) und Penelope (ohne Jahr) und Xenia (ohne Jahr) jeweils in recht kurzen Kapiteln, so dass man schon einige Seiten lesen muss, um alle Namen sortieren und sich Verbindungen erschließen zu können. Das ist zu Beginn etwas mühselig. Jede Figur hat eine eigene Schrifttype. Das soll der Unterscheidung dienen, macht es aber auch optisch recht unruhig. Es kristallisiert sich heraus, dass Mathilda den Kontakt zu einer reichen Familien sucht, um dort etwas in Erfahrung zu bringen. Sie hat sich extrem gut auf diese Kontaktaufnahme vorbereiten, die ihr wider Erwarten mehr als gut gelingt. Rebecca ist Lehrerin in Riga und fühlt sich zum Vater einer Mitschülerin hingezogen. Penelope ist deren Tochter, die zu den Großeltern ins Allgäu zieht, weil ihre Mutter verschwunden ist. Wie alles zusammenhängt, kann man sich teilweise recht schnell denken, anderes bleibt bis zum Ende im Dunkeln.

Die Entwicklung um Mathilda ging mir ein bisschen zu rasch, um glaubwürdig zu sein, aber gut, sei's drum. Der Schreibstil der Autorin läßt sich sehr gut lesen. Der Roman ist auch durchaus spannend, aber durch die vielen kurzen Kapitel wird er doch recht zerhackt. Irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen, aber das soll anderen die Lust auf diesen Roman nicht nehmen. Allerdings wird es zwingend erforderlich sein, auch den zweiten Band "Sonnenwende" zu lesen, der im Herbst erscheint, wenn man wissen will, wie die Geschichte sich auflöst.

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Schleierwolken vor dem Licht

Das Licht in den Birken
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Als leichte Sommerlektüre kann dieser Roman ohne weiteres gelesen werden und läßt uns den Alltag mit all seinen kleinen miesen Falltüren gerne kurz vergessen. Mehr vermag das Buch jedoch nicht. Manchmal ...

Als leichte Sommerlektüre kann dieser Roman ohne weiteres gelesen werden und läßt uns den Alltag mit all seinen kleinen miesen Falltüren gerne kurz vergessen. Mehr vermag das Buch jedoch nicht. Manchmal ist das aber ja auch genug.

Auf einem heruntergewirtschafteten Gnadenhof in der Lüneburger Heide treffen der grummelige Besitzer Benno und seine neue Untermieterin Thea aufeinander. Thea, die einst wegen einer verflossenen Liebe nach Portugal ausgewandert war, will nun wieder in Deutschland Fuß fassen. Die beiden Mittfünfziger werden sofort von einer dritten Person, der jungen Juli ergänzt, die von Benno mit verletztem Fuß im Wald aufgelesen wird, wo sie gerade noch eine fast schon spirituelle Wolfsbegegnung hatte.

Und jetzt wechseln sich praktisch alle Charaktere (inklusive Tiere) darin ab, seelisch und körperlich erst zu erkranken und dann wieder zu gesunden - mehr oder weniger. Dazu kommen Geldsorgen und Familienprobleme, letzteres auch wieder bei allen dreien. Auf knapp 350 Seiten wird in unfassbar schneller Abfolge ein Problem nach dem anderen abgearbeitet. Die Charaktere sind zudem nicht rund. Wer ewig und drei Tage allein auf seinem Hof wirtschaftet, ändert sich nicht von jetzt auf gleich in eine gesellige Type. Und eine Frau, die zwanzig Jahre in Portugal als Kellnerin und Ziegenhirtin eher einsam gelebt hat, kann auch nicht auf einmal für alle Schwung in die Bude bringen.

Romy Fölck schafft es aber trotz dieser Mängel, die Story charmant rüberzubringen. Der Roman liest sich leicht und schnell und ja, wenn Benno morgens seinen Chilikaffee auf der Terrasse trinkt und das Licht durch die Birken dringt - dann möchte man doch ganz gerne daneben sitzen. Die Perspektiven der drei Hauptcharaktere wechseln sich regelmäßig ab und jeder darf mal im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen und von den anderen betüddelt werden.

Wer also nicht mehr erwartet als einen leichten Sommerroman mit einer irrwitzig schnell fortschreitenden Handlung innerhalb von wenigen Tagen, sowie zahlreichen Problemen nebst rascher Lösung, der wird sicherlich gut unterhalten werden.

Das romantisch vernebelte Cover des Buches passt übrigens eher zu der Krimireihe von Romy Fölck.

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