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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2024

Spannend umgesetzt

Vierzehn Tage
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Wir erinnern uns vermutlich alle nur zu gut an das Frühjahr 2020 - die Unsicherheit, nicht zu wissen, was da auf uns zukommt und doch die Gewissheit, dass es etwas Großes und die Welt veränderndes ist. ...

Wir erinnern uns vermutlich alle nur zu gut an das Frühjahr 2020 - die Unsicherheit, nicht zu wissen, was da auf uns zukommt und doch die Gewissheit, dass es etwas Großes und die Welt veränderndes ist. Die COVID-Pandemie. Auch New York wurde regelrecht überrannt von der Welle und schockiert in den lock down geschickt. Genau darum geht es in diesem Buch, an dem 36 Autor:innen beteiligt waren. Doch es ist keine Anthologie, wie ich sie kenne, in der mehrere Kurzgeschichten von verschiedenen Schreibenden enthalten sind. Nein, es ist eine große Zusammenhängende Story, in der mehrere kleinere Erzählungen enthalten sind. Manche davon waren mir etwas zu verworren oder verrückt, deswegen hat es „nur“ für 4,5 Sterne für mich gereicht, aber die Grundidee finde ich richtig klasse. Denn durch den Lockdown treffen sich die Bewohner eines NewYorker Hochhauses auf der Dachterrasse und erzählen sich gegenseitig Geschichten, so bilden sie eine Einheit innerhalb der vielen Einzelschicksalen und der zwangsweise angeordneten Isolation. Und die Wendung am Ende hatte ich nicht erwartet. Da ich das Hörbuch gehört habe, habe ich nicht erkennen können, wer bzw. wessen Schreibfeder hinter der jeweiligen Teilerzählung steckt und nur manchmal konnte man einen etwas anderen Erzählstil ausmachen. Daher finde ich dieses Projekt richtig spannend und toll umgesetzt. Unbedingt lesen, denn inzwischen sind die teilweise schmerzhaften Erinnerungen an die Isolation der Pandemie etwas abgeklungen. Für mich war es das erste Buch, das die Zeit der Pandemie beleuchtet hat.

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Veröffentlicht am 17.06.2024

Hochaktuell

Ungleich vereint
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Ungleich vereint ist ein enorm zeitaktuelles Buch, wenn man sich die Ergebnisse der Europawahl anschaut und welche Partei da in den neuen Bundesländern vorne liegt. Woran liegt es, dass Osten und Westen ...

Ungleich vereint ist ein enorm zeitaktuelles Buch, wenn man sich die Ergebnisse der Europawahl anschaut und welche Partei da in den neuen Bundesländern vorne liegt. Woran liegt es, dass Osten und Westen so unterschiedlich ticken, nach all den Jahren nach der Wiedervereinigung. Obwohl in den Neunzigerjahren vorhergesagt wurde, die Unterschiede würden sich angleichen, scheint es doch eher eine emotionale, geographische und soziale Trennung oder zumindest weiterhin große Unterschiede zu geben. Diesen geht dieses Buch sehr genau und anhand von Studien und Erinnerungen an der Geschichte Deutschland sowie der topographischen Besonderheiten und damit einhergehenden anderen Ängsten was die Lage und Situation des Krieges in der Ukraine angeht.
Mir hat das Sachbuch meine Gedankenanstösse gegeben, warum Osten und Westen noch immer ungleich sind, obwohl es schon so lange vereint ist. Zudem gibt es einige Lösungsvorschläge, daher hoffe ich, dass die entsprechenden Personen dieses Buch entdecken werden.

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Veröffentlicht am 17.06.2024

Eindrucksvolle Perspektiven

Und alle so still
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Es ist ein interessantes Gedankenspiel zu einem Fakt, den wir alle nicht abstreiten können - einen Großteil der Care-Arbeit verrichten Frauen. Allerdings möchte ich kurz erwähnen, dass auch viele Männer ...

Es ist ein interessantes Gedankenspiel zu einem Fakt, den wir alle nicht abstreiten können - einen Großteil der Care-Arbeit verrichten Frauen. Allerdings möchte ich kurz erwähnen, dass auch viele Männer diese Aufgaben übernehmen, sie werden immer schnell bei solchen Gedankenspielen vergessen, dennoch sind Frauen trotz der Vielzahl und bei aller Gleichberechtigung noch benachteiligt (pay gap um nur ein Beispiel zu nennen). Bei diesem Buch finde ich es aber gut, dass eben die männliche Perspektive nicht ganz vergessen wurde. Wir erleben die Geschichte aus den Perspektiven der Influencerin Elin, der Krankenschwester Ruth und des Niedriglohnjobbers Nuri. Zudem haben wir noch zwei ich-Erzähler Stimmen, die ich sehr spannend fand, die Sicht einer Pistole und die einer Gebärmutter - sie bleiben, obwohl klar ist, worum es geht ein wenig geheimnisvoll und erst zum Schluss klärt sich, was es genau mit diesen beiden besonderen Perspektiven auf sich hat. Das fand ich besonders eindrucksvoll.

Was passiert, wenn die Frauen ihre Arbeit niederlegen und alles still und sprachlos wird? Der Roman spielt jedenfalls gut mit diesem Bild.

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Veröffentlicht am 08.06.2024

Wundervoller Klassiker

Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen
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Jane Austens Stolz und Vorurteil gehört seit Jahrhunderten zu der bekanntesten Lovestory und ist für mich der Vorreiter des Haters-to-Lovers Trope. Diese Graphic Novel ist wundervoll gestaltet und die ...

Jane Austens Stolz und Vorurteil gehört seit Jahrhunderten zu der bekanntesten Lovestory und ist für mich der Vorreiter des Haters-to-Lovers Trope. Diese Graphic Novel ist wundervoll gestaltet und die Illustrationen passen perfekt zu der Geschichte. Da geraten nicht nur Regency-Fans ins Träumen.
​Den Grundstoff des Klassikers kannte ich natürlich bereits, wie auch einige der zahlreichen Verfilmungen, daher war es jetzt für mich nichts Neues, aber es war das erste mal, dass ich ein mir bereits sehr vertrautes Buch nun als Graphic Novel gelesen habe. Die Handlung ist zwar komplett, wirkt auf mich aber sehr verkürzt, was sicherlich am Medium liegt und manchmal fand ich es schwierig, die Geschwister auseinander zu halten (außer Jane, die heraussticht). Aber der Fokus liegt ja auch eindeutig auf den Illustrationen. Und ich bin mir sicher, dass Stolz und Vorurteil so auch wieder eine ganz andere Leserschaft erreichen kann.

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Veröffentlicht am 02.06.2024

Grandios erzählt

Mein Name ist Estela
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Estela erzählt ihre Geschichte und spricht dabei immer wieder die Zuhörer direkt an, wobei man manchmal das Gefühl hatte, sie meint damit die Leser, ganz klar, wird es allerdings nicht. Jedenfalls fand ...

Estela erzählt ihre Geschichte und spricht dabei immer wieder die Zuhörer direkt an, wobei man manchmal das Gefühl hatte, sie meint damit die Leser, ganz klar, wird es allerdings nicht. Jedenfalls fand ich die Struktur des Buches grandios. Denn man weiß von Anfang an, dass Estela, ein Kindermädchen, den Hergang eines tragischen Kindstod berichtet, aber was genau passiert und wer schuldig ist (Estela scheint da unter Verdacht zu stehen oder zumindest darin verstrickt) erfährt man dann erst gegen Ende. Die Bedrohlichkeit, die sich somit langsam aufbaut war spannend. Nebenher werden Sozialkritik eingeflochten und die Verhältnisse in denen Estela aufgewachsen ist. Zudem der Umgang der Eltern mit dem verunglückten Kind, die Erwartungen und der Druck dem dieses manchmal nur noch mit einem Verhalten reagieren konnte, was Estela gelegentlich an ihrer Zuneigung zu dem Kind zweifeln ließ.

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