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Rebekka

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2026

Mehr Frust als Leselust

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Ich lese gern Spionage- und Agentenromane, aber dieses Buch lässt mich frustriert zurück. Als ich es am Ende aus der Hand legte, konnte ich nicht mal sagen, worum es sich handelt. Um eine Polit-Satire? ...

Ich lese gern Spionage- und Agentenromane, aber dieses Buch lässt mich frustriert zurück. Als ich es am Ende aus der Hand legte, konnte ich nicht mal sagen, worum es sich handelt. Um eine Polit-Satire? Eine Tragikomödie? Eine Persiflage? Ein Agententhriller ist es jedenfalls nicht.

Dabei fing es so gut an! Die Zeit des Umbruchs nach dem Zerfall der Sowjetunion ist mir selbst noch gut in Erinnerung. Damals dachten wir, es sei vorbei mit der atomaren Bedrohung, der Unterdrückung Andersdenkender und den Reisebeschränkungen in den Sozialistischen Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs und mit der Angst der Westeuropäer vor den Russen. Die eingangs geschilderte Gartenparty der russischen Botschaft in Rom spiegelt diese Aufbruchstimmung wunderbar wider. Aber das war’s dann auch mit dem Positiven, das ich aus diesem Buch mitgenommen habe. Die Handlung ist mir zu abgedreht.

Und nicht nur das: mir leuchtet überhaupt nicht ein, warum Kristof Magnusson ausgerechnet einen Misanthropen mit autistischen Asperger-Zügen zu einem Agenten gemacht hat. Einen Mann, der zu keinem Small Talk in der Lage ist und nie weiß, wie er sich anderen Menschen gegenüber verhalten und mit ihnen sprechen soll? Der wirbt Spione an?

Und dann der Dichter, den sich dieser Mensch aussucht, um seiner bevorstehenden Arbeitslosigkeit als Doppelspion und Maulwurf beim BND entgegenzuwirken. So naiv, arglos, kindlich und unpolitisch waren die jungen Leute damals wirklich nicht, nicht mal die verträumten Poeten.

Nach einem in die Länge gezogenen Mittelteil schöpfte ich beim letzten Viertel Hoffnung und dachte: „Das wird vielleicht doch noch was!“ Und dann war die Geschichte plötzlich zu Ende, einfach so, mitten in einer interessanten Szene. Viele Fragen wurden nicht beantwortet, lose Fäden nicht verknüpft. Wenn das ein Cliffhänger sein und auf weitere Bücher über diese Protagonisten neugierig machen soll, kann ich nur sagen: Hat bei mir nicht funktioniert.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Leider keine Agatha Christie

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Das ist mal ein Setting: Eine mit einer Erpressung verbundene Einladung zu einer Party, eine Versteigerung mit äußerst dubiosen Bietern, ein heulender Schneesturm, eine heruntergelassene Zugbrücke, die ...

Das ist mal ein Setting: Eine mit einer Erpressung verbundene Einladung zu einer Party, eine Versteigerung mit äußerst dubiosen Bietern, ein heulender Schneesturm, eine heruntergelassene Zugbrücke, die jede Flucht verhindert und dann natürlich eine Leiche im Zimmer der Diva – es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn diese Mixtur nicht einen herrlich altmodischen, verschrobenen Krimi ergeben würde. Genau die Lektüre, die ich liebe. Dachte ich wenigstens.

Aber ich hatte mich geirrt. Und das aus mehreren Gründen.

1. Die Protagonisten waren mir durch die Bank weg wenig sympathisch oder auch nur bemerkenswert - weder die abweisende, dauerrauchende Mimi noch ihre betrogene, unentschlossene Enkelin Addie oder die Gastgeber und Gäste der Party. Keine/r von ihnen hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das ließe sich ja noch verkraften, aber dann,

2. ging mir die Autorin schon nach kurzer Zeit mit ihren ständigen, gerne auch auf Englisch und in Kursivschrift gehaltenen, Hinweisen auf Filme und Computerspiele auf die Nerven. Sie tat das so gewollt beiläufig, als müsse jeder Leser, jede Leserin wissen, worum es sich handelt. Ich kannte weder die einen noch die anderen und ärgerte mich.

3. sind die beiden Hobby-Detektivinnen weit davon entfernt, den Spürsinn von Miss Marple oder dem vielzitierten Hercule Poirot zu beweisen. Auch der Vergleich von Kelly Mullen mit Agatha Christie hinkt. Wo die große alte Dame des englischen Krimis ihre Hinweise so dezent anbringt, dass nur Hercule Poirot oder Miss Marple sie entdecken und der Leser/die Leserin zum Schluß verzweifelt feststellt: „Das hätte ich auch bemerken müssen“, verteilt Kelly Mullen Indizien wie die bunten Papierchen bei der Konfetti-Parade in New York – und die beiden Detektivinnen raffen nichts oder doch viel zu spät. Mehr will ich nicht schreiben, um nicht zu spoilern.

Positiv sind mir das sehr schöne Cover und der gut lesbare, flüssige Schreibstil aufgefallen. Für einen nebligen Winterabend ist das wahrscheinlich zur Unterhaltung ausreichend. Deshalb vergebe ich drei Sterne.

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Veröffentlicht am 19.06.2024

Nicht überzeugt

Toskanisches Verhängnis
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„Offenbar ein Cosy-Krimi, den man mit Vergnügen liest“ dachte ich nach der Leseprobe dieses Buches. Selten habe ich mich so geirrt. Schon auf Seite 50 hatte ich genug von der Geschichte. Es traten verwirrend ...

„Offenbar ein Cosy-Krimi, den man mit Vergnügen liest“ dachte ich nach der Leseprobe dieses Buches. Selten habe ich mich so geirrt. Schon auf Seite 50 hatte ich genug von der Geschichte. Es traten verwirrend viele Akteure auf, von denen die Autorin offenbar annahm, man müsste sie und ihre Beziehungen untereinander kennen, denn sie gab dazu keinerlei Erklärung ab. Dummerweise hatte der Verlag auch noch das Personenverzeichnis, das geholfen hätte zu verstehen, wer mit wem verwandt, bekannt oder beruflich verbunden ist, ans Ende des Buches gestellt. Da ich einen Roman von vorn bis hinten lese, entdeckte ich es erst, als ich am Schluß angelangt war. Sehr frustrierend.

Auch der Kriminalfall hat mich nicht überzeugt. Eine Villenbesitzerin wird ermordet und niemand trauert um sie. Ihre Verwandten und sie selbst sind äußerst unsympathisch, die Ermittlungen ziehen sich in die Länge und die privaten Geschichten der handelnden Personen nehmen für meinen Geschmack einen viel zu breiten Raum ein.

Kein Buch, das ich weiterempfehlen würde.